Wenn ich eine GmbH gründe muss ich ja 25000€ haben?Nur wer will die in welcher Form sehen?Muss das Bargeld sein oder reichen Vermögenswerte.Wird das Geld gesperrt?
Wenn ich eine GmbH gründe muss ich ja 25000€ haben?Nur wer
will die in welcher Form sehen?Muss das Bargeld sein oder
reichen Vermögenswerte.Wird das Geld gesperrt?
Hallo,
das Stammkapital der GmbH muß auf dem Konto derselben vorhanden sein. Das Geld steht der GmbH zur Verfügung. Bitte nimmm den Satz wörtlich! Das Geld steht der GmbH zur Verfügung, nicht etwa einem Gesellschafter oder dem Geschäftsführer zur freien Verwendung. Achte unbedingt auf strikte Trennung von Vermögen, das der Kapitalgesellschaft gehört einerseits und
privater Kasse andererseits.
An Stelle von Bargeld kann man auch Sachwerte als Stammkapital einbringen. Ein von der Handelskammer bestellter Gutachter wird dabei eine Wertschätzung der Gegenstände vornehmen. Aber: Von Büromöbeln und einem Gebrauchtauto kann man keine Rechnungen bezahlen und auch mit dem GF-Gehalt siehts mau aus, wenn Bares fehlt. So eine Habenichtsfirma ist bei der ersten verspätet eingehenden Zahlung zahlungsunfähig und ein Fall für den Insolvenzantrag. Manche Sachgründung ist schon pleite, bevor sie überhaupt das erste Geschäft tätigen konnte. Mancher frisch gebackene GF einer Sachgründung steht vom ersten Tag an mit einem Bein wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht.
Bei einer Sachgründung oder einer Gründung mit nicht voll eingezahltem Stammkapital muß der GF genau wissen was er tut. Deine Fragestellung läßt darauf schließen, daß Du das aber nicht weißt. Die Fragestellung läßt ferner darauf schließen, daß Du auch kein Mensch mit kaufmännischen Kenntnissen bist. Das sind schon schwierige Voraussetzungen für eine Selbständigkeit, aber nicht zu verantwortende Voraussetzungen für einen GmbH-Geschäftsführer, der vor dem Gesetz Vollkaufmann ist und nie sagen kann „das hab ich aber nicht gewußt“. Das ist wie ein Schiffsführer ohne Kapitänspatent und ohne seemännische Ausbildung. Ein so geführter Kahn läuft mit einiger Wahrscheinlichkeit bei erster Gelegenheit auf Grund.
Bitte tue Dir selbst den Gefallen und mache Dich über die geeignete Rechtsform Deiner eigenen Existenz kundig, also z. B.: Um welches Geschäftsvolumen geht es anfänglich…mit welchen Risiken ist der einzelne Vorgang verbunden. Mußt Du unbedingt bilanzieren oder reicht eine Einnahme/Überschußrechnung. Handelt es sich überhaupt um ein Gewerbe oder ist die Tätigkeit auch freiberuflich möglich…bist Du auf stille oder tätige Teilhaber angewiesen… . Das alles sollte sich ohne weiteres aus Deinem Geschäftsplan, den Du ganz bestimmt erstellt hast, entnehmen lassen.
Gruß
Wolfgang
Wenn ich eine GmbH gründe muss ich ja 25000€ haben?Nur wer
will die in welcher Form sehen?Muss das Bargeld sein oder
reichen Vermögenswerte.Wird das Geld gesperrt?
In Ergänzung zu den Ausführungen von Wolfgang, die ich nur utnerschreiben kann in der Praxis leider aber oftmals nicht eingehalten sehe: Du scheinst liquiditätsmäßig nicht ganz so gut darzustehen, wenn Du schon Probleme hast, die T€ 25 zusammen zu bekommen. Das wiederum bedeutet aber, daß die Gesellschaft im Prinzip schon im ersten Geschäftsjahr Liquiditätsüberschüsse erwirtschaften muß oder Du Kredite brauchst, weil Du ja von irgendetwas leben mußt. Mit einer T€ 25 GmbH, die u.U. noch zum Teil durch Sacheinlage gegründet wurde, ist man aber nicht der beliebteste Kreditnehmer bei den Banken.
Dies nur nebenbei bemerkt.
Gruß
Christian
Wenn ich eine GmbH gründe muss ich ja 25000€ haben?Nur wer
will die in welcher Form sehen?Muss das Bargeld sein oder
reichen Vermögenswerte.Wird das Geld gesperrt?
hi,
auch wenn wolfgang und EXC im großen und ganzen recht haben, so gehen doch die antworten an der frage etwas vorbei bzw. es wird vieles hineininterprdiert.
deshalb kurz und klar ein paar antworten:
- die 25 t€ will im bedarfsfall das registergericht, der insolvenzverwalter oder sonstige gläubiger der bestehenden GmbH sehen - also sind die 25 t€ einlage nur im falle der insolvenz oder sonstiger wirtschaftlicher probleme nötig, im diesem fall müssen die gesellschafter der insolventen gmbh das stammkapital halt nachzahlen
- es können bargeld und/ oder vermögenswerte sein
- das geld wird nicht gesperrt, du musst bei bargründung nur aufpassen, das du einen kontoauszug des gmbh kontos nachweisen kannst, wo ausdrücklich drauf steht: „GMBH Einlage Stammkapital“,
sobald das auf dem GmbH konto gebucht ist, kannst (du) die gmbH damit machen was du willst und wenn die gmbh damit die außenstehenden Löhne des Geschäftsführers bezahlt
(ausdrücklicher verweis auf wolfgang und exc posting)
uwe
(p.s. mir fällt auf, das hier im forum des öfteren nur von problemen und fallstricken u.a. geredet wird, wenn jemand nach rat fragt, sicher ist der hinweis auf fehler richtig, aber warum wird hier alles was mit unternehmertum und der gründung usw. zusammenhängt negativ gemacht?, wenn ein untternehmer mal ein idee in den sand setzt, na und, geht davon die welt unter, dann weiss er es beim nächsten mal halt besser, der obige frager hat weder nach krediten gefragt noch gesagt er weiss nicht wie er in der Fa. liquide wird/ bleibt, noch ob seine kaufmänischewn kenntnisse ausreichen eine firma zu führen …)
Hallo Amelung,
in Ergänzung zu den anderen:smile::
Um eine GmbH anmelden zu können, musst Du von jeder Stammeinlage eines jeden Gesellschafters mindestens 1/4 und insgesamt 1/2 der Gesamtstammeinlage nachweisslich(!) eingebracht haben, ansonsten wird die GmbH nicht eingetragen. Diese Summe sollte auch während der Eintragung auf dem Konto verbleiben!
(Ach ja, als Einzelgründer musst Du mindestens die Hälfte einbringen und für den Rest Sicherheiten stellen)
Natürlich kann jederzeit die Stammeinlage als Sacheinlage eingebracht werden, der Wert muss dann allerdings in einem Sachgründungsbericht dem Registergericht nachgewiesen werden.
Grüße
Jürgen
(p.s. mir fällt auf, das hier im forum des öfteren nur von
problemen und fallstricken u.a. geredet wird, wenn jemand nach
rat fragt, sicher ist der hinweis auf fehler richtig, aber
warum wird hier alles was mit unternehmertum und der gründung
usw. zusammenhängt negativ gemacht?, wenn ein untternehmer mal
ein idee in den sand setzt, na und, geht davon die welt unter,
dann weiss er es beim nächsten mal halt besser, der obige
frager hat weder nach krediten gefragt noch gesagt er weiss
nicht wie er in der Fa. liquide wird/ bleibt, noch ob seine
kaufmänischewn kenntnisse ausreichen eine firma zu führen …)
Hallo Uwe,
…wenn ein unternehmer mal eine idee in den sand setzt, na :und, geht davon die welt unter…
Ein Gründer, der sein Vorhaben mit ganzer Kraft verfolgt, wird i. d. R. Jahre investieren, um auf einigermaßen tragfähigen Füßen zu stehen. Er wird Verzicht geübt und sehr viel gearbeitet haben. Und er wird Fehler machen. Ich rede dabei nicht von der Nebenerwerbsexistenz mit der gelegentlichen Gestaltung einer Webseite nach Feierabend und auch nicht von Gründungen, die nur aus einem Schreibtisch und einem Telefon bestehen. Der Gründer, der z. B. eine Produktidee realisiert oder einen Handwerksbetrieb gründet, kann getrost von einem vollen Jahrzehnt Aufbauarbeit ausgehen. Manchmal geht es etwas schneller, oft genug hangeln sich die Gründer aber noch viel länger durch Schmalhans-Zeiten. Oft sind Investitionen zu tätigen, die das Mindest-Gründungskapital einer GmbH um ein Vielfaches übersteigen und in der Mehrzahl aller Fälle aus Eigenkapital nicht zu leisten sind. Regelmäßig steht der Gründer unabhängig von der Rechtsform persönlich dafür gerade. Wer das Scheitern einer Gründung hinter sich hat, wird die Bezeichnung Katastrophe für den Vorgang und seine lange nachwirkenden Folgen nicht für übertrieben halten.
Eine geeignete Persönlichkeit vorausgesetzt, rate ich unbedingt zur Selbständigkeit. Nur die Wenigsten werden auf diese Weise reich. Es kann aber ein Weg der Selbstverwirklichung mit einem hohen Maß an Unabhängigkeit sein. Es gibt aber Umstände und in der Person des Gründers liegende Defizite, die diesen Weg erschweren oder sogar ungangbar machen können. Manche Fehler muß offenkundig jeder selbst machen, um zu wissen, wovon überhaupt die Rede ist, andere Fehler sind aber durch Einsicht und Vorsorge vermeidbar. Dazu gehören mangelhafte kaufmännische Kenntnisse. Mancher fällt nur deshalb schmerzhaft auf den Bauch, weil Aufträge nicht kaufmännisch und rechtlich einwandfrei in Tüte und Papier gebracht werden. Da ist nur fernmündlich verabredet, was Auftragsgegenstand sein soll, oder mehrdeutig in fremder Sprache verfaßt. Ein anderer hat keine Ahnung von Inventur, Bestandsbewertung und Gestaltungsfreiräume, läßt alles vom Steuerberater machen und wundert sich a) über dessen horrende Rechnung und b) darüber, daß er auf keinen grünen Zweig kommt. Und schließlich gründen zahllose Leute GmbHs, weil sie etwas von Haftungsbeschränkung läuten hörten. Oft tauchen im Geschäft nur sehr überschaubare Risiken auf und der einzige Gläubiger mit nennenswerter Forderung ist eine Bank, die aber mit persönlich gestellten Sicherheiten des Gründers ganz gewiß jede Haftungsbeschränkung ausgehebelt hat. Mancher gründet auch nur deshalb eine GmbH, weil er eine „richtige“ Firma haben wollte und überschaut nicht, was er sich damit womöglich vermeidbar an Kosten und laufendem Aufwand aufbürdete.
Ich halte es für dringend nötig, Gründungswillige u. a. auf die angesprochenen Punkte aufmerksam zu machen, wenn die Fragestellung entsprechende Defizite erkennen läßt. Das sind dann keine Bedenken in dem Sinne, der Gründer möge doch lieber eine angestellte Tätigkeit suchen, sondern in Richtung sorgfältigerer Planung des Vorhabens. Obwohl bestimmt jeder die Begriffe „Geschäftsplan“ oder „business plan“ schon einmal hörte, halten viele Gründer solche Planung erst für nötig, wenn es eine Bank verlangt.
Gruß
Wolfgang
Hallo wolfgang,
ich stimme dir vollkommen zu und bin deiner meinung und hab das oft genug miterleben müssen was du hier und anderswo ausführst,
aber das war nicht die frage,
ansonsten könnten wir hier ein buch darüber schreiben was alles zum unternehmertum gehört, zu beachten ist usw.
nur das problem von uns beiden ist, keiner (ausnahmen bestätigen die regel) will hören und wenn dann das kind im brunnen liegt …,
deshalb wollt ich eigentlich nur darauf hinweisen, dass die fragestellung eine andere war
**friede**
uwe
Aufsichtspflicht
HI,
auch wenn wolfgang und EXC im großen und ganzen recht haben,
so gehen doch die antworten an der frage etwas vorbei bzw. es
wird vieles hineininterprdiert.
wenn jemand fragt, ob man zwangsläufig stirbt, wenn man aus der zweiten Etage aus dem Fenster springt, lautet die korrekte Antwort „Nein.“
Dennoch wird niemand diese Antwort geben, der ansatzweise über Verantwortungsgefühl verfügt.
Vor diesem Hintergrund ist meine Antwort etwas verständlicher.
Gruß
Christian
P.S.
Ich rede Unternehmertum ganz sicher nicht schlecht, aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß manche Menschen sich selbständig machen, ohne über alle Voraussetzungen zu verfügen, in welcher Hinsicht auch immer diese fehlen mögen. Die Fragen, die hier auftauchen, erwecken mitunter den Eindruck - natürlich u.U. auch, weil Informationen nicht geliefert werden -, daß nicht nur Voraussetzungen fehlen, sondern auch bestimmte Gedankengänge.
Wenn man da entsprechende Hinweise unterläßt, ist das m.E. negativer, als wenn man jemanden auf einen Punkt lenkt, bei dem noch Nachbesserungsbedarf besteht (bestehen könnte).
Eine weitere Pleite braucht das deutsche Unternehmertum ganz sicher nicht.
Aufsichtspflicht ???
hi christian,
wenn jemand fragt, ob man zwangsläufig stirbt, wenn man aus
der zweiten Etage aus dem Fenster springt, lautet die korrekte
Antwort „Nein.“
was ist dat denn das für ein vergleich ???
Dennoch wird niemand diese Antwort geben, der ansatzweise über
Verantwortungsgefühl verfügt.
da du mich hier wohl indirekt der verantwortungslosigkeit bezichtigst ein paar ausführungen:
ich habe erlebt, dass man in deutschland immer nur von risiken, verordnungen etc. hört bevor man irgendetwas was anfängt,
am bessten ist man bleibt wohl zu hause im bett,
aber da sterben, statistisch gesehen, die meisten leute,
ich hab das anderswo schon mal ausgeführt, was zum teufel muss ein, z.b., maschinenbaugenie von betriebswirtschaft, personalführung, verhandlungsführung etc. verstehn, seine einzige aufgabe sollte nur darin bestehen geniale maschinen zu bauen/ entwerfen, für alles andere gibt es wiederum experten,
aber nachdem was hier des öfteren gesagt wird, muss der erst ein bwl studium machen, danach noch einen existensgründerlehrgang um dann am schluss festzustellen, dass in china sein patent geklont wurde und er nach all dem wissen das er nun hat, wieder in irgendeiner fabrik malochen muss,
schmarn ist auch, das
Eine weitere Pleite braucht das deutsche Unternehmertum ganz
sicher nicht.
was das deutsche unternehmertum- und natürlich auch nichtunternehmer - brauchen, sind leute die ideen haben und anpacken, nicht warten bis irgendeine ihk oder existensgründerorg ein zertifikat ausstellt das man jetzt mündig ist eine firma zu gründen, oder noch viel schlimmer wo man als arbeitsloser jetzt nur anders verwaltet werden soll
ich hab das glück, oder pech, (mag man sehen wie man will) in der ehemaligen DDR geboren zu sein und die letzten 15 (!!!) jahre wirtschaft mitzubekommen,
ich hab daraus versch. schlüsse gezogen, unter anderem:
- (zuviel) soziale wirtschaft führt unweigerlich zum chrash, mal später mal eher, mal leiser mal lauter
- arbeitsplätze schafft man nicht indem man denen die arbeit schaffen hand- und fußschellen anlegt, nur damit der heilige arbeiter nicht geschlagen wird, - er wird dann zwar nicht „blau“ der arbeit, aber er verhungert …
- wirtschaft kurbelt man nicht an indem man (noch mehr) reguliert sondern den einzellen wirtschaftsteilnehmern ihren, für alle eindeutig und nachvollziehbaren, GROB geregelten lauf lässt
wenn das wirtschaftssystem, was übrigens komplexe ist, keinen freiraum hat sich zu entfalten, dann bewegt es sich ständig in vorgeschriebenen bahnen, und wohin das führt zeigt eindrücklich die nahe und frühere geschichte,
aber viele (z.b. politiker) glauben, das die wirtschaft(sunternehmen) lediglich kompliziert sind, und das es möglich ist wenn man hier und da mal ein ersatzteil auswechselt, die bezinzufuhr drosselt, neue reifen aufzieht, regularien verstärkt/ einführt/ umschreibt etc. das es dann besser läuft
ne ne, dat wird nicht gehen,
dafür gibt es sogar mathematisch/ physikalisch nach-/ beweisbare berechnungen
(wer den unterschied zw. komplex und kompliziert nicht kennt schaut im wörterbuch nach http://www.langenscheidt.aol.de/- oder auf meiner page)
ach übrigens: WAS IST SO SCHLIMM DARAN; WENN EIN UNTERNEHMER FESTSTELLT; DASS DAS NICHT LÄUFT WAS ER SICH DA AUSGEDACHT HAT?
schlimm ist doch wohl nur, wenn er keine konsequenzen daraus zieht und/ oder nichts dazulernt.
„Vor diesem Hintergrund ist meine Antwort etwas verständlicher.“
aber viel sind wohl schon so in dem bann der regulierung gefangen, das die für jedem strauch eine vorschrift brauchen …
nix für ungut
uwe
Unternehmertum auf Teufel komm raus?
Hallo.
aber viel sind wohl schon so in dem bann der regulierung
gefangen, das die für jedem strauch eine vorschrift brauchen
…
Ich bin überhaupt nicht für Regulierung, im Gegenteil.
Ich bin jedoch dafür, daß man sich nicht nur darauf stürzt, irgendwelche tollen Produkte zu designen, sondern sich darüber Gedanken macht, ob es dafür einen Markt gibt, wer die potentiellen Kunden sind, wie man das Zeug an diesen Kunden bringen will, welche rechtlichen Probleme es geben kann und wie man diese kontrollieren will und last but not least wie man den ganzen Kram finanziert.
Wenn Du sagst, dafür gibt es Leute, halte ich dem entgegen, daß erst einmal das Geld da sein muß, um die Leute zu bezahlen und zu verwalten.
Wenn man nicht gerade auf der Kirmes Cola in Dosen verkaufen will (und selbst da gibt es so einiges an Formalia zu beachten), sollte man sicherstellen, daß man diese Dinge im Griff hat. Ansonsten findet man sich mit einiger Sicherheit in absehbarer Zeit vorm Richter wieder, ob das nun ein Straf-, Zivil- oder Insolvenzverfahren ist, ist für die möglichen Folgen fast unerheblich.
Insofern lasse ich mich nicht davon abhalten, ungefragterweise auf Risiken hinzuweisen. Wohin unbedachtes unternehmerisches Handeln führt, steht jeden Tag in der Zeitung und ich kann mich während meiner Arbeitszeit mitunter auch damit rumschlagen.
Und als Döneken am Schluß: Eine mir bekannte, selbständige Unternehmerin hat mir mal gesagt, sie wolle die ausstehenden Kredite aus dem Jahresüberschuß zurückzahlen. Daß die Dame vorher BWL studierte, macht die Sache umso witziger.
Gruß
Christian
Hallo Christian,
ich muss hier Euch beiden zustimmen…
Dir mit Deiner Meinung, dass Grundkenntnisse in der Betriebswirtschaftslehre und eine gewisse vorausschauende Planung sicher nicht falsch sind, wenn man selbständig sein will:smile:
Aber natürlich auch uwe.
Du kannst noch soviel planen, noch so gute Marktstudien machen, noch soviel BWL-Wissen haben. Wenn Du dann tatsächlich auf dem Markt bist und Dir der Wind ins Gesicht bläßt, dann sind andere Qualitäten gefragt.
BWL-KnowHow (sei es Buchhaltung, Marketing, Steueroptimierung…) kann ich mir jederzeit einkaufen, den Mut zum Risiko, das Erkennen von Chancen, die Standhaftigkeit bei Sturm, die Flexibilität zu handeln (auch mein Geschäftsmodell, mit dem ich geplant habe, über den Haufen zu schmeissen), die Fähigkeit Beziehungen zu knüpfen und zu nutzen…, das muss ich in mir haben, um Unternehmer zu sein. Und das Umfeld muss mich auch lassen.
Und aus meiner kurzen Erfahrung als Selbständiger: Das sind die Eigenschaften, die um weiten wichtiger sind, als zu wissen, wie ein Jahresabschluss zu erfolgen hat.
Denn hart ausgedrückt, wir reden nicht von Unternehmen, die langfristig planen können, sondern von Existenzgründern, bei denen im Zweifelsfall 1 Auftrag über wohl oder wehe entscheidet und die vielleicht bestenfalls(!) über 3 Monate planen können.
Grüße
Jürgen
ich hab das anderswo schon mal ausgeführt, was zum teufel muss
ein, z.b., maschinenbaugenie von betriebswirtschaft,
personalführung, verhandlungsführung etc. verstehn, seine
einzige aufgabe sollte nur darin bestehen geniale maschinen zu
bauen/ entwerfen, für alles andere gibt es wiederum experten,
aber nachdem was hier des öfteren gesagt wird, muss der erst
ein bwl studium machen, danach noch einen
existensgründerlehrgang …
Hallo Uwe,
Deine Aussagen zu den Voraussetzungen einer funktionierenden Wirtschaft kann ich vorbehaltlos unterschreiben. Reglementierungen helfen nicht, sie bremsen nur. Laßt die Leute, die etwas auf die Beine stellen wollen, frei arbeiten. Die angeblich soziale Staatsmischpoke bringt keine Unternehmensgründung auf die Füße. Ein Gründer braucht i. d. R. keinerlei IHK-Zertifikate oder sonstiges bunt bedruckte Papier. Auch ein BWL-Studium muß es nicht sein. Es reicht aber nicht, z. B. „nur“ ein sehr guter Ingenieur zu sein, um mit einer Produktinnovation am Markt Erfolg haben zu können. Kenntnisse zahlreicher benachbarter Gebiete und auch vermeintlich sachfremdes Wissen sind unverzichtbar.
Ein paar Beispiele:
Im Bereich der Invest.-Güter ist die geniale Innovation unverkäuflich, wenn die Realisierung so teuer wird, daß sich für den Käufer kein erkennbarer Nutzen ergibt. Es sind also Kenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge unverzichtbar.
Das noch so geniale Produkt führt an die Wand, wenn die Qualität nicht stimmt. Es sind also Kenntnisse sauber geplanter, reproduzierbarer Fertigungsabläufe und ihrer Kontrolle erforderlich.
Das beste Gerät wird unter Wert verschleudert, wenn Gesichtspunkte der Ergonomie mißachtet wurden. Schau Dir als eines von zahllosen Beispielen eine Stoppuhr bei Conrad an, die am Kassengang für 2,95 Euro im Grabbelkorb liegt. Die Stoppuhr hat zig Funktionen, kann beim Drücken einer bestimmten Knopfkombination die Zeit in Nex York anzeigen, bei einer anderen Knopfkombination funktioniert das Ding als Wecker, Taste lang gedrückt als Eieruhr, zweimal kurz gedrückt als… da hat eben ein Freak gebastelt. Als Stoppuhr, die nichts weiter kann, aber das gut, könnte man den 10fachen Preis erlösen. Die eierlegende Wollmilchsau kann man fast nur noch verschenken und muß dann auch noch auf die praktische Trageschlaufe hinweisen, damit das Ding überhaupt jemand nimmt.
Zahllose Beispiele chancenloser Selbständiger sind auch im Web zu beobachten. Da bietet jemand seine Dienste an, der offenkundig in Programmierung fit wie ein Turnschuh ist, aber von Ergonomie, übersichtlicher Gestaltung und Benutzergewohnheiten keine Ahnung hat. Auf seiner Seite findet sich hauchdünne rote Schrift auf dunkelblauem Grund, zahllose Cookies sind anzuklicken, noch mehr Fenster öffnen sich, Bilder drehen sich, Schriften blinken, bis schließlich ein Text erscheint: „Wenn Sie diese Seite betrachten wollen, brauchen Sie die neueste Version der xyz-Software. Bitte wechseln Sie in den Download-Bereich“. Angesichts solcher Antiwerbung von „Fachleuten“ frage ich mich, warum nur so umständlich? Es wäre viel einfacher, sofort einen Inmsolvenzantrag zu stellen.
Ein noch so gutes Produkt nützt dem Gründer wenig, wenn sein Unternehmen pleite ist, weil z. B. der Fehler begangen wurde, vergabefähige Arbeiten im eigenen Haus zu erledigen, um möglichst viele Leute in Lohn und Brot zu bringen (übrigens das schnelle Ende aller Sozial-Ideologen, die selbst erwirtschaften müssen, was sie zusammenträumen).
Oder das Ende kommt, weil eine zum Produkt gehörige Schlüsselzulieferung zur Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten führte.
Oder weil nicht unmittelbar austauschbare Fertikeiten nur bei einem Mitarbeiter lagen und der gekündigt hat.
Oder weil sich der Inhaber von einem Kunden in Entwicklungsrisiken jagen ließ, ohne selbst den Markt beurteilen zu können.
Oder weil es nur diffuse Vorstellungen gibt, wie man an seine Kunden kommt.
Oder weil es Angst, Vorurteile oder die Unfähigkeit zum Direktkontakt gibt. Das ist übrigens sehr oft anzutreffen. Da wird Vertrieb mit Klinkenputzen verwechselt, mit entsprechenden Vorurteilen belegt und lieber gewartet, daß sich ein Kunde zufällig von alleine meldet.
Ich kann diese Liste beliebig fortsetzen. Hinter jedem Beispiel stecken eine oder mehrere konkrete Fälle. Es ginge an Realität, Erfordernissen und Finanzierbarkeit vorbei, zu glauben, daß sich in einer Existenzgründung ein Dutzend hochkarätiger Fachleute und Unternehmensberater aller Fachrichtungen vereinen. Die aufgezählten Fähigkeiten und Kenntnisse müssen in ausbaubaren Ansätzen in der Person des Gründers vorhanden sein.
Wer genau schaut, bemerkt, daß diese Kenntnisse bei Leuten, die sich behaupten, tatsächlich in Personalunion vorhanden sind. Da weiß der Gemüsehändler genau, wie er seine Waren zu präsentieren hat und welche Wünsche seine Kunden haben. Er weiß, wie er zu kalkulieren und wie er mit Gastronomen und anderen Großabnehmern zu verhandeln hat. Seine Kenntnisse beschränken sich nicht auf Apfel- und Kartoffelsorten. Der selbständige Ingenieur wird, wenn er sich behaupten will, nicht nur sein eigenes Produkt beherrschen, sondern haarklein Kenntnis von der Anwendung bei seinen Kunden haben. Er wird nicht nur auf Interessenten warten, sondern wird sich seine Kunden aussuchen. Die wissen noch gar nichts davon, daß sie demnächst Kunden werden - und siehe da, es klappt, wenn der selbständige Ing. sein Handwerk versteht.
Der Fachidiot wird kein Unternehmer, der von seinem Tun dauerhaft leben kann. Vielmehr zeigt der Inhaber in der betrieblichen Praxis seinem gelernten Dreher, wie er für ein spezielles Material den Drehstahl zu schleifen hat, beantwortet im nächsten Moment der Buchhalterin, wie der Buchungssatz mit irgend einer Besonderheit auszusehen hat, verhandelt etwas später mit einem Kunden über Zahlungsbedingungen, kurz darauf mit einem Menschen von der Krankenkasse über den Beitragssatz für die Ausgleichskasse, um am Nachmittag über einer fälligen Software-Änderung zu brüten. Ob als selbständiger Metzgermeister, Inhaber einer Lotto-Annahme mit Zeitschriftenverkauf, freiberuflicher Architekt oder Ingenieur, jeder Selbständige muß diese Breitbandigkeit bringen, nur je nach Branche mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Weil ich nicht etwa von Zeugnissen, Bescheinigungen und von Amts wegen zu stellenden Voraussetzungen, sondern von der Notwendigkeit breitbandiger Kenntnisse überzeugt bin, rede ich mir hier seit Jahren den Mund fusselig. Der noch so tüchtige Gründer braucht wenigstens einen VHS-Buchhaltungskursus. Das ist der Einstieg in Begrifflichkeiten und Materie vieler betrieblicher Abläufe. Der Gründer muß sich selbst um die für ihn relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen kümmern und diese kennen. Das reicht von Einzelheiten über Verträge bis zu Patenten. Freie Rede und Ausdrucksmöglichkeiten der Körpersprache - es geht beliebig bunt zu und für alles muß der Selbständige offen und aufnahmefähig sein. Dagegen wird der noch so geniale Fachidiot vorhersehbar scheitern.
Das Scheitern kann zur Katastrophe werden, die das Leben für lange Zeit aus der Bahn wirft. Ich meine dabei nicht die Erbsenzähler, die am liebsten eine britische Ltd. gründen würden, weil eine GmbH mindestens (lächerliche) 25 T€ erfordert. Das in den Sand gesetzte Kapital ist schon bei einem Kleinbetrieb leicht um eine oder gar zwei Zehnerpotenzen größer. Und es geht um viele Jahre Arbeit mit 80-Stunden-Woche. Wer dann nach einigen Jahren wirtschaftlich am Ende ist, weil er ein guter Fachmann, aber kein Kaufmann, kein Marketingmann, kein Vertriebsmann und kein Organisator ist, hat oft einen großen Teil seines Berufslebens mit Altersversorgung, Ehe, Haus…ans Bein gebunden. Deshalb sage ich dem Existenzgründer: Verlasse Dich nur auf Deine eigenen Kräfte und Fähigkeiten, verlasse Dich nicht auf Berater und nur in überschaubaren Grenzen auf Banken und werde vor allen Dingen Kaufmann. Und damit meine ich wieder kein Diplom, sondern Denkweise und Kenntnisse.
Wenn fachliche Fähigkeiten mit den genannten Randgebieten in einer Person vereinigt sind, kann so ein Unternehmer hervorragend von Produktion und Vertrieb von z. B. Toastern für 250 € pro Stück leben, obwohl es hundert Platzhirsche am Markt gibt, die ihr Zeug für ein Zehntel unters Volk bringen und der Markt vollständig gesättigt erscheint.
Gruß
Wolfgang
Hi wolfgang,
da du so ausführlich geantwortet hast, möchte ich doch noch mal replizieren
…Es reicht aber
nicht, z. B. „nur“ ein sehr guter Ingenieur zu sein, um mit
einer Produktinnovation am Markt Erfolg haben zu können.
Kenntnisse zahlreicher benachbarter Gebiete und auch
vermeintlich sachfremdes Wissen sind unverzichtbar.
was im umkehrschluss heisen würde, ein solch guter ingenieur könnte/ darf seine idee/ produkt nicht als eigener unternehmer vermarkten,
das meinst du natürlich nicht, aber wird von vielen so gesehen, deine beispiele sind alle wahr und auch so zu sehen, aber
Die aufgezählten Fähigkeiten und Kenntnisse müssen in
ausbaubaren Ansätzen in der Person des Gründers vorhanden sein.
Wer genau schaut, bemerkt, daß diese Kenntnisse bei Leuten, die
sich behaupten, tatsächlich in Personalunion vorhanden sind.
und hier leigt ein körnchen wahrheit, diejenigen, die dies in sich vereinen werden sicherlich einen besseren start, lauf, zielankunft haben, was aber auch wieder relativ zu sehen ist
nicht jeder ist ein guter starter, läufer oder zielankommer (ich muss irgendeinen sehr allg. vergleich bringen)
also muss das genie sich resourcen suchen mit denen er trotzdem ins ziel kommt,
Der Fachidiot wird kein Unternehmer, der von seinem Tun
dauerhaft leben kann.
wenn er aber einen partner etc. hat, wird er das sehr wohl
Vielmehr zeigt der Inhaber in der
betrieblichen Praxis seinem gelernten Dreher, wie er für ein
spezielles Material den Drehstahl zu schleifen hat,
beantwortet im nächsten Moment der Buchhalterin, wie der
Buchungssatz mit irgend einer Besonderheit auszusehen hat,
verhandelt etwas später mit einem Kunden über
Zahlungsbedingungen, kurz darauf mit einem Menschen von der
Krankenkasse über den Beitragssatz für die Ausgleichskasse, um
am Nachmittag über einer fälligen Software-Änderung zu brüten.
Ob als selbständiger Metzgermeister, Inhaber einer
Lotto-Annahme mit Zeitschriftenverkauf, freiberuflicher
Architekt oder Ingenieur, jeder Selbständige muß diese
Breitbandigkeit bringen, nur je nach Branche mit
unterschiedlichen Schwerpunkten.
du kannst nicht immer nur von dir ausgehen, da ich jetzt öfters hier war weiss ich anhand deiner aktivitäten, das du dieses alles irgendwie beherrscht aber die wenigsten unternehmer können auf so ein nowhow zurückgreifen,
aber es wird vorrausgestzt das es jeder unternehmer so zu machen hat, sicherlich muss er bestimmte breitbandige kenntnisse haben, aber auch nur wieder relativ, weil wenn er ein ing. ist kann er auch rechnen und wer rechnen kann kann auch „kalkulieren“, und wenn nicht dann wird er es verdammt schnell lernen (müssen), aber er muss doch nicht erst warten bis er das alles kann, du, ich oder wer auch immer was kann, konnte das doch niemals vorneweg gleich sofort, das wurde teilweise im laufe der zeit aufgebaut …
was ich damit sagen will,
nicht soviel reden, anfangen, abschätzen, probieren, verändern, lösen, verwerfen, gleich sofort, jetzt, mit allen teilnhemrn,
und keine ewiglichen fachgespräche/ -seminare besuchen und debatieren
und wen der unternehmer zu unflexibel ist, na ja, dann halt ein andres mal, aber weiss man das (immer) schon vorneweg, und das noch als banker, der einen den kredit gibt weil ein sauber ausgearbeitetes konzept vorliegt oder den kredit nicht gibt weil ein lederjacke bekleidetes allround genie mit langem stränigen haaren darum bittet …
(vergleiche hinken immer)
uwe
Hallo Wolfgang,
grundsätzlich richtig, nur meine Meinung als Ergänzung dazu:
Wenn ich so viele Aufträge habe, dass ich permanent 80h die Woche arbeiten kann und muss (und erklär mir jetzt bitte nicht, dass man sich als nicht entwickelnder Betrieb ohne Aufträge 80h die Woche mit Marketing beschäftigen kann, in meinem Markt jedenfalls nicht), dann ist es spätestens Zeit, sich z.B. Buchhaltungsressourcen zuzulegen und sein Buchhaltungswissen verkümmern zu lassen… Dann bist Du auch schnell wieder bei „vernünftigen“ 60h angekommen. Alles andere ist Verschwendung Deiner eigenen (hochwertigen) Ressourcen an rel. primitive Umfänge.
Denn gerade bei Unternehmern, die von sich behaupten, sie müßten permanent 80h die Woche arbeiten, mutmaße ich ein erhebliches Delegationsproblem (was auch in IMHO irrationaler Pfennigfuchserei begründet sein kann nach dem Motto: warum soll ich 200 EUR für die Buchhaltung ausgeben, kann ich doch selber.) Also meine Freizeit ist mir jedenfalls die 200 EUR wert!
Grüße
Jürgen
Wenn ich so viele Aufträge habe, dass ich permanent 80h die
Woche arbeiten kann… dann ist es spätestens Zeit,
sich z.B. Buchhaltungsressourcen zuzulegen…
Hallo,
der sich für Geschäftsinhaber ergebende hohe Zeiteinsatz hat viele Gründe. In der Anfangszeit (oft auch noch Jahre später) muß fehlendes Kapital durch eigenen Arbeitseinsatz weitgehend ersetzt werden. Wer ein eigenes Produkt entwickelt/pflegt/betreut, hat ohnehin einen nach oben offenen Einsatz zu erbringen. Delegieren ist dabei abgesehen von wirtschaftlichen Problemen eine nur in der Theorie funktionierende Vorgehensweise. Da geht es zumeist derart bunt und interdisziplinär zu, daß der Job entweder von einem einzigen leistungsfähigen Universal-Leistungspferd zu erledigen ist oder von einer ganzen Gruppe spezialisierter Leute. Aber auch alle anderen Gründer werden einen sehr ähnlichen Effekt bemerken: Die Zeit wird von vielen verschiedenen Arbeiten zerrissen. Fast jede Arbeit könnte dabei von einem Spezialisten übernommen werden, wenn der Umfang nur ausreichend groß wäre. Das lächerliche Dutzend Buchungen pro Woche lohnt die Vergabe nicht, für eine Handvoll Bestellungen kann man keinen Einkaufer beschäftigen, für ein paar hundert Lagerpositionen keinen Lageristen einstellen, für ein Fahrzeug keinen Fuhrparkmenschen, für 2 zu vernetzende Rechner keinen System-Sonstwas, für zwei Angebote pro Woche, von denen jedes u. U. etliche Stunden Arbeit bedeutet, keinen Spezi beschäftigen - es ist eben die Vielzahl der Arbeiten und deren bunte Mischung. Viele Dinge, die sich durchaus für Lohnfertiger eignen, scheitern an zu kleiner Stückzahl. Das Zwölfteldutzend ist eine sehr unglückliche Losgröße.
Sucht der Inhaber dann in der Beschäftigung von Mitarbeitern seine Entlastung, wird er sehr bald deren einseitig angelegte Schmalspurfähigkeiten bemerken. Die Schreibkraft, die einen sauberen Geschäftsbrief nach gegebenen Stichworten formulieren und die Ablage organisieren kann, muß man schon suchen. Wenn dann auch noch von der gleichen Kraft simple andere Dinge verlangt werden, z. B. einfache Buchungssätze nach vorgegebener Kontierung, eine Lohnabrechnung für die Putzfrau, eine Excel-Tabelle, die schlichteste Bildbearbeitung am PC oder das Verpacken von Ware, einschließlich Erstellung von Lieferschein und Paketzettel, muß man nach so einer Kraft lange und zumeist vergeblich suchen. In den handwerklichen Berufen siehts ähnlich traurig aus. Da haben es größere Betriebe einfacher. Dort fällt von jeder piffeligen Arbeit so viel an, daß sich damit jemand beschäftigen läßt, der oder die aber nur in der Lage ist, genau diesen piffeligen Arbeitsschritt zu bewältigen. Der Kleinbetrieb braucht i. d. R. Leute, die mehr können und solche Leute sind praktisch nicht am Markt. Suche einmal einen richtigen Feinmechaniker. Ich meine keinen Dreher, Fräser oder Schweißer, sondern einen Menschen, der das gesamte klassische Spektrum der Metallbearbeitung beherrscht - ist so gut wie aussichtslos. Das gleiche Bild bei anderen breit ausgebildeten Leuten, etwa Mechatroniker oder Physiklaboranten. Die sind für Geld nicht zu finden. Beim Kleinbetrieb geht es über die Breite dieser Berufe oft noch weit hinaus.
Ich hatte das große Glück, vor dem Studium und vor der Industrietätigkeit eine Lehre im Handwerk mit Einzelhandel gemacht zu haben. Reparatur von Rundfunk- und Fernsehgeräten, nebst Plattenspielern, Tonbandgeräten, Bügeleisen und ähnlichem Gedöns sowie Antennenbau war das Berufsbild. Aber auch Ware versenden und bestellen, im Laden verkaufen, die Schaufenster putzen oder mal für Kunden ein paar Weihnachtspakete packen, waren Alltag. Der Kleinbetrieb ist nun einmal der Anfang oder (oft sogar das Ziel) jeder Gründung. Da geht es bunt zu und dafür gibts keine geeigneten Leute. Deshalb funktioniert das Delegieren zumeist nur in den klugen Reden Außenstehender. In der Praxis arbeitet der Inhaber an mindestens 6 Tagen pro Woche 12 Stunden oder noch mehr.
Gruß
Wolfgang
100% agree, mit Stern, ohne Text
ohne Text = ohne Text
Hallo Wolfgang,
Deshalb funktioniert das Delegieren zumeist nur in den
klugen Reden Außenstehender.
Das beziehe ich jetzt mal persönlich, wobei ich hier schon anmerken möchte, dass ich für mein Unternehmen nicht unbedingt Außenstehender bin. Und ich werde mich nicht mehr als notwendig (Kontenkontrolle) mit der Buchhaltung beschäftigen, da mir persönlich meine Zeit zu teuer und zu schade ist, als dass ich das IMHO lächerliche Geld für einen Steuerberater durch meinen eigene Arbeitseinsatz (vor allem bei persönlicher Vollauslastung) sparen würde. Und mit delegieren meine ich sicher nicht nur eigene Ressourcen, sondern durchaus auch zugekaufte.
In der Praxis arbeitet der
Inhaber an mindestens 6 Tagen pro Woche 12 Stunden oder noch
mehr.
Kommt wie schon gesagt auf Dein Geschäft an. Ich persönlich bin der Meinung, bei meinem Geschäft käme bei einem solchen Dauerarbeitseinsatz ein mittelfristig unverkäufliches (weil extrem fehlerbehaftetes) Produkt heraus… Was nicht heißt, dass ich nicht auch solche Wochen kenne…
Suum cuique
Jürgen