Hallo Wolfgang
ja, damit hast du Recht.
Ich sehe aber im aktuellen Fall eher die Möglichkeit, dass
dieses Kind austestet, was so geht bei seinen Altvorderen. Und
Siehst Du, und da schätze ich die Lage anders ein. Ein
zweijähriges Baby tut nichts „austesten“; sein Verhalten so zu
sehen, wäre ein Mißverständnis.
Natürlich wird ein zweijähriges Kind nicht bewusst irgendwas austesten. Aber das Leben eines Kleinkindes ist nichts anderes als ein ständiges Ausprobieren und daraus Lernen. Also lernt es, wenn es abends nach genügendem Theater aus dem Bett ins belebte Wohnzimmer geholt wird, ganz schnell, dass das viel interessanter ist als das langweilige Bett und das dunkle Zimmer. Das geht von heute auf morgen, ganz fix.
In dem Alter ist vielmehr erst
die Fähigkeit, Angst, Wut usw. zu empfinden, erst im Entstehen
begriffen. Der Begriff von „Macht“ usw. ist noch ferne
Zukunftsmusik, darum ist ein Baby unschuldig, und darum ist es
kein Fehler, ihm mal ein paar Zugeständnisse zu machen.
Natürlich sind Ausnahmen möglich. Ich schrieb ja auch in der letzten Antwort, dass immer Flexibilität nötig ist, je nach Lage der Dinge. Manchmal sind die Tage laut und anstrengend und das Einschlafen wird schwierig. Dann muss man darauf reagieren. Damit weicht man schon vom Ritual ab. Trotzdem würde ich versuchen, so nah wie möglich an abendlichen Gewohnheiten zu bleiben. Das heißt für mich, dass ich mich wie immer im Zimmer aufhalten würde, vielleicht ein bisschen rumtragen oder einfach länger bleiben, damit Ruhe einkehrt. Man kann auch im Rahmen von außergewöhnlichen Situationen reagieren und Zugeständnisse machen.
Natürlich ist es viel bequemer, das Kind einfach mitzunehmen und dem gewohnten (Erwachsenen-)abendprogramm nachzugehen.
Es liegt mir fern, das zu bekritteln. Ich möchte nur allgemein
bemerken, daß nicht nur viele Anfrager, sondern auch viele
Experten in diesem Forum ein leichteres Leben hätten, wenn sie
nicht dem Kinde einen höheren Entwicklungsstand als den
tatsächlichen abverlangen würden.
Es ärgert mich jetzt, dass du mir durch die Blume vorwirfst, ich würde eine Überforderung kleiner Kinder propagieren. Ich stehe zu einer gewissen Ordnung und Grenzen auch schon im Leben eines Kleinkindes und das hat nichts damit zu tun, dass ich den Entwicklungsstand eines Zweijährigen nicht einschätzen kann.
Im übrigen bin ich nicht der Meinung, dass ein zweijähriges Kind ein Baby ist. Viele Zweijährige können schon sehr schön sprechen, ihren Willen kundtun und sind weit davon entfernt, ein Baby zu sein.
Ich wünsche dir einen schönen Tag
Liebe Grüße
Tutulla