Hallo auch,
ich habe da eine Idee und bin mir ganz und gar nicht sicher, ob sie sich verwirklichen lässt.
Vieleicht könnt Ihr mir eure Meinung dazu sagen:
Ich bin Jäger und habe, wie meine Jagdnachbarn auch, das Problem, das in unseren Revieren geschossen wird, ohne das wir davon wissen. Lediglich weil Anwohner fragen, ob wir „letzte Nacht ein Schwein geschossen haben“ kommt das raus.
Meine Idee ist, den Knall des Schusses elektronisch zu erfassen. Dafür soll alle paarhundert Meter ein Mikrofon mit „ein bisschen“ Elektronik und einem DCF-Empfänger aufgestellt werden.
Das Mikrofon empfängt alle Schallwellen, die Elektronik filtert das Geräusch des Knalls heraus. Sollte es geknallt haben, so wird die exakte Zeit gespeichert.
Aus den unterschiedlichen Zeiten der einzelnen Stationen und über die Schallgeschwindigkeit sollte sich der Ort des Schusses ziemlich genau bestimmen lassen.
Da ich gelernter Elektroniker bin ist die Hardware im Prinzip kein Problem für mich. Ich hab aber keine Ahnung wie ich den Knall am besten rausfiltern kann.
Ein Knall ist laut Internet ein Gemisch aus allen Frequenzen.
Würde mich freuen Wenn mir jemand einen Tip geben kann.
ich würde mal so sagen: Ein Knall ist zwar ein Gemisch aus verschiedenen Frequenzen, allerdings wird es bei Jagdmunition ein charakteristisches Klangbild geben, d. h. bestimmte Frequenzen werden stark angeregt und andere weniger stark. Das sind jedenfalls meine Erfahrungen aus zahlreichen Abnahmemessungen von Schießständen. Zudem herrscht im Wald nachts ein nicht zu unterschätzender Geräuschpegel (das weißt Du besser als ich). Ein Schuss wird aber immer, oder in den meisten Fällen, lauter sein als das Grundgeräusch. Prinzipiell müsstest Du eine Triggerschwelle in die Messkette einbauen, die ab einem bestimmten Schalldruckpegel eine Zeitmarkierung setzt. Vorteil an der Sache: Alleine durch die Aufzeichnung nur der Mikrofone, an denen die Triggerschwelle überschritten wurde, bekommst Du eine Vorahnung, wo geschossen wurde.
Probleme gibt es dann nur noch bei extremen Wetterlagen (Gewitter, Sturm, Windbuch etc.), weil die Triggerschwelle quasi permanent überschritten wird, aber ich denke, dass sich die Waidmänner und Frauen da ohnehin nicht im Dickicht rumtreiben.
Das wäre meiner Ansicht nach eine Methode, die Schüsse zu orten. Je nach dem, wie dicht Dein Netz aus Empfängern ist, kannst Du dann über Laufzeitberechnung mittels Schallgeschwindigkeit die Position des Schützen aus drei Messgeräten bestimmen.
Es wird Dir schwerlich gelingen, ein Filter zu programmieren, das die Schusscharakteristik erkennt, denn je nach Ausbreitungsbedingung (Wind, Wetterlage, Gelände, Bewuchs) und verwendeter Waffe und Munition sieht das Frequenzspektrum anders aus.
In diesem Sinne, Waidmannsheil, ich hoffe, meine Tipps sind hilfreich,
Hallo Achim,
die Idee ist nicht schlecht, es reichen voraussichtlich sogar die Aufnahmegeräte (die Uhrzeit kann man als Zusatz-Information speichern).
a) Ein Ausrechnen des Stanortes über die Schallgechwindigkeit würde enorm genaue Geräte benötigen, dies lohnt sich nicht.
b) Der Knall ist zwar „ein Gemisch aus allen Frequenzen“, im Gegensatz zu anderen Geräuschen ist er bei einer Daueraufzeichnung jedoch sehr gut an seinem schnellen Ansteigen und Abschwellen innerhalb Sekundenbruchteilen zu erkennen (PEAK). (Anders als Auto- oder Bell-Geräusche).
c) Mit der Aufzeichnung dieses Peaks und dem dabei je Gerät ermittelten maximalen Geräuschpegel zu diesem Peak kann man über die Schallausbreitung und die Abnahme des Schalls den Ursprungspunkt ausrechnen.
zu a: Da sehe ich kein Problem. Das DCF-Signal sagt mir genau, wenn eine neue Sekunde anfängt. Wenn ich während jeder Sekunde einen elektronischen Zähler, sagen wir bis 1000 laufen lasse, dann kann ich die Entfernung auf 30cm genau ausrechnen. Sowas hab ich mit excel schonmal für eine andere Sache gemacht.
zu b:Wenn ich mir jetzt z.B. 10 Aktivfilter für verschiedene Frequenzen bastel, dann könnte ich doch einfach, wenn alle Filter angesprochen haben, das passende Zeitsignal nehmen. Hälst Du das für möglich? Somit wäre Vogelgezwitscher und Hundebellen aussen vor, da das ja ein Klang ist und sicher nicht aus genau diesen 10 Frequenzen besteht.
zu c: Über den Geräuschpegel kann ich die Entfernung nicht bestimmen. Der Schall breitet sich mit anderer Lautstärke aus, je nach dem, wie man zur Waffe steht. Vor der Mündung ist wesentlich lauter als hinter der Waffe.
Wenn ich mir jetzt z.B. 10 Aktivfilter für verschiedene Frequenzen bastel, dann könnte ich doch einfach, wenn alle Filter angesprochen haben, das passende Zeitsignal (vom DCF-Signal, aber 1.000stel Sekunden) nehmen. Hälst Du das für möglich? Somit wäre Vogelgezwitscher und Hundebellen aussen vor, da das ja ein Klang ist und sicher nicht aus genau diesen 10 Frequenzen besteht.
Die Triggerschwelle könnte ich ja variabel machen. Der Knall muss z.B. doppelt so laut sein wie das lauteste Geräusch der letzten 2 Sekunden. Dann wird ausgewertet.
Hast Du eine Ahnung mit welchen Frequenzen ich es hauptsächlich zu tun haben werde?
Werden die einzelnen Frequenzen bei unterschiedlichen Entfernungen unterschiedlich gedämpft?
wie schmalbandig kannst Du denn die Filter bauen? Ich bin zu wenig (gar kein) Elektronik-Spezialist, als das ich das abschätzen könnte. Meiner Einschätzung nach reicht ein Terzbandfilter mit Triggerschwelle vollkommen aus. Einzelfrequenzen sind schwierig zu analysieren und lohnen sich nicht, da Schüsse nie hundertprozentig gleich klingen. Ggf. könnte man das Ganze noch schmalbandiger auflösen, das kann aber unser Mess-System glaub ich nicht. Ich sehe es mir aber mal an.
Die Mess-/Aufzeichnungs-/Auswertemethode, die Du planst, sollte funktionieren.
Ich bin allerdings zurzeit gerade im Urlaub und habe keinen Zugriff auf die Messdaten der letzten Schießlärmmessungen im Büro. Wenn Du Dich noch 1 1/2 Wochen gedulden kannst, kann ich Dir aber auf jeden Fall eine Frequenzanalyse zukommen lassen. Benötigst Du die Daten bestimmter Munition? Ich nehme mal an, dass Schrot nur selten verwendet wird!?
Die Frequenzen werden selbstverständlich unterschiedlich gedämpft. Hohe Frequenzen werden stärker gedämpft als tiefe. Wie das Spektrum beim Schuss aussieht, kann ich Dir allerdings nicht aus dem Kopf sagen.
Übrigens, ziemlich cool, dass Du sowas bauen kannst. Ich bin zwar begeisterter Modellbahner, hab aber von Elektronik kaum Ahnung. Ich wünschte, das wäre anders…
Wenn Du also die Infos in 1 1/2 Wochen noch brauchen kannst, lass es mich wissen, ich sehe gerne für Dich nach.
Im Internet gibt es viele freie *.wav Dateien mit allen möglichen Klängen - auch mit Knallen.
Ich schlage vor sowas zu besorgen und als material für Experimente. Beobachten Sie nicht nur Spektrum, aber auch Anstieg- und Fallzeiten.
Wenn um die Rausfilterung geht - das Hauptproblem ist höchstwahrscheinlich den Unterschied zwischen Knall und Hintergrundgeräuschen zu finden. Nach meiner Meinung man muss nicht unbedingt die Frequenzanalyse zu benutzen. Ich würde eher einfach kurze und starke Impulse registrieren und eher an einen Schwellwertschalter denken (noise gate a rebours )
Nach meiner Meinung - Sie müssen experimentieren und schließlich einige „falsche Alarme“ im Kauf nehmen.
Ich hoffe, dass ich geholfen habe; falls nicht - stehe ich gerne weiter zur Verfügung.
Grüße,
Marek Czeszek.
P.S. Vergessen Sie nicht an klare Benachrichtigung für alle Interessierte. Ich denke, dass niemand soll „abgehört“ werden ohne es zu wissen.
wir hatten vor längerer Zeit mal Kontakt über Wer-Weiss-Was wegen einer elektronischen Knallortung.
Ich habe eben mal ein Pegelspektrum einer Langwaffe (GK 6,5 x 55 Karabiner mit Munition Fa. Norma, Jackmatch 3100 Joule) ausgewertet.
Wie es aussieht, finden die größten Pegelanhebungen in den Terzbändern 200 Hz, 630 Hz und 2500 Hz statt. Wenn Du also dort eine Triggerschwelle von ca. 20 dB setzt und bei einer entsprechenden Pegelerhöhung ein Zeitsignal schreiben lässt, könntest Du über Triangulation und die Zeitverzögerung den Standort des Schützen ziemlich genau bestimmen. Das kann von Waffe zu Waffe und Munition zu Munition natürlich etwas unterschiedlich sein, erfahrungsgemäß sind die Unterschiede aber nicht riesig groß.