Herleitung der Formel
So, nun gibt’s von mir noch die Herleitung der Formel dazu. Zunächst habe ich das Wiki- Bild noch etwas ergänzt und gedreht (wollte aber nicht noch die ganzen Buchstaben drehen müssen):
http://www.flickr.com/photos/31544713@N08/3083958553…
Die Tangente an die Ellipse stellt die schiefe Ebene dar, die blaue Gerade die Erdoberfläche. Die gezeigte Ellipse hat ein Gleichgewicht auf der schiefen Ebene eingenommen, da der Schwerpunkt (ihr Mittelpunkt) genau senkrecht über dem Auflagepunkt liegt und sie somit keinen Grund hat, sich zu drehen. Wie gesagt, soll sie nicht rutschen können. Ich suchte nach einer mathematischen Lösung, den Rest überlass’ ich den Physikern.
Nun kann man sich überlegen, wie sich der Winkel β und der Neigungswinkel α der Ebene zueinander verhalten. Dabei stellt man zunächst fest: α = β - φ. Wiki liefert aber dankenswerterweise eine Formel für φ in Abhängigkeit von β, und eingesetzt ergibt dies:
α = β - arctan(e²*tan(β)).
Nächster Gedanke: Am „spitzen Ende“ der Ellipse ist φ = β = 0°, und am „flachen Ende“ (ich hoffe, ich drücke mich einigermaßen verständlich aus) ist φ = β = 90°, das zugehörige α ist also in beiden Fällen 0°. Dazwischen ist aber auch mal β > φ, also muss die Funktion α(β) irgendwo ein Maximum haben. Den Funktionsgraphen für verschiedene e habe ich hier:
http://www.flickr.com/photos/31544713@N08/3081661847…
Man kann dort deutlich das jeweilige Maximum sehen (außer bei e=0, aber dieser Fall ist eh uninteressant und man kann ihn auch noch mal gesondert betrachten, wenn man möchte, und bei e=1, das ist der perfekte Kreis - klar, dass die Differenz da immer null ist und er sofort losrollt, sobald die Ebene geneigt ist). Ich betrachte nur Winkel zwischen 0° und 90°, da die Ellipse schön symmetrisch ist und ich in anderen Intervallen gerne mal ein doofes Vorzeichen kriege.
Für alle möglichen Winkel α findet die Ellipse also zwei Lagen, in denen sie sich im Gleichgewicht befindet; eins ist labil, das andere stabil (für α = 0: im labilen Gleichgewicht steht sie auf der Spitze, im stabilen liegt sie flach auf dem Boden). Der Grenzfall ist das jeweilige Maximum (dort ist das Gleichgewicht m.E. labil, rechne ich aber nicht nach); und bei jedem Winkel, der auch nur infinitesimal größer als dieses errechnete Maximum ist, kann die Ellipse keinen Gleichgewichtszustand mehr einnehmen. Der gesuchte Winkel ist also dieses Maximum.
Dieses zu bestimmen ist etwas mühsam (ich hab mich auch direkt verrechnet), wenn man grad keinen Computer zur Hand hat. Aber Maple, mein guter Freund, hat mir sofort die hinreichend schöne Ableitung ausgespuckt, die Nullstellen bestimmt und den entsprechenden Funktionswert berechnet, und heraus kam das bereits zuvor gepostete
αmax = arctan(1/e) - arctan(e).
Dies sieht man hier auch mal als Graph:
http://www.flickr.com/photos/31544713@N08/3081661851…
Das Problem scheint zunächst gelöst; aber es könnte ja sein, dass gar nicht alle möglichen β vorkommen! (Für e=0 ist dies nachvollziehbarerweise auch nicht der Fall, die Lösung stimmt trotzdem.) Was aber klar sein sollte, ist, dass ich in jedem Winkel φ die Tangente bilden kann. Die Funktion φ = arctan(e²*tan(β)) ist aber dankenswerterweise (bis auf e=0) streng monoton wachsend
(siehe hier: http://www.flickr.com/photos/31544713@N08/3081661855…)
und somit injektiv. Über möglicherweise nicht real existierende β brauchen wir uns also keine Gedanken zu machen - das Problem ist tatsächlich gelöst!
Liebe Grüße
Immo