Gleiches Problem
Hallo!
Wir sind ja auch schon einige Male umgezogen und kennen das Problem. Bei uns kommt noch dazu, dass das ja jedes Mal Kraft kostet und die Motivation, in der Richtung aktiv zu werden, jedes Mal kleiner wird. Blöd, weil diesmal soll es ja von Dauer sein.
Das Problem liegt in der Tatsache, dass man ja in eine gewachsene Umgebung zieht. Die eingesessenen Leute sind verwurzelt und vernetzt, die haben ja keinen Bedarf an neuen Bekanntschaften, sie werden also kaum in dieser Richtung aktiv werden. Das muss der Neu-Hinzugekommene tun. Praktisch, wenn es mehr Familien gibt, die gerade neu sind und deshalb mit dem gleichen Interesse aufeinander zugehen.
Der andere Kindergarten ist da ein weiterer Hinderungsgrund, das haben andere schon beschrieben.
Auch die Tatsache, dass man manches anders handhabt als die (in unserem Fall) konservative Dorfgemeinschaft, vereinfacht die Sache nicht eben. Mein Tipp: Nicht zu demonstrativ und auf keinen Fall missionarisch tätig werden. Deine Beschreibung des Spielplatzbesuches liest sich leider sehr danach.
Eine weitere Schwierigkeit: Du lernst 10 Leute kennen, davon möchtest Du auf Anhieb vielleicht 5 näher kennenlernen, davon widerum 1 oder 2 als echte Freunde gewinnen. Und das kostet einfach Zeit und viel Energie, die man (quasi) umsonst in die übrigen 8 investiert.
Sonst sind meine Tipps: Lass Dich überall sehen, wo etwas los ist. Hier sind das so Anlässe wie: Maibaumaufstellen der SPD; Osterfeuer am Feuerwehrhaus, Johannisfeuer der örtlichen Zimmerei, das Ferienprogramm der hiesigen Vereine, etc.
Scheue Dich nicht vor Small-Talk. Ich habe mich z.B. als Klassenelternsprecherin (das wollte keiner machen) wählen lassen und mich dadurch gezwungen, die Eltern und Kinder und Lehrer der Schule näher kennenzulernen. Werde Mitglied in einem örtlichen Verein, zeige dort Bereitschaft, auch richtig tätig zu werden - halte dieses Versprechen aber dann auch ein. Es gibt so viele verschieden Vereine, da ist für jeden was dabei und man kann ja erst ein paar mal an Veranstaltungen teilnehmen, ohne Mitglied zu werden. Wenn es keine passenden Vereine gibt, kann man auch einen gründen, z.B. ein Verein für die Freizeitgestaltung von Familien.
Und: Im Sommer geht vieles leichter. Im Winter hockt jeder in seiner Bude und man muss sich ja regelrecht verabreden, um sich zu besuchen. Mal über den Gartenzaun, zum Kaffee oder Grillen auf der Terrasse ist das viel unverbindlicher. Ich überlege auch gerade, im Sommer ein Gartenfest zu feiern, um einfach mal alle ringsrum einzuladen und ins Einladungs-Karussell aufgenommen zu werden.
Mit den Kindergeburtstagen lief das ähnlich. Wir gingen in Vorleistung, bewußt großzügig in der Zahl der eingeladenen Kinder. Inzwischen wird unser Sohn auch recht häufig eingeladen.
Dann gibt es noch eine Art inoffizielles Netzwerk der gegenseitigen Hilfe. Eine kleine Gartenberatung in meinem Fall oder Mitanpacken beim Wohnung-streichen, Kinderbetreuung in der Not werden gern mal angenommen und bieten gute Gelegenheit, jemanden kennenzulernen. Und wenn das dann funktioniert, kann man ganz nebenbei auch ein wenig Geld durch Nachbarschaftshilfe sparen. Man darf aber nicht vergessen, auch zu investieren.
Ich bin nicht immer in Stimmung, auf Leute zuzugehen, leider mein Mann noch weniger. Auf Dauer hilft aber alles nichts, man muss sich auf die Socken machen!
Viel Erfolg
kernig