Elternliche aufsichtspflichtverletzung

Danke für die Klarstellung
Hallo Simsy,

Voraussetzung ist, dass man 3 stunden täglich arbeiten könnte…

Bei Alg II sind die Anforderungen etwas anders als bei Alg I.
Allerdings scheint es teilweise als relativ selbstverständlich
zu gelten, dass en Kind ab 8 oder 10 Jahren alleine klarkommt,
was natürlich nicht in Ordnung ist.

Das ist abhängig von der Reife des Kindes und der Bereitschaft der Mutter dem Kind zu vertrauen. Ich war beispielsweise ab ca. 8 Schlüsselkind.
Die Frage ist, wie die Fragestellerin eine Betreuung oder Ansprechpartner für den Notfall organisiert. Wenn sie das nicht kann oder will, dann sucht sie auch keine Arbeit. Dann ist sie auch keine Langzeitarbeitslose, sondern Hausfrau. Dazu würde auch ihre folgende Aussage passen.
Zitat

Meine Kinder würden in diesem Fall teilweise alleine verweilen und
sämtliche andere erzieherische und Haushaltsverpflichtungen würden
dabei auf der Strecke bleiben (Schulaufgaben,
Kindersportaktivitäten, Wäschereinigung, usw).

Gruß
Carlos

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Moin,

Wesen und Kern unseres Sozialstaates ist es, diejenigen zu
unterstützen, die aus sich heraus alleine nicht schaffen.

Richtig. Was der Sozialstaat ja auch nach besten Kräften versucht, z.B. in dem er Weiterbildungsmaßnahmen anbietet für Menschen, um abzutesten, ob sie überhaupt ein Interesse daran haben, es aus sich heraus zu schaffen.

In einer volkswirtschaftlichen Situation massiver
Überproduktionen an Gütern und z.T. auch Dienstleistungen und
gleichzeitiger Existenz von Massenarbeitslosigkeit, ist es ein
Hohn und zeugt von geradezu sozialdarwinistischem Gedankengut,
den Standpunkt zu vertreten, dass Leute, die nicht arbeiten,
es nicht wollen.

Du hast wohl immer noch nicht verstanden, dass die überwiegende Mehrheit von Menschen tatsächlich auch in dieser deiner Meinung nach so schrecklichen Situation in der Lage ist, seinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Das Problem ist nicht, dass viele nicht arbeiten wollen. Sie wollen durchaus, z.B. für einen Stundenlohn von 50 Euro die Woche, wenn ihnen jemand die Arbeit dann noch ans Sofa trägt zu einer Zeit die ihnen genehm ist (um es mal überspitzt zu formulieren). Oder um beim Beispiel zu bleiben: Offenbar erschüttert es die Ausgangsposterin und dich keinesfalls, dass es die überwiegende Mehrheit der Frauen schafft, Arbeit, Kindererziehung und Haushalt unter einen Hut zu bringen, nein, Madame fasst es als Zumutung auf, Halbtags an einer Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille: die andere ist in
der Tat, dass ein zentrales gesamtgesellschaftliches Leitbild
die häusliche Erziehung von Kindern unabhängig von den
ökonomischen Gegebenheiten auch heute noch widerspiegelt, sich
also jemand, der sich für diesen Weg entscheidet, durch und
durch „sozialstaatskonform“ verhält.

Ich kenne keine einzige Familien, in der Kinder nicht auch häuslich erzogen werden. Ich stelle aber auch fest, dass insbesonder HartzIV Familien in diesem Bereich nicht sonderlich erfolgreich sind, wenn man sich die Statististiken der Kinder ohne Schulabschluss oder Ausbildungschancen und mit Verhaltensauffälligkeiten ansieht. Es gibt zunehmend Forderungen, den Kindergarten verpflichtend zu machen, gerade damit Kinder aus HartzIV Familien auch eine echte Bildngschance erhalten. Dass Mami und/oder Papi den ganzen Tag zu Hause rumhängen, scheint also wohl keine Garantie für gute Erziehung zu sein, im Gegenteil.

Wie, nach welchem Maßstab misst man - bitte - die Güte der
Kindererziehung?

Verhaltensauffälligkeiten, Erfolg im Bildungssystem, Kriminalitätsrate um nur mal ein paar Faktoren zu nennen.

Abgesehen davon, dass Kindererziehung nicht erst mit dem
Schuleintritt des Kindes beginnt, kann - und das sollte selbst
dir einleuchten - die am Vormittag in die Hausarbeit
investierte, gesparte Zeit am Nachmittag dem Kind zu gute
kommen.

Vielleicht. Vielleicht führt es aber auch nur dazu, dass Kinder eine bereits besoffene Mutter vorfinden, wenn sie aus der Schule kommen. Du scheinst irgendwie sehr romantisch/verklärten Vorstellungen von HartzIV Familien anzuhängen. Und ja, ich kenne auch HartzIV-Familien, die sich vorbildlich um ihre Kinder und deren Erziehung kümmern. Aber das ist kaum die Regel.

Natürlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es auch
Menschen gibt, die nicht in der Lage oder Willens sind,
Erziehungsarbeit zu leisten. Statt jedoch implizit zu fordern,
dass denjenigen, die es können - vom Bewertungsproblem (s.o.)
einmal abgesehen - und die sich für den Weg entschieden haben,
die Leistungen zu kürzen sind, und/oder sie als
Sozialschmarotzer zu denunzieren,

Wenn einer nicht mal in der Lage ist, sich selbst zu ernähren, wie will er dies dann als Erziehungsziel seinen Kindern vermitteln? Vielleicht suchst du mal das Gespräch mit Jugendlichen, die aus HartzIV Familien kommen, und sich gerne mal mit ersten Jobs ein wenig Geld verdienen möchten oder die erste Lehrstelle antreten und dann die bittere Erfahrung machen, dass ihr Geld auf das Gesamteinkommen angerechnet wird und sie damit erstmal ihre Eltern mit durchfüttern dürfen. Während ander Jugendliche in dem Alter die ersten Erfolgserlebnisse durch das Verdienen von eigenem Geld in Hinblick auf ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit haben, gibt es für Kindern aus HartzIV-Familien diesbezüglich nur Frust. Das einzige, was man solchen Kindern raten kann, ist möglich schnell möglichst viel Raum zwischen sich und ihre HartzIV-Eltern zu bringen, um diese nicht ein Leben lang mit durchfüttern zu müssen. Die Realität ist aber wohl eher, dass viele dieser Jugendlichen durch den frühen diesbezüglichen Frust aufgeben und die nächste HartzIV-Dynastie ist geboren.

Soll das heißen, dass du von dem Solidaritätsprinzip, nach
welchem die Starken die Schwachen unterstützen, nicht viel
hältst,

Ich meinen Augen ist der stark, der es geschafft hat, keinen Hauptschulabschluss zu machen, 5 Kinder in die Welt zu setzen, dadurch soviel an Sozialleistungen zu kassieren, wie es ungefähr dem Nettogehalt eines Akademikers entspricht, und den ganzen Tag nicht mehr dafür tun zu müssen, als mit der Bierflasche vorm Fernseher zu hocken und drei Akademiker für sich arbeiten zu lassen, von deren Sozialabgaben dann sein Leben finanziert wird, während die Akademiker feststellen, dass sie sich ein zweites Kind nicht mehr leisten können.

Solange ein System bestimmte Familien durch HartzIV in sofern begünstigt, als dass sich jedes zusätzlich Kind für sie finanziell auszahlt (indem noch mehr HarztIV gezahlt wird, ganz egal ob diese Geld dem Kind auch tatsächlich zugute kommt oder nicht doch von Muttchen oder Pappa oder beiden versoffen wird), und andere Familien belastet, die dieses Sozialsystem durch Abgaben und Steuern finanzieren müssen, und die sich somit lange überlegen müssen, ob sie sich ein weiteres Kind überhaupt leisten können, weil für sie durch ein weiteres Kind das Familieneinkommen nicht automatisch steigt sondern sogar dich Gefahr besteht, dass durch Erziehungs"urlaub" das Einkommen drastsich fällt, solange stinkt dieses System zum Himmel.

Gruß
Marion

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Hallo,

Wesen und Kern unseres Sozialstaates ist es, diejenigen zu
unterstützen, die aus sich heraus alleine nicht schaffen.

„nicht schaffen“ ist etwas anderes als „nicht wollen“.

.m

„nicht schaffen“ ist etwas anderes als „nicht wollen“.

Das Schöne ist, dass unser freiheitlicher Sozialstaat den Menschen in großzügen Grenzen eine eigene Lebensplanung zugesteht, in der die Unterscheidung von „nicht wollen“ und „nicht schaffen“ lediglich ein semantisches Problem darstellt.

Innerhalb dieser Grenzen ist das richtig, allerdings sind die nicht allumfassend und zudem schrumpfend (was sich in den nächsten vier Jahren auch eher nicht ändern wird).

Daher also diese Unterscheidung durch die Hintertür generell zum semantischen Problem zu degradieren, ist schlicht falsch, insbesondere wenn solche abstrusen Argumentationen wie die der Fragestellerin diskutiert werden.

Weißt Du, ich kann es nicht ausstehen, wenn Bedürftige als Sozialschmarotzer bezeichnet werden, aber noch weniger kann ich es ausstehen, wenn sich Sozialschmarotzer als Bedürftige bezeichnen.

.m

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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Daher also diese Unterscheidung durch die Hintertür generell
zum semantischen Problem zu degradieren, ist schlicht falsch,
insbesondere wenn solche abstrusen Argumentationen wie die der
Fragestellerin diskutiert werden.

Was ist an der Fragestellung abstrus?

Ich habe es so verstanden:

Sie hat ein 7 Jähriges Kind (das größere lassen wir mal unberücksichtigt, auch wenn die BA davon ausgeht, dass ein Kind bis 15 einer Aufsicht bedarf).

Die Frage lautet: kann die Behörde es ihr von Amts wegen zumuten, das 7 jährige Kind unbeaufsichtigt zu lassen.

Klare Antwort: Nein! (Und zwar völlig unabhängig davon, ob es Eltern gibt, die das auf eigenes Risiko anders handhaben.)

Die Betreuung muss in ganzem Umfang - also für die Zeit, die man außer Haus ist - sichergestellt sein, denn ansonsten würde u.U. in der Tat die elterliche Aufsichtspflicht verletzt werden.

Das heißt, wenn es vor Ort keine Betreuung in einer Kita, durch eine Tagesmutter oder eine freundliche Nachbarin gibt, dann muss und sollte die Fragestellerin die Fortbildung ablehnen und die ARGE muss dieses anerkennen.

Ich jedenfalls würde es ohne zu Zögern ablehnen und auch jedem dazu raten.

Richtig. Was der Sozialstaat ja auch nach besten Kräften
versucht, z.B. in dem er Weiterbildungsmaßnahmen anbietet für
Menschen, um abzutesten, ob sie überhaupt ein Interesse daran
haben, es aus sich heraus zu schaffen.

Und es wäre weniger verwerflich, jemanden aus rein
didaktischen Gründen zu zwingen, seine legitime und legale
Lebensplanung über den Haufen zu werfen?

In einer volkswirtschaftlichen Situation massiver
Überproduktionen an Gütern und z.T. auch Dienstleistungen und
gleichzeitiger Existenz von Massenarbeitslosigkeit, ist es ein
Hohn und zeugt von geradezu sozialdarwinistischem Gedankengut,
den Standpunkt zu vertreten, dass Leute, die nicht arbeiten,
es nicht wollen.

Du hast wohl immer noch nicht verstanden, dass die
überwiegende Mehrheit von Menschen tatsächlich auch in dieser
deiner Meinung nach so schrecklichen Situation in der Lage
ist, seinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Machen wir es doch kurz und schmerzlos: gäbe es genug
Arbeitsplätze für jeden - oder zumindest die meisten -
Arbeitslosen sowie die sog. Stille Reserve?

Oder um beim Beispiel zu bleiben: Offenbar
erschüttert es die Ausgangsposterin und dich keinesfalls, dass
es die überwiegende Mehrheit der Frauen schafft, Arbeit,
Kindererziehung und Haushalt unter einen Hut zu bringen, nein,
Madame fasst es als Zumutung auf, Halbtags an einer
Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen.

Von welcher Mehrheit sprichst du genau? Hast du irgendetwas
Empirisches zur Hand?

Es gibt zunehmend Forderungen, den Kindergarten verpflichtend zu :machen, gerade damit Kinder aus HartzIV Familien auch eine echte
Bildngschance erhalten. Dass Mami und/oder Papi den ganzen Tag
zu Hause rumhängen, scheint also wohl keine Garantie für gute
Erziehung zu sein, im Gegenteil.

Das ist nicht die zentrale Frage oder allenfalls von
statistischer Relevanz: dir geht es - wenn ich dich richtig
verstanden habe - darum, einem Menschen generell die faktische
Möglichkeit bzw. moralische Rechtmäßigkeit abzusprechen, sich
für ausschließliche Kindererziehung auf Kosten - wie gesagt,
die volkswirtschaftliche Gegenrechnung müsste noch aufgemacht
werden - des Sozialstaates zu entscheiden, selbst wenn er
dafür geeignet ist.

Wie, nach welchem Maßstab misst man - bitte - die Güte der
Kindererziehung?

Verhaltensauffälligkeiten, Erfolg im Bildungssystem,
Kriminalitätsrate um nur mal ein paar Faktoren zu nennen.

Also bitte!
Um es zuzuspitzen: in einer Klasse von funktionierenden
Kindern, ist der, der dem Lehrer unbequeme Fragen stellt,
natürlich verhaltensauffällig (und ggf. erfolglos), weil er
für andere Werte als Funktionalität und Wirtschafzskonformität
steht.
Und wenn ein Jugendlicher einen anderen abzieht, weil er aus
einem armen Elternhaus kommt, bedeutet es nicht, dass der, der es nicht tut, weil
Mami und Papi ihm alles in den Arsch schieben, besser erzogen
ist.

Vielleicht. Vielleicht führt es aber auch nur dazu, dass
Kinder eine bereits besoffene Mutter vorfinden, wenn sie aus
der Schule kommen. Du scheinst irgendwie sehr
romantisch/verklärten Vorstellungen von HartzIV Familien
anzuhängen. Und ja, ich kenne auch HartzIV-Familien, die sich
vorbildlich um ihre Kinder und deren Erziehung kümmern. Aber
das ist kaum die Regel.

Wenn einer nicht mal in der Lage ist, sich selbst zu ernähren,
wie will er dies dann als Erziehungsziel seinen Kindern
vermitteln? Vielleicht suchst du mal das Gespräch mit
Jugendlichen, die aus HartzIV Familien kommen, und sich gerne
mal mit ersten Jobs ein wenig Geld verdienen möchten oder die
erste Lehrstelle antreten und dann die bittere Erfahrung
machen, dass ihr Geld auf das Gesamteinkommen angerechnet wird
und sie damit erstmal ihre Eltern mit durchfüttern dürfen.
Während ander Jugendliche in dem Alter die ersten
Erfolgserlebnisse durch das Verdienen von eigenem Geld in
Hinblick auf ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit haben, gibt
es für Kindern aus HartzIV-Familien diesbezüglich nur Frust.
Das einzige, was man solchen Kindern raten kann, ist möglich
schnell möglichst viel Raum zwischen sich und ihre
HartzIV-Eltern zu bringen, um diese nicht ein Leben lang mit
durchfüttern zu müssen.

Interessanter Ansatz: die Eltern haben im Zweifel die Kinder
zur Welt gebracht, sie großgezogen, ihnen u.U. ihr
persönliches Glück und ihre eigene Lebensplanung geopfert,
ggf. auf Einkommen und das Schaffen von Vermögen verzichtet,
und sobald die Kinder ihrerseits Solidarität mit ihren Eltern
üben sollen, rätst du ihnen, in den Wind zu schießen.

Ich frage mich: welches erstrebenswerte Wertesystem vertrittst
du? Ein neoliberales, durch und durch ökonomisches nach dem
Motto, wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht?

Wenn sie das nicht kann oder will, dann sucht sie auch keine Arbeit. :smiley:ann ist sie auch keine Langzeitarbeitslose, sondern Hausfrau.

Zum wiederholten Mal:

Nach „SGB II“-Recht, darf sie „Hausfrau“ sein (wollen), der Vermittlung nicht zur Verfügung stehen, wenn ihr keine Arbeit zugemutet werden kann (z.B. weil sie die Kinderbetreuung nicht sicherstellen kann oder weil sie einen Familienangehörigen pflegt oder …)

Ob sie als Arbeitslose im Sinne des Gesetzes qualifiziert wird, richtet sich danach, ob sie erwerbs fähig ist, also dann eine Arbeit ausüben könnte, wenn dieses einschränkenden Faktoren nicht wären.

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Daher also diese Unterscheidung durch die Hintertür generell
zum semantischen Problem zu degradieren, ist schlicht falsch,
insbesondere wenn solche abstrusen Argumentationen wie die der
Fragestellerin diskutiert werden.

Was ist an der Fragestellung abstrus?

Das offensichtliche Ziel, auf Teufel komm raus eine Ausrede zu finden, nicht an einer Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen zu müssen.

Ich habe es so verstanden:

Sie hat ein 7 Jähriges Kind (das größere lassen wir mal
unberücksichtigt, auch wenn die BA davon ausgeht, dass ein
Kind bis 15 einer Aufsicht bedarf).

Es sind sogar fünf Kinder.

Das heißt, wenn es vor Ort keine Betreuung in einer Kita,
durch eine Tagesmutter oder eine freundliche Nachbarin gibt,
dann muss und sollte die Fragestellerin die Fortbildung
ablehnen und die ARGE muss dieses anerkennen.

Oh, da kann man sich doch drum bemühen, für die kurze Zeit, die da eine Lücke darstellt, jemanden zu finden.

Ich jedenfalls würde es ohne zu Zögern ablehnen und auch jedem dazu raten.

Klar, würde ich in der Lage auch versuchen. Ich würde allerdings auch versuchen, gar nicht erst in eine solche Lage zu geraten, weil ich gerne für mich selbst sorge, anstatt andere für mich schuften zu lassen.

Was übrigens die freie Lebensplanung angeht: Es ist zwar grundsätzlich richtig, daß jeder so leben darf und soll, wie er mag, aber bitte nicht auf Kosten anderer. Ich würde auch gern ohne zu arbeiten in einer Villa auf dem Land mit dicken Autos, 10 Frauen und 20 Kindern leben. Bezahlst Du mir das dann auch?

.m

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Ich jedenfalls würde es ohne zu Zögern ablehnen und auch jedem dazu raten.

Klar, würde ich in der Lage auch versuchen. Ich würde
allerdings auch versuchen, gar nicht erst in eine solche Lage
zu geraten, weil ich gerne für mich selbst sorge, anstatt
andere für mich schuften zu lassen.

Also keine Kinder?
Oder sollten Kinder ein Privileg der Besserverdienenden sein, die in Anerkenntnis der Tatsache, dass Kinder in unserer Gesellschaft ein hohes Armutsrisiko darstellen, schon mal Vermögen für die harten Tage angesammelt haben?

Wenn die Rahmenbedingungen stimmten, außerhäusliche Kinderbetreuung kein Problem darstellte, Unternehmen adäquate Arbeitszeitmodelle in ausreichendem Maße anböten, dann könnte ich die Kritik sogar noch nachvollziehen - auch wenn ich sie mir nicht zu eigen machte.

Solange diese Rahmenbedingungen allerdings nicht gegeben sind, ist der durchschnittliche - der bemühte - ALG2-Bezieher, der sicher gerne die Arbeit machen würde, die ihm sein schwarz arbeitender, Steuer verkürzender oder hinterziehender Vollzeit-Klempner-Kumpel wegnimmt, allerdings der falsche Adressat der Vorwürfe. :wink:

Ich jedenfalls würde es ohne zu Zögern ablehnen und auch jedem dazu raten.

Klar, würde ich in der Lage auch versuchen. Ich würde
allerdings auch versuchen, gar nicht erst in eine solche Lage
zu geraten, weil ich gerne für mich selbst sorge, anstatt
andere für mich schuften zu lassen.

Also keine Kinder?

Komisch, sind die ganzen Familien mit Kindern, die auch so klarkommen, nur Halluzinationen von mir? Bilde ich mir also meine eigene Tochter nur ein?

Oder sollten Kinder ein Privileg der Besserverdienenden sein

Das Thema, ob und wer Kinder haben „sollte“ oder nicht, fangen wir jetzt besser nicht an.

Du hast aber leider meine Frage an Dich nicht beantwortet - wie ist das denn jetzt mit der Lebensgestaltung nach gusto, warum zahlst Du mir nicht das Leben, welches ich mir wünsche?

.m

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Du hast aber leider meine Frage an Dich nicht beantwortet -
wie ist das denn jetzt mit der Lebensgestaltung nach gusto,
warum zahlst Du mir nicht das Leben, welches ich mir wünsche?

Mach ich doch.
Ich leiste einen meinem Einkommen angemessenen Obulos, damit auch du, falls du es wünscht und/oder es brauchst, ALG2 erhältst und deine Kinder, die hoffentlich irgendwann meine Rente mitfinanzieren, zu Hause erziehen kannst.
Ist für mich eine Selbstverständlichkeit.

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Moin,

Und es wäre weniger verwerflich, jemanden aus rein
didaktischen Gründen zu zwingen, seine legitime und legale
Lebensplanung über den Haufen zu werfen?

Hier geht es nicht um „didaktische Gründe“ sondern darum, dass jeder sein Leben planen kann wie er mag, aber nur so lange, wie er das nicht von mir finanziert haben möchte.

Machen wir es doch kurz und schmerzlos: gäbe es genug
Arbeitsplätze für jeden - oder zumindest die meisten -
Arbeitslosen sowie die sog. Stille Reserve?

Du meinst Arbeitsplätze, die von anderen geschaffen werden und genau auf die Bedürfnisse der Arbeitssuchenden angepasst sind, wie Entfernung vom Sofa, Arbeitslohn, genehme Arbeitszeit etc.? Nein, davon gibt es nicht genug. Wenn aber Madame willens ist, die klamme Haushaltskasse aufzubessern, ohne sich aus dem Haus zu bequemen, dann könnte sie sich z.b. als Tagesmutter Geld dazu verdienen.

Von welcher Mehrheit sprichst du genau? Hast du irgendetwas
Empirisches zur Hand?

Von der Mehrheit, die nicht von HartzIV lebt. Der Anteil der HartzIV-Empfänger liegt bundesweit gerade mal bei 7.7% (Stand Februar 2009). Ich denke wir sind uns einig, dass der Anteil der Nicht-HartzIV-Empfänger mit 92,3% der Bevölkerung die Mehrheit ist.

Es gibt zunehmend Forderungen, den Kindergarten verpflichtend zu :machen, gerade damit Kinder aus HartzIV Familien auch eine echte
Bildngschance erhalten. Dass Mami und/oder Papi den ganzen Tag
zu Hause rumhängen, scheint also wohl keine Garantie für gute
Erziehung zu sein, im Gegenteil.

Das ist nicht die zentrale Frage

Wer hat sich denn hier hingestellt und behauptet, nur weil die Eltern zu Hause rumsitzen, wäre das irgendwie erziehungsmäßig wertvoll?

dir geht es - wenn ich dich richtig
verstanden habe - darum, einem Menschen generell die faktische
Möglichkeit bzw. moralische Rechtmäßigkeit abzusprechen, sich
für ausschließliche Kindererziehung auf Kosten - wie gesagt,
die volkswirtschaftliche Gegenrechnung müsste noch aufgemacht
werden - des Sozialstaates zu entscheiden, selbst wenn er
dafür geeignet ist.

Wer sich ausschließlich dafür geeignet hält, Kinder zu erziehen, der kann so wunderbare Berufe wie Kindergärtner, Lehrer, Erzieher usw. ergreifen. Du siehst, nicht mal das ist eine geeignete Ausrede, um den Steuerzahlern auf der Tasche zu liegen.

Verhaltensauffälligkeiten, Erfolg im Bildungssystem,
Kriminalitätsrate um nur mal ein paar Faktoren zu nennen.

Also bitte!
Um es zuzuspitzen: in einer Klasse von funktionierenden
Kindern, ist der, der dem Lehrer unbequeme Fragen stellt,
natürlich verhaltensauffällig (und ggf. erfolglos), weil er
für andere Werte als Funktionalität und Wirtschafzskonformität
steht.

Vielleicht erkundigst du dich mal, was man mit „verhaltensauffällig“ bezeichnet. Bei solchen Kinder kann man schon froh sein, wenn sie überhaupt auf ihrem Stuhl so lange sitzen bleiben, um irgend eine Frage zum Unterricht zu stellen.

Und wenn ein Jugendlicher einen anderen abzieht, weil er aus
einem armen Elternhaus kommt, bedeutet es nicht,

Vor allem bedeutet es, dass derjenige keinen Respekt vor Eigentum gelernt hat. Und Respekt vor Eigentum lernt man am besten dadurch, was es heißt, für Eigentum tatsächlich arbeiten zu müssen.

Das einzige, was man solchen Kindern raten kann, ist möglich
schnell möglichst viel Raum zwischen sich und ihre
HartzIV-Eltern zu bringen, um diese nicht ein Leben lang mit
durchfüttern zu müssen.

Interessanter Ansatz: die Eltern haben im Zweifel die Kinder
zur Welt gebracht, sie großgezogen, ihnen u.U. ihr
persönliches Glück und ihre eigene Lebensplanung geopfert,
ggf. auf Einkommen und das Schaffen von Vermögen verzichtet,
und sobald die Kinder ihrerseits Solidarität mit ihren Eltern
üben sollen, rätst du ihnen, in den Wind zu schießen.

Nein, diese Leute haben ein paar Kinder in die Welt gesetzt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass Kinder auch materielle Bedürfnisse haben, die erfüllt werden müssen. Nicht die HartzIV Eltern haben auf Einkommen und das Schaffen von Vermögen verzichten müssen, sondern die erwerbstätigen Steuerzahler, die neben ihren eigenen Familien auch noch HartzIV-Empfänger mitsamt Anhang mitfüttern müssen. Finanziell haben HertzIV-Eltern nichts für ihre Kinder geleistet. Wenn nun diese Kinder sauer sind, dass sie ihrerseits nun von einem mageren Ausbildungsgehalt die Eltern mit durchfüttern sollen, dann kann ich das sehr gut verstehen.

Ich frage mich: welches erstrebenswerte Wertesystem vertrittst
du?

Ich vertrete das Wertesystem des demokratischen Sozialstaats, das ich mehr und mehr den Bach herunter gehen sehe, weil es zu viele gibt, die immer nur und immer mehr kassieren wollen, und zu wenige, die das alles finanziell schultern müssen.

Gruß
Marion

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Aber Du zahlst mir nicht das Leben so, wie ich es will!
Den Kram bekomm ich ja nur, wenn ich mich an die Regeln halte!

Voll doof! Kennst Du nicht irgendwelche Tricks, wie ich die Kohle auch so abziehen kann?

Aber Du zahlst mir nicht das Leben so, wie ich es will!

Zahlst du, zahlen wir denn den ALG2’lern, das, was sie sich wünschen?

Machen wir es doch kurz und schmerzlos: gäbe es genug
Arbeitsplätze für jeden - oder zumindest die meisten -
Arbeitslosen sowie die sog. Stille Reserve?

Du meinst Arbeitsplätze, die von anderen geschaffen werden und
genau auf die Bedürfnisse der Arbeitssuchenden angepasst sind,
wie Entfernung vom Sofa, Arbeitslohn, genehme Arbeitszeit
etc.? Nein, davon gibt es nicht genug. Wenn aber Madame
willens ist, die klamme Haushaltskasse aufzubessern, ohne sich
aus dem Haus zu bequemen, dann könnte sie sich z.b. als
Tagesmutter Geld dazu verdienen.

Jup, oder sie könnte kleine Deckchen häkeln und sie über ebay verkaufen.
Wie schön, dass Wirtschaft so einfach funktioniert: die eine Hälfte der Arbeitslosen wird Tagesmutter und die andere Hälfte schneidet ihnen gegen Entgelt die Haare.

Von welcher Mehrheit sprichst du genau? Hast du irgendetwas
Empirisches zur Hand?

Von der Mehrheit, die nicht von HartzIV lebt. Der Anteil der
HartzIV-Empfänger liegt bundesweit gerade mal bei 7.7% (Stand
Februar 2009). Ich denke wir sind uns einig, dass der Anteil
der Nicht-HartzIV-Empfänger mit 92,3% der Bevölkerung die
Mehrheit ist.

Da sollte man vielleicht etwas genauer auf die Statistik(en) schauen, nach Bundesländern und famililären Background differenzieren.
Zum Beispiel alleinerziehende junge Mütter in Stadtstaaten, usw…

Es gibt zunehmend Forderungen, den Kindergarten verpflichtend zu :machen, gerade damit Kinder aus HartzIV Familien auch eine echte
Bildngschance erhalten. Dass Mami und/oder Papi den ganzen Tag
zu Hause rumhängen, scheint also wohl keine Garantie für gute
Erziehung zu sein, im Gegenteil.

Das ist nicht die zentrale Frage

Wer hat sich denn hier hingestellt und behauptet, nur weil die
Eltern zu Hause rumsitzen, wäre das irgendwie erziehungsmäßig
wertvoll?

Da hast du mich missverstanden: ich stelle im Gegensatz zu dir nur nicht von vorneherein in Frage, dass jemand, der wegen der Kinder zu Hause bleibt, per se ungeeignet und/oder faul ist, sondern ich gestehe ihm zu bzw. unterstelle, dass er er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten / Fähigkeiten um seine Kinder bemüht.
Dieser eher an immateriellen / ideellen Werten orientierte Ansatz mag mit deinem „homo oeconomicus“-Modell, in dem jeder bestrebt ist, den eigenen überwiegend materiellen Nutzen zu optimieren, kollidieren. Damit kann ich jedoch gut leben, solange meiner gesamtgesellschaftlicher (demokratisch legitimierter) Konsens ist.

Wer sich ausschließlich dafür geeignet hält, Kinder zu
erziehen, der kann so wunderbare Berufe wie Kindergärtner,
Lehrer, Erzieher usw. ergreifen. Du siehst, nicht mal das ist
eine geeignete Ausrede, um den Steuerzahlern auf der Tasche zu
liegen.

Dir ist schon bewusst, dass die Berufe des Kindergärtners, des Lehrers und des Erziehers gewisse Qualifikationen und Fähigkeiten erfordern, die die Mehrzahl aller Menschen nicht besitzen und sich auch nicht aneignen können.
Aber immerhin wirft dieses Statement ein erhellendes Licht auf deine Vorstellung von Erziehung, was wiederum einiges andere erklärt.

Verhaltensauffälligkeiten, Erfolg im Bildungssystem,
Kriminalitätsrate um nur mal ein paar Faktoren zu nennen.

Also bitte!
Um es zuzuspitzen: in einer Klasse von funktionierenden
Kindern, ist der, der dem Lehrer unbequeme Fragen stellt,
natürlich verhaltensauffällig (und ggf. erfolglos), weil er
für andere Werte als Funktionalität und Wirtschafzskonformität
steht.

Vielleicht erkundigst du dich mal, was man mit
„verhaltensauffällig“ bezeichnet. Bei solchen Kinder kann man
schon froh sein, wenn sie überhaupt auf ihrem Stuhl so lange
sitzen bleiben, um irgend eine Frage zum Unterricht zu
stellen.

Du wirst lachen. Ich muss mich nicht erkundigen. Mir ist schon aus eigener Erfahrung bewusst, dass unsere Art des Unterrichtes im Durchschnitt alles andere als kindgerecht ist und dass gerne mal die Schnellschuss-Diagnose ADS /ADHS gestellt wird, um aus Kindern mittels Medikation funktionierende, unterrichtskonforme Subjekte zu machen.

Und wenn ein Jugendlicher einen anderen abzieht, weil er aus
einem armen Elternhaus kommt, bedeutet es nicht,

Vor allem bedeutet es, dass derjenige keinen Respekt vor
Eigentum gelernt hat. Und Respekt vor Eigentum lernt man am
besten dadurch, was es heißt, für Eigentum tatsächlich
arbeiten zu müssen.

Wenn ich diesem Ansatz folge, kann ich also schließen, dass all die kleine Püppchen, denen Mama und Papa Zucker in den Arsch blasen, schlecht erzogen sind und sie nur deshalb nicht kriminell werden, weil sie keinen Mangel empfinden.

Das einzige, was man solchen Kindern raten kann, ist möglich
schnell möglichst viel Raum zwischen sich und ihre
HartzIV-Eltern zu bringen, um diese nicht ein Leben lang mit
durchfüttern zu müssen.

Interessanter Ansatz: die Eltern haben im Zweifel die Kinder
zur Welt gebracht, sie großgezogen, ihnen u.U. ihr
persönliches Glück und ihre eigene Lebensplanung geopfert,
ggf. auf Einkommen und das Schaffen von Vermögen verzichtet,
und sobald die Kinder ihrerseits Solidarität mit ihren Eltern
üben sollen, rätst du ihnen, in den Wind zu schießen.

Nein, diese Leute haben ein paar Kinder in die Welt gesetzt,
ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass Kinder auch
materielle Bedürfnisse haben, die erfüllt werden müssen. Nicht
die HartzIV Eltern haben auf Einkommen und das Schaffen von
Vermögen verzichten müssen, sondern die erwerbstätigen
Steuerzahler, die neben ihren eigenen Familien auch noch
HartzIV-Empfänger mitsamt Anhang mitfüttern müssen.

Wiederum ein sehr interessanter Standpunkt.
Genau deshalb kann wahrscheinlich der durchschnittliche H4-Empfänger mindestens einmal im Jahr Urlaub machen, sich ein Auto leisten und im Bioladen das Futter für seine Lieben besorgen, während die hart arbeitende Bevölkerung im Winter zum Holz hacken in den Wald gegen muss, damit sie nicht erfriert.

Finanziell haben HertzIV-Eltern nichts für ihre Kinder geleistet. :Wenn nun diese Kinder sauer sind, dass sie ihrerseits nun von einem
mageren Ausbildungsgehalt die Eltern mit durchfüttern sollen,
dann kann ich das sehr gut verstehen.

Es sollen - habe ich gehört - jenseits des Finanziellen, also außerhalb der ökonomischen Sphäre, weitere lohnende Werte - Altruismus, Bescheidenheit, Loyalität, Freude am Teilen, etc. - exitieren, die man seinen Kindern mit auf den Weg geben kann. Aber wem sage ich das?

Ich frage mich: welches erstrebenswerte Wertesystem vertrittst
du?

Ich vertrete das Wertesystem des demokratischen Sozialstaats,
das ich mehr und mehr den Bach herunter gehen sehe, weil es zu
viele gibt, die immer nur und immer mehr kassieren wollen, und
zu wenige, die das alles finanziell schultern müssen.

Lustige Argumentation in einer Situation, in der mehrere Millionen Menschen - nach deiner Diktion: Sozialschmarotzer - keinen Job finden, also offensichtlich die Menge an nachgefragter Arbeitskraft und nicht das Arbeitskraftangebot (als Funktion des Willens) der limitierende Faktor ist.
Wenn man weiter folgert, heißt das also, dass originär die Arbeitslosen dafür verantwortlich sind, wenn z.B. einem konjunkturellen Tief die Zahl der Arbeitsplätze und damit die der tragenden Schultern sinkt und dass daher die Arbeitenden das moralische Recht haben, ihre Solidarität aufzukündigen.

Lass mich raten: du wählst FDP? *gg*

Aber Du zahlst mir nicht das Leben so, wie ich es will!

Zahlst du, zahlen wir denn den ALG2’lern, das, was sie sich
wünschen?

Das ist eben der Punkt, auf den ich hinauswill - die Grenzen, innerhalb derer das eben genau so ist oder auch nicht, und um die dreht es sich in diesem Strang der Diskussion.

In Teilen tun wir nämlich genau das - Wünsche finanzieren. Wo hört die Not auf und fängt der Wunsch an? Die Grenzen sind prinzipbedingt willkürlich und diskutabel, weshalb es da wohl auch nie Konsenz und stets auch Mißbrauch geben wird.

Ich persönlich bin ein Freund von Angeln*, Du eher der Fischverteiler. Sei’s drum.

.m

* Willst du einen Hungrigen satt machen für einen Tag, schenk ihm einen Fisch. Willst du ihn jeden Tag satt machen, gib ihm eine Angel.

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Jup, oder sie könnte kleine Deckchen häkeln und sie über ebay
verkaufen.

Wenn sie es schaffen, in einer Stunde für 8 Euro Deckchen zu häkeln, warum nicht? Andere Menschen müssen schließlich auch zusehen, wie sie ihr Geld verdienen. Oder willst du mir etwa weismachen, dass jemand, der so wundervolle Fähigkeiten hat wie Haushalt organisieren, Serviettentechnik zu betreiben, Kinder zu wertvollen Menschen unserer Gesellschaft zu erziehen etc. völlig unfähig sein soll, auch nur irgend einen finanziellen Beitrag dazu zu leisten, seinen eigenen Lebensunterhalt und den seiner Kinder zu sichern?

Wie schön, dass Wirtschaft so einfach funktioniert: die eine
Hälfte der Arbeitslosen wird Tagesmutter und die andere Hälfte
schneidet ihnen gegen Entgelt die Haare.

Und was ist so schlimm daran? Immerhin bekommt dann jemand wenigstens eine Gegenleistund für das Geld, das er jemand anderem geben soll.

Zum Beispiel alleinerziehende junge Mütter in Stadtstaaten,
usw…

Alleinerziehende berufstätige Mütter im Stadtstaat Hamburg haben einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung, sogar während der Ferien. Es gibt wohl kaum eine Bevölkerungsgruppe, der sich mehr Möglichkeiten der Unterstützung eröffnen, eine Ausbildung zu machen, einen Job zu finden etc. als junge alleinerziehende Mütter.

Da hast du mich missverstanden: ich stelle im Gegensatz zu dir
nur nicht von vorneherein in Frage, dass jemand, der wegen der
Kinder zu Hause bleibt, per se ungeeignet und/oder faul ist,
sondern ich gestehe ihm zu bzw. unterstelle, dass er er sich
im Rahmen seiner Möglichkeiten / Fähigkeiten um seine Kinder
bemüht.

Oh, du hast mich auch missverstanden. Meinetwegen soll doch jeder zu Hause rumhängen, ob Kinder oder nicht, wenn er einen Dummen findet, der ihm das bezahlt. Nur ich will der Dumme nicht sein.

Dieser eher an immateriellen / ideellen Werten orientierte
Ansatz mag mit deinem „homo oeconomicus“-Modell, in dem jeder
bestrebt ist, den eigenen überwiegend materiellen Nutzen zu
optimieren, kollidieren. Damit kann ich jedoch gut leben,
solange meiner gesamtgesellschaftlicher (demokratisch
legitimierter) Konsens ist.

Du magst ja ruhig hochtrabend daher schwafeln. Aber wenn du gerne Bevölkerungsgruppen mit „ideelen“ Werten kennenlernen willst, dann besuch doch mal eine Essensausgabe in einer Großstadt, in welche HartzIV Empfänger ihre Kinder kostenlos zum Essen schicken, damit Pappa sich von HartzIV und Kindergeld einen neuen Plasmabildschirm an die Wand hängen kann. Sehr erbaulich ist es auch immer mal, 12-Jährigen Jungs in der S-Bahn zuzuhören, wenn sie sich darüber austauschen, dass ihre Mütter noch besoffen im Bett liegen, wenn sie aus der Schule kommen, und wo es 2 Tiefkühlpizzen für 1 Euro gibt und wie man sich sowas warm macht, damit es überhaupt was zu essen gibt. Du magst Armut ja irgendwie romantisch finden, aber du dürftest wohl kaum ein HartzIV Kind finden, dass diese Vorstellung teilt.

Dir ist schon bewusst, dass die Berufe des Kindergärtners, des
Lehrers und des Erziehers gewisse Qualifikationen und
Fähigkeiten erfordern, die die Mehrzahl aller Menschen nicht
besitzen und sich auch nicht aneignen können.

Du meinst also, wer zu blöd ist, eine Lehre als Kindergärtnerin zu machen oder sich auf eine andere Weise tatsächlich dafür zu qualifizieren, Kinder zu erziehen, von dem kann man aber selbstverständlich erwarten, dass die von dieser Person in die Welt gesetzten Kinder vernünftig erzogen werden? Woher soll diese Person diese Fähigkeit denn her nehmen?

Aber immerhin wirft dieses Statement ein erhellendes Licht auf
deine Vorstellung von Erziehung, was wiederum einiges andere
erklärt.

Und auf deine Vorstllung von Erziehung ebenfalls. Anscheinend ist Erziehung für dich etwas, was jeder Depp automatisch kann, der in der Lage ist, sich biologisch fortzupflanzen.

Du wirst lachen. Ich muss mich nicht erkundigen. Mir ist schon
aus eigener Erfahrung bewusst, dass unsere Art des
Unterrichtes im Durchschnitt alles andere als kindgerecht ist

Tatsächlich ist es wohl eher so, dass Schule immer mehr Defizite des Elternhauses auffangen muss. Nur hier kann die Gesellschaft ansetzen. Statt also HartzIV-Eltern auch noch Geld hinterher zu werfen, ohne dass die Gesellschaft irgend eine Kontrolle darüber hat, ob das Geld auch den Kindern zugute kommt, oder nicht doch von den Erzeugern verraucht und versoffen wird, sollte man dieses Geld lieber in den Aufbau von Ganztagsschulen stecken, sollte Kindern aus HartIV-Familien somit die Möglichkeit geben, wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag zu erhalten, einen ruhigen Ort, um Hausaufgaben zu machen, mit anderen Kindern zu spielen und sich entsprechend ihren Fähigkeiten zu entfalten. Dann gibt es auch keinen finanziellen Anreiz mehr, noch ein Kind in die Welt zu setzen, damit Pappa noch mehr saufen kann.

Vor allem bedeutet es, dass derjenige keinen Respekt vor
Eigentum gelernt hat. Und Respekt vor Eigentum lernt man am
besten dadurch, was es heißt, für Eigentum tatsächlich
arbeiten zu müssen.

Wenn ich diesem Ansatz folge, kann ich also schließen, dass
all die kleine Püppchen, denen Mama und Papa Zucker in den
Arsch blasen, schlecht erzogen sind und sie nur deshalb nicht
kriminell werden, weil sie keinen Mangel empfinden.

Ahja, so siehst du also berufstätige Menschen, die mit ihrer Arbeit nicht nur ihrer Familie, sondern auch noch den HartzIV-Familien ein finanzielles Auskommen bescheren?

Nein, diese Leute haben ein paar Kinder in die Welt gesetzt,
ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass Kinder auch
materielle Bedürfnisse haben, die erfüllt werden müssen. Nicht
die HartzIV Eltern haben auf Einkommen und das Schaffen von
Vermögen verzichten müssen, sondern die erwerbstätigen
Steuerzahler, die neben ihren eigenen Familien auch noch
HartzIV-Empfänger mitsamt Anhang mitfüttern müssen.

Wiederum ein sehr interessanter Standpunkt.
Genau deshalb kann wahrscheinlich der durchschnittliche
H4-Empfänger mindestens einmal im Jahr Urlaub machen, sich ein
Auto leisten und im Bioladen das Futter für seine Lieben
besorgen,

Und noch aufgeregte Diskussionen darüber führen, ob es nun die Abwrackprämie für seinen Neuwagen noch zusätzlich zu HartIV oben drauf geben soll und ob es nicht am sinnvollsten für HartzIV-Empfänger ist, sich Wohneigentum anzuschaffen, dass dann der Steuerzahler ihm auch noch finanziert, und ob man denn nicht für das 6. Kind auch nochmal irgendwo eine Erstausstattung abzocken kann.
Falls du es nicht glaubst, empfehle ich dir regelmäßige Lektüre des entsprechenden Bretts hier im Forum.

Finanziell haben HertzIV-Eltern nichts für ihre Kinder geleistet. :Wenn nun diese Kinder sauer sind, dass sie ihrerseits nun von einem
mageren Ausbildungsgehalt die Eltern mit durchfüttern sollen,
dann kann ich das sehr gut verstehen.

Es sollen - habe ich gehört - jenseits des Finanziellen, also
außerhalb der ökonomischen Sphäre, weitere lohnende Werte -
Altruismus, Bescheidenheit, Loyalität, Freude am Teilen, etc.

  • exitieren, die man seinen Kindern mit auf den Weg geben
    kann.

Ach, und solche Werte glaubst du ausgerechnet bei HartzIV-Empfängern aus gemacht zu haben? Vielleicht sollten die Eltern ihren Kindern erstmal vormachen, dass sie etwas von ihrem Einkommen mit den Kindern teilen, bevor sie von den Kindern verlangen, dass deren Einkommen für ihren Unterhalt angerechnet wird. Ihr Eikommen geteilt und Loyalität gezeigt, haben sich diesen Kindern gegenüber wohl nur die Abgabenzahler.

Ich vertrete das Wertesystem des demokratischen Sozialstaats,
das ich mehr und mehr den Bach herunter gehen sehe, weil es zu
viele gibt, die immer nur und immer mehr kassieren wollen, und
zu wenige, die das alles finanziell schultern müssen.

Lustige Argumentation in einer Situation, in der mehrere
Millionen Menschen - nach deiner Diktion: Sozialschmarotzer -
keinen Job finden, also offensichtlich die Menge an
nachgefragter Arbeitskraft und nicht das Arbeitskraftangebot
(als Funktion des Willens) der limitierende Faktor ist.

Irgendwie liest du schlechte Bücher. Wir reden hier nicht über Menschen, die tatsächlich arbeiten wollen, aber keinen Job finden, sondern über Hausfrauen, die zwar Sozialleistungen kassieren wollen, es aber als Zumutung empfinden, auf eine Weiterbildung geschickt zu werden, die sie vielleicht überhaupt erst in die Lage versetzt, sich erfolgreich am Arbeitsmarkt zu bewerben. Frag dochmal unsere Ausgangsposterin hier, wieviel Bewerbungen sie in den letzten 4 Wochen so geschrieben hat, nur damit du mal ein Gefühl für die Realität bekommst.

Wenn man weiter folgert, heißt das also, dass originär die
Arbeitslosen dafür verantwortlich sind, wenn z.B. einem
konjunkturellen Tief die Zahl der Arbeitsplätze und damit die
der tragenden Schultern sinkt und dass daher die Arbeitenden
das moralische Recht haben, ihre Solidarität aufzukündigen.

Das Problem ist nicht, dass die Zahl der Arbeitsplätze sinkt, sondern das Problem ist, dass wir in Deutschland zu viele Leute haben, die für den Arbeitsmarkt gar nicht zu gebrauchen sind und dann auch noch munter Kinder in die Welt setzen, die natürlich ebenfalls ernährt und krankenversicher werden müssen, während gleichzeitig ganze Branchen (Gastronomie, Pflegeberufe) wegen Arbeitskräftemangel zusammenbrechen würden, wenn sie nicht Menschen aus dem Ausland anwerben könnten.

Lass mich raten: du wählst FDP? *gg*

Nein, aber ich gönn den Leuten diese Regierung von Herzen, die es in ihrer Dummheit und grenzenlosen Faulheit nicht mal geschafft haben, ihren Hintern vom Sofa in die Wahllokale zu bewegen.

Gruß
Marion

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In Teilen tun wir nämlich genau das - Wünsche finanzieren. Wo
hört die Not auf und fängt der Wunsch an? Die Grenzen sind
prinzipbedingt willkürlich und diskutabel, weshalb es da wohl
auch nie Konsenz und stets auch Mißbrauch geben wird.

Wir finanzieren Bedarfe, keine Wünsche.
Hat etwas mit unserer humanistischen Gesellschaft und Menschenwürde zu tun.
Natürlich kann man auf dem Standpunkt stehen, dass der, der am definierten Existenzminimun lebt, dieses auch wünscht.
Das wäre allerdings nur dann ein redlicher Standpunkt, wenn der, der es „wünscht“, seine Situation aus eigener Kraft ( eventuell mit Unterstützung anderer) ändern kann.

Ich persönlich bin ein Freund von Angeln*, Du eher der
Fischverteiler. Sei’s drum.

In einem fischlosen Gewässer wirst du mit Angeln nicht weit kommen.

In Teilen tun wir nämlich genau das - Wünsche finanzieren. Wo
hört die Not auf und fängt der Wunsch an? Die Grenzen sind
prinzipbedingt willkürlich und diskutabel, weshalb es da wohl
auch nie Konsenz und stets auch Mißbrauch geben wird.

Wir finanzieren Bedarfe, keine Wünsche.

Das ist Meinung, aber nicht Fakt.

Natürlich kann man auf dem Standpunkt stehen, dass der, der am
definierten Existenzminimun lebt, dieses auch wünscht.

Wenn er bspw. nicht daran arbeitet, wieder auf eigene Beine zu kommen, dann kann man das wohl so sagen, ja.

Das wäre allerdings nur dann ein redlicher Standpunkt, wenn
der, der es „wünscht“, seine Situation aus eigener Kraft (
eventuell mit Unterstützung anderer) ändern kann.

Oh, es gibt so viele Möglichkeiten und Angebote. Die sind nicht unbedingt bequem, aber ein Recht auf Bequemlichkeit sehe ich auch nicht.

Ich persönlich bin ein Freund von Angeln*, Du eher der
Fischverteiler. Sei’s drum.

In einem fischlosen Gewässer wirst du mit Angeln nicht weit
kommen.

Richtig, aber darum geht’s ja hier nicht. Deutschland ist nicht so leergefischt.

Um mal wieder auf das Ausgangsposting zurückzukommen: Warum wird danach gefragt, wie man drum herumkommt, anstatt zu fragen, wie man das nicht alles hinbekommen könnte? Das ist eigentlich an der Stelle mein zentrales „Problem“.

.m

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