Hallo Raimund,
das ist eben nicht dasselbe Schmierentheater. Wenn Schröder etwas versprochen und nicht gehalten hat, ist dies doch etwas anderes als das, was am Donnerstag auf Freitag geplant und im Bundesrat am Freitag als „emotionale Erregung“ dem Bürger hätte beeindrucken sollen. Dass die andere Seite bei verlorenen Abstimmungen sich auch ärgerlich zeigt, hat eine andere und in der Tragweite weitaus geringere Qualität als dieses Vorgänge im Bundesrat. Es geht hier auch nicht mehr um Geschenke.
Die Diskussion am Freitag habe ich verfolgt. Die Abstimmung konnte ich nur im Büro anhören und ich hatte ein gewisses Verständnis für die Aufregung. Wenn ich aber nun das Geständnis von Müller höre - diese Show soll legitim sein - Merkel die alles abstreitet - und Goppel der diese Abmachungen bestätigt, dann wurde der Bürger, der diese Sendungen aus Interesse anhörte schlichtweg verarscht. Nun kenne ich aus der Praxis ja, dass sich einige durchaus im Bundestag manches an die Waffel hauen und danach miteinander Karten spielen. Dies ist für mich auch völlig normal. Harte Sachargumentation, danach aber wird es wieder gemütlich. Das war in Bonn so und ist in Berlin so. Und das ist gut so.
Wenn die Aktion aber von Ministerpräsidenten geplant wird, die nur bedauern, dass es zu laut wurde, man habe es etwas kleiner gewollt, dann hat dies nichts mehr mit Wahlkampf zu tun. Dies ist eine Missachtung des Bundesrates und eine Verhöhnung der Bürger dieses Landes. Diese Herren haben in Kauf genommen, dass sich noch mehr Bürger von der Politik abwenden. Sie heucheln eine Emotion, die es nie gab, sondern die geplant wurde. Diese Aktion wird Stoiber einige Minuspunkte bei den kommenden Umfragen einbringen und er wird sich von dieser Aktion nicht erholen.
Selbst wenn ich Dir zustimme, dass Schröder einiges versprochen und nicht gehalten hat, wird der Bürger den Vorgang, dass der möglicherweise künftige Bundeskanzler Stoiber sogar Emotionen zu Themen plant, nicht vergessen. Hirfür wird Stoiber nach meienr Auffassung von den Wählern abgestraft. Und das soll er wohl, so auch geplant und zwar in der CDU, auch werden. Ich sehe hier sehr grosse Paralellen zu FJS.
Denk doch mal, was Schröder heute für Schwachsinn verzapft hat
(Erhöhung des Kindergeldes, Absenken der Steuer, …usw.).
alles so durchsichtige Versprechen, dass man die Absicht
sofort erkennt. Würden nie eingehalten. Gerade Schröder
verspricht viel und hält wenig.
Alles in allem, aber alle diese Punkte, die Du als nicht erfüllt darstellst sind nun tatsächlich erfüllt worden.
Aber um auf das Ausgangsthema zu kommen: diese künstliche
Aufrege der CDU/CSU ist absolut legitim und wird von jeder
Partei angewandt.
Die Aufregung ist legitim, dass aber Aufregung organisiert wird, Aufregung abgesprochen wird, um ein Ziel zu torpedieren, das man möglicherweise nicht erreicht hat, ist dreist.
Wenn angeblich alles nichts mit Wahlkampf zu tun haben soll, wie uns die CDU-Führung Glauben machen will, muss man davon ausgehen, dass hier Ausländerfeindlicheit projektieren will, um mit dem rechten Rand eine Wahl zu gewinnen. Und wenn ich noch härter dies sehe, höre ich von MP Teufel von der Gefahr, die aus der Türkei uns droht, von Stoiber von der Gefahr des Islam, die Merkel beschwört auch den Islam. Die CDU macht derzeit eine Affentheater was den Islam betrifft wie einst in Bezug auf den Kommunismus. Das weisst Du auch.
Ich akzeptiere Deine Verteidigung der CDU, dort wo ich es für richtig finde, verteidige ich die CDU auch, aber ich erlaube mir auch, dort wo die SPD oder andere Parteien recht haben, dies zu akzeptieren und dann diesen Standtpunkt zu verteidigen.
Wobei ich gelernt habe, wäre ich in einer entsprechenden Versammlung ( ich habe früher politische Versammlungen und Podiumsdiskussionen ( da war eigene Meinung nicht zulässig) geleitet, teilweise zu heiklen Themen) oder gar aktiv noch tätig, den Anwesenden alles was ich da höre als völligen Unsinn zu vermitteln. Hierzu nimmt man die eigene Ehefrau oder Freunde nicht mit. Das Risiko, an den Tisch zu kommen und man wird angesrochen, dass man das, was man da erzählt habe, doch nicht die eigene Meinung und das bekommt jemand mit, ist zu groß.
Und danach kann mit anderen zu diskutieren, wie gut deren Vorschläge sind. Es wird ausgelotet. Im Gespräche werden Möglichkeiten verworfen. Wenn man dann seinen Weg gefunden hat, den Vorschlag der anderen unter den Tisch zu reden und für sich denselben Vorschlag als Idee zu verkaufen, ist man in der Politik auf dme richtigen Weg. Haben wir in wochenlangen, monatelangen, nimmt man alle Kurse zusammen, Schulungen gelernt.
Eines muss man auch beherrschen. Der politische Gegner muss ab und an bestätigt werden. Es darf nicht alles nur schlecht geredet werden. Wer diese Praxis - und dies sind derzeit leider mehr als man ahnt - nicht beherrscht, muss damit rechnen, dass der politische Gegner auch kein gutes Haar an den Ideen lässt. Betrachte mal Reden von Wehner, Barzel, Strauss, Schmid usw. Es waren Sternstunden des Parlamentes. Es wurde hart gerungen, gestritten teilweise gepöbelt, wenige Male beleidigt. Doch ich finde und kenne keine Rede, in welcher nicht eine Seite der anderen bescheinigt hat, dass sie auf dem richtigen Weg sei, nur man habe Einwendungen. Und Heute ? Die CDU hört die SPD schnaufen und schreit schon auf. Die SPD sieht jemand von der CDU und wird schon krank. Keiner akzeptiert, dass der andere auch etwas kann, auch Ideen hat. Nein, weil man sich nicht mit anderen Gedanken auseinandersetzen will, wird rundweg alles abgelehnt.
So habe ich Politik nicht erlernt, verstehe Politik nicht so und
lehne Politik in dieser Form auch ab.
Gruss Günter