Idealismus
Hallo Marion,
Das sind keine zwei Extreme. Das eine schließt das andere
nicht aus. Warum soll jemand nicht wollen, dass „Auge um Auge,
Zahn um Zahn“ allgemeines Gesetz wird und er auch persönlich
danach handelt?
Ohne Kontext nicht, völlig richtig, mein Fehler, ich habe gedanklich einen Schritt übersprungen: Ich hatte es als zwei Extreme dargestellt, weil Kant mit seinem Diktum sicher nicht das Prinzip des Alten Testaments zum KI erheben wollte
In diesem Sinne habe ich diese Prinzipien gegenübergestellt. Natürlich ließe sich der KI aus dem Kontext herausgelöst auch i.S.v. Mord & Totschlag auslegen.
Zumindest sind Fernsehshows ein Indikator für Art der jeweiligen Zivilisation. Sie spiegeln einen gewissen
Mainstream wieder, der sich durchaus auch im Alltagsleben
zeigt. Ich behaupte mal, wenn das literarische Quartett soviele Zuschauer hätte, wie dies Gameshows, sähe auch unsere Gesellschaft anders aus.
Was für ein Ideal soll das widerspiegeln? Eine Gesellschaft, die mehr liest etc. ist weniger gewaltbereit?!?
Ich würde mal sagen, auf jeden Fall ein Niedergang an
Fähigkeiten. In der Entwicklung von Zivilisation baut
normalerweise eins auf das andere auf. Fähigkeiten gehen nicht
verloren, sondern werden weiterentwickelt. Hier gibt es schon
den ersten Bruch in unserer Zeit. Viele handwerkliche Arbeiten
wären zum Beispiel heutzutage gar nicht mehr ausführbar, weil
es niemanden mehr gibt, der sie beherrscht. Insgesamt betrachtet ist der Mensch ein Wesen mit vielen Fähigkeiten und Anlagen. Diese zu fördern sollte das Ansinnen einer Zivilisation sein, um sich weiterzuentwickeln.
Sprechen wir von den Folgen der Verrohung oder den Folgen der fortschreitenden Technisierung? Oder bedingt eins das andere?
Wenn solche Gameshows ein Spiegel der Verrohung unserer
Zivilisation sind, dann kann es nur bedeuten, dass Gewalt als
Mittel der Durchsetzung wieder gesellschaftsfähig wird. Also
Pech für die kleinen Dünnen mit viel Grips.
Du unterschätzt die Schreibtischtäter, Marion
Wer ist gefährlicher, der türkische Häuser anzündende Neonazi oder der rechtsradikale Intellektuelle, der das passende Theoriengebäude entwirft? Wie sagte mal einer dieser Herren seinerzeit in einem Gespräch? „Diese Ausschreitungen waren zu diesem Zeitpunkt höchst unpassend. Sie haben unserer Sache nur geschadet.“
Nur hat Gewalt selten etwas aufgebaut, manchmal etwas erhalten können, meistens nur zerstört.
Und wie definiert sich Gewalt? Allein in der Form von Krieg, Brandschatzung und Totschlag?
Gesellschaftliche Entwicklung ist nie monokausal, jedoch ist
es in vielen Fällen möglich Trends aufzuzeigen und
zurückzuverfolgen.
Nochmal zum Ausgangspunkt: Das Phänomen der öffentlichen Zurschaustellung von Gewalt wie in diesen Gameshows hat es in den meisten, wenn nicht allen Gesellschaften gegeben. Es liegt, wie Metapher schon dargelegt hat, an bestimmten menschlichen Grundmustern, sich an Brutalität zu ergötzen. Allein das Deckmäntelchen hat sich nur im Laufe der Menschheitsgeschichte verändert.
…in welche Richtung die Reise gehen soll, darauf kann man durchaus Einfluss nehmen.
Unverbesserliche Idealistin 
Grüsse
Diana