Hallo Diana,
Ohne Kontext nicht, völlig richtig, mein Fehler, ich habe
gedanklich einen Schritt übersprungen: Ich hatte es als zwei
Extreme dargestellt, weil Kant mit seinem Diktum sicher nicht
das Prinzip des Alten Testaments zum KI erheben wollte 
Wieso bist du dir da so sicher ? *schmunzel* Aber nun gut, das ist vermutlich eine andere Diskussion.
Zumindest sind Fernsehshows ein Indikator für Art der
jeweiligen Zivilisation. Sie spiegeln einen gewissen
Mainstream wieder, der sich durchaus auch im Alltagsleben
zeigt. Ich behaupte mal, wenn das literarische Quartett
soviele Zuschauer hätte, wie dies Gameshows, sähe auch unsere
Gesellschaft anders aus.
Was für ein Ideal soll das widerspiegeln?
Keines, ich sagte nur anders. Ich sagte nicht „besser“ oder „schlechter“.
Eine Gesellschaft,
die mehr liest etc. ist weniger gewaltbereit?!?
Prinzipiell würde ich das nicht behaupten. Nur die Form der Gewalt kann anders sein. Eine Gesellschaft, wo Lesen und intellektuelle Fähigkeiten einen hohen Stellenwert haben, kann zum Beispiel sehr viel psychische Gewalt auf Leute ausgeübt werden, die weniger „intellektuell“ sind. Dennoch würde diese Gesellschaft ein ganz anderes Erscheinungsbild haben, als eine Gesellschaft, in der das Faustrecht regiert.
Ich würde mal sagen, auf jeden Fall ein Niedergang an
Fähigkeiten. In der Entwicklung von Zivilisation baut
normalerweise eins auf das andere auf. Fähigkeiten gehen nicht
verloren, sondern werden weiterentwickelt. Hier gibt es schon
den ersten Bruch in unserer Zeit. Viele handwerkliche Arbeiten
wären zum Beispiel heutzutage gar nicht mehr ausführbar, weil
es niemanden mehr gibt, der sie beherrscht. Insgesamt
betrachtet ist der Mensch ein Wesen mit vielen Fähigkeiten und
Anlagen. Diese zu fördern sollte das Ansinnen einer
Zivilisation sein, um sich weiterzuentwickeln.
Sprechen wir von den Folgen der Verrohung oder den Folgen der
fortschreitenden Technisierung? Oder bedingt eins das andere?
Es geht nicht um fortschreitende Technisierung an sich sondern um z.B. Gleichmacherei durch technologische Standardisierung. Handwerksstücke waren immer auch Unikat. Massenproduktion hingegen nicht. Je größer der Einfluß von Gleichmacherei in einer Gesellschaft, desto stärker wächst der Druck auf „Randgruppen“. In diesem Zusammenhang meine ich mit Massenproduktion auch durchaus die Medien. Globalisierung führt eben nicht „nur“ zu größeren Horizonten, sondern auch dazu, dass von Chicago bis Katmandu die gleichen Jeansmarken getragen werden.
Wenn solche Gameshows ein Spiegel der Verrohung unserer
Zivilisation sind, dann kann es nur bedeuten, dass Gewalt als
Mittel der Durchsetzung wieder gesellschaftsfähig wird. Also
Pech für die kleinen Dünnen mit viel Grips.
Du unterschätzt die Schreibtischtäter, Marion
Wer ist
gefährlicher, der türkische Häuser anzündende Neonazi oder der
rechtsradikale Intellektuelle, der das passende
Theoriengebäude entwirft? Wie sagte mal einer dieser Herren
seinerzeit in einem Gespräch? „Diese Ausschreitungen waren zu
diesem Zeitpunkt höchst unpassend. Sie haben unserer Sache nur
geschadet.“
Ich versteh schon deinen Punkt, aber ich meinte was anderes. Wenn du auf offener Straße von drei Männern vergewaltigt wirst, und die Leute stehen drum herum und johlen, weil sie sich wie das Publikum in einer Gameshow vorkommen, dann weisst du, unsere Gesellschaft hat sich verändert.
Nur hat Gewalt selten etwas aufgebaut, manchmal etwas
erhalten können, meistens nur zerstört.
Und wie definiert sich Gewalt? Allein in der Form von Krieg,
Brandschatzung und Totschlag?
Gewalt ist immer mit Ausübung von Macht verbunden, in welcher Form auch immer. In dem Moment, wo diese Macht nicht (mehr) einvernehmlich ausgeübt wird, wird sie zum Problem.
Nochmal zum Ausgangspunkt: Das Phänomen der öffentlichen
Zurschaustellung von Gewalt wie in diesen Gameshows hat es in
den meisten, wenn nicht allen Gesellschaften gegeben. Es
liegt, wie Metapher schon dargelegt hat, an bestimmten
menschlichen Grundmustern, sich an Brutalität zu ergötzen.
Allein das Deckmäntelchen hat sich nur im Laufe der
Menschheitsgeschichte verändert.
Siehe meine Antwort oben an Metapher. Ich denke, hier irrt ihr beide. Dies kann man eben NICHT unbedingt miteinander vergleichen.
…in welche Richtung die Reise gehen soll, darauf kann man
durchaus Einfluss nehmen.
Unverbesserliche Idealistin 
*lach* nein, das war einmal. Jedoch entwickelt sich nichts „von alleine“. Es gibt immer Faktoren, die zu einer Entwicklung beitragen, sei es nun in der eigenen Biographie, einer Beziehung oder auch der Entwicklung einer Gesellschaft. Der letzte große Einfluß waren hier IMHO der Computer und die Massenmedien. Der nächste wird die Biotechnologie sein. Und wir täten gut daran, beizeiten die Weichen zu stellen.
Gruss
Marion