Endlich (Krankenhausärzte)

endlich hat das höchste Gericht (Europäischer Gerichtshof) geurteilt, dass der Bereitschaftsdienst der Ärzte Arbeitszeit ist.
m.M.: ein längst fälliges Urteil!
Mur weil der Arzt gerade keinen Bauch aufschneidet ihn umsonst arbeiten zu lassen war nichts anderes als Ausbeutung.
der Chefarzt (der, der das dickste Geld einstreicht) macht m.W. keinen. Dafür hat er seine HiWis.
Oder was meint Ihr dazu?

Grüße
Raimund

Hi!

endlich hat das höchste Gericht (Europäischer Gerichtshof)
geurteilt, dass der Bereitschaftsdienst der Ärzte Arbeitszeit
ist.
m.M.: ein längst fälliges Urteil!
Mur weil der Arzt gerade keinen Bauch aufschneidet ihn umsonst
arbeiten zu lassen war nichts anderes als Ausbeutung.
der Chefarzt (der, der das dickste Geld einstreicht) macht
m.W. keinen. Dafür hat er seine HiWis.
Oder was meint Ihr dazu?

Zu allererst bedeutet dieses Urteil, dass wir die aktuelle Gesundheitsreform in die Tonne treten können. Die notwendige sofortige Umsetzung des EuGH-Urteils in deutsches Recht erfordert 27.000 neue Ärzte und 14.000 weitere Beschäftigte im Pflegedienst - und die wachsen ja auch nicht auf der flachen Hand. Eine Abrechnung der Bereitschaftsstunden in Form von Gehalt schließt das Urteil aus, da Arbeitszeitobergrenzen für die Ärzte festgelegt wurden, die deutlich unter den jetzigen Bereitschaftsregelungen liegen (statt 80 Stunden nur noch 60 Stunden wöchentlich).

Erste Überschlagsrechnungen ergeben einen zusätzlichen Finanzbedarf von 1,75 Milliarden Euro. Und die werden bestimmt nicht aus einem der Töpfe des Bundesschuldenverwalters Eichel gezahlt.

Die Folgen also:
Alle Krankenkassen müssen mit den Beiträgen rauf. Ich weiß nicht, wie viel Prozenpunkte die 1,75 Milliarden ausmachen, aber wir werden es zu spüren bekommen.
Als Alternative steht nur eine Ausdünnung der medizinischen Versorgung auf breiter Ebene zur Diskussion. Krankenhäuser müssen fusionieren, damit die Personaldecke ausreicht, um den neuen gesetzlichen Vorschriften Folge leisten zu können. Wo heute noch vier Krankenhäuser betrieben werden, dürften in Zukunft nur noch drei zur Verfügung stehen.

Grüße
Heinrich

Hallo,
mir hätte es besser gefallen, wenn festgelegt worden wäre, daß jede Art von Bereitschaftsdienst Arbeitszeut ist. Die Beschränkung auf Ärzte finde ich nicht so toll.
cu Rainer

Hallo Heinrich,
Du hast das Thema gewechselt. Gäbe es noch weniger Ärzte und noch weniger Geld, müßten dann die vorhandenen Ärzte umsonst 24 Stunden am Tag arbeiten? Wenn Ärzte benötigt werden, müssen erstens genug ausgebildet werden und zweitens müssen sie so bezahlt werden, daß sie nicht abwandern. Wie das bezahlt wird ist ein ganz anderes Thema.

Die Gesundheitsreform gehört nicht erst jetzt in den Müll, sie war nie etwas anderes, weil sie von Anfang an kontraproduktiv war, wie die gesamte Agenda 2010. So weit meine Meinung dazu.

cu Rainer

Wieso sollte es nur für Ärzte gelten?
Hallo,

mir hätte es besser gefallen, wenn festgelegt worden wäre, daß
jede Art von Bereitschaftsdienst Arbeitszeut ist. Die
Beschränkung auf Ärzte finde ich nicht so toll.

es ging zwar um einen Arzt, weil der nun mal den Prozeß angestrengt hat, aber wer sagt denn, dass dies nun nur für Ärzte gilt?

Am besten mal die Pressemitteilung des EuGH lesen: http://www.curia.eu.int/de/actu/communiques/cp03/aff…

Zitat: „Der Gerichtshof gelangt daher zu dem Ergebnis, dass eine nationale Regelung wie die deutsche, nach der dieser Bereitschaftsdienst - mit Ausnahme der Zeit, in der der Arbeitnehmer tatsächlich seine beruflichen Aufgaben wahrgenommen hat - als Ruhezeit eingestuft wird und nur für Zeiten tatsächlicher Tätigkeit ein Ausgleich vorgesehen ist, mit der Gemeinschaftsrichtlinie nicht vereinbar ist.“

Sprich, in der abschließenden Bewertung steht nichts mehr von Ärzten, demnach ist das Urteil auf den gesamten Bereich mit Bereitschaftsdiensten anzuwenden, also gesamtes Klinikpersonal, Feuerwehr, Rettungsdienst und wen es noch so betreffen mag. Die Ärzte machen dabei eine sicher nicht unerhebliche Gruppe aus, aber das Thema betrifft genauso das Pflege-, Labor-, Funktionspersonal im Krankenhaus, zehntausende von Rettungsdienstlern, 27.627 Berufsfeuerwehrleute öffentlicher Feuerwehren, tausende von Berufsfeuerwehrleuten nichtöffentlicher Feuerwehren und und und…
All jene eben, die Tag und Nacht für unsere Sicherheit sofort zur Stelle sind.

Gruß, Claus

Hallo,
entschuldigung, ich hätte mich besser informieren sollen.
Toller Spruch! Für die Betroffenen und das vermeidet Fehler durch Überforderung.
cu Rainer

Hallo,
es war nicht nur ein blick zu den Ärzten.
Jetzt wird das Rad weitergedreht: Feuerwehr, Polizei…halt alle, die bisher um ihre Zeit betrogen wurden.
Schließlich weiß ein Feuerwehrmann auch bessres mit seiner Zeit anzufangen, als auf der Feuerwache Skat zu klopfen.
Grüße
Raimund

hall Reiner,
Richtig!
Denn um bei den Ärzten zu bleiben: es ist ein Wunder, dass es nicht mehr „Kunstfehler“ gibt. Ein mensch, der 80 Std./Woche arbeitet, auch wenn er dabei mal sich hinlegen kann, ist einfach überfordert.
Welcher derjenigen, die 37 Std/Woche arbeitet, wäre denn bereit weitere 43 Stunden ohne Bezahlung oder wesentlich geringerer Bezahlung im Betrieb sich aufzuhalten?
Grüße
Raimund

hallo Heinrich,
nun, die Menge an neuen Arbeitsplätzen sind lt. KH-Verwaltung nicht nötig.
Doch gleichgültig, wieviel neu eingestellt werden müssen: seit jahren schreien doch alle, dass zu wenig Arbeitsplätze vorhanden sind, dass es zu viele Ärzte gibt, usw. Jetzt haben wir die Chance den Ärzteberg abzubauen, jetzt ist es auch wieder nicht recht!
Ausserdem möchte ich mal Deine Gedanken lesen, wenn Du für eine OP vorbereitet wirst und weisst, dass der operierende Arzt schon seine 70. Wochenstunde schiebt.
Mir währe nicht wohl dabei.
Die finanzielle Seite ist eine andere.
Jetzt haben doch endlich die Kassen die chance wieder kräftig zu zulangen und den „Schwarzen Peter“ dem Europäischem Gerichtshof die Schuld anzu lasten. Ich vermute, dass ca. 0,5 - 0,8 % Beitragsanpassung kommt.
Jetzt wird das Geschrei wieder losgehen, dass die bösen Privatversicherten die Kassen retten sollen. Was absoluter Blödsinn ist. Aber das ist ein anderes Thema.
Eine Ausbeutung eines Teils der Bevölkerung mit dem Hinweis: wer soll´s denn bezahlen, ist menschenverachtend.
Ich habe schon seit jeher diejenigen bemitleidet, die diese unbezahlten Überstunden schieben mussten.
Grüße
Raimund

Hallo!

Zu allererst bedeutet dieses Urteil, dass wir die aktuelle
Gesundheitsreform in die Tonne treten können.

Diese „Reform“ war ohnehin Unsinn.
Wir brauchen keine Reform des Gesundheitswesens, sondern eine Revolution in demselben…

Die notwendige
sofortige Umsetzung des EuGH-Urteils in deutsches Recht
erfordert 27.000 neue Ärzte und 14.000 weitere Beschäftigte im
Pflegedienst - und die wachsen ja auch nicht auf der flachen
Hand.

Es gibt in diesem Land echte 6,5 bis 7 Mio. Arbeitslose. Von diesen könnte man sicherlich, die richtigen Massnahmen vorausgesetzt, einige dazu motivieren, sich im Pflegedienst zu engagieren.
Neue Ärzte gibt es ebenfalls, man müsste nur das Studium der Medizin aus seiner elitären, eintrittsbeschränkten Ecke herausführen.

Eine Abrechnung der Bereitschaftsstunden in Form von
Gehalt schließt das Urteil aus, da Arbeitszeitobergrenzen für
die Ärzte festgelegt wurden, die deutlich unter den jetzigen
Bereitschaftsregelungen liegen (statt 80 Stunden nur noch 60
Stunden wöchentlich).

Das reicht auch. Ich arbeite auch nicht mehr als 60 Stunden pro Woche. Das ist mit meinen 30 jahren und meiner sehr guten Gesundheit die Grenze, ab der ich anfange gravierende Fehler zu machen.
Bei mir kostet es Geld, beim Arzt vielleicht das Leben.

Erste Überschlagsrechnungen ergeben einen zusätzlichen
Finanzbedarf von 1,75 Milliarden Euro. Und die werden bestimmt
nicht aus einem der Töpfe des Bundesschuldenverwalters Eichel
gezahlt.

1,75 Mrd. € sind kein Problem freizuschaufeln. Alles eine Frage der Prioritäten, der Bundeshaushalt beträgt ca. 150 Mrd. €.

Die Folgen also:
Alle Krankenkassen müssen mit den Beiträgen rauf.

Möglicherweise. Allerdings könnte man auch die Zahl der Krankenkassen von mehreren Hundert auf ca. 10 Stück reduzieren. Man würde somit sicherlich einen zweistelligen Mrd.-Betrag an Verwaltungskosten sparen.

Ich weiß
nicht, wie viel Prozenpunkte die 1,75 Milliarden ausmachen,
aber wir werden es zu spüren bekommen.

Das fürchte ich auch. Aber weshalb sollten gerade die Ärzte es ausbaden müssen?
Diese Leute verfolgen eine sehr schwere Ausbildung bis zum 30. Lebensjahr. Das ist teuer, also sollten wir uns wünschen, dass sie uns bis 65 zur Verfügung stehen und nicht mit 45 am Herzinfarkt eingehen.

Als Alternative steht nur eine Ausdünnung der medizinischen
Versorgung auf breiter Ebene zur Diskussion.

Das wird parallel kommen. Es ist unvermeidlich, s. Demographieentwicklung.

Krankenhäuser
müssen fusionieren, damit die Personaldecke ausreicht, um den
neuen gesetzlichen Vorschriften Folge leisten zu können. Wo
heute noch vier Krankenhäuser betrieben werden, dürften in
Zukunft nur noch drei zur Verfügung stehen.

Wen juckt das?

Grüße,

Mathias

Hi Raimund!

Bevor ich die andere Meinungen lese, schreibe ich hier meine eigene:

Ich denke, in erste Linie, daß kein Mensch in der Lage ist, nach 29 Arbeitsstunden geistig soooooo fit zu sein, um evtl lebenswichtige Entscheidungen treffen zu können. Geschweige denn wichtige Handlungen durchführen. Oder mit anderen Wörtern: Wenn ich einen sehr schwer Unfall gehabt habe, möchte ich nicht (bei aller Liebe und Respekt) im Krankenhaus, in den Zuständigskeitbereich eines übermüdeten Arzt landen. Und das ist für mich genau der Fall, wenn jemand gerade 25 Std. Bereitschaftsdienst gehabt hat.

Aber ich sehe auch, daß im Bereitschaftdienst, die Ärzte, meistens nicht unter Dauerstreß sind. Ich wage aber nicht einen Psychologe zu fragen, was er davon hält (Ich vermute er würde bestätigen, daß der Arzt 1. nicht mehr belastbar ist und 2. übermüdet und somit ausserstande wichtige Entscheidungen zu treffen).

Auf den anderen Seite, denke ich, daß all diese Arbeitszeiten irgendwie finanziert werden müssen. Die Kosten, die jetzt auf den Gesundheitswesen kommt, ist kaum vorstellbar. Ich denke, das war in erste Linie der Grund weshalb bis jetzt Bereitschaftsdienste keine „so richtige“ Arnbeitszeit war (wenn ich mich so ausdrücken darf!)

Mit diesem Text wollte ich zum Ausdruck bringen, daß ich die Ärzte sehr gut verstehe. Und jetzt muß das Gesundheitsbehörden eine Finanzierungsart (der „neuen“ Arbeitszeiten) suchen, die das Gesundheitswesen nicht ins tiefsten Abgrund führt.

Schönen Gruß
Helena

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Moin,

es war nicht nur ein blick zu den Ärzten.

Jep, es ging zwar hier um einen, aber der letzte Satz der PM des EuGH ist nicht umsonst neutral gehalten.

Jetzt wird das Rad weitergedreht: Feuerwehr, Polizei…halt
alle, die bisher um ihre Zeit betrogen wurden.

Die Polizei hat meines Wissens (ohne Gewähr) keine Bereitschaftszeiten. Sehr wohl aber Feuerwehr und Rettungsdienst, was eben in der Natur der Sache liegt. Natürlich kann man die Vorhaltung so bemessen, dass das Personal voll ausgelastet ist - nur dann muss man in Zukunft eben auch mal eine Stunde auf den Notarzt warten…

Schließlich weiß ein Feuerwehrmann auch bessres mit seiner
Zeit anzufangen, als auf der Feuerwache Skat zu klopfen.

Das dürfte ein absolut überholtes Klischee sein: Tagsüber haben Feuerwehrleute eh Arbeitsdienst, sie prüfen das Gerät, waschen Schläuche, reparieren Fahrzeuge und Geräte, machen Ausbildung, üben für den Ernstfall, machen Brandschauen, verrichten Werkstattdienst (Schusterei, Schneiderei, Tischlerei, Schlosserei) usw.
Abends, wenn Otto Normalangestellter nach Hause geht, beginnt dann der Bereitschaftsdienst und Lust auf Skat hat dann kaum noch wer…

Gruß, Claus

Hi!

Du hast das Thema gewechselt.

Habe ich?

Gäbe es noch weniger Ärzte und
noch weniger Geld, müßten dann die vorhandenen Ärzte umsonst
24 Stunden am Tag arbeiten?

Wer hat das behauptet?

Wenn Ärzte benötigt werden, müssen
erstens genug ausgebildet werden und zweitens müssen sie so
bezahlt werden, daß sie nicht abwandern. Wie das bezahlt wird
ist ein ganz anderes Thema.

Ärzte werden benötigt.
Ärzte müssen bezahlt werden.
Völlig d’accord!

Nur: Krankenhäuser haben nicht endlos Geld. Die sind budgetiert.
Arbeit, Arbeitsleistung und Entlohnung sind einfache Parameter einer simplen Gleichung.

Eine bestimmte Anzahl Ärzte erledigt in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Menge Arbeit. Das kostet eine bestimmte Menge Geld.

Verändere ich die Parameter - wie jetzt durch das EuGH geschehen, hat das Auswirkungen entweder auf die Menge der erledigten Arbeit (z.B. wenn Ärzte kürzer arbeiten) oder auf die Menge des zu zahlenden Geldes (z.B. durch Neueinstellungen von Ärzten).

Folge ist entweder die Erhöhung der Beiträge zum Gesundheitssystem (die, wie auch immer sie erfolgen mag, Auswirkungen auf die Arbeitnehmer und damit Arbeitgeber hat - die Kosten für Arbeit in Deutschland werden steigen). Alternativ wird die flächendeckende Gesundheitsversorgung reduziert.

Das war alles, was ich zu dem Thema gesagt habe. Ich habe nirgendwo geschrieben, dass Ärzte gefälligst ihre 80-Stunden-Woche beibehalten sollen. Oder das sie ohne Bezahlung arbeiten sollen. Das liegt mir fern. Ich habe nur auf Konsequenzen für die Bevölkerung und die Volkswirtschaft hingewiesen.

Interessanterweise lief gestern ein Bericht zum diesem Thema im Fernsehen: Gesundheitsversorgung in Schweden - dem Sozialstaat schlechthin. Dort ist das Problem genau so gelöst worden, wie es uns in D noch bevorsteht - kürzere Arbeitszeiten für medizinisches Personal, Zwang zur Kostenreduzierung, Reduzierung der Leistungen.

Die Folgen wurden ebenfalls gezeigt: Patienten warten mehrere Stunden im Krankenhaus, bis sie behandelt werden (nur akute Fälle und Patienten mit Schmerzen gehen vor). Operationstermine werden über Wochen geschoben, weil kein Personal oder kein Krankenbett zur Verfügung steht (teilweise mit der Konsequenz, dass der Patient zwischenzeitlich verstorben ist). Durch die Reduzierung des Leistungsumfanges lokaler Krankenhäuser hat sich eine Art „Verschiebebahnhof“ für Patienten etabliert: weil ein orthopädischer Eingriff nicht mehr im lokalen Hospital gemacht werden kann (die Abteilung wurde aus Kostengründen geschlossen bzw. das medizinische Personal an ein anderes Krankenhaus abgegeben, um dort den Betrieb aufrecht erhalten zu können), werden Patienten über Hunderte von Kilometern verlegt (im gezeigten Fall wurde jemand aus Boras bei Göteborg nach Norrköping überwiesen - bei uns wäre das etzwa so, wenn jemand aus Darmstadt wegen einer Knieoperation nach Magdeburg überwiesen wird).

Nochmal: Ich finde es richtig, dass Ärzten die Bereittschaft bezahlt wird. Ich finde es richtig, dass sie weniger Stunden in der Woche arbeiten müssen.

Aber: Wir sollten nicht so tun, als wenn Papa Staat mal eben die Portokasse aufmacht und 27.000 neue Ärzte einstellt. Das Geld ist knapp in Krankenhäusern. Und bevor ein Krankenhaus sich neue Kosten ans Bein nagelt, werden die ihre Leistungen einschränken. _Das_ wird uns erwarten. Und auf nichts anderes wollte ich hinweisen.

Grüße
Heinrich

Hallo Raimund,

was man so hört, soll das zur Folge haben, daß 15.000 neue Ärzte eingestellt werden müssen, um diesem Urteil zu entsprechen.

Mal so über den Daumen gerechnet :

15.000 x 7.000 DM ( brutto ) / Monat

= 10.5 Mio DM / Monat
= 126.5 Mio DM / Jahr

= 64,78 Mio EUR / Jahr

Gruss - TOM

=

Hi!

Ausserdem möchte ich mal Deine Gedanken lesen, wenn Du für
eine OP vorbereitet wirst und weisst, dass der operierende
Arzt schon seine 70. Wochenstunde schiebt.
Mir währe nicht wohl dabei.

Nun, meine Krankenversicherungs-Police besagt, dass ich mir weltweit Krankenhaus und behandelnden Arzt aussuchen darf. Vermutlich werde ich also nicht in die besagte Situation geraten. Ich bin nämlich so ein asoziales Schwein, das für seinen gesundheitlichen Bedarf selbst aufkommt.

Grüße
Heinrich

hallo Heinrich,
aha, ein Schmarotzer an der Sozialgemeinschaft Kasse. Willst wohl die GKV-Versicherten nicht unterstützen?
Privatversichert, pfui!
Ich auch! :smile:
Grüße
raimund

Hallo,

Du hast das Thema gewechselt.

Habe ich?

Es ging doch darum, ob es richtig ist, daß Bereitschaft am Arbeitsplatz als Arbeit gewertet wird. Nicht um die Finanzierung.

Gäbe es noch weniger Ärzte und
noch weniger Geld, müßten dann die vorhandenen Ärzte umsonst
24 Stunden am Tag arbeiten?

Wer hat das behauptet?

Nimenand, aber das wäre das andere Extrem, das mit den selben Argumenten zu begründen ist wie die jetzige Situation. OK, ich habe maßlos übertrieben. das mache ich aber gelegentlich recht gern, um Trends zu verdeutlichen. Ich wollte Dich in keiner Weise angreifen.

Wenn Ärzte benötigt werden, müssen
erstens genug ausgebildet werden und zweitens müssen sie so
bezahlt werden, daß sie nicht abwandern. Wie das bezahlt wird
ist ein ganz anderes Thema.

Ärzte werden benötigt.
Ärzte müssen bezahlt werden.
Völlig d’accord!

Nur: Krankenhäuser haben nicht endlos Geld. Die sind
budgetiert.
Arbeit, Arbeitsleistung und Entlohnung sind einfache Parameter
einer simplen Gleichung.

Eine bestimmte Anzahl Ärzte erledigt in einer bestimmten Zeit
eine bestimmte Menge Arbeit. Das kostet eine bestimmte Menge
Geld.

Korrekt. Wenn diese Ärzte aber 80 stunden arbeiten und davon nur einen Teil bezahlt bekommen, muß das geändert werden. Den Fehler haben nicht die Ärzte gemacht.

Verändere ich die Parameter - wie jetzt durch das EuGH
geschehen, hat das Auswirkungen entweder auf die Menge der
erledigten Arbeit (z.B. wenn Ärzte kürzer arbeiten) oder auf
die Menge des zu zahlenden Geldes (z.B. durch Neueinstellungen
von Ärzten).

Folge ist entweder die Erhöhung der Beiträge zum
Gesundheitssystem (die, wie auch immer sie erfolgen mag,
Auswirkungen auf die Arbeitnehmer und damit Arbeitgeber hat -
die Kosten für Arbeit in Deutschland werden steigen).
Alternativ wird die flächendeckende Gesundheitsversorgung
reduziert.

Ja, daß am System etwas falsch ist, steht ja außer Frage.

Das war alles, was ich zu dem Thema gesagt habe. Ich habe
nirgendwo geschrieben, dass Ärzte gefälligst ihre
80-Stunden-Woche beibehalten sollen. Oder das sie ohne
Bezahlung arbeiten sollen. Das liegt mir fern. Ich habe nur
auf Konsequenzen für die Bevölkerung und die Volkswirtschaft
hingewiesen.

Ist ja auch OK. Nach meiner Meinung sind das aber zwei unterschiedliche Fragen. Ich hatte Dich wohl mißverstanden.
Im allgemeinen ist es doch so. Wenn ich jemanden frage, obe eine Situation geändert werden sollte und ich erhalte die Antwort: Das ist nicht zu finanzieren, dann meint er NEIN, hat es nur anders gesagt.

Nochmal: Ich finde es richtig, dass Ärzten die Bereittschaft
bezahlt wird. Ich finde es richtig, dass sie weniger Stunden
in der Woche arbeiten müssen.

Dann sind wir doch in diesem Punkt einer Meinung.

Aber: Wir sollten nicht so tun, als wenn Papa Staat mal eben
die Portokasse aufmacht und 27.000 neue Ärzte einstellt. Das
Geld ist knapp in Krankenhäusern. Und bevor ein Krankenhaus
sich neue Kosten ans Bein nagelt, werden die ihre Leistungen
einschränken. _Das_ wird uns erwarten. Und auf nichts anderes
wollte ich hinweisen.

Damit hast Du völlig Recht. Allerdings glaube ich nicht an eine Erhöhung der Kassenbeiträge. Es wird ein Weg gefunden werden, wie die Versicherten das allein zahlen, ohne die AG dabei zu belasten. Das ist die Politik aller Parteien und ich sehe keinen Hinweis, daß irgendjemand etwas anderes wird durchsetzen können. Kling ein wenig resigniert, trifft aber genau meine Stimmung. (Ich bin einer von den Beitragszahlern. :wink:)

cu Rainer

Mal so über den Daumen gerechnet :

Was fürn Daumen :wink:

15.000 x 7.000 DM ( brutto ) / Monat
= 10.5 Mio DM / Monat

= 105 Mio. / Monat

Gruß,
Christian

Hallo!

Sitzt ein Busfahrer zu lange am Steuer, ist das Geschrei groß. Immerhin könnte Übermüdung schlimme Folgen haben. Ist ein Arzt 24 Stunden auf den Beinen und schnippelt dann an einem Patienten herum, können die Folgen extrem teuer werden, vom menschlichem Leid ganz abgesehen. Es gibt Fälle, in denen in einem Kreißsaal müde Tränen herum stolpern, die rein nichts mehr merken. Da passieren Fehler, weil das Personal einfach fix und fertig ist. Im Ergebnis kommt dann ein schwerbehindertes Kind zur Welt. Gratulation! Das Sparen hat sich aber gelohnt!

Man kann in einem Krankenhaus nur ausgeruhte, hellwache Leute gebrauchen. Alles andere ist Pfusch als Folge eines organisatorischen Mangels und entsetzlich teurer Sparerei.

Gruß
Wolfgang

Hey Raimund,

ich schreibe einfach mal so, was mir dazu einfällt… mach ich ja immer :wink:

Ich bin weder Arzt, noch kenne ich einen persönlich (als Freund oder so) das mal vorab.
Meiner Meinung nach ist das schon gerecht. Es ist nicht fair (auch nicht den Patienten gegenüber) das jemand 30 Stunden im Dienst und daher mehr oder weniger unausgeschlafen ist. Im normalen Berufsleben ist eine Arbeitszeit von über 10 Stunden unzulässig (ist bei uns zu bestimmten Terminen schon ein Problem) Ein Arzt, kann aber. Wenn ich wegen Übermüdung Mist baute, dann muss man das halt im Folgemonat korrigieren… aber wenn ein Arzt wegen Übermüdung Mist macht… das lässt sich nicht immer so leicht korriegieren, es ist nicht fair dem Arzt gegenüber, und auch nicht dem Patienten.

Die andere Seite ist natürlich, dass die krankenkassen wohl ein Problem bekommen, andererseits entlastet es doch auch die andren Sozialkassen… ich kann das jetzt nicht ausrechnen…

Egal wie, … ich finde es richtig.

Herzlcihst

Sarah