Hi!
Du hast das Thema gewechselt.
Habe ich?
Gäbe es noch weniger Ärzte und
noch weniger Geld, müßten dann die vorhandenen Ärzte umsonst
24 Stunden am Tag arbeiten?
Wer hat das behauptet?
Wenn Ärzte benötigt werden, müssen
erstens genug ausgebildet werden und zweitens müssen sie so
bezahlt werden, daß sie nicht abwandern. Wie das bezahlt wird
ist ein ganz anderes Thema.
Ärzte werden benötigt.
Ärzte müssen bezahlt werden.
Völlig d’accord!
Nur: Krankenhäuser haben nicht endlos Geld. Die sind budgetiert.
Arbeit, Arbeitsleistung und Entlohnung sind einfache Parameter einer simplen Gleichung.
Eine bestimmte Anzahl Ärzte erledigt in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Menge Arbeit. Das kostet eine bestimmte Menge Geld.
Verändere ich die Parameter - wie jetzt durch das EuGH geschehen, hat das Auswirkungen entweder auf die Menge der erledigten Arbeit (z.B. wenn Ärzte kürzer arbeiten) oder auf die Menge des zu zahlenden Geldes (z.B. durch Neueinstellungen von Ärzten).
Folge ist entweder die Erhöhung der Beiträge zum Gesundheitssystem (die, wie auch immer sie erfolgen mag, Auswirkungen auf die Arbeitnehmer und damit Arbeitgeber hat - die Kosten für Arbeit in Deutschland werden steigen). Alternativ wird die flächendeckende Gesundheitsversorgung reduziert.
Das war alles, was ich zu dem Thema gesagt habe. Ich habe nirgendwo geschrieben, dass Ärzte gefälligst ihre 80-Stunden-Woche beibehalten sollen. Oder das sie ohne Bezahlung arbeiten sollen. Das liegt mir fern. Ich habe nur auf Konsequenzen für die Bevölkerung und die Volkswirtschaft hingewiesen.
Interessanterweise lief gestern ein Bericht zum diesem Thema im Fernsehen: Gesundheitsversorgung in Schweden - dem Sozialstaat schlechthin. Dort ist das Problem genau so gelöst worden, wie es uns in D noch bevorsteht - kürzere Arbeitszeiten für medizinisches Personal, Zwang zur Kostenreduzierung, Reduzierung der Leistungen.
Die Folgen wurden ebenfalls gezeigt: Patienten warten mehrere Stunden im Krankenhaus, bis sie behandelt werden (nur akute Fälle und Patienten mit Schmerzen gehen vor). Operationstermine werden über Wochen geschoben, weil kein Personal oder kein Krankenbett zur Verfügung steht (teilweise mit der Konsequenz, dass der Patient zwischenzeitlich verstorben ist). Durch die Reduzierung des Leistungsumfanges lokaler Krankenhäuser hat sich eine Art „Verschiebebahnhof“ für Patienten etabliert: weil ein orthopädischer Eingriff nicht mehr im lokalen Hospital gemacht werden kann (die Abteilung wurde aus Kostengründen geschlossen bzw. das medizinische Personal an ein anderes Krankenhaus abgegeben, um dort den Betrieb aufrecht erhalten zu können), werden Patienten über Hunderte von Kilometern verlegt (im gezeigten Fall wurde jemand aus Boras bei Göteborg nach Norrköping überwiesen - bei uns wäre das etzwa so, wenn jemand aus Darmstadt wegen einer Knieoperation nach Magdeburg überwiesen wird).
Nochmal: Ich finde es richtig, dass Ärzten die Bereittschaft bezahlt wird. Ich finde es richtig, dass sie weniger Stunden in der Woche arbeiten müssen.
Aber: Wir sollten nicht so tun, als wenn Papa Staat mal eben die Portokasse aufmacht und 27.000 neue Ärzte einstellt. Das Geld ist knapp in Krankenhäusern. Und bevor ein Krankenhaus sich neue Kosten ans Bein nagelt, werden die ihre Leistungen einschränken. _Das_ wird uns erwarten. Und auf nichts anderes wollte ich hinweisen.
Grüße
Heinrich