Entführte Flugzeuge zum Abschuß freigeben

ich gebe Dir im Grunde recht (gilt im übrigen für den gesamten
Artikel), allerdings läßt Du dabei die menschliche Seite außen
vor. Es ist kaum anzunehmen, daß die Cockpitbesatzung bei
verschlossener Tür zuschaut, wie hinten Passagiere und
Besatzung nach und nach dezimiert werden bzw. glaubhaft mit
der Sprengung des Flugzeugs gedroht wird.

Nein, ich lasse diese Seite nicht außen vor.
Mal angenommen es kommt zu einer Entführung und die Entführer haben Waffen und töten Geiseln, um eine Öffnung des Cockpits zu erpressen. Das ist natürlich eine extreme psychische Belastung für die Piloten, aber sie werden sicherlich nicht die Türe öffnen, denn ihnen ist wohl klar, dass dann erst recht alle Menschen sterben werden und sie selbst noch dazu. Sie haben nur eine Chance, ihr eigenes und das Leben der Passagiere zu retten: Das Flugzeug so schnell wie möglich zu landen um dann den Einsatzkräften am Boden die Möglichkeit zu geben, die Entführung durch Verhandlung oder durch Gewalt zu beenden.
Deshalb werden die Piloten im Zweifelsfall wohl bis zur Landung „zuschauen“, auch wenn hinten Passagiere ermordet werden, weil dies immer noch der beste Weg ist und v.a. weil dies der Weg ist, um ihr eigenes Leben zu retten und der eigene Überlebenswille ist in solchen Situationen ja auch eine ungeheure innere Kraft.
Solche Situationen müssen dann natürlich mit den Piloten vorher auch durchgesprochen und trainiert werden, damit sie darauf vorbereitet sind (so gut man das sein kann).

Hi,

Nein, ich lasse diese Seite nicht außen vor.
Mal angenommen es kommt zu einer Entführung und die Entführer
haben Waffen und töten Geiseln, um eine Öffnung des Cockpits
zu erpressen. Das ist natürlich eine extreme psychische
Belastung für die Piloten, aber sie werden sicherlich nicht
die Türe öffnen, denn ihnen ist wohl klar, dass dann erst
recht alle Menschen sterben werden und sie selbst noch dazu.

bei einer „normalen“ Entführung ist das noch lange nicht gesagt. Nicht immer geht es darum, ein Flugzeug in ein Gebäude zu steuern (eigentlich ist das sogar eher die Ausnahme). Meist reicht es den Entführern, die Maschine in einem bestimmten Land zur Landung zu bringen. In diesem Fall wäre es sinnlos, die Passagiere sterben zu lassen, während sie bei der Erfüllung der Forderungen am Leben blieben.

Gruß,
Christian

bei einer „normalen“ Entführung ist das noch lange nicht
gesagt. Nicht immer geht es darum, ein Flugzeug in ein Gebäude
zu steuern (eigentlich ist das sogar eher die Ausnahme). Meist
reicht es den Entführern, die Maschine in einem bestimmten
Land zur Landung zu bringen. In diesem Fall wäre es sinnlos,
die Passagiere sterben zu lassen, während sie bei der
Erfüllung der Forderungen am Leben blieben.

Klar geht es nicht immer darum, aber wie willst du beides auseinanderhalten? Die Entführer können den Piloten ja viel erzählen, wenn der Tag lang ist, nur wenn die Piloten die Kontrolle aus der Hand geben, dann kann sich dies leicht als Irrtum herausstellen.

Die Lösung liegt daher IMO für solche Fälle ebenso recht einfach:
Vor der Cockpittüre gibt es eine Videokamera nebst Mikro und Monitor, mit dem die Piloten zum einen ganz normal mit den Stewardessen kommunizieren können aber die die Entführer auch zur Kommunikation mit den Piloten nutzen können.
Im Falle einer „normalen“ Entführung können die Entführer also von den Piloten fordern, dass sie die Maschine zu dem von ihnen gewünschten Ziel bringen. Deswegen brauche ich das Flugzeug aber nach wie vor nicht abschiessen, weil die Piloten immer noch am Steuer sitzen. In solch einem Fall kann der Pilot daher durchaus die Forderung der Geiselnehmer erfüllen und muss nicht direkt landen. Und noch dazu kann er das auch alles mit den Sicherheitsbehörden absprechen.
Wichtig ist doch:
Die Insassen werden nicht stärker gefährdet als sonst auch und ein Abschuss des Flugzeugs ist nicht nötig.

Guten Morgen,
danke für diesen wirklich klaren Beitrag. Das sollte jetzt wirklich jeder verstanden haben!
Bei Lufthansa sind die Cockpittüren jetzt auch gesichert. Aber das Wichtigste ist und bleibt die Kontrolle am Boden und auch der Cleaner und anderer Flughafenangestellter.Es gibt ja immer mal wieder interessante,von den Medien organisierte Tests in Sachen Einschleusen von Arbeitern vor Allem in den Reinigungstruppen,die dann alles Mögliche an Bord verstecken…Daran hatte der Sicherheitschef der FAG vor zwei oder drei Jahren mal ziemlch zu kauen :wink:)
Gruß,
Claudia

Man macht das Cockpit einfach unzugänglich.
Diese Praxis wird afaik schon seit Jahren von der israelischen
Fluggesellschaft El Al durchgeführt. Die Cockpittüren sind mit
Stahl verstärkt, bruch- sowie schusssicher. Sie sind vor dem
Boarden der Passagiere bereits verschlossen und bleiben dies,
bis der letzte Passagier von Board geht. Ein Attentäter hat
also erst gar keine Möglichkeit, die Kontrolle des Flugzeugs
zu übernehmen.

Aber das Wichtigste ist und bleibt die Kontrolle am Boden und auch
der Cleaner und anderer Flughafenangestellter.

Ich finde nicht, dass die Kontrollen das „wichtigste“ sind, denn die Kontrollen sind unzuverlässig und garantieren alleine für gar nichts. Sie sind zwar ein (wichtiges) Rädchen im gesamten Sicherheitsnetz, aber sicher nicht das wertvollste.
Wie „wichtig“ die Kontrollen sind, zeigen dir z.B. diese Berichte:

Frontal21 vom 25.05.2004:
Einem Team aus 3 Leuten gelingt es an vier aufeinanderfolgenden (!!) Tagen, im Frachtbereich des Frankfurter Flughafens direkt bis an die Maschinen und ans Rollfeld zu kommen, ohne besondere Hilfsmittel. Stundenlang können sie sich frei und ohne Kontrolle auf dem Gelände bewegen, direkt an die Maschinen gehen usw usf.
Bei Flügen von Afrika nach Deutschland konnten außerdem Waffen und Minen regelmäßig ohne je Aufzufliegen nach Deutschland gebracht werden. Eine Sprengung der Maschine wäre damit ohne Probleme möglich gewesen.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/17/0,4070,2174…

Report Mainz vom 06.11.2006:
Aus internen Berichten der Bundespolizei geht hervor, dass bei Realtests gerade mal 60% der geschmuggelten Waffen im Handgepäck erkannt wurden. Das bedeutet, dass in fast der Hälfte aller Fälle scharfe Waffen ohne Probleme mit an Board genommen werden könnten. Wenn man davon ausgeht, dass die Realtests von leicht bis schwierig entdeckbar gehen, dann dürfte die Quote bei clever versteckten Waffen noch wesentlich schlechter ausfallen. Ich denke, dass man Dinge wie Flüssigsprengstoff ohne Probleme an Board schmuggeln kann, Kontrollen hin oder her.
http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=…

Frontal 21 vom 14.11.2006:
Obwohl brennbare Gase und Flüssigkeiten im Handgepäck eigentlich verboten sind, kann man im Duty-Free hinter den Kontrollen ohne Probleme brennbare und explosive Gase kaufen (Haarsprays,etc). Zusammen mit in der Kontrolle kaum erkennbaren Pflanzendünger (Ammoniumnitrat) schafft es das Team ohne Probleme durch die Kontrolle und hätte damit auf der Toilette einen Sprengsatz bauen können. Der Sprengsatz wird später an einem PKW getestet, der dabei stark zerstört wird.
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/0/0,4070,40708…

Daran hatte der Sicherheitschef der FAG vor
zwei oder drei Jahren mal ziemlch zu kauen :wink:)

Anscheinend nicht. Denn die Sicherheitslücken sind seit Jahren bekannt und seit Jahren bestehen sie noch genauso wie vorher.

Deswegen wäre eine sicher verschließbare Tür des Cockpits auch so wichtig, denn dieses System kann man nicht einfach umgehen, da eine Türe nicht schlampig arbeitet.