Entlieben

Hallo,

Das ist sicher eine seltsame Frage, denn eigentlich möchte man ja lieben und freut sich geliebt zu werden.

Was ist aber wenn eine Beziehung trotz Liebe nicht funktioniert?
Wenn die Partner sich offensichtlich so sehr gegenseitig belasten dass das ganze Leben davon belastet wird. Ewige streits, unendliches verbiegen müssen, respektloses Verhalten das vom anderen nicht als solches gesehen wird, unendliche Kompromisse die auch nichts helfen, unterschiedliche Vorstellung von Beziehung und und und.
Trennung wäre angebracht.

Was wenn man versucht hat sich zu trennen aber bei jedem wiedersehen (das stattfinden muss oder wegen nichtaushaltens herbeigeführt wird) grad alles wieder von vorne beginnt (weil eben die Liebe noch da ist).
Es ist allerdings nicht nur hörige Liebe in sonst komplett sinnlosem Umfeld, sondern es gibt auch viele Gemeinsamkeiten die Verbinden (ähnliche Weltanschauung, verbindende Hobbies, außergewöhnlich guter Sex…).

Wie bringt man sich selbst dazu den anderen nicht mehr zu lieben um sich endlich friedlich trennen zu können?

Grüße
M.
PS: Beziehungsdauer: 2a, Alter: 36, 44a

Guten Morgen Mopehexle,

Wie bringt man sich selbst dazu den anderen nicht mehr zu
lieben um sich endlich friedlich trennen zu können?

ich fürchte, das funktioniert nicht. Jedenfalls hab ich noch nie den Knopf gefunden, den man einfach drückt und dann sind die Gefühle neutralisiert.

Das einzige, was mir meist irgendwann geholfen hat, ist Ablenkung. Nun scheint es so, das lese ich zumindest aus deinem Posting, dass Ihr Euch wohl zwangsläufig über den Weg lauft… das ist denke ich mal kontraproduktiv. Ich würde wohl alles daran setzen, diesen Zustand zu ändern. Vermutlich sogar, wenn es bedeuten würde, den Job zu wechseln.

Wenn ich mich gehörig abgelenkt habe, ob mit einer weiten Reise, einem Motorradführerschein, einem neuen Kurs oder was auch immer - vielleicht sogar mit einer neuen „Liebe“ - ging das Gefühl zum ehemaligen „Problem-Mann“ irgendwann (in einer nicht klar zu benennenden Zeitspanne) so weit zurück, dass ich ihn dann auch komplikationslos treffen konnte (allerdings, wenn dann von der anderen Seite wieder klar Avancen kamen, war ich wieder verloren!). Zwischendrin wurde - oft unter Tränen - telefoniert, aber auf keinen Fall getroffen!

Alles Gute -
Gruß
Demenzia

Hallo mopedhexe,

m. E. machst Du/macht Ihr den Fehler, Liebe gleichzusetzen mit „in einer Beziehung zusammenleben“.

Euer Problem ist scheinbar nicht die Liebe, sondern das Wunsch, Drang oder Zwang, zusammenleben zu wollen/müssen.

Ähnliche Weltanschauung, verbindende Hobbies und außergewöhnlich guten Sex kann man auch (letzteres oft sogar besonders) in Partnerschaften (aus-) leben, die kein Zusammenleben/-wohnen haben und brauchen.

Nicht selten ist zu beobachten, dass sich ehemalige Partner nach einer Trennung wieder besser verstehen und bisweilen sogar wieder eine (Liebes-) Beziehung eingehen.

Eure Liebe scheint in Ordnung zu sein - nur zusammenleben passt halt nicht.

Räumliches (off topic)
Hallo Tom,

Ähnliche Weltanschauung, verbindende Hobbies und außergewöhnlich guten Sex kann man auch (letzteres oft sogar besonders) in Partnerschaften (aus-) leben, die kein Zusammenleben/-wohnen haben und brauchen.

meine Tante & ihr Lebensgefährte führen seit bald 50 Jahren eine solch unkonventionelle Liebesbeziehung. Sie haben zwar immer in derselben Stadt, eine Zeitlang sogar im selben Mietshaus gewohnt, sind aber niemals zusammengezogen. Sie ist 86, er 90 und man spürt deutlich, wie sehr sie einander immer noch lieben.

Viele Grüße
Diana

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grüss dich,

auch wenn ich nicht weiss was eine beziehungsdauer von 2a heisst - also keine ahnung ob lange oder nicht lange - deine frage lässt sich so oder so nicht so einfach beantworten - denn meiner ansicht nach geht es hier um einige versch. ansätze - zum einen was ist liebe? was ist liebe für dich und für deinen partner - wie definiert man es im innersten - unbewusst vor allem - z.b setzen viele menschen liebe mit macht gleich - wenn das nun beide seiten tun wäre es kein problem - aber meiner erfahrung nach ists dann meist nur bei einer so ausgeprägt.
zum anderen die gründe für das scheitern eine harmonische beziehung zu führen. auch hier gibt es die sichtbaren und die unsichtbaren gründe - und beides muss nicht gleich sein.

ich glaube man kann sich entlieben - aber der will dazu muss zum einen aktiviert werden und das geht ja nur wenn man wirklich überzeugt wäre der andere ist nichts für einen - jedwede hoffnung - wie idiotisch auch immer - macht das unmöglich z.b.

und das ist ja dann imemr der fall wenn es um die bewusste erkenntnis um die tragweite der probleme in der beziehung und der andersarbeitkeiten der 2 personen mangelt.
aber wer wird schon dazu erzogen total reflektiert und „aufgeräumt“ das leben zu anzugehen - es ist eine mühsal es zu lernen und zu üben - und der weg ist verdammt lang.

also würde ich in so einem fall mit meinem partner eine paartherapie beginnen - damit wir lernen zu erkennen was die wahren probleme sind und entweder lernen damit umzugehen und eine neue qualität in die beziehung zu bringen und dann eines tages wirklich endlich die liebe leben zu können (nachdem man z.b gelernt hat mit den neurosen des anderen umzugehen anstatt auf jede anzuspringen, indem man gelernt hat bei sich zu bleiben und sich nicht jeden schuh anzuziehen=übertragen zu verringern etc). dies und mehr würde ich gerne versuchen wollen - und wenn die therapiezeit aufzeigt, wir passen nicht und werden es nicht schaffen - würden wir hier auch erkennen endlich warum und wieso - meiner pers. meinung nach DAS mittel um sich zu entlieben zu können und wollen. - und so wäre eine sogar eine versöhnliche trennung möglich und kein dauerhafter kampf wie auf leben und tod fast.

ich finde den versuch auf diese weise deshalb auch so gut weil er eines tages ein resultat mit sich bringt und nicht diese ständige never-ending-story (wie von dir beschrieben oder so ähnlich)die beide kaputt macht und ausserdem für neue beziehung noch untauglicher.

ich habe sowas selbst mal erlebt eine weile, aber noch mehr habe ich es bei anderen immer wieder über jahre erlebt - dies nur al hinweis, ich habe eine mehr als vage ahnung von diesem thema. mir ist auch der gewisse suchtfaktor bekannt - denn eine so extreme bezihung lebt auch sehr von diesem ständigen hoch und runter - aber nun, sie lebt noch von vielen anderen echt schrägen dingen - man wills nur gar nicht wahrhaben. - leidenschaft ist auch ein wichtiger faktor - liebe kommt da sowieso eigentlich ziemlich weit hinten - es fühlt sich aber halt wie liebe an (aber wir lachen ja auch oft wenn uns zum weinen ist - warum solls nicht bei anderen dingen auch so verdreht sein können)

vielleicht kannst du diesen ausführungen ja etwas abgewinnen, weil du da was erkennst - aber evtl ists ja auch ganz anders.
dann würde das meiste nicht stimmen - der sinn und zweck einer paartherapie bliebe aber meiner ansicht nach erhalten.

LG
nina

Hi,

Wir wohnen nicht zusammen, sondern 40km voneinander entfernt in eigenen Häusern.

Ich wünsche mir längerfristig für mein Leben aber einen Partner der mit mir ein miteinander lebt (Das heisst nicht unbedingt ein dauerndes beisammensein aber Verlässlichkeit, Partnerschaft und ein guter Umgang miteinander). Ein nebeneinander her mit netten Begegnungen allein ist mir dann doch zu wenig, v.a. wenn auch diese nicht konfliktfrei ablaufen.

Trotzdem…

Grüße
M.

Hallo Nina,

Danke für Dein langes Schreiben.

Ob zwei Jahre lang sind…wenn sie so intensiv sind sicher.

Eine Paartherapie ist schwierig zu machen (Finanziell, von der Entfernung her und weil er nicht glaub dass es was helfen kann [und wie sollte es dann?]).

Das mit der Macht sehe ich auch so.
Aber er sieht es nicht so und ich weiss dass er genauso unter der Situation leidet und sich eigentlich genauso wünscht dass wenn wir schon das miteinander nicht schaffen wir wenigstens mal das ohne einander hinkriegen (Er ist derjenige der nach zwei Wochen tränenüberstömt wieder ankommt).
Auch wenn ich vieles anders sehe (sonst gäbe es wohl nicht soo viele Probleme) so sind wir uns da einig und suchen einen Weg ohne uns gegenseitig etwas vorwerfen zu müssen das der andere doch nicht verstehen würde.

Grüße
M.

außergewöhnlich guter Sex…).

Na, immerhin, daß reicht doch:smile:

Mikhael

Hallo Mikhael,

das hier ist das Psychologie Brett.
Doofe Kommentare dieser Art postet man höchstens(!!!) im LuL!

Schönes weiterpubertieren wünscht
M.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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hi nochmal,

du kannst die therapie auch allein machen - das würde zumindest schonmal dir persönlich helfen. - was die kosten betrifft, so gibt es einerseits bei den kirchen beratungsstellen - die werden doch hoffentlich kostenfrei sein - und es dürfte noch andere möglichkeiten geben - kostenfrei - aber deshalb nicht weniger gut.

schade das dein ex oder nichtex so wenig einsichtig ist, diese tatsache beraubt euch um die einzigen wenigen chancen die ihr noch gemeinsam habt - zum anderen beraubt er sich um weitere möglichkeiten in der zukunft - aber wie sage ich da immer - jeder ist seines (un-) glückes schmied - es ist eine entscheidung zu entscheiden mit dem bisherigen wissen und erfahrungen allein weiterzumachen weil man meint, es gäbe nicht besseres- schade aber so halten es eben viele.

wenn du anders tickst - um so besser.

solltest du für dich persönlich einen sinn in einer solchen möglichkeit sehen, so könntest du dich durchwuseln bis du etwas passendes findest- kostenlos oder zumindest günstig (gruppe oder verein oder keine ahnung was es noch für möglichkeiten gibt - muss es aber doch geben - möglich- keiten der weiterentwicklung würde ich es im grunde nennen - denn nichts anderes ists ja eigentlich) - ich würds tun…(ob du „ein fall“ wärst, dem die kasse hilft, weiss ich nun gar nicht - lasse diese möglichkeit mal aus - aber wer weiss…)

ich wünsche dir dass du hartnäckig am ball bleibst damit du eine professionelle person findest die dir hilft - diese hilfe wirkt schliesslich ein leben lang. vergebliche mühe wird es nie sein, davon bin ich total überzeugt.

denn wenn man bleibt wer man ist und war und nur der partner ein neuer/anderer ist sehe ich auch da probleme (und weiss es auch aus eigen- und fremderfahrung). kennst sicher auch welche bei denen du das gefühl hattest - er/sie führt immer die gleiche art beziehung - egal mit wem - die gleichen dramen, die gleichen probleme. das liegt daran weil wenn man sich nicht auf grunde erkenntnisse und lerneffekten verändert hat - dazugelernt im besten sinne verpennt.

herzlichen gruss + meine besten wünsche
nina

PS: 2 jahre können lang sein - stimmt - wollte auch nichts gegen- teiliges sagen - aber bei 22 jahren wäre es noch problematischer mein ich.

Oh mei…
sei doch ned so empfindlich.

Manchmal wundere ich mich über die Humorfähigkeit der Menschen, geht sie denn völlig verloren?

LG
Mikhael

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Hallo!
Ich hab noch keinen einzigen Antwortartikel gelesen, aber ich möchte jetzt mal ganz unvoreingenommen meine Meinung dazu sagen:
Wenn so eine starke Liebe da ist, man aber einfach nicht miteinander kann, dann liegt der casus knacksus im gegenseitigen Umgang miteinander.

Willst du die Beziehung WIRKLICH beenden? Wenn ihr doch immer wieder zueinander findet, ist das Gefühl ja offensichtlich doch sehr groß. Sollte man das wirklich wegen Streiterein wegwerfen?

Das ist zwar jetzt wahrscheinlich das letzte, das du hören möchtest, aber ich finde du solltest der Liebe eine Chance geben. Die Liebe ist in einer Beziehung das einzige, das man nicht ändern kann.
Den Umgang mit den Gefühlen des anderen kann man lernen. Sich gegenseitig besser zu behandeln, kann man auch lernen. Probleme wie Eifersucht, Fremdgehen, Vertrauensbrüche, Streitereien wegen Kleinigkeiten, kann man in den Griff bekommen.

Habt ihr schon einmal daran gedacht es noch einmal miteinander zu versuchen und in eine Partnertherapie zu gehen?
Oft sind die Dinge über die man Streitet gar nicht der Grund des Streits. Die verletzten Gefühle resultieren aus etwas ganz anderem, das man selbst oft nicht sieht. Eine Therapie kann helfen den Blickwinkel zu ändern, neue Erkenntnisse zu gewinnen und den anderen besser zu verstehen.

Ich finde es immer so schade, wenn doch noch liebe da ist, eine Beziehung wegzuwerfen, weil man Probleme hat.

Aber es ist natürlich deine Entscheidung. Entlieben klappt nicht, das kann ich dir sagen. Außer du gehst weit weit weg und siehst die betreffende Person nie mehr. Dann hört die Liebe vielleicht irgendwann auf. Aber sobald man die Person wieder trifft, sind die Gefühle wieder da. Wenn doch beide prinzipiell WOLLEN und nur nicht miteinander KÖNNEN, sollte man das Risiko eingehen jemand dritten (einen Therapeuten) um Hilfe zu bitten.

Wenn das nicht klappt, kann man die Beziehung ja immer noch wegwerfen.

lg und viel Glück für die Zukunft.
infi

schau ins Witzebrett…

Manchmal wundere ich mich über die Humorfähigkeit der
Menschen, geht sie denn völlig verloren?

wenn du Humor suchst.

Hier im Psychologiebrett geht es durchaus mal um Ernsthaftes, wo durchaus auch jemand empfindlich reagiert, ja!

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Liebe Demenzia,

die Reaktionen auf „normale“ Antworten zeigen an, daß Ihr ganz schön empfindlich seid. Kann das auch mit „psychischen Problemen“ zusammenhängen?

LG
Mikhael

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ja…

Kann das auch mit „psychischen
Problemen“ zusammenhängen?

…mit deinen.

Gruß
Demenzia

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Hi Hexe,

möchte da mal eines meiner Lieblingszitate loswerden:

„Es kommt alles wieder, was nicht zu Ende gelitten worden ist“.

Hermann Hesse

Gruß zum WE

Anja

Irgendwie nervst du mich

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Das glaube ich Dir, denn Du magst nur Tiere und Kinder, also keine Erwachsenen. Aber ich finde es toll, daß Du mir das sagst, jetzt kann ich über dieses Problem in mir nachdenken.

Bussi
Mikhael

Vielleicht hast Du meinen Beitrag nicht verstanden oder falsch verstanden? Deine Antwort zeugt von Nichtnachdenken.

Eigene Entliebens-Erfahrungen
Hallo Mopedhexle,

Ich wage nicht, zu deinem speziellen Fall etwas zu schreiben, da ich ihn nicht gut genug kenne; berichte daher nur meine eigenen Erfahrungen mit dem Entlieben - ziehe bitte selbst deine Schlüsse daraus, falls du mit meinem Geschreibsel etwas anfangen kannst.

Und ich wäre sehr interessiert daran, wenn die hiesigen (und auch gerne die rausgeflogenen g samantja-ät-arcor.de) Psycho-Experten mal was aus expertöser Sicht zu meinem Fall sagen könnten - wirklich fachlich kann ich das alles nicht erklären.

Es gibt diesen „Knopf“, an dem man die Liebe abstellen kann, nämlich tatsächlich - ich habe das vor 3,5 Jahren selber durchgezogen.

Ich war damals unglücklich verliebt, absolut chancenlos. Wobei ich „vernunftsmäßig“ schon lange verstanden hatte, dass es keine kleine Chance mehr gibt, aber mir auf emotionaler Ebene eben trotzdem immernoch Hoffnungen gemacht hatte, bzw. das Kribbeln nach jedem netten Gespräch ausgiebig genoss.

Eines Tages hörte ich dann zufällig ein Gespräch mit - er redete mit einem Kollegen, und aus den zwei Sätzen, die ich mitbekam, folgerte ich, dass seine Freundin schwanger war. [Obs nun tatsächlich so war oder nicht, weiß ich bis heute nicht *g*]
Schock. In diesem Moment wurde es mir dann wirklich glasklar, dass ich einstecken kann. Auch emotional. Ich habe die schönen Hoffnungen fallenlassen, und konnte mich deswegen zu diesem Zeitpunkt entlieben.

Ich kann dir nicht so genau sagen, wie das passiert ist - ich bin dann den ganzen restlichen Tag taub und blind durch die Gegend geirrt; verstand dabei immer mehr die Aussichtslosigkeit, und erst daraus entwickelte sich die Kraft, die Liebe zu unterdrücken.
Das soll heißen, sobald ich irgendein Zuneigungs- oder sonstiges Gefühl gegenüber meinem bisherigen Schwarm empfand, konnte ich dieses durch Konzentration darauf (kam mir vor wie ein tranceähnlicher Zustand) verringern und verschwinden lassen. Also nicht Ablenkung, sondern konzentriertes Zurückdrängen. Der einzige verbale Gedanke dabei war: „Nein. Ich will das nicht fühlen.“ Vielleicht ist es auch ein Verdrängungsvorgang?

Am nächsten Morgen hatte ich dann das Gefühl von Freiheit. Frei davon, ständig der unmöglichen Liebe nachzudenken. Frei von der ständigen Konzentration auf dieses eine Thema. Lebensfreude!

Nach weiteren zwei Tagen kam dann der Test. Ich war wieder mit ihm in einem Raum. Und es hatte funktioniert. Ich fühlte keine Liebe mehr, nicht einmal das Bedürfnis, mich ihm zu nähern. Nur um diesen erstaunlichen Fakt zu überprüfen, wechselte ich mit ihm ein paar Worte. Etwas Aufregung ob der Veränderung in mir war da noch. Sonst nichts.

Nun allerdings kommt der Haken. Die Liebe ist vielleicht das stärkste aller Gefühle - wenn man sie unterdrücken kann, kann man auch alles andere unterdrücken. Und die Versuchung dazu ist (so war es zumindestens bei mir) groß, ich habe es unterdrückt, wenn mir etwas peinlich war, wenn ich ein aufwändig zu erfüllendes Bedürfnis hatte, wenn ich enttäuscht oder traurig oder unglücklich war.
Und es scheint so zu sein, dass man nur dann Glück nur dann fühlen kann, wenn man auch unglücklich sein kann - jedenfalls verschwand dann bald auch das Glücksgefühl aus mir. Ich fing an mich neu zu verlieben, in jemand, den ich damals noch überhaupt nicht kannte, von dem ich nichts wusste - also unterdrückte ich auch das wieder.

Bis ich begriffen hatte, was ich da tat, war es zu spät. Ich konnte nicht mehr fühlen. Weiß nicht mehr so genau, wann es anfing, dass ich überhaupt nichts mehr merkte, vielleicht zwei Wochen danach?

Jedenfalls, wenn ich mich darauf konzentrierte, was ich denn fühle, war da nur so ein watte-bauschiges ausgefüllt sein. Ich reagierte so, als würde ich normal fühlen, aber merkte nichts davon.
Vielleicht kamen die Gefühle auch nur nicht bis zum Bewusstsein durch? Bin sogar Achterbahn gefahren ohne irgendeine Aufregung dabei…

Meine Rettung war dann, dass sich diese neue Liebe, die ich anfänglich auch unterdrückt hatte, scheinbar noch viel stärker war. Und weniger hoffnungslos (auch wenn ich das wieder dachte).
Ich brauchte Monate, um mich ‚mühsam‘ aktiv wieder zu verlieben (d.h. versuchte, jedes kleine bisschen Liebe so stark wie möglich zu spüren). So allmählich kamen dann auch die anderen Gefühle wieder - kaum zu glauben, wie ich mich freute, dass ich wieder wirklich traurig sein konnte!
Die Besserung zog sich über mehr als zwei Jahre hin, ich hatte noch lange so einen „Wackelkontakt“, dass ich manchmal normal fühlen konnte, aber manchmal wieder nur das dumpfe Wattebausch-Nichts hatte, besonders, wenn die Gefühle, die da hätten sein müssen, zu stark waren.

Inzwischen würde ich mich wieder als diesbezüglich gesund bezeichnen. Nach 4 Monaten tiefstem Glück (noch mit wenigen Wackelkontakten) und danach 5 Monaten tiefster Trauer (ohne Wackelkontakte) ist dieser Teil von mir wieder in Ordnung.

Also, ich würde dir raten: Versuch es anders (Ablenkungs-mäßig), oder sei sehr, sehr, sehr vorsichtig damit, was du mit dir anstellst!

Liebe Grüße,
Samantja