Eigene Entliebens-Erfahrungen
Hallo Mopedhexle,
Ich wage nicht, zu deinem speziellen Fall etwas zu schreiben, da ich ihn nicht gut genug kenne; berichte daher nur meine eigenen Erfahrungen mit dem Entlieben - ziehe bitte selbst deine Schlüsse daraus, falls du mit meinem Geschreibsel etwas anfangen kannst.
Und ich wäre sehr interessiert daran, wenn die hiesigen (und auch gerne die rausgeflogenen g samantja-ät-arcor.de) Psycho-Experten mal was aus expertöser Sicht zu meinem Fall sagen könnten - wirklich fachlich kann ich das alles nicht erklären.
Es gibt diesen „Knopf“, an dem man die Liebe abstellen kann, nämlich tatsächlich - ich habe das vor 3,5 Jahren selber durchgezogen.
Ich war damals unglücklich verliebt, absolut chancenlos. Wobei ich „vernunftsmäßig“ schon lange verstanden hatte, dass es keine kleine Chance mehr gibt, aber mir auf emotionaler Ebene eben trotzdem immernoch Hoffnungen gemacht hatte, bzw. das Kribbeln nach jedem netten Gespräch ausgiebig genoss.
Eines Tages hörte ich dann zufällig ein Gespräch mit - er redete mit einem Kollegen, und aus den zwei Sätzen, die ich mitbekam, folgerte ich, dass seine Freundin schwanger war. [Obs nun tatsächlich so war oder nicht, weiß ich bis heute nicht *g*]
Schock. In diesem Moment wurde es mir dann wirklich glasklar, dass ich einstecken kann. Auch emotional. Ich habe die schönen Hoffnungen fallenlassen, und konnte mich deswegen zu diesem Zeitpunkt entlieben.
Ich kann dir nicht so genau sagen, wie das passiert ist - ich bin dann den ganzen restlichen Tag taub und blind durch die Gegend geirrt; verstand dabei immer mehr die Aussichtslosigkeit, und erst daraus entwickelte sich die Kraft, die Liebe zu unterdrücken.
Das soll heißen, sobald ich irgendein Zuneigungs- oder sonstiges Gefühl gegenüber meinem bisherigen Schwarm empfand, konnte ich dieses durch Konzentration darauf (kam mir vor wie ein tranceähnlicher Zustand) verringern und verschwinden lassen. Also nicht Ablenkung, sondern konzentriertes Zurückdrängen. Der einzige verbale Gedanke dabei war: „Nein. Ich will das nicht fühlen.“ Vielleicht ist es auch ein Verdrängungsvorgang?
Am nächsten Morgen hatte ich dann das Gefühl von Freiheit. Frei davon, ständig der unmöglichen Liebe nachzudenken. Frei von der ständigen Konzentration auf dieses eine Thema. Lebensfreude!
Nach weiteren zwei Tagen kam dann der Test. Ich war wieder mit ihm in einem Raum. Und es hatte funktioniert. Ich fühlte keine Liebe mehr, nicht einmal das Bedürfnis, mich ihm zu nähern. Nur um diesen erstaunlichen Fakt zu überprüfen, wechselte ich mit ihm ein paar Worte. Etwas Aufregung ob der Veränderung in mir war da noch. Sonst nichts.
Nun allerdings kommt der Haken. Die Liebe ist vielleicht das stärkste aller Gefühle - wenn man sie unterdrücken kann, kann man auch alles andere unterdrücken. Und die Versuchung dazu ist (so war es zumindestens bei mir) groß, ich habe es unterdrückt, wenn mir etwas peinlich war, wenn ich ein aufwändig zu erfüllendes Bedürfnis hatte, wenn ich enttäuscht oder traurig oder unglücklich war.
Und es scheint so zu sein, dass man nur dann Glück nur dann fühlen kann, wenn man auch unglücklich sein kann - jedenfalls verschwand dann bald auch das Glücksgefühl aus mir. Ich fing an mich neu zu verlieben, in jemand, den ich damals noch überhaupt nicht kannte, von dem ich nichts wusste - also unterdrückte ich auch das wieder.
Bis ich begriffen hatte, was ich da tat, war es zu spät. Ich konnte nicht mehr fühlen. Weiß nicht mehr so genau, wann es anfing, dass ich überhaupt nichts mehr merkte, vielleicht zwei Wochen danach?
Jedenfalls, wenn ich mich darauf konzentrierte, was ich denn fühle, war da nur so ein watte-bauschiges ausgefüllt sein. Ich reagierte so, als würde ich normal fühlen, aber merkte nichts davon.
Vielleicht kamen die Gefühle auch nur nicht bis zum Bewusstsein durch? Bin sogar Achterbahn gefahren ohne irgendeine Aufregung dabei…
Meine Rettung war dann, dass sich diese neue Liebe, die ich anfänglich auch unterdrückt hatte, scheinbar noch viel stärker war. Und weniger hoffnungslos (auch wenn ich das wieder dachte).
Ich brauchte Monate, um mich ‚mühsam‘ aktiv wieder zu verlieben (d.h. versuchte, jedes kleine bisschen Liebe so stark wie möglich zu spüren). So allmählich kamen dann auch die anderen Gefühle wieder - kaum zu glauben, wie ich mich freute, dass ich wieder wirklich traurig sein konnte!
Die Besserung zog sich über mehr als zwei Jahre hin, ich hatte noch lange so einen „Wackelkontakt“, dass ich manchmal normal fühlen konnte, aber manchmal wieder nur das dumpfe Wattebausch-Nichts hatte, besonders, wenn die Gefühle, die da hätten sein müssen, zu stark waren.
Inzwischen würde ich mich wieder als diesbezüglich gesund bezeichnen. Nach 4 Monaten tiefstem Glück (noch mit wenigen Wackelkontakten) und danach 5 Monaten tiefster Trauer (ohne Wackelkontakte) ist dieser Teil von mir wieder in Ordnung.
Also, ich würde dir raten: Versuch es anders (Ablenkungs-mäßig), oder sei sehr, sehr, sehr vorsichtig damit, was du mit dir anstellst!
Liebe Grüße,
Samantja