Entmystifizierung der Psychologie

Hi Sylvia!

Könnten wir uns darauf einigen, dass BEIDE Aspekte, der rein
wissenschaftliche UND der empathische, hier ihren Raum haben
sollen, so dass sich ein Fragesteller schlicht aussuchen kann,
was ihm hilft ?

So war das hier früher auch (obwohl das Brett schon immer unter Naturwissenschaft lief) - hat sich das denn inzwischen so verändert? Letztlich kann doch jeder Experte (was immer ihn auch zu einem solchen macht) nur Deutungsangebote oder Lösungsvorschläge machen, Erklärungen anbieten. Er muß damit leben, wenn andere anderes anbieten, denn er kann - außer wenn er Moderator ist - nicht einfach die Beiträge der anderen killen.

Gruß
Michael

Hallo Michael,

Ich nehme an, Oliver Walter würde es weit von sich weisen, als
Kognitionspsychologe bezeichnet zu werden. Sein Programm
scheint mir im wesentlichen an J.B. Watson anzuknüpfen: das
ist klassischer Behaviorismus. Die Kognitionspsychologie
dürfte ihm viel zu mentalistisch sien, vermute ich.

Okay, ich habe verstanden :wink: Wirklich, ich meine es ehrlich. Und jetzt nicht in Bezug auf Dich, aber Oliver´s Meinungsposting betreffend: Dann ist der Inhalt trotzdem in meinen Augen Korinthenk…ckerei. Meine Meinung. Mag diese für andere zu global anmuten. Ich sortiere eben schlichtweg gröber: Psychoanalytische -, kognitiv-behavioristische- [Verhaltenstherapie] und Gesprächspsychotherapie. Mir reicht das. :wink: Zum Verständis. Und wenn es um „Hilfe“ im pragmatischen Sinne geht, reichen diese 3 Schulen meiner Meinung. Systemische Familientherapie und psychodynamische Kurzzeittherapie als Unterthrapien noch eingeschlossen.

Zur Erklärung: Ein guter Freund von mir ist Psychologe und hat sich im Zuge meiner Phobie über Jahre dem Gespräch gestellt, meinen Fragen usw.

Physik
Chemie
Methematik
Medizin (auch ein Mischmasch aus mehreren Disziplinen daher
eher eine
Physiologie des Menschen und
Verhaltensbiologie

Viele Kognitionspsychologen wären wahrscheinlich bereit,
einige der von Dir aufgezählten Disziplinen als
„Hilfswissenschaften“ zu akzeptieren, würden aber darauf
bestehen, dass sie eigene Fragestellungen, eigene
Forschungsmethoden und eigene Erklärungsmodelle und Theorien
haben, also mehr zu bieten haben, als ein Sammelsurium aus den
von Dir genannten Fächern.

Ja, es sind Hilfswissenschaften und das habe ich auch genau so gemeint. Und die den Schulen eigenen Erklärungsmodelle für Phänomene können eben nur mit diesen Mitteln herausgefunden und erklärt werden. Wenn ich falsch liege, berichtige mich bitte.

Mich stört, dass er sich bei dem, was er da vertritt,
PSYCHO-loge nennt.

Dazu hat ja Xelya schon etwas geschrieben. Wenn es ein
entsprechendes Fach gäbe, würde sich Oliver vielleicht lieber
Diplom-Behaviorist nennen. Aber er hat da leider keine Wahl,
das Fach, in dem er sein Diplom erworben hat, nennt sich
Psychologie und die Absolventen heißen Diplom-Psychologen. Das
hat also nichts mit persönlicher Anmaßung zu tun.

Da es aber auch andere psychologische Schulen gibt, deren Anwender und Wissenschaftler sich Psychologen nennen, finde ich es anmaßend. Dieses ausschließliche und dogmatische finde ich persönlich einfach lächerlich. Denn es ist sicher nicht zu unterschätzen, das sowohl die PA als auch die GT oder psychodynamische - sowie systemische Therapie nachgewiesen helfen können. Sonst würden die allgemeinen Krankenkassen weder die Pa noch die systemische Th. z.B. bezahlen. Daß die GT immer noch nicht bezahlt wird finde ich genauso lächerlich. Aber egal. Oder ist es inzwischen schon anders?

Danke für Deine Erklärung und gerne lese ich weitere von Dir.

Viele Grüße
Lara

Hi Marion,

was muß ein Wissenschaftler haben, das ein Automechaniker nicht auch braucht?

Ich bin gespannt!

Gruß
Michael

PS: Könntest Du vielleicht auch noch einen Satz zur Erläuterung des Titels „Entmenschlichung des Menschen“ schreiben? Worauf bezieht sich das?

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Psycho und so…
Oh jeh, ich hab lange gesucht, um einen passenden Einstieg hier zu finden, also hoffe ich, dass Marion sich nicht persönlich angegriffen fühlt.

Ich hab die Esstörungsdiskussion so ein wenig mitverfolgt und auch „Dr. Olivers“ (*g*) Statements gelesen. Wenn ich es recht verstanden hab, wollte er sich doch eigentlich dagegen verwehren, eine fachkundliche Diagnose via Internet zu erstellen. Und da hat er doch eigentlich recht und tut eher das Gegenteil vom Entmenschlichen. Jeder Mensch ist verschieden, da kann niemand anhand von subjektiven Berichten eine eindeutige Diagnose erstellen. Die sollte nämlich wirklich wissenschaftlich erfolgen und nicht von Herzen kommen. Von Herzen (dies hier auch als Metapher) kommen Mitleid, Mitgefühl usw. Dies sollte aber - wenn ich den Sinn einer Therapie richtig verstanden habe - auch nicht vom Therapeuten kommen, da dieser doch eher eine neutrale Rolle spielen sollte.

Von daher kann ich diese ganze Aufregung nicht so recht nachvollziehen. Ein Automechaniker lauscht vielleicht auf auffällige Klopfgeräusche eines Motors, diagnostiziert dann und repariert. So ähnlich sollte doch ein Therapeut auch arbeiten. Ein Automechaniker wird sehr zögerlich eine Onlinediagnose des Autoproblems abgeben, wenn er die Klopfgeräusche beschrieben bekommt.

Vielleicht ist Oliver ein wenig kühl, aber hey, soweit ich mich erinnere, kommt er einerseits aus Norddeutschland, da ist das ganz normal :smile: Und andererseits, ich glaube nicht, dass mir ein anteilnehmender Therapeut weiterhelfen könnte, das Heulen und Jammern sollte doch der Patient übernehmen, oder?

Drum sollte man das trennen, einerseits die anteilnehmenden Laien, die ja sicherlich auch schon ein wenig weiterhelfen könnten, und die kühlen Psychologen, die aber dann auch das Herz als Pumpe bezeichnen. Allerdings - huhu Oliver - sollten dann die beiden Parteien auch noch gute Haare aneinander lassen, weil ja beide irgendwie ihre Berechtigung haben.

Dies als mein Senf des Abends,

Gruß aus Hannover

Heidrun

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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Hallo Michael :smile:

was muß ein Wissenschaftler haben, das ein Automechaniker
nicht auch braucht?

??
Ein Wissenschaftler braucht genau wie ein Automechaniker ein möglichst umfassendes Verständnis des „Gegenstands“, mit dem sich seine Wissenschaft beschäftigt.

Wenn man mal davon ausgeht, dass Olivers Tätigkeit als Psychologe den Menschen zum „Gegenstand“ hat (oder ist er vielleicht Haustierpsychologe ?) dann erwarte ich von einem solchen, das oben erwähnte Verständnis. Nun schien mir Olivers Verständnis vom Menschen allerdings eher das eines Automechanikers vom Auto zu sein, und das schließt nahtlos an das Folgende an:

PS: Könntest Du vielleicht auch noch einen Satz zur
Erläuterung des Titels „Entmenschlichung des Menschen“
schreiben? Worauf bezieht sich das?

Ich zitier mal Oliver:
„Romantik und Mystik haben einen angemessenen Platz in Kunst, Literatur und Musik. In psychologischen Erklärungen von menschlichem Verhalten und Erleben haben sie nichts verloren und müssen ersetzt werden.“

Mal abgesehen von Olivers völlig falschen Veständnis von Romantik in diesem Zusammenhang, auf das Metapher ja schon hingewiesen hatte, versucht Oliver beim Erklären von menschlichem Verhalten und Erleben zwei wichtige Aspekte herauszunehmen, die das menschliche Verhalten und Erleben erst ausmachen und es zum Beispiel vom Verhalten eines Mittelklassewagens unterscheidet.

Der Versuch, den Menschen in einzelne Aspekte zu sezieren und einge wesentliche (die u.a. das Mensch sein ausmachen) davon zu verwerfen, um sich exklusiv anderen zu widmen, und dadurch menschliches Verhalten und Erleben erklären zu wollen, offenbart den Blick eines Automechanikers auf die Auspuffanlage.

Über diese Aspekte lässt sich übrigens völlig unabhängig davon reden, ob man nun glaubt , dass der Mensch eine Seele hat oder nicht. Ein weitere Punkt, den Oliver anscheinend überhaupt nicht begriffen hat.

Und somit denke ich, ein „Gegenstand“ der nicht ganz so komplex ist, wie der Mensch, und bei dem er sich gar nicht erst mit Begriffen wie Mystik und Romantik herumschlagen muss (die ja doch vom Menschen gar nicht zu trennen sind), wäre vielleicht eher war für Oliver. Daher meine Empfehlung zur Umschulung :smile:

Gruss
Marion

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Automechaniker und so
Hallo Heidrun

Ich hab die Esstörungsdiskussion so ein wenig mitverfolgt und
auch „Dr. Olivers“ (*g*) Statements gelesen. Wenn ich es recht
verstanden hab, wollte er sich doch eigentlich dagegen
verwehren, eine fachkundliche Diagnose via Internet zu
erstellen.

Das Oliver an manchen Stellen teilweise durchaus brauchbare Postings hier abliefert heißt ja nicht, dass er wonanders (wie in dem Postings am Anfang dieses Threads, auf das ich mich beziehe) nicht kapitale Böcke schießen kann. :smile:

Von Herzen (dies hier auch als Metapher) kommen

Mitleid, Mitgefühl usw. Dies sollte aber - wenn ich den Sinn
einer Therapie richtig verstanden habe - auch nicht vom
Therapeuten kommen, da dieser doch eher eine neutrale Rolle
spielen sollte.

Der Sinn einer Therapie ist es meines Wissen, dem Hilfesuchenden zu helfen. Was du meinst nennt sich glaub ich Poker spielen :smile:
Nein, Scherz beiseite. Wenn du nochmal Olviers Ausgangsposting anschaust, dann ging es ihm um das Erklären menschlichen Verhaltens und Erlebens. Sein Erklärungsansatz nimmt allerdings wesentliche menschliche Verhaltens- und Erlebensmerkmale von vornherein aus. Er beschränkt sich somit (und das in meinen Augen völlig unnötig) auf Teilaspekte des Menschen. Die einzige Erklärung, die es IMHO dafür gibt ist, dass er offenbar mit den anderen Teilaspekten (wie Mystik) nicht zurande kommt, bzw. seine „Werkzeuge“ in dem Bereich schlicht und ergreifend versagen. Das ist IMHO aber keine ausreichende Rechtfertigung für seine Ansicht sondern zeigt allenfalls eine Unzulänglichkeit auf.

Jetzt zum Punkt Empathie. Empathie ist eines der wertvollsten Werkzeuge, die dem Menschen zur Verfügung stehen, um das Verhalten und Erleben anderer Menschen zu deuten, nämlich dadurch, dass wir in der Lage sind, dieses bei uns selbst empathisch nachzuvollziehen. Ich behaupte jetzt einfach mal in meinem laienhaften Wahn, dass etwas zu verstehen, die Grundlage für eine Hilfe ist. Wenn nun jemand, dessen Aufgabe es ist zu Helfen, auf dieses wertvolle Werkzeug der Empathie freiwillig verzichtet, dann kann ich mir nur an die Stirn tippen :smile:

Vielleicht ist Oliver ein wenig kühl, aber hey, soweit ich
mich erinnere, kommt er einerseits aus Norddeutschland, da ist
das ganz normal :smile:

*lol* rate mal wo ich herkomm :smile:
Und nein, ich empfinde Oliver keineswegs als kühl. So wie ihm einige Postings hier entgleisen macht er auf mich eher einen etwas mystischen Eindruck im Sinne eine verlorenen Ritters für die Rettung eines bestimmten Schulgrals der Psychologie :smile:

Und andererseits, ich glaube nicht, dass

mir ein anteilnehmender Therapeut weiterhelfen könnte, das
Heulen und Jammern sollte doch der Patient übernehmen, oder?

Keine Ahnung, kommt vielleicht auf dein Problem an, wegen welchem du einen Therapeuten aufsuchst :smile: Manche Menschen, die z.B. an Einsamkeit leiden, brauchen vielleicht einfach nur mal jemanden, der ihnen Anteilnahme entgegenbringt.

Drum sollte man das trennen, einerseits die anteilnehmenden
Laien, die ja sicherlich auch schon ein wenig weiterhelfen
könnten, und die kühlen Psychologen, die aber dann auch das
Herz als Pumpe bezeichnen. Allerdings - huhu Oliver - sollten
dann die beiden Parteien auch noch gute Haare aneinander
lassen, weil ja beide irgendwie ihre Berechtigung haben.

Nun, das finde ich nicht. Schließlich kann er sich ja nicht nur einen Teil des Menschen ins Behandlungszimmer laden und den Rest so lange Einkaufen schicken. Ich befürchte, ein Psychologe wird sich wohl (oder in Olivers Fall übel) mit dem ganzen Menschen auseinandersetzen müssen, den er da vor sich hat :smile:

Gruss
Marion

Sein Erklärungsansatz nimmt
allerdings wesentliche menschliche Verhaltens- und
Erlebensmerkmale von vornherein aus. Er beschränkt sich somit
(und das in meinen Augen völlig unnötig) auf Teilaspekte des
Menschen. Die einzige Erklärung, die es IMHO dafür gibt ist,
dass er offenbar mit den anderen Teilaspekten (wie Mystik)
nicht zurande kommt, bzw. seine „Werkzeuge“ in dem Bereich
schlicht und ergreifend versagen. Das ist IMHO aber keine
ausreichende Rechtfertigung für seine Ansicht sondern zeigt
allenfalls eine Unzulänglichkeit auf.

Daß Romantik und Mystik in psychologischen Erklärungen nichts verloren haben, ist mein Standpunkt. Daß man sie nicht zum Untersuchungsgegenstand machen kann oder sollte, ist nicht mein Standpunkt.

Gruß,

Oliver Walter

Moin Oliver

Daß Romantik und Mystik in psychologischen Erklärungen nichts
verloren haben, ist mein Standpunkt. Daß man sie nicht zum
Untersuchungsgegenstand machen kann oder sollte, ist nicht
mein Standpunkt.

Schön und gut, nur ist das ein hochgradig abstrekter Standpunkt, der mit der Realität „Mensch“ nicht mehr allzuviel zutun hat. Die Realität stellt sich doch eher so dar, dass Mystik ein ganz wesentlicher Aspekt des Menschlichen Handelns und Erlebens ist und zu den menschlichen Grundbedürfnissen zählt (auch wenn die „moderne“ Mystik sich nicht unbedingt mehr in Gestalt der hergebrachten christlichen Mystik darstellt und somit auch Begriffe wie Seele oder Gott nicht unbedingt in dieser Diskussion etwas zu suchen haben, und statt dessen vielleicht durch Verhaltens- und Erlebensweisen bei Zuschauern während eines Fußballspielst ersetzt werden können und auch das Erklären von wissenschaftlichen Koryphäen zu Göttern und der Versuchen, mit ihnen in irgend einer Art zu verschmelzen).

Je nachdem, wie stark mystischen Handeln und Erleben einen speziellen Menschen kennzeichnet, wirst du somit mit deinen „psychologischen“ Erklärungen für das Verhalten dieses Menschen immer weit daneben liegen, es sei denn, du könntest Mystik glatt von diesem Menschen abtrennen. Dies dürfte jedoch unmöglich sein.

Beispiel: Indem du behauptest, das Herz pumpt Blut und basta, nimmst du dir selbst vollständig die Möglichkeit, das Verhalten und Erleben von Leuten zu erklären, die der Auffassung sind, „Nur mit dem Herzen sieht man gut“. Diese Auffassung kann nämlich der Schlüssel zu vielerlei Verhalten und Erleben in diesem Menschen sein.

Warum du also einen so wichtigen Aspekt, der unzweifelhaft menschliches Verhalten und Erleben bestimmt, aus Erklärungen herauslassen willst, die doch angeblich das menschliche Verhalten und Erleben zum Gegenstand haben, ist mir völlig schleierhaft. Simple Dinge wie ein sonntäglicher Kirchganz entziehen sich damit bereits deinen Untersuchungen. Damit erscheint mir die Art der Psychologie, die du betreibst, in ihren Untersuchungen doch recht eingeschränkt und somit reichlich wertlos.

Für dich bleibt zur Untersuchung lediglich ein Bereich des menschlichen Handelns und Erlebens, von dem du mit 100% Sicherheit sagen kannst, dass Aspekte wie Mystik oder metaphorisches Denken darin keinerlei Bedeutung haben. Und das dürfte dir beim Menschen kaum gelingen. Beim Auto hingegen schon :smile:

Mal ein deutliches Beispiel: Zu jemandem, der beispielsweise aufgrund einer (ehemaligen) Zugehörigkeit zu einer „Sekte“ starke psychische Probleme hat, wird dir mit deinem Ansatz der Zugang versperrt bleiben. Diesem Menschen kannst du nicht Helfen, da du dich weigerst, ihn da abzuholen wo er steht, nämlich mitten in mystischen Denkweisen verhaftet. Wenn du solch einem Menschen sagt: „Das Herz pumpt Blut“ dürfte dies ein typischer Zusammenbruch von Kommunikation sein.

Gruss
Marion

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Hallo Marion,

> Schön und gut, nur ist das ein hochgradig abstrekter
> Standpunkt, der mit der Realität „Mensch“ nicht mehr allzuviel
> zutun hat.

Eben nicht.

> Die Realität stellt sich doch eher so dar, dass
> Mystik ein ganz wesentlicher Aspekt des Menschlichen Handelns
> und Erlebens ist und zu den menschlichen Grundbedürfnissen
> zählt.

Das ist richtig. Was nicht sinnvoll ist, ist, daß man die Erklärungen dieses Grundbedürfnisses mit Mystizismen und Romantisierungen anhäuft. Genau das tun aber diejenigen, deren Standpunkt Du befürwortest.

> Je nachdem, wie stark mystischen Handeln und Erleben einen
> speziellen Menschen kennzeichnet, wirst du somit mit deinen
> „psychologischen“ Erklärungen für das Verhalten dieses
> Menschen immer weit daneben liegen, es sei denn, du könntest
> Mystik glatt von diesem Menschen abtrennen. Dies dürfte jedoch
> unmöglich sein.

Mystik gehört zum Menschen dazu und muß deshalb immer auch Gegenstand der Betrachtungen sein. Allerdings darf die Mystik nicht selbst die Erklärung sein. Beispiel: Wenn ich Verhalten erklären will und dazu ein prinzipiell unbeobachtbares, schlecht definiertes Konstrukt wie das „Unbewußtes“ erfinde, dann habe ich nichts erklärt, sondern eine Illusion einer Erklärung geschaffen.

> Simple Dinge wie ein sonntäglicher Kirchganz
> entziehen sich damit bereits deinen Untersuchungen.

Na, zu erklären, warum Menschen zur Kirche gehen, ist relativ einfach. Der Begriff „Sozialisation“ ist schon ´mal etwas, was ich dazu brauche.

> Mal ein deutliches Beispiel: Zu jemandem, der beispielsweise
> aufgrund einer (ehemaligen) Zugehörigkeit zu einer „Sekte“
> starke psychische Probleme hat, wird dir mit deinem Ansatz der
> Zugang versperrt bleiben. Diesem Menschen kannst du nicht
> Helfen, da du dich weigerst, ihn da abzuholen wo er steht,
> nämlich mitten in mystischen Denkweisen verhaftet. Wenn du
> solch einem Menschen sagt: „Das Herz pumpt Blut“ dürfte dies
> ein typischer Zusammenbruch von Kommunikation sein.

Woher weißt Du, daß ich das machen würde? Im RL hast Du mich noch nicht kennengelernt. Wenn ich später einen Artikel oder Bericht über einen solchen Fall schreibe, dann schreibe ich nicht, daß der Mensch von Dämonen besessen war, ein Archetyp in ihm wirkte oder daß unbewußte „Triebe“ verdrängt wurden. Das ist nämlich Psychoquark.

Gruß,

Oliver Walter

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Hallo Oliver,

deine Standpunkte sind für mich nachvollziehbar, aber ich merke deutlich, dass dir eine wichtige Erfahrung abgeht, nämlich die eines Patienten, der nämlich nicht allzu viel Ahnung über Psychologie hat. Wenn sein Leidensdruck stark ist, muss er sich ein Bild von sich selbst machen, ob er will oder nicht. Sehr vielen Menschen ist Psychologie eine sehr abstraktrakte Angelegenheit, und suchen automatischen nach Begreiflichem eben nach Bildern, Mystik, Romantik, Seelenbilder was sich als Information für sie unmittelbar ergibt. Es ist dem Patienten auch egal, ob der Arzt sich selbst als Seelendoktor oder Verhaltenswissenschaftler sieht. Er will angenommen werden, verstanden werden, Hilfsbereitschaft spüren.
Als Patientin wäre es mir unangenehm, wenn mir der Arzt erklären würde, dass ich meine Bilder über mich und meine Seele (egal ob dies durch Bücher oder Internetlinks zustande kamen) sofort aufgeben soll, es geht um meine (Fehl)Verhalten, die er behandeln will. Das ist dann der klassische Fall wie sie viele Patienten mit ihren Ärzten erleben, sie werden über ihren Kopf hinwegbehandelt.

Wie gesagt, das ist für mich absolut einsichtig, wenn du dich als „Psychologe“ als Verhaltenswissender siehst. Aber ich liebe den Gedanken über mein Seelenbild, weil ich eben kein Psychologe bin. Und freue mich darüber, wenn mein Therapeut freundlicherweise sich auf meine Vorstellung einläßt.
Sprich, die verhaßte Scharlatanerie auf dem Psycho-Sektor wird bestimmt nicht weniger, je kühler die Psycho-Fachleute auf ihre Vision von ihrem Fach bestehen. Es wäre schön, wenn sich die Verhaltenswissenschaftler auf einen Spagat ihrer Vorstellungskraft einlassen würden, um dann wirklich den Quacksalbern das Wasser abzugraben.

gruß
grilla (*eine der anderen :wink:)*)

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Hallo Oliver,

Mystik gehört zum Menschen dazu und muß deshalb immer auch
Gegenstand der Betrachtungen sein. Allerdings darf die Mystik
nicht selbst die Erklärung sein. Beispiel: Wenn ich Verhalten
erklären will und dazu ein prinzipiell unbeobachtbares,
schlecht definiertes Konstrukt wie das „Unbewußtes“ erfinde,
dann habe ich nichts erklärt, sondern eine Illusion einer
Erklärung geschaffen.

Willst Du damit sagen, das ‚Unbewußte‘ gibt es gar nicht? Eine Erfindung von Menschen mit mystischen Neigungen? Ich denke nicht, daß jemand mystisch veranlagt sein muß, um erkennen zu können, daß es bei Menschen Verhaltensweisen gibt, die der Einzelne nicht zu erklären vermag, wenn er überhaupt darüber weiß. Sicher forschen und forschen wir, solange, bis auch der letzte Zipfel ‚Unbewußtes‘ erklärbar wird, und somit aus unserer Welt verschwindet. Aber noch haben wir nicht auf alles eine Antwort. Solange uns diese fehlen, werden wir viele Handlungen und Neigungen unbewußt leben.

lieb gegrüßt,
fionny

Hallo Oliver,

Was wir aber dringend brauchen, ist, daß mit diesem ganzen
Grobzeug aufgeräumt wird, das auf dem „Psychomarkt“ gefunden
werden kann. Das ist Volksverdummung, was da gemacht wird.
Quacksalber, Scharlatane, Gurus, die den Leuten mit ´ner Menge
Alltagspsychologie, etwas Esoterik, etwas Psychodynamik (viel
Gequatsche vom Unterbewußtsein - wenn die wenigstens
„Unbewußtes“ sagen könnten!) usw. das „richtige“ Leben
erklären wollen. Ich nenne das Vulgärpsychologie. Da braucht
es noch viel Entromantisierung und Entmystifizierung. Klar,
daß das viel Gekreische gibt, wenn ich als „böser Wolf“ gegen
die Häuser der drei kleinen Schweinchen puste.

Bitte nichts gegen die Alltagspsychologie. Sie ist Bestandteil des Menschen, somit ein fester Bestandteil des menschlichen Miteinander. Jeder, selbst ein kleines Kind betreibt sie (wenn auch nicht ‚bewußt‘). Und da kannst Du Dich auf den Kopf stellen, Du wirst sie den Menschen nicht abgewöhnen können.
Aber insofern gebe ich Dir Recht, eine Übertreibung ist nicht gut, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Was Du aufzählst, ist Schindluder, mit dem den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen wird, und sie in die Irre geführt werden. Als Gegenfeuer eine Versachlichung des Menschen anzustreben, und funktionelle, maschinelle Objekte aus ihnen zu machen, halte ich für eben so fehl am Platz. Ich sehe genau hier die Gefahr, das viele Menschen genau deswegen in die andere Richtung getrieben werden.

lieben Gruß,
fionny

Hallo fionny,

Willst Du damit sagen, das ‚Unbewußte‘ gibt es gar nicht?

Jein. Das „Unbewußte“, so wie die meisten von uns (ich nicht!) den Begriff im Alltag gebrauchen und der auf Freud zurückgeht, der mit Verdrängung, den „Trieben“ und den „Abwehrmechanismen“ zusammenhängt, der ist eine Erfindung der Psychoanalytiker. Dieses „Unbewußte“ gibt es meiner Meinung nach ist. Was ein sinnvolles Konstrukt ist, das ist z.B. das prozedurale Gedächtnis: Da kann man z.B. Autofahren, Fahrradfahren, Schwimmen, Wahrnehmung und Kategorisierung, klassische und operante Konditionierung einordnen. Diese Dinge laufen „automatisch“, „routiniert“, „nicht bewußt“ ab.

Eine
Erfindung von Menschen mit mystischen Neigungen?

Nein, das „Unbewußte“ Freuds ist IMHO keine Erfindung von Menschen mit mystischen Neigungen, sondern eine Theorie, die sich mystischen Dingen bedient, um Verhalten von Menschen zu erklären (bei C.G. Jung ist die Verbindung noch deutlicher).

Ich denke
nicht, daß jemand mystisch veranlagt sein muß, um erkennen zu
können, daß es bei Menschen Verhaltensweisen gibt, die der
Einzelne nicht zu erklären vermag, wenn er überhaupt darüber
weiß.

Wenn Du das prozedurale Gedächtnis meinen würdest, wäre ich Deiner Meinung. Wenn Du Freuds „Unbewußtes“ meinst, so ergibt sich ein Problem: Freud hat sein „Unbewußte“ durch Selbstanalyse „entdeckt“ und „erforscht“, sagte aber dann, daß das „Entdecken“ und „Erforschen“ des „Unbewußten“ durch Selbstanalyse unmöglich sei. Das ist ein weiterer Grund, warum das „Unbewußte“, das Freud konzipierte, ein schlechtes Erklärungsmodell ist. Mehr ist es nicht.

Sicher forschen und forschen wir, solange, bis auch der
letzte Zipfel ‚Unbewußtes‘ erklärbar wird, und somit aus
unserer Welt verschwindet. Aber noch haben wir nicht auf alles
eine Antwort. Solange uns diese fehlen, werden wir viele
Handlungen und Neigungen unbewußt leben.

Freud meinte, daß Menschen „Unbewußtes“ „bewußt“ machen sollten. „Wo Es ist, soll Ich werden“, sagte er. Aber alles „Unbewußte“ könne man seiner Meinung nach nicht bewußt machen.

Gruß,

Oliver Walter

Hallo Marion,

aber wodurch erfahren wir, daß es ein kleiner Elefant ist, der
da grüßt? Dadurch, daß wir nur seine Stoßzähne sehen, seinen
Rüssel, seine Haut? Mein Herz (Seele, meine romantisch
mystische Seite), ganz angetan vom ungewöhnlichen Exenplar,
sagt nun, ‚hey phantastisch, muß ein Wesen der Vorzeit sein.
Oder etwa ein Wesen der Zukunft?‘

Ahja, und womit willst du begründen, dass obige Aussage als
„mystisch“ oder gar „emphatisch“ zu gelten hat ?

Vielleicht mit dem Eigenleben meiner Seele? :wink:

Du darfst bei der Antwort gerne deinen Verstand einschalten

-)

Tja Marion, schade, aber da hast Du wohl ausgesprochen, was Du versäumt hast. :wink:

Gruss
Marion, die hofft, dass hinter dem Nick fionny nicht noch ein
Psychologe verborgen ist (muaaaaaaaahahahaha)

Was für ein Psychologe, der die Pforte der Hoffnung zuschlägt? :wink:

lieb gegrüßt,
fionny

Hallo Marion,

nochmal zu „Mystik“ und „Romantik“, „Automechaniker“ und „Wissenschaftler“. Das, wogegen Oliver polemisiert, sind bestimmte Arten von Erklärungen, die sich einer empirischen Überprüfung entziehen. Vom Wissenschaftler und vom Automechaniker erwarte ich gleichermaßen, dass sie sich um eine möglichst zutreffende Beschreibung der Gegenstände bemühen, mit denen sie es zu tun haben. Beim Automechaniker dient dies in der Regel dem Zweck, das Verhalten eines Autos (macht komische Geräusche; reagiert zu lahm auf Lenkbewegungen; zieht nicht) zu erklären und durch geeignete Maßnahmen zu beeinflussen. Dabei stellt er bestimmte Hypothesen auf, die er aus seinem bereits vorhandenen Wissen ableitet und überprüft diese (das Geräusch kommt von der Abdeckung des Radkastens; keine Ahnung ob das Sinn macht, isch 'abe gar keine Auto). Zur Überprüfung bedient er sich bestimmter Methoden, die er während seiner Ausbildung und im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit erworben hat. Aufgrund der erworbenen zusätzlichen Information vermehrt er sein Wissen über den Gegenstand der Betrachtung.

Die Vorstellung, sinnvolle Aussagen über menschliches Verhalten und mentale Prozesse liessen sich nur bei Berücksichtung „des ganzen Menschen“ machen (hoffentlich habe ich das falsch verstanden) verschlägt mir etwas den Atem. Das deckt sich nun überhaupt nicht mit meinem Wissenschaftsverständnis und würde meiner Ansicht nach aus dem Ziel der Wissenschaft (eine möglichst vollständige, widerspruchsfreie Beschreibung und Erklärung des Gegenstands zu liefern) eine Bedingung für die Aufnahme solcher Bemühungen machen.

Gruß
Michael

Hi Lara,

manchmal habe ich den Eindruck, dass Du die Gleichsetzung Psychologe=Psychotherapeut vornimmst. Das ist so ganz sicher nicht korrekt. Der Begriff „Psychologe“ ist zunächst mal nicht geschützt oder Leuten mit einer bestimmten Ausbildung vorbehalten. Etwas boshaft formuliert, so wie jeder ein Künstler ist, ist auch jeder ein Psychologe. Solche Leute wie Oliver Walter und ich haben mit mehr oder weniger großer Begeisterung ein wissenschaftliches Studium absolviert, das sie mit dem Grad „Diplom-Psychologe“ abgeschlossen haben. Je nachdem, wie man sein Studium organisiert, wie klug und wie fleissig man ist, sprechen wir hier von einem Zeitraum von 6 Jahren oder mehr (ich weiß, es gibt Leute, die viel klüger, fleißiger und schneller als ich sind). Der Diplom-Psychologe muss nun, wenn er als Psychologischer Psychotherapeut (eine gesetzlich geschützte Bezeichnung) tätig werden will, eine Ausbildung durchlaufen, deren Eckpunkte gesetzlich festgelegt sind. Vorgeschrieben ist (wenn ich jetzt daneben liege, mag mich jemand korrigieren, der die Zahlen besser kennt) eine Ausbildungsdauer von 4200 Stunden (in Worten viertausendzweihundert). Er kann aber auch in einem ganz anderen Berufsfeld arbeiten: im Personalbereich, im schulpsychologischen Dienst, in einer Reha-Einrichtung, in der Forschung, und, und, und
Was Du als „Schulen der Psychologie“ bezeichnest, sind „therapeutische Schulen“; bis zum Abschluß ihres Studiums haben die Diplom-Psychologen, egal an welcher Universität sie studiert haben, weitgehend dieselben Dinge gelernt (jaja, ich weiß, dass das nicht WIRKLICH stimmt); eine Spezialisierung im Sinne der „Schulen“ findet dann bei der Entscheidung für eine therapeutische Richtung statt.

Ja, es sind Hilfswissenschaften und das habe ich auch genau so
gemeint. Und die den Schulen eigenen Erklärungsmodelle für
Phänomene können eben nur mit diesen Mitteln herausgefunden
und erklärt werden. Wenn ich falsch liege, berichtige mich
bitte.

Der empirisch arbeitende Psychologe (als Forscher) beobachtet Verhalten (fast immer) und / oder registriert bestimmte inner-körperliche Vorgänge (nicht immer, aber immer öfter). Zur Verhaltensbeobachtung zähle ich jetzt ganz großzügig auch die Befragung (schriftlich oder mündlich).

Gruß
Michael

Hallo Michael,

entschuldige, wenn ich mich kurz einmische. Ich erwarte auch keine Antwort, möchte Dich aber gerne auf folgendes aufmerksam machen:

„Mystik“ und „Romantik“,

versus

„Automechaniker“ und „Wissenschaftler“

Bist Du wirklich der Meinung, daß es zwischen diesen beiden Extremen nicht noch etwas gibt, das weder unter den Begriff „romatische Mystifizierung“ noch unter den Begriff „Wissenschaft“ [in Reinform: empirisch nachweisbar] fällt?

Emotionen
Motivationen
Liebe

=>… als Beispiele, sind in ihren Ausprägungen meiner Meinung nach weder wissenschaftlich, empirisch nachweisbar, weil man den Grad eines Gefühls bei einem Menschen simpel nie mit dem Grad eines Gefühls, welches ein anderer spürt gleichsetzen bzw. vergleichbar machen kann.

Das sind nun einmal subjektive Manifestationen IM Menschen. Und die hat jeder Mensch. Kann man nicht wegmachen, und wenn es noch so sehr verdrängen möchte. Das wäre die „Entmenschlichung des Menschen“.

Und darum ging es mir z.B., das irgendwie hier klarzustellen.

Das, wogegen Oliver polemisiert, sind
bestimmte Arten von Erklärungen, die sich einer empirischen
Überprüfung entziehen.

Exakt! Dazu gehören dann aber auch die von mir oben genannten Zustände. Und da „Gefühle“ im weitesten Sinne empirisch nicht nachvollziehbar sind, MUSS er sie negieren. Damit entmenschlicht er jedoch den Menschen. [Er tut es natürlich nicht, aber seine Sichtweise in der Reinform, wie im Ausgangsposting dieses Threads ist dazu absolut]. Und das fand ich schlichtweg: absurd.

Vom Wissenschaftler und vom Automechaniker erwarte ich gleichermaßen, :dass sie sich um eine möglichst zutreffende Beschreibung der :Gegenstände bemühen, mit denen sie es zu tun haben.

In meinen Augen ein vollkommen richtiger Standpunkt. Das ist aber m.E. nicht der Punkt des Anstoßes gewesen…!

Beim Automechaniker dient dies in der Regel dem Zweck, das Verhalten :eines Autos (macht komische Geräusche; reagiert zu lahm auf
Lenkbewegungen; zieht nicht) zu erklären und durch geeignete
Maßnahmen zu beeinflussen. Dabei stellt er bestimmte
Hypothesen auf, die er aus seinem bereits vorhandenen Wissen
ableitet und überprüft diese (das Geräusch kommt von der
Abdeckung des Radkastens; keine Ahnung ob das Sinn macht,

Es macht Sinn, diese Betrachtungweise ist nur wieder nicht den ganzen Menschen beschreibend, denn Du hast vergessen, WAS denn denn z.B. die MOTIVATION des Mechanikers ist, sich zu bemühen, überhaupt zur Arbeit zu gehen… Hat er Schulden und muss diese Abarbeiten? Spart er für eine Motorjacht = Grundverschiedene Motivationen. Eine evtl. basierend auf Unlust, die andere auf Lust.

Und schon haben wir wieder Begriffe:

Motivationen => negativer/positiver Art
Lust/Unlust…

…welche Oliver GERADE als Verhaltenswissenschaftler in seinem Repertroire über das Verhalten und Erleben des Menschen - und damit in seinen Wortschatz miteinbeziehen sollte/müste.

Er kann das innere und empirisch nicht nachweisbare Erleben eines Menschen nicht deshalb negieren, nur weil es nicht messbar ist. Und sobald er zugeben muss, daß diese Dinge tatsächlich existieren, wird er zugeben müssen, daß es andere Formen derlei menschlichen Erlebens auch noch gibt. Es ist nur un-bewußt. Und dann braucht man auch nicht mehr darüber herumzustreiten, ob es ein „unbewußtes“ oder „unterbewußtes“ gibt oder oder etc. pp. Das ist dann schlichtweg egal.

Sicher muß es eine genaue Difinition der Terminis geben, um wissenschaftlich arbeiten zu können. Aber es sieht mir eher danach aus, als wenn Olvier doch tatsächlich Pioniere wie Freud an friend´s „verachtiet“ nur, weil sie in der Lage sind, oder zumindest versuchen, eine Terminologie zu finden, mit der man diese Dinge ansatzweise nachvollziehen und evtl. verstehen kann, damit man sich überhaupt der INNEREN PROZESSE eines Menschen beschreibend annähern kann.

Zur Überprüfung bedient er [der Mechaniker, Klammern von mir] sich
bestimmter Methoden, die er während seiner Ausbildung und im
Laufe seiner beruflichen Tätigkeit erworben hat. Aufgrund der
erworbenen zusätzlichen Information vermehrt er sein Wissen
über den Gegenstand der Betrachtung.

Klar, richtig. Aber welche Motivation dieses zu tun hat der Mechaniker z.B.? Was treibt ihn dazu => Trieb.

Verstehst Du, was ich meine?

Die Vorstellung, sinnvolle Aussagen über menschliches
Verhalten und mentale Prozesse liessen sich nur bei
Berücksichtung „des ganzen Menschen“ machen (hoffentlich habe
ich das falsch verstanden) verschlägt mir etwas den Atem.

Dann erkläre mir bitte, wenn Du magst, wie es hier mit den von mir oben beschriebenen inneren Prozessen des Erlebens und Verhaltens eines Menschen, die ja tatsächlich da sind vereinbar ist, ohne den „ganzen Menschen“ zu betrachten?

Das deckt sich nun überhaupt nicht mit meinem
Wissenschaftsverständnis und würde meiner Ansicht nach aus dem
Ziel der Wissenschaft (eine möglichst vollständige,
widerspruchsfreie Beschreibung und Erklärung des Gegenstands
zu liefern) eine Bedingung für die Aufnahme solcher Bemühungen
machen.

Mag sein. Aber wenn schon nicht Psychologe, so kann und darf ein Verhaltenswissenschaftler auch und gerade dann diese Dinge wie z.B. Motivation und Emotion einen Menschen nicht einfach negieren - nur, weil diese ja nicht wirklich messbar sind. Oder?

Ich würde wirklich gerne verstehen, wie das Deiner Erklärung nach funktionieren soll…

Viele Grüße
Lara

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Hallo Michael

Danke für Deine Antwort! Bitte siehe mein neues Posting an Dich weiter unten.

manchmal habe ich den Eindruck, dass Du die Gleichsetzung
Psychologe=Psychotherapeut vornimmst.

Danke Dir :wink: Dieser Unterschied ist mir jedoch hinreichend bekannt.

Was Du als „Schulen der Psychologie“ bezeichnest, sind
„therapeutische Schulen“; bis zum Abschluß ihres Studiums
haben die Diplom-Psychologen, egal an welcher Universität sie
studiert haben, weitgehend dieselben Dinge gelernt (jaja, ich
weiß, dass das nicht WIRKLICH stimmt); eine Spezialisierung im
Sinne der „Schulen“ findet dann bei der Entscheidung für eine
therapeutische Richtung statt.

Dann hast du mich mißverstanden. Ich wies darauf hin weil Oliver mit seinem Titel als Psychologe - und trotzdem die Seele negierend - einen nun von ihm selber so benannten „Ettikentenschwindel“ betreibt und alle anderen Formen der empirischen Psychologie damit wegwischte. Und das fand ich anmassend.

Aber diesen Sachverhalt hat er nun erklärt und ich habe mich auf seinen Vorschlag, nämlich ihn „Verhaltenswisschaftler“ zu nennen, eingelassen. Gut? :wink:

Der empirisch arbeitende Psychologe (als Forscher) beobachtet
Verhalten (fast immer) und / oder registriert bestimmte
inner-körperliche Vorgänge (nicht immer, aber immer öfter).
Zur Verhaltensbeobachtung zähle ich jetzt ganz großzügig auch
die Befragung (schriftlich oder mündlich).

„inner - körperliche Vorgänge“ beschreibst Du es. Okay. Bitte siehe weiter unten mein neues Posting an Dich: Wie soll das funktionieren, wenn man Motivationen, Emotionen, Lust, Unlust, Tribe usw. ausschließt? Alles in einen Topf werfen und gesamt als „inner - körperliche“ Vorgänge zu terminologieren ist meiner Meinung nach Unsinn, da hiermit die komplexen Prozesse des Erleben und Verhalten nicht zu differenzieren ist.

Oder… es ist eine angsbesetzte Herangehensweise… um nicht unwissenschaftlich betitelt zu werden. Man muss sich aber leider festlegen, um exakt zu beobachten, zu beschreiben, und differenzieren zu können. Und schon braucht es dazu wieder eine Terminologie. Wo ist die?

Güße
Lara

Hello again!

Bist Du wirklich der Meinung, daß es zwischen diesen beiden
Extremen nicht noch etwas gibt, das weder unter den Begriff
„romatische Mystifizierung“ noch unter den Begriff
„Wissenschaft“ [in Reinform: empirisch nachweisbar] fällt?

Emotionen
Motivationen
Liebe

Also, „romantische Mystifizierung“ stammt wirklich nicht von mir, das ist jetzt nur ein Zitat. Ja, die Psychologie sollte sich auch mit den Themen Motivation und Emotion beschäftigen. Ich habe zuletzt von 1997 bis 2002 an einem Lehrstuhl gearbeitet, der genau diese Themen in Forschung und Lehre behandelt.

=>… als Beispiele, sind in ihren Ausprägungen meiner
Meinung nach weder wissenschaftlich, empirisch nachweisbar,
weil man den Grad eines Gefühls bei einem Menschen simpel nie
mit dem Grad eines Gefühls, welches ein anderer spürt
gleichsetzen bzw. vergleichbar machen kann.

Es mag sein, dass sich keine sinnvolle Aussagen zur Empfindungsstärke über Personen hinweg machen lassen („ach weißt Du, ich empfinde das halt stärker als Du“ ist sicherlich eine etwas zweifelhafte Aussage). Aber deshalb bedeutet das doch nicht, dass man sich nicht wissenschaftlich mit Gefühlen beschäftigen kann. Es ist eben nicht so, dass der Behaviorismus die dominante Strömung innerhalb der Psychologie ist. Ganz im Gegenteil, ich kenne außer Oliver niemanden, der sich so explizit in der Nachfolge des orthodoxen (sorry, Oliver) Behaviorismus sieht.

Das sind nun einmal subjektive Manifestationen IM Menschen.

Und die hat jeder Mensch. Kann man nicht wegmachen, und wenn
es noch so sehr verdrängen möchte. Das wäre die
„Entmenschlichung des Menschen“.

Ja, aber nicht mal JB Watson wäre auf die Idee gekommen, die Existenz subjektiver Zustände zu leugnen. Die haben ihn als Wissenschaftler nur nicht interessiert. Und Watson wollte die Psychologie nicht nur erneuern, er wollte sie durch den Behaviorismus ERSETZEN, wenn ich mich recht erinnere (Oliver weiss das besser als ich; stimmt das so?). Das, was nicht beobachtbar ist, kann nicht sinnvoller Gegenstand der Forschung sein, war sein Credo.

Er kann das innere und empirisch nicht nachweisbare Erleben
eines Menschen nicht deshalb negieren, nur weil es nicht
messbar ist.

Vielleicht negiert er es ja gar nicht. Vielleicht meint er nur, dass sich keine empirisch überprüfbaren Aussagen (um die bemüht sich die Wissenschaft) über Dinge machen lassen, die sich der Messung entziehen. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass er das so, oder so ähnlich sieht.

Zur Überprüfung bedient er [der Mechaniker, Klammern von mir] sich
bestimmter Methoden, die er während seiner Ausbildung und im
Laufe seiner beruflichen Tätigkeit erworben hat. Aufgrund der
erworbenen zusätzlichen Information vermehrt er sein Wissen
über den Gegenstand der Betrachtung.

Klar, richtig. Aber welche Motivation dieses zu tun hat der
Mechaniker z.B.? Was treibt ihn dazu => Trieb.

Verstehst Du, was ich meine?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Versuchst Du die jeweilige Motivation von Mechaniker und Wissenschaftler zu kontrastieren, oder meinst Du, das Verhalten des Mechanikers zu erklären, setze eine Beschäftigung mit seiner Motivation voraus? Wenn Du letzteres meinst: die Frage nach dem „Warum“ von Handlungen ist ein klassisches Thema der Psychologie. Aber auch die Behavioristen haben - auf ihre Art - Fragen der Motivation behandelt.

Die Vorstellung, sinnvolle Aussagen über menschliches
Verhalten und mentale Prozesse liessen sich nur bei
Berücksichtung „des ganzen Menschen“ machen (hoffentlich habe
ich das falsch verstanden) verschlägt mir etwas den Atem.

Dann erkläre mir bitte, wenn Du magst, wie es hier mit den von
mir oben beschriebenen inneren Prozessen des Erlebens und
Verhaltens eines Menschen, die ja tatsächlich da sind
vereinbar ist, ohne den „ganzen Menschen“ zu betrachten?

Puh, da muß ich wohl etwas weiter ausholen. Je nachdem, was ich beschreiben, erklären, vorhersagen will, brauche ich unterschiedliche „Daten“. Wenn ich wissen will, wie die Reaktionsgeschwindigkeit beim Menschen von der Intensität eines akustischen Reizes abhängt, dann brauche ich zur Untersuchung dieser Frage zwar „einen ganzen Menschen“ (besser wären ein paar mehr :wink:). Aber ich brauche nicht „den ganzen Menschen“ betrachten: ich muß zum Beispiel nicht wissen, ob meine Versuchsperson als Kind geschlagen worden ist, welche sexuelle Orientierung er hat und wie gut er sehen kann. Wichtig ist dagegen, dass er versteht, was er tun soll und dass er ein normal funktionierendes Gehör hat. Ich habe nicht den Anspruch, diesen Menschen zu verstehen („als ganzen Menschen“; diesen Anspruch habe ich vielleicht bei Menschen, die mir sehr nahestehen, aber selbst da ist das doch ein extrem verwegener Anspruch, oder?), ich möchte etwas über ganz bestimmte menschliche „Teilleistungen“ erfahren.

Gruß
Michael

Hallo Michael,

und solche unerträglichen Klugscheisser wie
ich, die sich mit einem einzigen Posting gleich möglichst
viele Feinde machen…

*g* oh, das tust du? Das war aber wohl kaum die Intention dieses Postings, oder?

Lange Rede kurzer Sinn, ich
bezweifele, dass es in erster Linie sachliche Gründe sind, die
zu solchen Eruptionen führen. Da spielen persönliche
Eitelkeiten und Verletzungen sicherlich eine nicht unwichtige
Rolle.

Tja, das ist ja meist so. Selten wird so emotional (ob nun offen oder verdeckt) um rein sachliche Argumente gestritten. Ich finde es schade, denn es zeigt, dass man sehr wohl zig Semester mit dem Studium der PSychologie / Pädagogik / Philosophie zubringen kann und scheinbar dennoch für das eigene Verhalten nicht so arg viel daraus lernt. Aber vielleicht ist das ja auch nur in Ausnahmefällen und hier so und menschlich. Wer weiss.

Über Inhalt, Aussage und Wortwahl will ich an dieser

Stelle gar nicht diskutieren…

Brauchst Du auch nicht; ich denke, die meisten hier können
auch zwischen den Zeilen lesen und haben verstanden, was Du
meinst.

Bitte nichts reininterpretieren… ich wollte hiermit nichts zwischen die Zeilen schreiben… ich lehne einiges ab und stimme einigem zu.

Da ich jetzt ohnehin schon die meisten verprellt haben
dürfte, kann ich mich in der Sache ganz deutlich äußern: was
sich hier einige Teilnehmer erlaubt haben, ist meiner Ansicht
nach einfach ungehörig.

Was genau meinst du damit?

Weiß ich nicht; vor ein paar Jahren hätte ich noch gewußt, wer
hier wer ist. Oliver Walter ist Diplom-Psychologe, Dr. Manfred
Gies (Metapher) ist Physiker und Philosoph, Dr. Thomas Miller
ist Philosoph und damit habe ich schon alle aufgezählt, über
deren fachspezifische Ausbildung ich etwas weiß. Aber
vielleicht ist ja auch gar nicht so wichtig, wer hier ein
Diplom hat: Sachkenntnis ist nicht nur von der universitären
Ausbildung abhängig.

Da hast du natürlich recht. Dennoch finde ich so manche Tipps hier eher grenzwertig… oft von genau den Leuten übrigens, deren Expertentum auf der eigenen Therapieerfahrung beruht. Denn was für A in seiner Therapie supertoll und richtig war ist für B vielleicht absolut falsch. Aber nun, wem ich erzähle ich das :smile:

Vielleicht sollte es in Selbsterfahrung &
Onlineberatung/-therapie umbenannt werden. Passt dann
möglicherweise eher zu den Anliegen vieler hier Schreibender
und Lesender.

Good point!

:smile:

die sich wundert, warum ausgerechnet sie für nen Psychologen
in die Bresche springt…

Haben die gar nicht verdient, die Psychologen!

Habe ich nicht gesagt *g*
Sie werden mich nicht brauchen :smile: Ich wundere mich deshalb weil ich mit einigen Psychologen zusammenarbeite (und vorher auch zusammengearbeitet habe) und immer wieder feststelle, dass sie dazu neigen a) zu glauben, man könne die Praxis der Theorie anpassen und b)aufgrund (ja, das ist eine Vermutung)ihrer „unsicheren“ Stellung innerhalb der universitären Wissenschaften (sind se nu Natur- oder Geisteswissenschaftler) anderen gegenüber eine eher herablassende Haltung einnehmen. Ich lasse mir halt nicht gerne sagen, meinen Job könne nur ein Psychologe gut machen :smile: zumal es nicht stimmt. Rivalität zwischen den Berufszweigen… auch Kindergarten letztlich :smile:

Hm, da bin ich jetzt ein bisschen vom Thema abgewichen,

Michael Niepel, Diplom-Psychologe

Soso, auch einer von denen (um die Paranoia hier ein bisschen zu schüren *g*)

Gruß
Xelya