Hallo Oliver,
(btw: Konditionierung ist doch ein schreckliches Wort bei
„Erziehung“… naja.)Findest Du? Das ist doch nur ein technischer Ausdruck, den man
anstatt eines althergebrachten verwendet.
Ja, aber… trotzdem: Es geht doch um Menschen und nicht um „Tiere“. Es dreht sich mir wirklich permanent der Magen um, wenn dieser Ausdruck in der Kindereziehung fällt. Und ich denke, gerade die Konnonation des Wortes „Konditionierung“ läßt so viele Eltern auf den Plan steigen, sich gegen das zu wehren, was Psychologen an (natürlich sicherlich trotzdem) gut gemeinten Vorschlägen vorlegen.
Und ich kann das absolut nachvollziehen. Studium hin, Studium her. Die Realität ist differenzierter. Es sind hochsensible Themen, gerade bei der Kindererziehung, welche ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen von denen erfordern, die „um Hilfe/Rat“ gebeten werden. Wenn man Eltern dann so technisch kommt, fühlen sie sich (m.M nach zurecht) nicht ernst genommen. Zum einen in ihrer Rolle als liebende Eltern, die sich wirklich Sorgen machen und zum anderen in der Differenziertheit der Thematik per se.
Ich finde schon, dass die wissenschaftliche Psychologie es sich oft viel zu einfach macht mit ihren Erläuterungen. Es fehlt einfach oft das Maß an Menschlichkeit, dass es braucht, um auch den Eltern selber eine liebevolle Unterstützung zukommen zu lassen. Nicht ausschließlich den Kiddis. Verstehst Du, was ich meine?
Ja, ganz schwierig den Eltern klarzumachen, daß sie konsequent
ihre Rollen als „behavioral engineers“ spielen müssen.
Jetzt mal eine ernsthafte Frage, weil ich noch nicht als Therapeutin arbeite (ich habe bis jetzt nur mit Erwachsenen aus dem schizophrenen Formenkreis, Borderlinern, Depressiven, Süchtigen und Essgestörten gearbeitet, zwar sehr intensiv aber nur im Zuge meiner Praktika (9 Monate)): Erklärst Du als Verhaltenstherapeut Eltern die Erziehung anhand von diesen Ausdrücken? Also „behavioral engineers“ usw.? Oder unterhaltet ihr Euch nur an der Uni als Wissenschaftler so über diese Dinge?
Du meinst, daß die Eltern im Verhaltensstrom des Kindes auf
erwünschte Reaktionen achten, dann eine Baseline erstellen und
diese Reaktionen positiv verstärken sollen. Ich sehe Fred
Skinners Grabstein vor Freude hüpfen.
Oh…
hier musste ich lachen. Das war mir in der Tat gar nicht so bewußt. Aber eine Logik sehe ich in der Art Erklärungsmöglichkeit wohl schon… sonst hätte ich es nicht so verfasst
Olle Skinner… mag er schmunzeln…!
Ja, so können Geschwisterrivalitäten entstehen. Verständlich,
wenn ein Kind dann auffällige, aber unerwünschte
Verhaltensweisen zeigt.
Ja, „Urweisheit“.
So können wir Psychologen zumindest versuchen, kindliche
Verhaltensstörungen zu erklären.
Eben, Oliver. „Wir“ (who ever) können solche Dinge als „Wissenschaftler“ nur erklären und beschreiben. Doch wenn wir unterstützen, helfen wollen, dann müssen wir weiter gehen. Uns wirklich auf das immer wieder individuelle der Menschen einlassen und uns in die Menschen und ihre Gefühle hineinversetzen wollen. Wollen! Und uns zurücknehmen. Tun wir das nicht, wird jeder gut gemeinte Rat abprallen und trockene Theorie bleiben.
Einer meiner Profs erzählt(e) in seinen Vorlesungen immer die
Geschichte von Mutter und Kind vor der Kasse im Supermarkt.
„Ich will ein Marsriegel“, quengelt die Kleine. „Nein, es gibt
gleich Mittag“, sagt die Mutter. „Doch, doch, doch, ich will
ein Mars.“ „Nein.“ Kind wirft sich auf den Boden und fängt an
zu schreien und zu weinen. Mutter ist das sichtlich peinlich
vor den anderen Leuten im Supermarkt und lenkt schließlich
ein: „Aber nur ein Mars.“ Kind hört auf und mampft glücklich
sein Mars.
Hatte unsere Prof den gleichen Lehrer?
Oder ist es vielleicht doch nur ein Paradebeispiel, weil so real - und oft vorkommend? Ich kannte es…
Viele Grüße
Bettina
