Erfahrungen mit suizidgefährdeten Jugendlichen?

Hallo,
hat schon jemand Erfahrungen mit suizidgefährdeten Jugendlichen gemacht? Meine 13jährige Tochter hat eine Überdosis Tabletten genommen und wird derzeit stätionär behandelt.
Zur Vorgeschichte:

  • massives Mobbing in der Schule/Internet,
  • Lehrer, die lieber wegschauen und nichts unternehmen wollen, weil es sowas an Gymnasien ja nicht gibt…
  • Mitschüler, die selbst Angst haben aber nicht öffentlich dazu stehen wollen
  • Lehrer, die sich über die Vertusch-Versuche des Direktors ärgern aber öffentlich dazu auch nicht Stellung nehmen möchten aus Sorge um ihren Arbeitsplatz
  • Verzweiflung des Kindes, reaktive Depression mit Abrutschen in eine Bulimie, Versuche des Kindes, das Leid zu lindern über Alkoholkonsum und Ritzen.
    Wir Eltern wissen, dass das Kind leidet, rennen von Arzt zu Arzt, suchen einen Therapeuten (haben alle Wartezeiten bis zu 1 Jahr), versuchen zu helfen, wo wir nur können und stehen machtlos daneben.
    Resultat: der Versuch unseres Kindes, sein Leben zu beenden.

Wer hat sowas schon erlebt und vielleicht irgendwo Hilfe gefunden? Ich wäre dankbar für jede Unterstützung.

Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften von Leuten mit Erfahrung und nicht solchen, die einfach nur Leute treten wollen, die schon am Boden liegen…

Danke

Kathi

Hallo Kathi!

derzeit stätionär

Wird sie in einem allgemeinen Krankenhaus behandelt und seit wann?
Habt ihr schon mit den behandelnden Ärzten/Sozialpädagogen gesprochen, wie eine Weiterbehandlung aussehen kann?

Mit Grüßen
Simone

Hallo,
sie ist derzeit zur Beobachtung in der Psychiatrie.
Ich wurde gerade informiert, dass alles damit zusammenhängt, dass meine Tochter BULIMIE hat - es scheint, als sei alles, was wir durchlebt haben, der typische Krankheitsverlauf dieser Krankheit.
So wie die Lage derzeit ist, gibt es kurzfristig keine freien Therapieplätze, ich habe schon mit etlichen Therapeuten und Beratungsstellen gesproche, bei einigen sind nur AB angeschlossen und ich warte jetzt auf Anrufe…
Ich weiß jetzt leider auch nicht, ob ein Schulwechsel einen so angeschlagenen Menschen noch mehr ins Unglück treibt oder ich sie in ihrer gewohnten Umgebung - also auch bei ihren Freunden - lasse.
Auf jedem Fall werde ich alles tun, um ihr zu helfen

Hallo!

hat schon jemand Erfahrungen mit suizidgefährdeten
Jugendlichen gemacht?

Ich arbeite als Schulsozialarbeiter an einer Schule und daher ist mir die Problematik bekannt!

Meine 13jährige Tochter hat eine
Überdosis Tabletten genommen und wird derzeit stätionär
behandelt.

Ne komische Frage: Hat sie die Tabletten genommen um zu sterben oder um zu leben?

Zur Vorgeschichte:

  • massives Mobbing in der Schule/Internet,
  • Lehrer, die lieber wegschauen und nichts unternehmen wollen,
    weil es sowas an Gymnasien ja nicht gibt…
  • Mitschüler, die selbst Angst haben aber nicht öffentlich
    dazu stehen wollen

Kannst du da etwas mehr erzählen? Wie kommst du darauf, dass die Lehrer wegschauen?
Und in welcher Form sollten Mitschüler Stellung beziehen?
Es ist da nicht einfach für die Mitschüler, weil sie oft Angst haben, selbst Opfer zu werden.

  • Lehrer, die sich über die Vertusch-Versuche des Direktors
    ärgern aber öffentlich dazu auch nicht Stellung nehmen möchten

Erklär das mal mit der öffentlichen Stellungnahme? Was ist genau passiert. Klingt erstmal seltsam, denn wenn ich mit Mobbing zu tun habe, verlangt keiner von niemand eine öffentliche Stellungnahme.

aus Sorge um ihren Arbeitsplatz

Sind die denn keine Beamte? Privatschule?

  • Verzweiflung des Kindes, reaktive Depression mit Abrutschen
    in eine Bulimie, Versuche des Kindes, das Leid zu lindern über
    Alkoholkonsum und Ritzen.

… und das Tragische ist, dass man dadurch in einen Teufelskreis reinkommt.

Wir Eltern wissen, dass das Kind leidet, rennen von Arzt zu
Arzt, suchen einen Therapeuten (haben alle Wartezeiten bis zu
1 Jahr), versuchen zu helfen, wo wir nur können und stehen
machtlos daneben.

Das kenne ich leider auch. Die Versorgung mit solchen Angeboten ist zum Kotzen!

Wer hat sowas schon erlebt und vielleicht irgendwo Hilfe
gefunden? Ich wäre dankbar für jede Unterstützung.

Versuche es mal nicht nur mit Psychotheraupeuten und Ärzte, sondern auch mit kommunalen Beratungsstellen. Die sind meist auch gut ausgebildet und haben keine so langen Wartezeiten.

und nicht solchen, die einfach nur Leute treten wollen, die
schon am Boden liegen…

Was ist denn das jetzt für ne Aussage?

Liebe Grüße
Stefan

Hi

  • massives Mobbing in der Schule/Internet

Zum Mobbing gehören immer mindestens zwei: Der, der mobbt und der, der sich mobben lässt. Es sind ja immer ganz bestimmte Leute, die gemobbt werden. Das geht oft schon in der rundschule os, oder noch früher: im Kindergarten. Manchmal eben erst aufm Gymnasium.

  • Lehrer, die lieber wegschauen und nichts unternehmen wollen,
    weil es sowas an Gymnasien ja nicht gibt…

Was sollen die denn tun deiner Meinung nach?

  • Mitschüler, die selbst Angst haben aber nicht öffentlich
    dazu stehen wollen

Sind das auch welche, die gemobbt weden oder eher welche, die selber Spaß am Mobben haben?

  • Lehrer, die sich über die Vertusch-Versuche des Direktors
    ärgern aber öffentlich dazu auch nicht Stellung nehmen möchten
    aus Sorge um ihren Arbeitsplatz
  • Verzweiflung des Kindes, reaktive Depression mit Abrutschen
    in eine Bulimie, Versuche des Kindes, das Leid zu lindern über
    Alkoholkonsum und Ritzen.

Sehr eigenwillige Pathogenese, die du da aufstellst.
Es gibt Anlaufstellen, die dich an KInder- und Jugendpsychotherapeuten vermitteln. Ohne längere Wartezeiten.
Gruß,
Branden

Hallo Branden,

prinzipiell ist das ja soweit i.O. was du schreibst, aber:

… Es sind ja immer ganz bestimmte
Leute, die gemobbt werden.

Man muss aufpassen, dass man da nicht das Schulprinzip ins Spiel bringt, nach dem Motto: „Bist ja selbst Schuld!“
Ich habe schon Fälle erlebt, in denen Schüler gemobbt wurden, die zuvor noch nie Schwierigkeiten mit Mitschülern hatten, eher sogar sehr beliebt waren, dann die Schule wechselten und in der neuen Schule gemobbt wurden. Je nach dem welche heimliche Regeln in einer Klasse (Gruppe) herrschen, kann es auch die erwischen, die nicht den „Mobb-mich-Stempel“ auf der Stirn haben.
Mobbing kann also wirklich jeden treffen.
Aber du hast Recht, manche triffts (fast) immer und überall.
Und wenn es einen trifft, sollte man auch immer an sich selbst arbeiten und sein Verhalten hinterfragen.

  • Lehrer, die lieber wegschauen und nichts unternehmen wollen,
    weil es sowas an Gymnasien ja nicht gibt…

Was sollen die denn tun deiner Meinung nach?

Handeln (aber bitte richtig), Hilfe holen, … aber auf keinen Fall wegschauen. Das Problem ist, dass viele Lehrer für solche Situationen nicht gewappnet sind und daher oft kontraproduktiv handeln.

LG
Stefan

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Ne komische Frage: Hat sie die Tabletten genommen um zu
sterben oder um zu leben?

ich sehe es als Hilfeschrei, sie hat gewusst, dass ich sie rechtzeitig finden werde

Zur Vorgeschichte:

  • massives Mobbing in der Schule/Internet,
  • Lehrer, die lieber wegschauen und nichts unternehmen wollen,
    weil es sowas an Gymnasien ja nicht gibt…
  • Mitschüler, die selbst Angst haben aber nicht öffentlich
    dazu stehen wollen

Kannst du da etwas mehr erzählen? Wie kommst du darauf, dass
die Lehrer wegschauen?

…meine Tochter hat schon länger Probleme mit Jungs in ihrer Klasse, die sich als „Rudel“ zusammengeschlossen haben und „gemeinsam unausstehlich sind“. Sie hatte vor ca. 18 Monaten LEICHTES Übergewicht, wurden von den Jungs deswegen gehänselt und beleidigt, im Internetportal, sei es wkw, ICQ oder SchülerVZ öffentlich beleidigt, als „fettes Schwein, das man schlachten müsse“
u.v.m. Im März hat dann DIESER Mitschüler, um den sich andere gerne gruppieren, 5 weitere Jungs dazu aufgefordert, meine Tochter mit Steinen zu bewerfen. Sie wurde dabei am Kopf verletzt. Daraufhin suchte ich das Gespräch mit seinen Eltern, mit dem Erfolg, dass IHR KIND sowas nicht macht und meine Tochter bestimmt lügt.
Es gab genug Zeugen, die alles gesehen haben…
Ich habe den Direktor der Schule informiert und daraufhin wurden alle Beteiligten verhört. Natürlich hatte besagter Junge einen Tag danach schon ein Schreiben seiner Eltern dabei, aus dem hervorging, dass ER NICHTS getan hat ABER…5 andere Jungs, die direkt mit Namen und Anschrift genannt wurden.
Daraufhin haben sich die Jungs aus mehreren Klassen zusammengerottet und meine Tochter in den Pausen, vor oder nach der Schule verpottet, geschubst, ausgelacht, als Pinzien beschimpft und äußerst vulgär im Internet beleidigt. Diese beweisbare Beleidung habe ich dann ausgedruckt und auch wieder der Schulleitung vorgelegt. Der Absender dieser widerlichen Mail hat sich daraufhin unter Tränen in Gegenwart des Direktors bei meiner Tochter entschuldigt.
Die Lehrer haben zwar Gespräche geführt, der Hauptschuldige des Steinewerfens wurde angeblich bestraft - wie, darf ich wegen DAtenschutz nicht gesagt bekommen.
Der Terror in der Schule ging so weit, dass ich gegen den Jungen Anzeige wegen Körperverletzung erstattet habe - obwohl er nicht strafmündig ist, weil er erst 13 ist. (damit hat er vorher schon geprahlt, dass man ihm aus diesem Grunde nichts anhaben könne…)
Ich habs trotzdem gemacht, dass die Sache mal aktenkundig ist und die Polizei hat trotz ihrer Machtlosigkeit alle Beteiligten zum Gespräch geladen - auch den Schuldigen, damit er aus seinem Fehlverhalten lernen kann. Diese Aktion fand ich richtig gut nur leider haben seine Eltern den erzieherischen Effekt verhindert und einen Anwalt hingeschickt. Das hat sogar die Polizei erstaunt, dass Eltern jegliche Erziehung mit allen Mitteln verhindern. Manche Leute würden es sich verdammt einfach machen.
Soweit, so schlecht. Eine Anti-Mobbingtrainerin wurde für einen Tag (4 Schulstunden) in die Klasse geschickt. Kurz zuvor hat der Klassenlehrer noch verkündet, dass er die geplante Klassenfahrt wegen DIESES Vorfalles ABGESAGT hatte - mit dem Resultat, dass die ganze Klasse während des Mobbing-Trainings auf meiner Tochter herumgehackt hat - wenn sie keine Anzeige erstattet hätte, könnte die Klassenfahrt stattfinden…sie soll die Anzeige zurückziehen…
Das war das LETZTE! Ich habe auch mit dieser Trainerin geprochen, die einfach nur meinte, in der 7. Klasse wären die Spannungen normal und in unserer Klasse wäre das Problem so krass, weil manche Kinder noch auf geistigen Niveau der Vorschule seien (unser Steinewerfer…) und andere schon viel reifer, fast erwachsen - wie meine Tochter. Ich solle Geduld haben, bis Ende der 8. Klasse würde es schon ruhiger, dann würden die Schüler alle auf dem selben Entwicklungsniveau sein.
Die Lehrer haben mir dann nur noch den Vorwurf gemacht, warum sich meine Tochter nicht schon viel früher gemeldet habe, wenn sie schon über 1 Jahr Probleme hätte… Meine Tochter zählt mehr zu den ruhigen und in sich gekehrten Menschen - und hätte auch Angst, wenn sie sich beim Lehrer beschwert, dass sie dann als Petze gelten würde.
Ich hatte zum Beginn des Schuljahres damals ein Gespräch mit dem Klassenlehrer und darauf hingewiesen, dass meine Tochter Angst habe, in diese Klasse zu kommen, weil sie mit Jungs Probleme hätte. Damals hatte sie nur sehr zögerlich mit mir geredet, ohne Namen zu nennen und auch alles irgendwie heruntergespielt. Ich weiß nur, dass ich den Lehrer extra angesprochen habe und ihn gebeten habe, die Sache zu beobachten und mir zu berichten. Das hatte er auch alles versprochen nur leider erinnert er sich heute an nichts mehr und behauptet, er hätte von nichts gewusst…
Ich habe in schlimmen Zeit gelegentlich das GEspräch mit ihm gesucht und zuletzt einfach seine Aussage gehört: ich mache meinen Unterricht, dazu kommen die Kinder in die Schule - was in den Pausen oder der Freizeit wäre, wäre unsere Privatsache.
IHN hab ich also nicht mehr angesprochen - er hat ja keine Lust sich damit zu befassen. In SEINEM Unterricht ist ja alles in bester Ordnung.
Als meine Tochter dann endlich den Mut hatte, mit ihren Lehrern über die Nachwirkungen des Steinewerfens zu reden (diese Treibjagd im Schulhof) waren sie anfangs noch hellhörig doch kurze Zeit später wurde es den Lehrern langweilig und sie haben nur noch genervt reagiert und meine Tochter abgewimmelt. Eine schlimme Erfahrung für ein Kind, dass der Hilfeschrei ungehallt verklingt… erst dazu auffordern, bei Problemen gleich zum Lehrer zu kommen und dann nur nochh abzuwimmeln.
Als ich einschreiten wollte, hat mich meine Tochter inständigst gebeten, NICHTS MEHR ZU unternehmen - es würde dadurch alles nur noch schlimmer…
Ich hätte ausrasten können und sie tat mir so leid, ich hätte so gerne geholfen…

Und in welcher Form sollten Mitschüler Stellung beziehen?
Es ist da nicht einfach für die Mitschüler, weil sie oft Angst
haben, selbst Opfer zu werden.

ja, das stimmt vollkommen - die Schüler sollten nur lernen, dass sie es alle leichter haben werden, wenn sie über die Probleme reden und auch mal hinter einem schwächeren Schüler stehen, wenn der verbal oder auch mit körperlicher Gewalt angegriffen wird. Dann hätten solche Typen, die eigene Schwächen vielleicht damit kompensieren, andere Schüler zu quälen

  • Lehrer, die sich über die Vertusch-Versuche des Direktors
    ärgern aber öffentlich dazu auch nicht Stellung nehmen möchten

Erklär das mal mit der öffentlichen Stellungnahme? Was ist
genau passiert. Klingt erstmal seltsam, denn wenn ich mit
Mobbing zu tun habe, verlangt keiner von niemand eine
öffentliche Stellungnahme.

nein, keine öffentliche Stellungnahme in diesem Sinne - er hat nur gesagt, dass er diese Aussage nur treffen könne, weil nur wir beide bei dem Gespräch anwesend sind. Vor all seinen Kollegen könne er mir das natürlich nicht sagen, dass er sich über diese Schüler schwarzärgert, er als Lehrer machtlos sei, weil man wegen solcher Eltern, die gleich den Anwalt schicken und ihre Kinder nicht erziehen würden, die Schüler nicht strafen könnte, wie sie es verdient hätten.
Er wollte mir nur den Rücken stärken, dass wir richtig gehandelt haben und bloß nicht klein beigeben sollen…

Ich werde auch nicht klein beigeben - warum werden die Opfer gezwungen, in eine andere Schule zu flüchten und diese „Mobber“ bleiben lachend weiter auf der Schule und suchen sich das nächste Opfer? Wäre es nicht einfacher, DIESE Schüler von der Schule zu verbannen? Warum ducken sich alle vor Ihnen?
Ich glaube, wenn diese bequemen Lehrer, nur um ihrer lieben Freizeit und Ruhe willen, nicht alles durchgehen lassen würden, dann würde dieses Mobbing nicht dermassen um sich greifen… Es ist natürlich bequemer, dem Opfer zu raten, die Schule zu wechseln, als selbst aktiv zu werden und für Ordnung zu sorgen.
Wenn man natürlich gleich-betroffenen Eltern an der Schule sucht, um sich mit ihnen zusammenzuschließen und etwas zu bewegen/verändern - TUN… - dann erlebt man nur…Feigheit. Bloß nichts unternehmen, lieber den Kopf in den Sand stecken und abwarten…

aus Sorge um ihren Arbeitsplatz

Sind die denn keine Beamte? Privatschule?

ich denke eher, dass dann das Arbeitsklima leidet und der Lehrer vielleicht sogar dann von den Kollegen gemobbt wird

Wer hat sowas schon erlebt und vielleicht irgendwo Hilfe
gefunden? Ich wäre dankbar für jede Unterstützung.

Versuche es mal nicht nur mit Psychotheraupeuten und Ärzte,
sondern auch mit kommunalen Beratungsstellen.

ja,klar, ich habe schon fast überall herumtelefoniert, das Internet durchforstet, Selbsthilfegruppen gesucht…

  • derzeit alles noch offen, überall erreicht man nur Anrufbeantworter und muß leider warten…

und nicht solchen, die einfach nur Leute treten wollen, die
schon am Boden liegen…

Was ist denn das jetzt für ne Aussage?

ich habe hier soviele Beiträge durchforstet und habe den Eindruck, dass manche Leute sich tierisch über sogenannte „Kleinigkeiten“, kleine Probleme anderer Leute, die für die Betroffenen aber trotzdem eine Qual sein können, aufregen und sie belehren wollen wie z.B. mit Sprüchen, dass Mobbing ganz normal sei und die Kinder selbst dran schuld seien, wenn sie darunter leiden.
Ich muß ehrlich sagen, dass ich dieses Verhalten „zum Kotzen“ finde, sich so selbstherrlich hinzustellen und über andere zu urteilen.
Ich hab auch anfangs gedacht, dass sich diese „kleinen Hänseleien“ ind er Schule von selbst regeln, mein Kind lernen soll, sich zu wehren und schon alles so halb so schlimm wäre…
Das war völlig falsch - das weiß ich leider erst JETZT, nachdem soviel passiert ist. Helft Euren Kindern, besonders denjenigen, die etwas ruhiger und schwächer sind als andere, und hofft nicht darauf, dass alles schon werden würde…
Seid froh, wenn die kids euch an ihrem Leben teilhaben lassen und nehmt ganz besonders das mobbing in der Schule ernst! Klar gabs das früher auch - nur heutzutage läuft das viel mieser ab. Die Schüler bedienen sich des Internets, wo sie Angst und Schrecken verbreiten können unter irgendwelchen Pseudonymen. Ich denke, dass diese Waffe INTERNET unterschätzt wird. Das Internet vergisst auch nichts - was da mal veröffentlicht wurde, wird noch ewig auftauchen und die Opfer weiterhin belasten…

Ich habe unserem desinteressierten Klassenlehrer auch deutlich gesagt, dass bei dieser nachlässigen Unterstützung in der Schule man sich nicht wundern muß, wenn Schüler Amok laufen oder versuchen, sich das Leben zu nehmen. Ich kann es nachvollziehen…

Ich wünschte, es gäbe mehr Sozialpädagogen an den Schulen - an unserer scheint das ein Fremdwort zu sein und nen Schulpsychologen gibts schon garnicht…

Warum auch, es ist ja billiger und einfacher, wenn man die Starken stark sein lässt, denn die Schwachen minimieren sich ja von selbst.
Entweder sie flüchten von der Schule oder bringen sich um…

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Hi,

Du schreibst, was in der Schule passiert, was Mitschülern passiert, dass Lehrer weggucken etc. - was Du aber nicht schreibst ist das, was mich jetzt am meisten interessieren würde: Was habe ihr denn bis jetzt getan und tut ihr jetzt, außer nach einem Therapieplatz jedweder Art zu suchen?

Gruß,

Anja

Hallo!

sie ist derzeit zur Beobachtung in der Psychiatrie.

Also in der Kinder-und Jugendpsychiatrie?

Hast du den zuständigen sopzialpädagogischen Dienst in der Klinik schon gesprochen?
Ganz wichtig!
Die wissen was zu tun sein wird, nächste Selbsthilfegruppen, etc.

Dann mit dem behandelnden Arzt sprechen, evtl. über das Pflegepersonal einen Termin ausmachen. Informiere dich, welche Art von Therapie er für deine Tochter vorschlägt und ob er Empfehlungen hat.

Bietet die Klinik vielleicht Elterngruppen o.ä. an? Nicht nur deine Tochter braucht Hilfe, auch du. Der Ausstausch mit anderen Eltern kranker Kinder kann große Entlastung bringen.

Ich weiß jetzt leider auch nicht, ob ein Schulwechsel einen so
angeschlagenen Menschen noch mehr ins Unglück treibt oder ich
sie in ihrer gewohnten Umgebung - also auch bei ihren Freunden

  • lasse.
    Auf jedem Fall werde ich alles tun, um ihr zu helfen

Natürlich tust du das!
Du schreibst, dass deine Tochter Freunde hat. Das ist doch schon mal toll. Kennst du sie? Besprich mit deiner Tochter, ob du sie informieren darfst.
Freunde sind oft mehr wert als Mütter, wenn es einem schlecht geht. ;o)

Schraube dich ein wenig zurück. Deine Sorge um die Tochter ist verständlich, aber du wirst ein Stück weit die Verantwortung abgeben müssen. Irgendwo ist irgendetwas schief gelaufen, das wird lange dauern bis es wieder gerade läuft.
Aber den Weg wird deine Tochter gehen müssen.

Im Moment hilft es nicht Schuld bei sich oder anderen zu suchen. In diesem Zusammenhang würde ich dir auch raten, alle weiteren Details aus der Vergangenheit nicht hier zu veröffentlichen.
Diese spielen jetzt akut überhaupt keine Rolle und die Gefahr, dass du von Hobbypsychologen auseinandergeplückt wirst, ist viel zu groß. Damit ist keinem geholfen und es raubt dir nur unnötig Energie.

Trotz aller Sorgen, nutze den Klinikaufenthalt deiner Tochter auch für dich. Hol erstmal wieder Luft und tanke auf. Im Moment ist sie in guten Händen und ihr werdet einen Weg finden.

Alles Gute!
Simone

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  • viele Eltern angesprochen, um ihre Erfahrungen gebeten
  • viele Lehrer um Unterstützung geben, inkl. Vertrauenslehrer und Schlichtern
  • einen außerplanmäßigen Elternabend einberufen, mit dem Resultat, dass sich niemand getraut hat, zu dem Thema etwas beizutragen.
    Seltsamerweise wußten die Eltern der MOBBER überhaupt nicht, dass es Probleme in der Klasse gibt…
  • Gespräche mit Sozialpädagogen
  • mit der Polizei
  • mit Gruppen gegen Gewalt in der Schule
  • mit Mitschülern, ob sie auch Probleme haben
  • mit Verwandten, Bekannten
  • mit besagter Mobbingtrainerin
  • mit weiteren Fachleuten auf dem Gebiet MOBBING
  • ganz klar auch mit meiner Tochter, weil ich mir für alle Aktionen auch ihr Einverständnis geholt habe

hab ich deiner Meinung nach alles richtig gemacht oder versagt?

Nein Quatsch, Du hast natürlich nicht versagt! Das ist ja auch gar nicht die Frage. Wahrscheinlich habt Ihr auch nicht alles richtig gemacht (falls es denn überhaupt das Richtige in solchen Fällen gibt) - und das wäre auch ein viel zu hoher Anspruch. Natürlich werdet Ihr immer mit den Zweifeln kämpfen, ob Ihr nicht NOCH mehr hättet tun können, aber wie gesagt, jetzt geht es doch vor allem erstmal darum, dieses Trauma zu verarbeiten.

Gruß
Arbeyterson

Moin Stefan,

Man muss aufpassen, dass man da nicht das Schulprinzip ins
Spiel bringt, nach dem Motto: „Bist ja selbst Schuld!“

Schuld ist meines Erachtens der falsche Begriff. Es müssen ein paar Voraussetzungen zusammenkommen, damit Mobbing funktioniert.
Außenseiterdasein
Verhaltensauffälligkeit (wertungsfrei)
Erwartbare Schwächereaktion

Einzelgänger, die in Situationen untypisch reagieren (weil sie es nicht besser wissen oder können sei dahingestellt) und ungefährlich erscheinen sind die geborenen Opfer. Hier muss man meines Erachtens auch ansetzen.
Nur um nicht altklug zu erscheinen: Ich selber wurde in der 4./5. Klasse gemobbt. Gar nicht so zu „unrecht“, denn ich hatte tatsächlich eine unangenehme Verhaltensauffälligkeit entwickelt. Mit einem Klassenwechsel und dem Mobbingerlebnis im Hinterkopf war es einfach, aus der Opferrolle wieder rauszufinden. Seitdem mobbt mich niemand mehr.:wink:

Und wenn es einen trifft, sollte man auch immer an sich selbst
arbeiten und sein Verhalten hinterfragen.

exakt. Denn sich selber und seine Situation ändert man deutlich einfacher als den Rest der Welt.

  • Lehrer, die lieber wegschauen und nichts unternehmen wollen,
    weil es sowas an Gymnasien ja nicht gibt…

Was sollen die denn tun deiner Meinung nach?

Handeln (aber bitte richtig), Hilfe holen, … aber auf keinen
Fall wegschauen. Das Problem ist, dass viele Lehrer für solche
Situationen nicht gewappnet sind und daher oft kontraproduktiv
handeln.

Wir hatten im Gymnasium in der 7. oder 8. ein Mädchen, der wir das Leben zur Hölle gemacht haben. Das ging soweit, dass das Thema im Rahmen eines sogenannten Besinnungstages gruppendynamisch von der Klasse aufgearbeitet wurde. 3 Tage später war wieder alles beim alten. Ich denke nicht, dass Du hier als Lehrer auch nur die geringste Chance gegen einen Klassenverband hast, der mobben will. Denn das Mobbing findet i.d.R. ja nicht gerade unter Deiner Nase statt.

Grüße
Jürgen

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Dem Posting von Simone ist erstmal nichts hinzuzufügen.

„Ratlos“, Ich verstehe es gut, dass Du in dieser schwierigen Situation Austausch und Rat suchst, aber in Foren wie diesem begegnet man ganz unterschiedlich kompetenten und ganz unterschiedlich wohlmeinenden Menschen. Das kann dann unter Umständen auch mal kontraproduktiv sein. Und das „dicke Fell“, dass man da mitbringen sollte, hat man in einer solch schlimmen Situation, wie Du sie gerade durchmachst, meist nicht…

Beste Grüße
Arbeyterson

hallo,

ich habe die vorhergehenden artikel nicht gelesen -möglicherweise doppeln sich jetzt dinge…

ich wurde in der 5. klasse gemobbt, das waren „nur“ die anfänge, da ich dann eh sitzengeblieben bin u. wir umgezogen sind…

in der neuen schule wiederholte sich das ereignis in der 7. klasse…
die mädels aus meiner klasse u. der parallelklasse riefen blöde sprüche übern schulhof, hab mich auch getreten (aber nur von hinten, von vorn waren die zu feige) das beschriebene verhalten von lehrern u. rektor ist mir bekannt - war bei mir auch so…

ich hatte das nach einer weile satt bis zum stehkragen, hab mir ein paar springerstiefel gekauft und war ab dem moment auch bereit zu treten/schlagen oder was auch immer…

es wurde dann langsam wieder besser sie haben mich ignoriert u. irnendwann waren sie auch wieder nett, vergessen hab ich es bis heute nicht! ich rede auch kein wort mehr mit denen…bis heute

ich kann ihnen nur empfehlen das mädchen auf ne andere schule zu tun. haben sie die möglichkeit?
hat sie interesse an selbstverteidigung? meine stiefel waren nicht teuer und auch nicht mit stahlkappen -aber auf mich hatten sie wirkung u. das hat sich wohl übertragen. ich würde versuchen dem kind sein selbstbewusstsein zu stärken…

wegen psychologen etc. kann ich leider nicht helfen - ich hab damals viel mit meiner mutter geredet, die andere mütter gefragt hatte ob sie das schon mal erlebt haben u. mir die erfahrungswerte berichtet - ich wusste daher dass es sowas schon öfters mal gibt u. ich keine schuld habe (weil sie neidisch waren)

ich hoffe ich konnte etwas helfen…

lg

Hallo Stefan,

dem stimme ich zu: dass man nicht in die Falle geraten darf, dass zu tun, was die Mobber tun: dem Gemobbten die Schuld zuweisen.

Er ist nicht „schuld“, sondern tatsächlich Opfer bzw. macht sich dazu (solange, wie er selbst in dieser Gruppe / Situation verbleibt). Er muss sich außerdem selbst damit zurechtfinden, dass ihm ständig von allen schuld zugewiesen wird.

Aber du hast Recht, manche triffts (fast) immer und überall.
Und wenn es einen trifft, sollte man auch immer an sich selbst
arbeiten und sein Verhalten hinterfragen.

Man „muss“ diese Situation einmal selbst als Gemobbter durchlebt haben, um sich vorzustellen wie das ist: Ausgegrenzt, verbannt zu werden, dann wird einem wieder Hoffnung auf das Dazugehören gemacht, aber nur, wenn man die angebotene Rolle annimmt- es gibt nur noch diese (Sündenbock). Wenn man allerdings das einmal erlebt hat, ist man absolut prädestiniert für die Sündenbockrolle: total (in den Grundfesten) verunsichert und erschüttert, und natürlich tritt die Angst vor der erneuten Ausgrenzung / Ablehnung in jeder neuen Gruppensituation auf. Dann ist es ein Teufelskreis: Man wird zu einem Verhalten provoziert, dass das eigene „Schuldig-Sein“ (oder sonstwelche negativen Attributionen tragen, z.B. komisch, unfähig, unmöglich zu sein, alles auf einmal) bestätigt (für die anderen, und die anderen halten immer gegen einen zusammen, sonst bestünde das System, die Gruppe ja nicht, sondern würde auseinanderfallen).

Wer in einer neuen Gruppe nicht selbstsicher genug wird, bekommt ganz schnell den Sündenbockposten. Einer muss ihn ja haben, oder zwei, je nach dem obs noch Untergruppen gibt.

Das Problem ist, dass viele Lehrer für solche
Situationen nicht gewappnet sind und daher oft kontraproduktiv
handeln.

Ich habe noch nicht erlebt, dass sich ein Lehrer auf die Seite des Gemobbten gestellt hat. Dann wäre er nämlich auch Zielscheibe. Um die Klasse zur Rede zu stellen, gehört schon viel, aber ich vermute mal, das wenige die Brisanz der Situation erkennen und dem Gemobbten der Einfachheit halber selbst „Schuld“ geben. Dabei wäre es ja nicht schwer, sich jemanden zu Hilfe zu holen (Mediator).

Nicht nur die Lehrer sind nicht gewappnet, auch Eltern, Chefs, Teamleiter, Erzieher etc. nicht. Lernen Lehrer eigentlich Gruppenpsychologie während ihres Studiums?

LG
Stefan

von mir auch
Anwärter

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Nabend,

Nur um nicht altklug zu erscheinen: Ich selber wurde in der
4./5. Klasse gemobbt. Gar nicht so zu „unrecht“, denn ich
hatte tatsächlich eine unangenehme Verhaltensauffälligkeit
entwickelt. Mit einem Klassenwechsel und dem Mobbingerlebnis
im Hinterkopf war es einfach, aus der Opferrolle wieder
rauszufinden. Seitdem mobbt mich niemand mehr.:wink:

Ich sehe hier (vielleicht ganz altklug), dass Du einen ganz normalen „Mobbingschaden“ davongetragen hast: Du glaubst, das Mobbing hätte an Deiner Verhaltensauffälligkeit gelegen. Das stimmt nicht. Es gibt keinen Grund, jemanden zu mobben, der bei demjenigen liegt. Es ist immer die Gruppendynamik. Einer muss es sein, und es wird der, der am ehesten seine Schwäche zeigt und möglichst den anderen etwas „unheimlich“ / fremd ist (z.B. Ausländer, der erst kurze Zeit im Land ist oder Mensch mit weiterem Horizont- jetzt mal bei Erwachsenen- als in der Gruppe üblich).

Herzlichen Glückwunsch, dafür dass Du rechtzeitig rausgekommen bist. Vermutlich war jemand auf Deiner Seite (z.B. Eltern) und Du warst nicht ganz allein. Das ist das größte Problem, denn dann glaubt man den Mobbern.

Ich denke nicht, dass Du hier als Lehrer auch nur die geringste :Chance gegen einen Klassenverband hast, der mobben will. Denn das :Mobbing findet i.d.R. ja nicht gerade unter Deiner Nase statt.

Beweise sind eh schwer zu bekommen, diese muss man gezielt sammeln (siehe die hier beschriebene Schule). Einfacher ist es, die Augen zuzumachen. Als Lehrer hat man eine Chance, Du hast je selbst eine Lösungsmöglichkeit beschrieben. Außerdem trägt der Lehrer als Erwachsener (Pädagoge!!) die Verantwortung. Er MUSS sich kümmern, bis das Mobbing ein Ende hat (Mediation bis zum bitteren Ende). Manchmal findet das Mobbing auch unter der Nase statt, außerdem merkt man, dass etwas nicht stimmt, wenn man es zulässt. Ich habe auch schon erlebt, dass die Lehrer mitmachen (sie machen es sich einfach nicht bewusst, wie an der beschriebenen Schule. Den Schülern ist es ja auch nicht bewusst, dass sie die Mobbenden sind, sie fühlen sich im recht, glauben wirklich, der Gemobbte sei immer der Schuldige, der, welcher Unruhe hineinbringt usw. Dazu passt das beispiel der Threaderstellerin, dass derjenige, der am schlimmsten gemobbt hat, zu heulen anfing).

Grüße
Jürgen

Gruß Anwärter

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Tolle Ausführung!
Kompliment,
tolle Ausführung und super Ergänzung. Werde ich mir ausdrucken und verwenden!
Danke
Stefan

Hallo,

was mir schon in der ursprünglichen Frage, und auch in dieser Antwort auffällt: Du schreibst viel über das Thema Mobbing, und wie Du dies ziemlich professionall angehst. Da werden alle irgendiw in Frage kommende Dritte aktiviert, wird von denen ziemlich viel erwartet, und massiv Kritik daran geübt, was diese nicht leisten. Was ich allerdings vermisse, ist die Darstellung dessen, was Du so ganz direkt mit deiner Tochter diskutierst, was Du von ihr erfährst, was sie für Vorstellungen hat, wie es weiter geht, warum sie meint gemobbt zu werden, was man selbst dagegen tun kann, …

Natürlich ist es richtig, die Schule, … mit einzubeziehen, aber das ganz direkte und persönliche Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist in so einer Situation noch viel wichtiger. Und vielleicht kannst Du da noch einmal in dich gehen.

Gruß vom Wiz

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Hi Wiz,

Was ich allerdings vermisse, ist die Darstellung dessen, was Du so
ganz direkt mit deiner Tochter
diskutierst, was Du von ihr erfährst, was sie für
Vorstellungen hat, wie es weiter geht, warum sie meint gemobbt
zu werden, was man selbst dagegen tun kann, …

Genau darauf wollte ich ja hinaus. Und in der Antwort steht dann die Tochter wieder ganz am Ende der Aufzählungen.

Manchmal ist es viel hilfreicher, zu Hause Stabilität, Vertrauen und ein Gefühl von (Selbst-)Sicherheit aufzubauen, statt vor der Tür herumzuwirbeln.

Gruß,

Anja

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Achtung lang
Hallo!
Holala, da ist ja so ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen kann. Man könnte diesen Fall ja schon als Musterfall für Antimobbingtrainer nehmen.
Ich fang einfach mal zwischen den Zeilen zu schreiben, was mir spontan dazu einfällt. Eine Frage noch: Welches Bundesland? Vielleicht kenne ich ja einen fitten Kollegen, den ich empfehlen kann.

…meine Tochter hat schon länger Probleme mit Jungs in ihrer
Klasse, die sich als „Rudel“ zusammengeschlossen haben und
„gemeinsam unausstehlich sind“.

Dies ist schonmal eine Schulzuweisung, die bei den „Mobber“ auf Gegenwehr stoßen wird.

Sie hatte vor ca. 18 Monaten
LEICHTES Übergewicht, wurden von den Jungs deswegen gehänselt
und beleidigt, im Internetportal, sei es wkw, ICQ oder
SchülerVZ öffentlich beleidigt, als „fettes Schwein, das man
schlachten müsse“

Wie du schon weiter unten geschrieben hast: Das Internet mit der Möglichkeit des Cybermobbings ist eine brutale Waffe!!!

Daraufhin suchte ich das Gespräch mit seinen Eltern,
mit dem Erfolg, dass IHR KIND sowas nicht macht und meine
Tochter bestimmt lügt.

In allen Mobbing-Fällen, die ich bearbeitete, wurde es schwieriger bzw. fast unmöglich zu arbeiten, wenn sich die Eltern mit den anderen Eltern in Verbindung gesetzt haben oder sich direkt eingemischt haben. Dieser Schuss ging in 99% der Fälle nach hinten los.
Trotzdem kann ich verstehen, wenn man als Elternteil seinem gemobbten Kinde helfen will. Man schlägt sich aber (was ja normal ist) meist auf die Seite seines Kindes, ist emotional geladen und ist dann im Gespräch mit den Anderen erstmal ein Angreifer aus deren Sicht heraus. Wer angegriffen wird, verteidigt sich. Egal wie. Man nimmt dann jedes Mittel als legitim an.

Es gab genug Zeugen, die alles gesehen haben…
Ich habe den Direktor der Schule informiert und daraufhin
wurden alle Beteiligten verhört.

Auch ein Verhör ist erstmal sowas wie ne Anklage die eine Verteidigungshaltung hervorruft. Da hat also die Schulleitung großen Mist gebaut, indem sie (ich kenne es zur Genüge) vermutlich große Moralpredigten gehalten hat, die nicht nur einfach verpuffen, sondern bei den Betroffenen Frust auslösen.

Natürlich hatte besagter
Junge einen Tag danach schon ein Schreiben seiner Eltern
dabei, aus dem hervorging, dass ER NICHTS getan hat ABER…5
andere Jungs, die direkt mit Namen und Anschrift genannt
wurden.

Wenn schonmal die Schuld ins Spiel gekommen ist, wird nun auch fleißig damit Schwarzer Peter gespielt. Das klingt auch so, als wenn der betroffene Junge zu Hause ziemlich unter Druck steht.

Daraufhin haben sich die Jungs aus mehreren Klassen
zusammengerottet und meine Tochter in den Pausen, vor oder
nach der Schule verpottet, geschubst, ausgelacht, als Pinzien
beschimpft und äußerst vulgär im Internet beleidigt. Diese
beweisbare Beleidung habe ich dann ausgedruckt und auch wieder
der Schulleitung vorgelegt.

Mehr derselben nutzt meist nix. Nun wird sich langsam die Schule angegriffen fühlen, bzw. unter Druck gesetzt fühlen.

Der Absender dieser widerlichen
Mail hat sich daraufhin unter Tränen in Gegenwart des
Direktors bei meiner Tochter entschuldigt.

Angst?

Der Terror in der Schule ging so weit, dass ich gegen den
Jungen Anzeige wegen Körperverletzung erstattet habe - obwohl
er nicht strafmündig ist, weil er erst 13 ist. (damit hat er
vorher schon geprahlt, dass man ihm aus diesem Grunde nichts
anhaben könne…)
Ich habs trotzdem gemacht, dass die Sache mal aktenkundig ist
und die Polizei hat trotz ihrer Machtlosigkeit alle
Beteiligten zum Gespräch geladen - auch den Schuldigen, damit
er aus seinem Fehlverhalten lernen kann. Diese Aktion fand ich
richtig gut nur leider haben seine Eltern den erzieherischen
Effekt verhindert und einen Anwalt hingeschickt. Das hat sogar
die Polizei erstaunt, dass Eltern jegliche Erziehung mit allen
Mitteln verhindern. Manche Leute würden es sich verdammt
einfach machen.

War das nicht voraus zu sehen?

Soweit, so schlecht. Eine Anti-Mobbingtrainerin wurde für
einen Tag (4 Schulstunden) in die Klasse geschickt. Kurz zuvor
hat der Klassenlehrer noch verkündet, dass er die geplante
Klassenfahrt wegen DIESES Vorfalles ABGESAGT hatte - mit dem
Resultat, dass die ganze Klasse während des Mobbing-Trainings
auf meiner Tochter herumgehackt hat - wenn sie keine Anzeige
erstattet hätte, könnte die Klassenfahrt stattfinden…sie
soll die Anzeige zurückziehen…

Oh je, die Klassenfahrt abzusagen war der absolute Bockmist. Klar wird da wieder die Schuldfrage gestellt. Und wer ist greifbar: Deine Tochter. Da kommen dann bestimmt so Aussagen von Lehrern dazu: Wenn ihr XY nicht gemobbt hättet, dann wäre alles anders. Nun werden auch diese ins Boot der Mobber gesetzt, die bisher noch Zuschauer waren.

Das war das LETZTE! Ich habe auch mit dieser Trainerin
geprochen, die einfach nur meinte, in der 7. Klasse wären die
Spannungen normal und in unserer Klasse wäre das Problem so
krass, weil manche Kinder noch auf geistigen Niveau der
Vorschule seien (unser Steinewerfer…) und andere schon viel
reifer, fast erwachsen - wie meine Tochter. Ich solle Geduld
haben, bis Ende der 8. Klasse würde es schon ruhiger, dann
würden die Schüler alle auf dem selben Entwicklungsniveau
sein.

Das ist auch eine tolle Strategie sein Scheitern zu erklären.

Die Lehrer haben mir dann nur noch den Vorwurf gemacht, warum
sich meine Tochter nicht schon viel früher gemeldet habe,

Jetzt wird die Schuld wieder zurück an die Eltern gegeben.

Ich habe in schlimmen Zeit gelegentlich das GEspräch mit ihm
gesucht und zuletzt einfach seine Aussage gehört: ich mache
meinen Unterricht, dazu kommen die Kinder in die Schule - was
in den Pausen oder der Freizeit wäre, wäre unsere Privatsache.

Der Lehrer wird gedacht haben: Nervige Mama, die keine Ruhe findet.

IHN hab ich also nicht mehr angesprochen - er hat ja keine
Lust sich damit zu befassen. In SEINEM Unterricht ist ja alles
in bester Ordnung.

Er hat sein Ziel erreicht.

Als ich einschreiten wollte, hat mich meine Tochter
inständigst gebeten, NICHTS MEHR ZU unternehmen - es würde
dadurch alles nur noch schlimmer…

Da hat deine Tochter aus ihrer Erfahrung gelernt, weil bisher ist alles schlimmer geworden.

Ich hätte ausrasten können und sie tat mir so leid, ich hätte
so gerne geholfen…

Die Wut über die eigene Ohnmacht kann grausam sein.

nein, keine öffentliche Stellungnahme in diesem Sinne - er hat
nur gesagt, dass er diese Aussage nur treffen könne, weil nur
wir beide bei dem Gespräch anwesend sind. Vor all seinen
Kollegen könne er mir das natürlich nicht sagen, dass er sich
über diese Schüler schwarzärgert, er als Lehrer machtlos sei,
weil man wegen solcher Eltern, die gleich den Anwalt schicken
und ihre Kinder nicht erziehen würden, die Schüler nicht
strafen könnte, wie sie es verdient hätten.
Er wollte mir nur den Rücken stärken, dass wir richtig
gehandelt haben und bloß nicht klein beigeben sollen…

Da ist der Lehrer jetzt in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite kann er sie verstehen und auf der anderen Seite muss und will er seine Neutralität behalten.

Wäre es nicht einfacher, DIESE Schüler von
der Schule zu verbannen? Warum ducken sich alle vor Ihnen?

Es ist schwierig und langwierig zu beweisen.

Ich glaube, wenn diese bequemen Lehrer, nur um ihrer lieben
Freizeit und Ruhe willen,

… vorsicht wieder mit Pauschalisierungen und Schuldzuweisungen. Lehrer müssen verdammt viel leisten, sind selbst oft Angriffsfläche, was sie erstmal verkraften müssen, sind pädagogisch denkbar schlecht ausgebildet, sind zeitlich meist bis über beide Ohren voll (Konferenzen, Vorbereitungen, Korrekturen, Organisatorisches, Elternarbeit, …), …

greifen… Es ist natürlich bequemer, dem Opfer zu raten, die
Schule zu wechseln, als selbst aktiv zu werden und für Ordnung
zu sorgen.

Das für Ordnung zu sorgen funktioniert leider nicht so einfach, wie man das als Außenstehende gerne hätte.

ja,klar, ich habe schon fast überall herumtelefoniert, das
Internet durchforstet, Selbsthilfegruppen gesucht…

  • derzeit alles noch offen, überall erreicht man nur
    Anrufbeantworter und muß leider warten…

Wer leidet eigentlich mehr: Du oder deine Tochter???

Ich habe unserem desinteressierten Klassenlehrer auch deutlich
gesagt, dass bei dieser nachlässigen Unterstützung in der
Schule man sich nicht wundern muß, wenn Schüler Amok laufen
oder versuchen, sich das Leben zu nehmen. Ich kann es
nachvollziehen…

Spätestens bei dieser Aussage, machen die Lehrer absolut dicht und du hast keine Chance mehr gehört zu werden.

Ich wünschte, es gäbe mehr Sozialpädagogen an den Schulen -

Das wäre ein prima Anfang. Leider höre ich oft: „Aber die Gymnasien brauchen ja sowas nicht!“

Mal ein paar Gedanken zu Mobbing:

Die Mobber tun das zunächst nicht, weil sie böse sind, sondern weil sie tatsächlich denken, dass sie für das Mobben eine Legitimation haben: „Die stinkt, ist fett, doof, blond, assi, gemein, beißt, strebert, … und der muss man es ja mal sagen und zeigen, die hats ja schließlich selbst verdient“.
Mobbing ist also eine (sehr destruktive) Kommunikationsform, jemand aus einer Gemeinschaft zu drängen.

Mein Ansatz ist nun folgender:

  1. Diese Gefühle bei den Mobber: „der andere ist ja selbst schuld, der hat ja, …“ erstmal ernst zu nehmen und zu akzeptieren und gleichzeitig aber:
  2. das Mobben auf keinen Fall zu tolerieren.
    Dazu erklär ich dann die Auswirkungen von Mobbing und versuche in einem vernünftigen Gespräch Empathie für das Opfer zu wecken.

Mein Leitspruch:
„Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt“. - Franz Kafka

  1. Auflösung von Schuld.
  2. Zusammenkunft Opfer-Täter
  3. Lösungsfindung.

Parallel dazu: Arbeit mit dem Opfer um das Selbstbewusstsein wieder aufzubauen und Wege aufzuzeigen, wieder in die Gemeinschaft zu kommen. Wenn das Opfer damit nicht einverstanden ist, ist die Arbeit für mich sehr sehr viel schwieriger.

Erst wenn dann das Mobben nicht aufhört, würde ich an Strafen und Schulverweis denken. Dies kam in meiner Praxis bisher noch nicht vor!

An die Eltern:
Ziel ist, dass Opfer und Täter sich annähern und gegenseitig verzeihen!
Wenn dieser Schritt von den Eltern nicht mitgetragen wird, ist es für die Kinder fast unmöglich, aus der Mobbingfalle zu kommen.
Oft ist es leider so, dass die Kinder wieder in die Gemeinschaft wollen aber die Eltern diese Gemeinschaft nicht mehr akzeptieren, wegen den vielen Verletzungen. Aber beides geht nicht!!! Dann muss jemand aus der Gemeinschaft raus.

LG
Stefan

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