Nagut, wenn Du drauf beharrst:
Von welchem „damals“ sprichst Du denn eigentlich?
Damals n° 1: Care-Pakete. Ab 1946, Höhepunkt der Aktion Anfang 1949 kurz vor der Währungsreform.
Damals n° 2: Luftbrücke während der Berlin-Blockade „Rosinenbomber“, 06/1948 - 05/1949.
Damals n° 3: „Westpakete“ in die DDR - vor der Währungsreform ohne große Bedeutung, da die Versorgung mit Konsumgütern, insbesondere Nahrungsmitteln, in der SBZ bis 1949 mindestens so gut war wie in den Westzonen. Vor 1961 wurden in Berlin gar in einigem Umfang billige Nahrungsmittel von Ost nach West verschoben. „Westpakete“ dienten übrigens zu keinem Zeitpunkt der Linderung von Hungersnot, weil es die auch in der SBZ bloß in den unmittelbaren Nachkriegsjahren gab, und in allen Zonen etwa gleich - bei den Amerikanern etwas weniger, bei den Franzosen, die selber nichts mehr hatten und bei denen wohl auch Rache eine Rolle spielte, etwas heftiger.
„Westpakete“ spielten viel später, nach den drastischen Anhebungen der Preise für russisches Öl und Gas 1975 und den entsprechenden Folgen in der DDR etwa ab 1977 („Erichs Krönung“) bis zum Ende nochmal eine ziemliche Rolle, aber es wäre eine schwere Beleidigung der Empfänger gewesen, da Grundnahrungsmittel reinzutun. Außer den Standards Kaffee und Nylonstrümpfe ging es da um Dinge wie Einhebelmischbatterien, Messerblöcke, alles mögliche fürs Auto usw. Wie viel davon vorher en gros aus der DDR in die BRD gekommen war, um nachher en detail wieder zurückgefahren zu werden, kann ich nicht schätzen.
So, und wenn wir jetzt zum Thema Vulkan zurückkehren, zeigt sich, dass die von Dir herangezogenen Szenarien „damals“ fern von irgendeiner Vergleichbarkeit mit der Situation nach einem Vulkanausbruch sind: Dort fehlt je nach Umfang des Ausbruchs punktuell oder in einem größeren Gebiet die Ernte eines Jahres, die Versorgung ist eine nicht zu anspruchsvolle technische Aufgabe, ökonomisch gibt es kein Problem damit, weil (aber ich wiederhole mich). Und bereits ein Jahr später gibt es kein gravierendes Problem mehr, mehrere Jahre später profitiert jede Art von Landbau von den sehr fruchtbaren Böden, die sich bei Vulkanausbrüchen extrem schnell bilden, ohne dass man da viel dran zu machen braucht.
Interessant ist, wenn man sich heute die im Vergleich zur weiteren Umgebung sehr dichte Besiedlung am Fuß aller aktiven und einiger erloschener Vulkane anschaut: Der Vorteil, den die Böden dort bieten, überwiegt den vorübergehenden Nachteil und die Risiken bei Ausbrüchen offenbar bei weitem, sonst wären die Siedlungen nach Ereignissen wie der Zerstörung von Herculaneum aufgegeben und nicht alsbald wieder eingerichtet worden.
Und jetzt würde es mich doch interessieren: Was ist denn Deiner Ansicht nach der Vorteil daran, wenn entsprechende Versorgungsmaßnahmen bei Vulkanausbrüchen mit einzelnen Postpaketen einerseits und Flugzeugen (die vor Ort keine Landemöglichkeit haben) andererseits durchgeführt werden?
Schöne Grüße
MM