Hallo,
Warum sollten die Maßstäbe, die man für eine öffentliche
Website ansetzt, nicht auch für die „private“ gelten? Warum
sollte man sich das Leben schwer machen und in
Entwicklungsstrategien verfallen, die veraltet sind und einen
höheren Aufwand bedeuten, um eine private Website zu machen?
Soll man etwas bei privaten Websites auf CSS verzichten und
lieber wieder Tabellenlayouts machen? Ich sehe wirklich keinen
Grund, mir mehr Arbeit zu machen, nur weil eine Site bevorzugt
von ein paar wenigen Leuten angesehen wird, vor allem, wenn
die Site nach wie vor öffentlich zugänglich ist. So gesehen
hat Sven Marcus auf jeden Fall recht.
Du gehst hier von Leute aus, die die freie Wahl haben, weil sie das Thema perfekt beherrschen. Natürlich macht jeder alles so, wie er es am besten kann, und ein Gärtner weiß, wo er welche Blume besser nicht pflanzt, der Laie erkennt einfach nur, dass sie an einem bestimmten Ort nicht so gut gedeiht, und denkt sich dann sein Teil. Und wenn ein Laie irgendeinen WYSIWYG-Editor benutzt, dann wird ihm gar nicht klar werden, welche Technik, und welcher Ansatz der davon produzierte Code haben mag. Das kann ihm aber ehrlich gesagt auch egal sein, weil er davon keinerlei Nachteile hat.
Was anderes ist es, wenn die Site geschützt ist und nur für
bestimmte Personen zugelassen ist. Dann kann man die
„Zielgruppe“ eindeutig definieren und vielleicht das ein oder
andere weglassen. Wobei die technische Basis idR trotzdem die
selbe ist.
Eine eindeutige Definition von Zielgruppen muss nicht zwangsläufig damit zu tun haben, dass man andere mit mehr oder weniger großer Absicht aussperrt, sondern entsteht regelmäßig rein faktisch. Und wenn das Angebot zur Zielgruppe passt, ist dies vollkommen OK und ausreichend. Wenn jeman außerhalb der Zielgruppe ein Angebot nutzen will, kann er dass doch gerne so gut und soweit tun, wie dies möglich ist. Man kann aber doch niemanden (Privatperson) zwingen ein klar von der Zielgruppe her umgrenztes Angebot mit enormem Aufwand für den rein hypothetischen Fall anderweitiger Nutzung zu gestalten. 99,99…% aller Webseiten lassen sich mit den Browsern von Mobilgeräten nicht anständig bedienen, und bieten keine bandbreitenoptimierte Darstellung für schmalbandigen (z.B. mobilen) Zugriff. Aber warum sollte ein Teppichhändler auf perfekte und hochauflösende, große Bilder seiner Teppiche verzichten, oder hierzu Alternativen für Blinde anbieten, wenn er zu Recht davon ausgehen darf, dass die Chance gleich Null ist, dass tatsächlich ein Blinder über einen PDA einen Teppich kaufen wird. Das ist doch eine ganz klare Kosten/Nutzen Sache.
… Das ganze ist also ein reines Hobbyprojekt.
Dann sollte es unbedingt auf dem hemischen PC bleiben oder
entsprechend der Zugriff durch entsprechende Maßnahmen auf ein
paar Personen beschränkt bleiben.
Warum? Nur weil es dein professionelles Empfinden stört? Es ist doch niemand gezwungen eine bestimmte Seite aufzurufen. Und wenn ich irgendwo auf einer privaten Seite lande, wo ich auf technische Schwierigkeiten stoße, dann ist das doch zunächst mal mein Problem. Was da jemand online gestellt hat, ist seine Großzügigkeit. Ansprüche auf Nutzungsmöglichkeit gibt es nicht.
Welchen Nachteil hat es für den Ersteller, wenn
ein Blinder vom anderen Ende der Welt die Seite nicht
vernünftig nutzen kann, …?
Weißt Du, was Du da schreibst?
Ja!
Wenn jemand zu Dir sagt: „Was hat es für einen Ladenbesitzer
für Sportartikel für einen Sinn, wenn ein Rolsltuhlfahrer
seinen Laden nicht betreten kann, weil drei Treppenstufen vor
der Tür sind?“ würdest Du Dich vermutlich tierisch über so
viel Nächstenliebe und Gleichberechtigung aufregen. Warum soll
das im WWW anders sein (öffentlich zugängliche Website immer
vorausgesetzt)?
Ganz ehrlich, darüber kann ich mich überhaupt nicht aufregen. Mal abgesehen von gesetzlichen Vorschriften darf sich in diesem Land zum Glück noch jeder Gewerbetreibende die Kunden aussuchen, die zu seinem Angebot passen. Und um es dann auf die Spitze zu treiben: Wenn ich einen Laden für Laufschuhe aufmachen will, und zwei Ladenlokale zur Auswahl haben, die sich genau in den drei Stufen und einem deutlichen Unterschied beim Mietpreis unterscheiden, dann brauche ich nicht lange zu überlegen, welchen Laden ich miete. Und wenn Du mal mit offenen Augen durch die Welt gehst, dann wirst Du weiß Gott mehr als Laufschuhläden finden, die Stufen vor der Tür haben.
Und nach wie vor gilt: Die Entwicklung einer barrierefreien
Website ist in der Regel leichter als das, was möglicherweise
sogar noch die Mehrheit der Webmaster so fabriziert, denn die
meisten machen es sich selbst durch ihre Unkenntnis unnötig
schwer. Es ist alles viel einfacher, als die meisten wahr
haben wollen.
Das kann ja sein, und wenn Frontpage 2010 vollautomatisch nach einem kleinen WYSIWYG-Kasterlgeschiebe parallel zur „normalen“ Seite auch noch eine Version für Blinde, eine Version für mobile Nutzer, … ausspuckt spricht ja nichts dagegen die auch mit online zu stellen. Aber wir reden hier nunmal vom Laien, der es wagt seine Liebesbriefe ohne Germanistikstudium zu schreiben, sich in der Öffentlichkeit mit selbstgenähten Kleidern zeigt, …
Man kann nicht ersthaft verlangen, dass jeder Gartenbesitzer
eine Gärtnerlehre macht
Nicht, solange er in seinem privaten Garten rummacht.
Wo ist da der Unterschied? Die Seite liegt auf einem privaten Server. Du kannst sie besuchen, oder es sein lassen. An Nachbars Garten musst Du hingegen ggf. sogar zwangsläufig jeden Tag vorbei.
jeder Autofahrer ersteinmal
Kfz-Meister werden muss
Aber jeder Autofahrer muss einen Führerschein machen!
Klar, weil von ungeeigneten Autofahrern ganz konkrete Gefahren für Leib, Leben und Vermögen Dritter ausgeht. Wo ist da das Gegenstück zur privaten Webseite?
oder jemand der nur ein paar Bilder
und Osterwünsche für die Liebsten ins Web stellen will, sich
über Jahre das Handwerkszeug professioneller Webdesigner
aneignet.
Muss er nicht. Er kann auch einfach jemanden beauftragen, das
für ihn zu machen, oder er nutzt einen der vielen Angebote für
Fotoalben. Wahrscheinlich muss er dann dafür zahlen. So ist
das im Leben.
Nein, so ist das Leben eben nicht! Jeder Hobbyist kann und darf seinem Hobby solange frei nachgehen, solange er damit nicht gerade gegen Gesetze verstößt.
Man wird auch kein Waschbecken selbst anbringen, wenn man
keine Ahnung davon hat, wird keinen Teich ausheben, ohne sich
vorher informiert zu haben und auch nicht glauben, dass Bücher
von einem Laien geschrieben, zu Bestsellern werden.
Sorry, aber was glaubst Du wohl wieviel Gartenteiche von Laien erbaut worden sind, und durchaus anständig (vielleicht nicht perfekt) funktionieren? Und was den Bestseller angeht, da sind wir doch genau beim Thema: Eben, niemand erwartet, dass er mit seinen paar Urlaubsbildern zu den Top-100 Seiten aufsteigt! Also warum dafür einen Aufwand treiben, als ob man es täte?
Sicherlich sind die vielen kostenlosen oder preiswerten
Templates für Systeme mit denen auch Anfänger mit erträglichem
Aufwand ihrem gewünschten Ziel ausreichend nahekommen nicht
gerade der Gipfel der Kreativität und Professionalität, aber
wenn es funktioniert?
Ja, wenn es funktioniert. Leider gibt es auch hier viel zu
viele schwarze Schafe, die nur aufs Aussehen gucken, weil sie
es nicht besser können.
Na und?
Lass den Fragesteller doch
Ich glaube, jede derartige Antwort soll niemals heißen „Du
darfst nicht“. Letztendlich darf jeder machen, was er will, er
muss es nur mit seinem Gewissen vereinbaren (und das schalten
viele Webmaster offensichtlich aus), aber es sind Tipps von
Experten, die es besser wissen. Ein „Besserwisser“ ist nämlich
eigentlich etwas Gutes.
Eben: Lass ihn machen, es ist seine Seite, sein Hobby, er tut damit niemandem weh. Was das ganze dann mit Gewissen zu tun haben soll, erschließt sich mir allerdings nicht.
BTW: Was mir wirklich bei Antworten wie Deiner immer wieder
auffällt. Da wird ausschließlich und nur über Technik
gesprochen. Von Inhalten, Nutzen. … wird gar nicht
gesprochen.
Jeder äußert sich zu dem, was er drauf hat. Wer technisch
bestens versiert ist, aber keine Ahnung von Design hat, wird
sich hüten, ein Design zu kritisieren. Ist doch logisch und
okay.
Und so sehe ich zunehmend Seiten online, die zwar
technisch perfekt sein mögen.
Die sind wenigstens von jedem uneingeschränkt nutzbar, wie es
das WWW vorsieht.
Mir ist eine technisch schlecht gemachte Seite mit
interessanten Inhalten dreimal lieber als eine technisch
perfekte Seite ohne Inhalt.
Es geht dabei ja wohl um die
technisch schlecht gemachte Site, die Dich mit horizontalen
Scrollbalken quält, die Dich das Menü nicht nutzen lassen, wo
Inhalte in verschiedenen Ebenen übereinander liegen oder die
Schriftart so klein ist, dass auch Du sie nicht lesen kannst,
und das Vergrößern der Schrift nicht geht, weil alles Bilder
sind, die übrigens so groß sind, dass das Laden selbst mit DSL
16000 2 Minuten gedauert hat.
Also da reden wir wohl etwas aneinander vorbei. Hier ging es zunächst mal um fertige Templates und WYSIWYG-Editoren. Damit erzeugt man nicht unbedingt den elegantesten und schnellsten Code, hat man ggf. gewisse Einschränkungen auf dem ein oder anderen Browser, … aber doch nicht von überhaupt nicht ladbaren Seiten.
Das findest Du besser? 
Ganz sicher! Wenn ich die Wahl habe, eine Seite zu besuchen, die ich zwar nur mit Einschränkungen nutzen kann, die mir aber die gewünschten Informationen liefert, die ich gesucht habe, ist die schlechte Bedienbarkeit für mich eine reine Randnotiz, solange wir uns nicht im kommerziellen Bereich bewegen. Im Zweifelsfall schicke ich eben ein freundliches Mail, und frage, ob man mir die gewünschten Inhalte anderweitig zukommen lassen kann. Bedenke immer: Das ist alles freiwillig, und es gibt keinerlei Anspruch! Was habe ich dagegen von einer technisch perfekten Seite, ohne Inhalte??? Soll ich da schreiben: „Boah ey, geile Seite, astreiner Code, Spitzenladezeit, aber sag mal, wolltest Du auf der Seite nicht eigentlich was über Autos erzählen? Dazu habe ich leider nichts gefunden.“
Gruß vom Wiz