Ergänzende Informationen der UP bitte lesen
Hallo Eve,
danke für Deine vielen, ergänzenden Informationen.
Ees ist wichtig, „alles“ zu lesen, um sich ein Bild zu machen.
Manches liest sich jetzt deutlich anders…
Dir scheint es ähnlich zu gehen.
Mit meinen Nachfragen habe ich Dich ja auch nicht ärgern wollen, es war nur so deutlich für mich zu spüren, wie belastet Du bist, emotional wirktest Du sehr aufgewühlt, jetzt liest sich alles doch viel sachlicher und die Informationen, welche Du gibst, sind wichtig.
Das scheint also richtig rüber gekommen zu sein, puh! *hatteetwasgeschwitzt*
Ich hätte absolut kein Problem mit der Diagnose ADHS
In Ordnung, es hatte für mich so geklungen, als wehrtest Du Dich dagegen. Du wirktest sehr aufgewühlt beim verfassen.
Die besagte Diagnose wurde vor etwa 1 1/2 Jahren gestellt,
Also im Alter von 3,5 Jahren?
Im Mai habe ich einen Wiedervorstellungstermin bei der Kinderärztin und ich hoffe, dass ich dann etwas mehr Klarheit erhalte, ob er nun
ADHS hat oder nicht, denn dann kann ich etwas dagegen tun.
Gut so.
Tun kannst Du aber auch jetzt schon, machst Du ja auch.
Du nimmst je alles an, was man Dir bietet.
Das finde ich sehr positiv!
…aber…:
Aufpassen solltest Du dabei auf 2 Dinge:
-
Auf Dich.
Du bist auch noch da, es darf sich nicht Dein ganzes Leben um Dein Kind drehen…
-
Ein Kind ist erstmal ein Kind.
Nicht mehr, nicht weniger.
-> Wenn sich alles um die *Verhaltenskreativität*, Auffälligkeit, Behinderung oder Störung des Kindes dreht, nimmt es sich häufig als *nicht normal* wahr.
Das führt zu neuen, anderen Problemen, die sich oftmals bis ins „hohe Jugendlichenalter/ Erwachsenenalter“ ziehen…
Dann definieren manche Kinder sich selbst als „gestört/ ich kann ja nix dafür/ das ist, weil…“
-> Nur als *im-Hinterkopf-behalter*…!
Im Kiga verhält er sich genauso wie zu Hause.
- ständig in Bewegung
- kann sich auf ein Spiel im „sitzen“ nicht konzentrieren und verweigert es auch.
- Im Stuhlkreis spielt er immer den Clown, hört nicht zu, lenkt ab.
Motorik, Konzentrationsprobleme…
Alles, was Du zusammenhängend beschreibst, sind deutliche Symptome von ADHS.
- Er hat durch sein impulsives Verhalten nicht viele Freunde im Kiga,
nur zwei richtige, die er dann auch immer verteidigt, wenn andere Kinder sie ärgern.
Das ist doch wertvoll und viel.
Freut Euch darüber, schätzt das wert!
…und welch positive Eigenschaft Du dort beschreibst, klasse. :o)))
Du bist so drin in dem Thema, das Dein Kind Förderung braucht, „nicht normal ist“, das Du gar nicht mehr so recht darauf schauen kannst, was gut ist…
Zumindest schreibst Du nichts dazu - Dein Augenmerk liegt bei der „Störung“…
Was macht Spaß zusammen?
Was kann er gut?
Worüber könnt Ihr lachen?
Was tut gut? …
Diese Dinge würde ich an Deiner Stelle nicht unter den Tisch fallen lassen.
Sie sind das, was das Leben miteinander schön macht, wovon man zehrt.
Wenn man Probleme miteinander hat, so guckt man gar nicht mehr hin, was gut läuft.
Bitte mach das wieder!
Lass nicht das, was schlecht läuft, *unnormal* ist, Euer Leben bestimmen…
Schokolade und ähnliches gibt es bei uns zu Hause fast gar
nicht, da er dann regelrecht „abdreht“…
So hatte ich das auch interpretiert, wirkt ja bei vielen Kindern verstärkend auf motorische Unruhe.
Mit „die Wutanfälle habe ich unter Kontrolle“ meinte ich,
dass ich mittlerweile erkenne, wann sich einer anbahnt und dementsprechend darauf reagieren kann.
Das hatte ich vermutet, aber Dein schreiben las sich anders, deshalb hatte ich nachgefragt.
Als er noch jünger war, waren die Wutanfälle so extrem, dass er mit dem Kopf auf den Boden oder an die Wand geschlagen hat - und das nicht nur einmal, sondern immer wieder.
Ich bin zwar kein Fan des Festhaltens, aber in diesen Situationen habe ich ihn mir geschnappt und ihn festgehalten, da er sich sonst ernsthaft weh getan hätte.
Dann scheint „ich halte Dich/ ich bin bei Dir/ ich gebe Dir Halt“ ja bei ihm gut anzukommen.
Ich finde es klingt gut
Halt zu geben,
zu vermitteln, „ich halte Dich“…
Dreh es doch mal so und guck, wie sich das für Dich „anfühlt“…
Aber nun habe ich mir andere Wege gesucht, wie z.B. die Wut
weg kitzeln, oder die Wut richtig laut raus schreien lassen
oder den Knautschball so oft gegen die Wand schmeißen, bis der
ganz platt ist.
Super, Du machst es doch alles klasse!
Davon hattest Du nur nichts geschrieben beim ersten Posting 
Mir ist durchaus klar, dass sein Verhalten in gewissem Maße der Altersnorm entspricht, aber entspricht es auch der Altersnorm, wenn ein Kind 1 1/2 Stunden vor Wut tobt???
Nein, das nimmst Du schon richtig wahr.
Das ist heftig.
Aber Du findest gute Wege des Umgangs damit.
Viele Regeln gab es bei uns noch nie und ich denke, dass die in jeder Familie ähnlich sein werden,
Ich lese bei Dir verständliche, aber recht hohe, ich sag mal mittelschichtsorientierte Ansprüche.
Versteh mich bitte nicht falsch, auch ich habe diese Ansprüche, bin auch so erzogen worden…
…aber ich merke in den Jahren, das diese Ansprüche nicht immer durchzusetzen sind.
Nicht allen Kindern ist das, was ich als Erwachsene wichtig und gut finde, zu vermitteln.
Und das Problem dabei ist, das man als Mutter/ Elternteil sich dann häufig komisch angeschaut fühlt. „Man hat versagt, zieht sich ein Rotzblag ran…“
Erziehen sollte zum Wohle des Kindes und der Familie sein, wenn man an Grenzen stößt, gibt es mehrere Möglichkeiten:
Ich kann die Grenzen hinterfragen.
…warum ist mir das und das sooo wichtig?
Ist es das wirklich, oder war es meinen Eltern, Tante Trude oder Nachbar Meier wichtig?
…Ist es nicht vielleicht wichtiger, dass eine Mahlzeit mal ohne Theater verläuft, als das Klein Pitti unbedingt saubere Finger nach dem Toben haben muss?
Wie wäre es, bewusst Raum zu schaffen für essen draußen im Wald?
Da sind die Finger schmutzig, da reibt man sie halt an der Hose ab… Dabei benenen, „Mist, kein Wasser in der Nähe, na hier macht das ja nichts, zuhause waschen wir dann wieder die Finger“…
wie z.B. während des Essens sitzen bleiben,
vor dem Essen und nach dem Toilettengang Hände waschen,
morgens und abends die Zähne putzen.
Solche Regeln meinte ich, keine aussergewöhnlichen.
Mensch, Eve, das sind tatsächlich *ganz normale* Regeln.
Für mich und für Dich.
Aber Dein/ Euer Kind ist vier Jahre alt, das wird noch ewig und drei Tage dauern, bis das sitzt.
( Und so, wie Du ihn beschreibst, werden manche Dinge nie klappen, das ist aber nicht Dein oder Sein Scheitern, sondern völlig verständliches Verhalten…
Andre Eltern haben damit auch Probleme.
Aber sie sind nicht Spiegelbild des Lebens an sich. Er wäscht sich nicht die Hände nach der Toilette, nicht schön…
aber guck mal, wie viele Erwachsene das in Kneipen ( und erst recht dann daheim…) ganz offensichtlich auch nicht tun… Ihhhh! Aber Alltag…)
Welches Kind putzt freiwillig die Zähne?
…Was meinst Du, was erst in der Pubertät abgehen wird…?
Die einzige Regel, an die er sich hält, ist dass er abends sein Zimmer aufräumt.
Neid! :o)
Mensch prima, er sieht also einen Sinn darin, hat es verstanden, astrein!
…Ressourcenwahrnehmung…
Er hat einen intensiven Körperwahrnehmungsdrang, bedingt durch
die Selbststeuerungsstörung und mittlerweile haben wir viele
Wege gefunden, die ihm dann auch noch richtig Spaß machen, wie
z.B. von einem Pezziball überrollt werden, ein Sandwich in der
Kuschelmatratze sein, im Bällebad eingraben usw. So lernt er
seine Körpergrenzen kennen und hat einen riesen Spaß dabei.
Schön, ist doch prima, Du machst doch viel, es hilft ihm…
Beim Augenarzt waren wir auch schon vor 2 Jahren, darum trägt
er eine Brille, da er etwas weitsichtig ist und eine leichte
Hornhautverkrümmung hat (Kontrolltermin im Juni).
Gut.
–O-O–
Hilft!
Mit aus der Norm fallen, meinte ich die uns auferlegten Normen der Gesellschaft.
Dann lass Dich dadurch nicht so sehr einschränken.
Du stehst unter hohem Druck.
Du stellst Dir selbst die Aufgabe, eine perfekte, fördernde Mutter zu sein, ein gut funktionierendes Kind zu haben. ( Die „harten“ Worte wählte ich bewusst, nicht zum verletzten, sondern, damit Du merkst, was ich meine)
Ich habe meistens kein Problem damit, dass er lebhafter ist…
Dann ist doch auch gut, Eve.
Doch in gewissen Situationen treibt es einen halt an díe Grenzen.
Das ist völlig verständlich.
Ich kann ihn zum Beispiel nicht allein draußen auf den Spielplatz lassen,
da er vor nichts Angst hat und leider auch fast kein Schmerzempfinden hat,
was ein ziemlich großes Problem darstellt.
Das wird sich durch die Körperwahrnehmungsübungen, die er macht, bestimmt noch verbessern.
Setz Dich auf eine Bank, lies ein Buch,
quatsch mit anderen Leuten.
Du bist da, er wird Dich holen, wenn er Dich braucht.
Er macht einen Salto auf der Schaukel, weil er zu wild war, rappelt sich wieder auf und macht den selben Fehler gleich wieder, und wieder, und wieder.
Und, verletzt er sich dabei?
Oder bleibt es bei blauen Flecken?
Wenn nichts wirklich ernsthaftes zu passieren droht ( klar darf er nicht aus 10 Metern Höhe springen…, aber wenn er aufs Klettergerüst geht, stell Dich dazu, mach Du aufmerksam, wenn es zu hoch wird. Das er selbst sich erprobt, ist die einzige Möglichkeit, dass er Erfahrungen sammelt.
Wenn er nicht an seine Grenze kommen darf, wird er sie nicht spüren.
Deine Grenze ist offenbar erreicht beim Salto auf der Schaukel, aber vielleicht liegt die Deine schlicht woanders?)
Das soll jetzt nicht zu „lass mal machen“ ermuntern, aber zu etwas mehr Entspanntheit führen.
Oder, was wäre, wenn er mit Fahrradhelm schaukelt?
Oder beim Klettern ein Band bis zu der Stelle machen, wo es tatsächlich gefährlich wird?
Wir können unsere Kinder ja nicht ständig schützen, sie müssen ihre Erfahrungen selbst machen.
Vielleicht braucht er einfach diese eher heftigen Erfahrungen.
Er lernt nicht aus den Folgen seines Handelns!
Das glaube ich irgendwie nicht so ganz.
Kinder wiederholen immer wieder Dinge beim Lernen, was passiert so schlimmes beim Salto auf der Schaukel?
( Vielleicht verstehe ich das aber auch nicht richtig)
Natürlich weiß ich auch, dass Schlagen keine Lösung ist,
und das wende ich auch nicht an!
Das hatte ich schon so verstanden, deshalb schrieb ich auch nicht „schlagen“ und ging da auch nicht näher drauf ein, es kam nicht rüber, das Du Schläge als Mittel einsetzt.
…aber gar nichts dazu zu sagen, das ging für mich nicht 
…denn ich richte meinen Tagesablauf fast ausschließlich nach den Terminen des Kleinen aus und der Job und die Hausarbeit werden irgendwo dazwischen gequetscht.
Das meinte ich, als ich oben schrieb, pass auf Dich auf.
Es dreht sich alles nur um seine „Störung“…
Wann ist normaler Alltag mit spielen, lachen, Wald und malen und einfach LEBEN?..
- Sprachentwicklungsverzögerung - Logopäde - Sprach förderung
- Chiropraktiker, Verdrehung des 2. Halswirbels, 3 mal eingerenkt
- Physiotherapie zur Stabilisierung der Halsmuskulatur Muskelförderung
- Früh förderung
- motopädisches Turnen (Grobmotorik fördern )
- psychomotorisches Turnen (soziale Fähigkeiten fördern )
Therapien und Förderungen bestimmen euer Leben.
Entschuldigung, die Antwort war jetzt glaube ich etwas zu lang,
aber ich wollte so viele Deiner Fragen wie möglich beantworten.
Ich danke Dir für diese ausführliche Antwort, Eve.
Du bist doch auf einem sehr guten Weg, sieh nur zu, dass das Schöne, wieder mehr Überhand gewinnt.
…Es ist nicht alles nur „Störung“…
Grüße, Finjen