Es ist alles erklärbar ?!

Ich möchte mich an eine Aussage von Gernot unten aufhängen, denke aber, daß das ein eigener thread ist:

„Es ist so ziemlich alles erklärbar, daher brauche ich Gott nicht“

  • Stimmt das, ist tatsächlich so ziemlich alles erklärbar?
  • Was heisst überhaupt erklärbar?
  • Warum braucht man keinen Gott, wenn alles erklärbar wäre?

Gruß
Thomas

Hallo Thomas,

„Es ist so ziemlich alles erklärbar, daher brauche ich Gott
nicht“

  • Stimmt das, ist tatsächlich so ziemlich alles erklärbar?

Nö, noch nichtmal mit einem Gott in meinem Weltbild ist alles erklärbar, was auf dieser Welt passiert. Im Gegenteil, mit Gott werden die Widersprüche oft viel schwieriger zum aushalten. (Stichwort Theodizee: Woher kommt das Böse?)

  • Was heisst überhaupt erklärbar?

Genau, was heißt das? ich vermute Gernot versteht es im Sinne von Phänomenen, die man heute mit unseren naturwissenschaftlichen Methoden erklären kann oder so.

  • Warum braucht man keinen Gott, wenn alles erklärbar wäre?

Deine Frage ist gut gestellt:smile:). Ich gehe davon aus, dass Gott, wenn er allein dafür herhalten muss, den alten „Wunderglauben“ zu legitimieren, wirklich nicht mehr als „Erklärungsmodell“ gebraucht würde. Ist Gott aber mehr als ein Erklärungsmodell für Phänomene wie z.B. die Entstehung des Lebens, hat er auch noch andere „Funktionen“ als die des reinen „Erklärens unserer Welt“ (im Sinne. alles, was ich nicht verstehe, ist von Gott), „brauchen“ wir ihn darüber hinaus.

Vielleicht müssen wir auch erstmal definieren, was „glauben an Gott“ heißt. Ich verstehe da mehr darunter, als die reine Anerkennung seiner Existenz- in welcher Form auch immer. Glauben ist für mich auch etwas aktives, 1. erkennen, dass ich geliebt werde von Gott und dadurch meinen eigenen Wert und den anderer Menschen ganz anders zu schätzen weiß. 2. und da bin ich fast katholisch (Hilfe :wink:)), daraus ein ethisches Handeln ableiten. Glaube löst also aktives ethisches Handeln aus.

Beste Grüße, Barbara

  • Stimmt das, ist tatsächlich so ziemlich alles erklärbar?

vermutlich

  • Was heisst überhaupt erklärbar?

auf Axiome zurückführbar - damit wären wir wieder beim „was ist erklärbar“

  • Warum braucht man keinen Gott, wenn alles erklärbar wäre?

Vieleicht weil "alles ist erklärbar noch lange nicht bedeutet, dass mensch auch alle versteht :wink:

Michael

Gödel

  • Stimmt das, ist tatsächlich so ziemlich alles erklärbar?
  • Was heisst überhaupt erklärbar?
  • Warum braucht man keinen Gott, wenn alles erklärbar wäre?

Nun gab es da einen Mathematiker namens Kurt Gödel, der bewiesen hat, dass es auch wahre Aussagen gibt, die sich nicht beweisen lassen. Mit einer mathematischen Vorstellung von erklärbar/beweisbar ist also die erste Fratge zu verneinen.

In diesem mathematischen Zusammenhang heißt erklärbar: Aus den Axiomen logisch schlussfolgern können, also beweisen.

Damit erübrigt sich die dritte Frage, weil die wenn-Voraussetzung nicht zutrifft.

Viele Grüße
Stefan

Huhauhauhauhauhauhuahuahauahauhaauhauhauahuahau !!

„Es ist so ziemlich alles erklärbar, daher brauche ich Gott
nicht“

Wahrscheinlich war die Aussage urspruenglich so gedacht:
„Heutzutage kann man alles was im Universum passiert wissenschaftlich erklaeren, insofern ist Gott nicht mehr „noetig““.

Dahinter steckt eine ANNAHME, naemlich dass Gott hauptsaechlich als Erklaerung fuer unerklaerliche Phaenomene benutzt wird. Z.B. wenn es blitzt und donnert, verursacht Gott so etwas, etc…
Nachdem die Wissenschaft solche und aehnliche Phaenomene erklaeren kann, verschwindet dann auch die Notwendigkeit nach Gott immer mehr.

Der Haken bei dieser Argumentation ist die versteckte Annahme, die nicht explizit erwaehnt wird. Tatsaechlich gibt es aber viele Glauebige die nicht von dieser falschen Grundannahme ausgehen. Insofern greift dieses Argument auch nicht.

Nebenbei bemerkt gibt es auch Dinge die wissenschaftlich nicht erklaerbar sind, z.B. dass Tote wieder lebendig werden. Hier hat man es dann mit (von Gott verursachten)Wundern zu tun…

Gruss Abe…

Hallo Thomas,

„Es ist so ziemlich alles erklärbar, daher brauche ich Gott nicht“

  • Stimmt das, ist tatsächlich so ziemlich alles erklärbar?

Nein, es ist bei weitem nicht „ziemlich alles erklärbar“ und wird es auch wohl nie sein, insbesondere nicht der letztendliche Grund unseres Seins, unseres „Hier und Jetzt“. Die Wissenschaft - wenn wir das mal als das Vehikel für das Streben nach „Erklärbarkeit“ nehmen - ist für einen Beweis für oder gegen Gott untauglich. Wissenschaft und Religion/Mystizismus sind einfach zwei verschiedene Paar Stiefel.

  • Warum braucht man keinen Gott, wenn alles erklärbar wäre?

Das ist eine hypothetische Frage, auf die man eine hypothetische Antwort geben kann: Wenn denn mal alles erklärbar wäre, kann man an einen Gott glauben oder auch nicht. „Der Mensch ist unheilbar religiös“ wurde mal anlässlich eines Kirchentages (meine ich) gesagt, und alle Erkenntnis hat viele Menschen nicht davon abgebracht, an Gott zu glauben. Warum auch immer.
Ich für meinen Teil hätte allerdings etwas mehr Evidenz in dieser Welt für einen „liebenden und allmächtigen Gott“. Aber das ist meine Privatsache.

Gruss, Stucki
Einer, der meint, dass man sehr viel wissen muss, um zu wissen, wie wenig man weiss.

Erklärung
Hallo Abe,

Wahrscheinlich war die Aussage urspruenglich so gedacht:
„Heutzutage kann man alles was im Universum passiert
wissenschaftlich erklaeren, insofern ist Gott nicht mehr
„noetig““.

Man kann nicht alles wissenschaftlich erklären. Und ich bin mir nicht sicher, daß man das jemals kann.

Tatsaechlich gibt es aber

viele Glauebige die nicht von dieser falschen Grundannahme
ausgehen.

Von welcher Annahme gehen die aus? Ich dachte eigentlich auch immer, daß man schon versucht, das Unerklärliche Gott zuzuschreiben. Allso die Unsicherheit (zugeben, daß man es einfach nicht erklären kann!) zu beiseitigen.

Nebenbei bemerkt gibt es auch Dinge die wissenschaftlich nicht
erklaerbar sind, z.B. dass Tote wieder lebendig werden. Hier
hat man es dann mit (von Gott verursachten)Wundern zu tun…

*hihi* Hier erklärst du ein unerklärliches Phänomen (dessen Existenz selbst auch nicht nachgewiesen ist) mit Gott. Damit machst du das, was du gesagt hast, daß gläubige Christen nicht tun.

Hab ich was mißverstanden?

Viele Grüsse,
Lisa

Gulp und hallo,
Du schriebst:
>

Tja ja, man nimmt an, dass so vielleicht die germanischen Götter entstanden sind. Aber schau dir zum Beispiel die Griechen an. Das war eine richtig gute Hochkultur. Die haben Geometrie und Wissenschaft praktisch erfunden. Und die hatten mit Sicherheit auch so’n Hauch von Ahnung, wie so’n Gewitter entsteht. Dennoch hatten sie Donnergötter, Sonnengötter, usw.
Die Erklärung, dass Götter nur zur Erklärung von komischen Phänomenen erdacht wurden hingt noch mehr, wenn man sich heute mal in der Kirche umsieht. Da sitzten Wissenschaftler höchsten Grades. Die beschäftigen sich mit den kleinsten Elementarteilchen und anderen Grenzen des Wissens. Diese Menschen brauchen Gott nicht, um sich Blitze zu erklären.
Wissenschaft und Glauben sind zwei Dinge. Und bleiben zwei Dinge.
Die Wissenschaft erforscht nur das, was Gott an Regeln aufgestellt hat. Wie sollte sie da Gott selbst erklären, wenn es ihr schon so schwer fällt seine Werke zu erklären. Und Lücken gibt es nun ja noch genug.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich möchte mich an eine Aussage von Gernot unten aufhängen,
denke aber, daß das ein eigener thread ist:

„Es ist so ziemlich alles erklärbar, daher brauche ich Gott
nicht“

Das ist Schwachsinn. mit Erklärbarkeit hat das nix zu tun.

  • Stimmt das, ist tatsächlich so ziemlich alles erklärbar?

Nee. Schön wärs. Und jeder, der sich mal Ausgibig mit der Wissenschaft beschäftigt stellt fest, dass da ne Menge Lücken sind. Da kann schon eine einfache Frage, zb was ist TEmperatur?, das Rückratbrechen. So viele Dinge sind noch nicht errklärt. Nun, sie fallen im Alltag nicht unbedingt auf, deshalb könnte man annehmen, dass alles erklärbar ist, aber es ist nun mal nciht so.

  • Was heisst überhaupt erklärbar?

Ich nehme an, wie viele andere, dass der Autor damit darauf hinweisen wollte, dass Religion angeblich früher mal dazu diente, unerklärliche Phänomene zu verstehen, wie zb Blitze ect.

  • Warum braucht man keinen Gott, wenn alles erklärbar wäre?

Da hat der Autor Schwachsinn erzählt. Erstmal ist die These, dass Religion nur dafür da war, um unerklärliche Phänomene zu verstehen, schon mal sehr waklig. In der Bibel zum Beispiel steht nciht geschrieben, ob die Erde rund oder scheibig ist und acuh nicht, warum wir nciht runterfallen. Und ne ganze Menge anderer Sachen bleiben ungeklärt. Wobei vielleicht noch auffällt, dass Gott ja laut Bibel gesagt hat, dass er die Erde vortan nciht mehr strafen will (nach der Sinnflut, irgendwo im ersten oder zweiten Mose). Das heißt Erdbeben, Krieg, Stürme, Fluten und so kommen also eh nciht von Gott. Wäre also keine gute Religion gewesen, um unverständliche Dinge zu erklären, oder?
Mal abgesehen davon, ist Religion schon wichtig. Für mich zumindest. Ich bin auf einem Gymnasium mit Mathematisch.Naturwissenschaftlichen Profil. Meine Bruder studiert Physik. Mein Vater ist Wissenschaftler (Dr. der Biologie) - Bereich Bionik, Aerodynamik, usw. , meine Mutter ist Ärztin (Biologiestudium). Wenn Wissenschaft und Religion so einfach im Konflikt stehen würde, dann hätte meine Familie ein echtes Problem.
Und ich muss sagen, dass mir keineswegs irgendwann mal ein Widerspruch zwischen Gottesexistens und den wissenschaftlichen Erkennissen untergekommen ist. Im Gegenteil, um so mehr ich in die tiefen des Wissens vordringe, umso wahrscheinlicher wird Gott. Und wenn Gott in krassen Gegensatz zum Wissen stände, wieso sollten den Menschen wie Newton gläubig gewesen sein. Und Einstein war auch nicht sonderlich anti-christlich.
Die Wissenschaft widerlegt Gott ganz bestimmt nicht. Leider sind bisher ihre Belege FÜR seine Existenz noch etwas dürftig.

Gruß
Thomas

Aslo zur Richtigstellung, eventuell war meine Formulierung zweideutig:

Ich brauche Gott nicht, um mir die Welt zu erklären. Die ist auch ohne ihn verständlich genug. Er muß in meinem Weltbild nicht zwingend vorkommen.

Abgesehen davon wäre es noch die Frage, welchen Gott ich haben will. Da habe ich wirklich Probleme, weil mir die mir die Geistlichen aller Religionen versuchen einzureden, daß unbedingt ihr Gott der einzig Richtige ist. Und bei den Christen steht dann noch die Frage, wie man richtig an ihn zu glauben hat.

Ich gebe zu, es gibt keinen Beweis dafür, daß es ihn nicht gibt. Allerdings sind die stichhaltigen Beweise dafür, daß es ihn gibt, ebendso dünn. Es wäre wirklich wesentlich einfacher, er würde mal persönlich bei mir vorbei kommen. Ich bin nämlich tatsächlich bald an der Stelle, daß ich ganz gern glauben würde, wenn ich nur wüßte, an was. Denn gucke ich mir den verkehrten Gott aus, ist es auch wieder falsch und ein objektives Entscheidungskriterium habe ich nicht.

Gernot Geyer

Tatsaechlich gibt es aber
viele Glauebige die nicht von dieser falschen Grundannahme
ausgehen.

Von welcher Annahme gehen die aus? Ich dachte eigentlich auch
immer, daß man schon versucht, das Unerklärliche Gott
zuzuschreiben. Allso die Unsicherheit (zugeben, daß man es
einfach nicht erklären kann!) zu beiseitigen.

Nun bei mir war es so: Ich suchte Gott(in Wahrheit suchte er mich auch wenn es aus meiner Perspektive anders aussah), er gab mir eine Offenbarung, daraufhin glaubte ich an ihn.
Mir kam es jedoch nie in den Sinn ihn als Platzhalter zu missbrauchen.

Nebenbei bemerkt gibt es auch Dinge die wissenschaftlich nicht
erklaerbar sind, z.B. dass Tote wieder lebendig werden. Hier
hat man es dann mit (von Gott verursachten)Wundern zu tun…

*hihi* Hier erklärst du ein unerklärliches Phänomen (dessen
Existenz selbst auch nicht nachgewiesen ist) mit Gott. Damit
machst du das, was du gesagt hast, daß gläubige Christen nicht
tun.

Gut, du hast mich erwischt. Hier habe ich natuerlich aus der Perspektive eines glaeubigen Menschen geschrieben. Ich denke man sollte vielleicht auch etwas differenzieren zwischen Phaenomenen die regelmaessig stattfinden(Blitz, Donner) und solchen die von besonderen Umstaenden begleitete Ausnahmen sind, z.B. jemand ist tot, ein anderer Betet, Toter lebt wieder. Wuerde dich das nicht zum Nachdenken anregen?
Tote leben eben normalerweise nicht mehr, Blitze gibt es bei jedem Gewitter, siehst Du den Unterschied?
Ich denke man kann das Thema noch verkomplizieren, z.B. was ist mit Scheintoten, mit Scharlatanen etc…
Ich bin jetzt davon ausgegangen dass der Tote wirklich medizinisch einwandfrei als Tot befunden wurde…

Gruss Abe…

Gott und Erklärbarkeit
Hallo,

ich würde Erklärbarkeit und Gott keinesfalls als sich gegenseitig ausschließende Angelegenheiten betrachten.

Wenn man davon ausgeht (was ein Gläubiger ja tun müßte) daß die Ursache zu allem Gott ist, dann ist nicht zwangsläufig damit gesagt, daß etwas nicht erklärbar ist.

Bsp:
Donner

Auch wenn das physikalische Phänomän problemlos zu erklären ist, wäre da immer noch die Möglichkeit, daß die URSACHE Gott gesetzt hat. Er hat also die Ursprünge gesetzt das die spezifische Situation entstehen konnte und ein Blitz ausgelöst wurde. Man könnte also theoretisch bis zum Anfang der Kette aus Ursache und Wirkung zurückgehen und würde Gott finden?!

Gruß
Daniel

Hallo Lisa.

Man kann nicht alles wissenschaftlich erklären. Und ich bin
mir nicht sicher, daß man das jemals kann.

Die Wissenschaft hat schon selbst bewiesen, dass sie ab einer gewissen Komplexität (und da wird es erst interessant) keine Aussage mehr beweisen kann. Durch diesen mathematischen Beweis sollte eigentlich klar sein, dass jede Wissenschaftliche Tatsache nur augenblicklich von der wissenschaftlichen Gemeinschaft für wahr gehalten wird.

Beispiel: Früher wurde eindeutig wissenschaftlich bewiesen, dass die Sonne sich um die Erde dreht und selbst heute kann niemand zweifelsfrei beweisen, dass es sich andersrum verhält. Es sprechen einfach nur mehr Überlegungen für die heutige These.

Schalom,
Elimelech

Lieber (Fast-Namensvetter) Thomas,

das Problem entsteht dadurch, dass es zwei verschiedenene Bedeutungen des Wortes „erklären“ gibt.

Die einen verstehen darunter die Rückführung von Tatsachen auf Tatsachen. Was ist der Grund dafür, dass ich existiere? Dass die Welt existiert. Was ist der Grund dafür, dass die Welt existiert? Gott. Aber was ist der Grund dafür, dass Gott existiert?

Die Naturwissenschaftler begnügen sich in der Regel mit einer Rückführung der Tatsachen auf Axiome, die innerhalb des Systems nicht mehr infrage gestellt werden. Bei der sicheren Suche nach einem letzten Grund gerät man aber in ein Trilemma (= Dilemma mit drei Möglichkeiten):

  1. Ich gerate in einen unendlichen Regress, d. h. ich muss das, was ich begründe, selbst auch wieder begründen, das auch wieder und so weiter. Ich komme nie an ein Ende (siehe oben).
  2. Ich gerate in einen logischen Zirkel, indem ich dasjenige, womit ich etwas begründe, mit etwas begründe, das ich noch nicht begründet habe. Warum gibt es die Welt? Weil Gott sie erschaffen hat. Warum hat Gott die Welt geschaffen? Weil er Gott ist.
  3. Ich breche die Begründung irgendwo ab, wo ich es für sinnvoll halte, also entweder indem ich die Welt als Gottes Schöpfung bezeichne (dann breche ich bei Gott ab, der eben nur durch sich selbst existiert) oder indem ich die Erde dadurch erkläre, dass sie schon immer da war (dann breche ich bei der Welt als Begründung ab, die eben existiert und nichts weiter).
    Dieses Trilemma heißt Münchhausentrilemma und stammt von Hans Albert (*1921), einem Schüler von Karl Popper (1902-1994). Beide begründeten den sogenannten „Kritischen Rationalismus“, der an die Stelle einer Suche nach einer letzten Begründung, der unmöglich ist, das Verfahren der kritischen Prüfung stellt. So arbeiten die Naturwissenschaften.
    Wollte jemand nun doch eine Letztbegründung versuchen, so müsste er zeigen, dass diese kritische Prüfung aus bestimmten Gründen an einer bestimmten Stelle zumindest teilweise außer Kraft gesetzt werden kann/soll/muss.
    Ein Beispiel: Karl Otto Apel (*1922) vertritt die Theorie, dass es so etwas wie Letztbegründung z. B. dann gibt, wenn das Behauptete von Keinem Menschen ohne Selbstwiderspruch sinnvoll geleugnet werden kann. Wenn ich mit jemandem diskutiere, dann ist die Letztbegründung dieses Diskurses eben dieser Diskurs selbst, weil (!!!) ich - ohne mir selbst zu widersprechen - nicht sinnvoll behaupten kann, dass mein Gegenüber nicht wahrhaftig mit mir diskutiert. Würde ich dieses nämlich behaupten, würde ich mir selbst, der ich ja behauptet habe, einen Diskurs zu führen, mir selbst widersprechen, da ja tatsächlich gar kein Diskurs geführt wird (vielleicht weil mein Gesprächspartner mir sagt, er sei ja ohnehin kompetenter als ich und es lohne die Diskussion nicht). Er würde in dieser Situation den Diskurs verlassen.

Literatur:
Hans Albert, Traktat über kritische Vernunft, 3. Aufl., Tübingen 1975; Karl Otto Apel, Transformation der Philosophie (2 Bde.), Frankfurt 1973

Also:

  1. Ob so ziemlich alles erklärbar ist, hängt vom Erklärungsbegriff ab. Das Wort „ziemlich“ zeigt ja schon, dass die Erklärung nie allumfassend ist.
  2. Erkärbar ist etwas entweder, wenn man Dinge auf andere Dinge zurückführt oder wenn man etwas (begründet !!) für unbestreitbar (also für [denk-]notwendig) erklärt.
  3. Einen Gott braucht man, um Unerklärliches zu erklären. Wenn man es erklärt hat, braucht man ihn nicht mehr. Ob man damit aber eine hinreichende (!!) Erklärung gegeben hat, ist nicht sicher, denn man könnte immer noch fragen, warum ich denn diese Notwendigkeit überhaupt als notwendig bezeichne. Es hängt so alles an der (schon im Mittelalter gestellten) Frage, ob Gott an die logischen Gesetze (nicht an Naturgesetze) gebunden ist. Das freilich ist unbeantwortbar, denn nur wenn wir Gott kennen würden, könnten wir das beantworten. Wir kennen ihn nicht, also müssen wir die Antwort schuldig bleiben.

Alles Gute

Thomas Miller

Hallo Thomas

Ein guter philosophischer Diskurs, aber mit Schwächen, die typisch sind für Philosophie (seh ich als Physiker halt so).

1.) Erklärung als Zurückführung auf Tatsachen.

Gut, seh ich im wesentlich auch so, deckt aber nur einen Teil ab. So kann man die Aussage „Der Ball fliegt, weil ich ihn geschossen habe“ in diese Kategorie fassen. Aber schon die Aussage „Die Welt existiert weil Gott existiert“ ist schwer hier zu sehen, denn ist Gott denn eine Tatsache? Aber auch Aussagen wie „Ich tue Dir Gutes weil ich Dich liebe“ sind problematisch, denn wie kann man Liebe als eine Tatsache feststellen? Es gibt unendlich viele Dinge, die erklärbar sind, aber nicht durch etwas, was man als Tatsache bezeichnen kann.

2.) Naturwissenschaften führen auf Axiome zurück

Das ist nur korrekt für die Mathematik und diese ist eine Geisteswissenschaft. Naturwissenschaft beschäftigt sich mit Vorgängen, die mittels der naturwissenschaftlichen Methodik erfasst worden sind. Für diese wird oft ein mathematisches Modell gemacht und oft werden die mathematischen Konsequenzen des Modells auch tatsächlich gemessen, aber Vorrang haben immer die Phänomene, niemals die Mathematik. Allerdings würde ich damit auch sagen wollen, daß Naturwissenschaft nicht erklärt, sondern beschreibt.

3.) Wir brauchen Gott, um das Unerklärliche zu erklären

Eine bequeme und naive Definition von Gott, dem Lückenbüsser-Gott. Damit ist Gott schnell in den Hintergrund gedrängt. Aber wie einige Beiträge bereits deutlich machten, ist das eine sehr veraltete Vorstellung. Gott, der Allumfassende, der Erklärliches und Unbegreifliches umfasst ist wesentlich besser und moderner, lässt sich aber philosophisch nicht so leicht wegdrängen.

Gruß
Thomas

Hallo Gernot

Ich brauche Gott nicht, um mir die Welt zu erklären. Die ist
auch ohne ihn verständlich genug.

Bist Du Dir da sicher? Ich bin der Meinung, daß man nur dann meint, die Welt sei verständlich, wenn man nicht genügend weiss - und dann ist die Formulierung meistens, daß „ich das nicht verstehe, aber ich bin mir sicher, es gibt jemanden, der es versteht“

Er muß in meinem Weltbild nicht zwingend vorkommen.

Hier hast Du recht, Gott zwingt niemanden, an ihn zu glauben

Abgesehen davon wäre es noch die Frage, welchen Gott ich haben
will.

Ok, dann frage ich Dich anders: Welches Gravitationsgesetz möchtest Du haben? Hättest Du gerne einesmit Abstossung? Oder wo die Kraft wie 1/r^3 abnimmt? Oder wie hättest Du es gerne?

Wie immer Du es haben willst, letztlich wirst Du nicht umhin kommen, Dich dem Gesetz zu beugen, wie es in Wirklichkeit ist. Und wenn verschiedene Wissenschaftler Dir verschiedene Theorien aufschwatzen wollen? Dann sieh selbst und denke selbst.

Gruß
Thomas

Hallo Gernot,

Ich bin nämlich
tatsächlich bald an der Stelle, daß ich ganz gern glauben
würde, wenn ich nur wüßte, an was. Denn gucke ich mir den
verkehrten Gott aus, ist es auch wieder falsch und ein
objektives Entscheidungskriterium habe ich nicht.

ich habe kürzlich von einem Mädchen aus Pakistan gehört, das gesagt hat: „Ich will an den Gott glauben, der mir antwortet:“
Und es war der Gott der Christen, der ihr geantwortet hat.
Deshalb ist sie jetzt Christin.

Das wäre doch eine Möglichkeit, oder?
Und mein Rat wäre, stelle die Frage so schwer wie möglich, dann kann es zu keinen „zufälligen“ Antworten kommen.

Abgesehen davon wäre es noch die Frage, welchen Gott ich haben
will.

Also das wäre s.o. geklärt. :wink:

Da habe ich wirklich Probleme, weil mir die mir die
Geistlichen aller Religionen versuchen einzureden, daß
unbedingt ihr Gott der einzig Richtige ist.

Lass Dir nichts einreden. Manche Prediger sind besser, als jeder Straßenverkäufer. Aber Du sollst Deine eigene Entscheidung treffen.

Und bei den
Christen steht dann noch die Frage, wie man richtig an ihn zu
glauben hat.

Da hast Du etwas mißverstanden. Es gibt nur „glauben oder nicht glauben“. Der Unterschied der christlichen Religionen besteht in der Frage, wie man Gott richtig dienen soll.
Aber das ist ein anderes Thema.

Gruss Harald

Hallo Abe,

Nun bei mir war es so: Ich suchte Gott(in Wahrheit suchte er
mich auch wenn es aus meiner Perspektive anders aussah), er
gab mir eine Offenbarung, daraufhin glaubte ich an ihn.

Das ist deine persönlicher Glaube. Dagegen ist nichts zu sagen.

Ich denke

man sollte vielleicht auch etwas differenzieren zwischen
Phaenomenen die regelmaessig stattfinden(Blitz, Donner) und
solchen die von besonderen Umstaenden begleitete Ausnahmen
sind, z.B. jemand ist tot, ein anderer Betet, Toter lebt
wieder. Wuerde dich das nicht zum Nachdenken anregen?

Mir ist nicht ganz klar, was die Häufigkeit des Auftretens eines Phänomens mit seiner Ursache zu tun haben soll. Ach seltene Ereignisse können andere Ursachen (erklärbare oder unerklärbare) haben als Gott.

Was das mit den Toten angeht: hier ist noch nicht einmal nachgewiesen, daß es dieses Phänomen überhaupt jemals aufgetreten ist. Selbst wenn man denkt, daß die Bibel einen wahren Kern beinhaltet, ist nicht klar, was mit dem Mann wirklich los war (z.B. wirklich tot oder nur bewußtlos?).

Ich bin jetzt davon ausgegangen dass der Tote wirklich
medizinisch einwandfrei als Tot befunden wurde…

Was aber nicht der Fall ist. Das war damals noch gar nicht so einwandfrei möglich, wie es heute der Fall ist. Soweit ich weiß, streitet man sich sogar heute noch über die Kriterien von „tot“ (z.B. wegen der Organspenden).

Viele Grüsse,
Lisa

Hallo Gernot!

[…]

Ich gebe zu, es gibt keinen Beweis dafür, daß es ihn nicht
gibt. Allerdings sind die stichhaltigen Beweise dafür, daß es
ihn gibt, ebendso dünn. Es wäre wirklich wesentlich einfacher,
er würde mal persönlich bei mir vorbei kommen.

Nun, der Gott der Christen hat ja immerhin zugesagt, daß er sich von denen finden läßt, die ihn aufrichtig suchen. :smile:

Ich bin nämlich
tatsächlich bald an der Stelle, daß ich ganz gern glauben
würde, wenn ich nur wüßte, an was. Denn gucke ich mir den
verkehrten Gott aus, ist es auch wieder falsch und ein
objektives Entscheidungskriterium habe ich nicht.

Jein. Befasse Dich doch z.B. mal mit den biblischen Prophetien und vergleiche dann, was andere „heilige“ Bücher in dieser Hinsicht zu bieten haben. Als Einstieg empfehle ich mal

http://www.uni-ulm.de/~whutter/ebz/inhalt.htm

Dort ist auch ein Kapitel zu den Prophetien.

Auch die Belege für die Auferstehung Jesu sind recht interessant. Von Josh McDowell gibt es da für ca. DM 5,-- ein ganz gutes Taschenbuch „Die Tatsache der Auferstehung“.

Gruß
Michael

Gott, der Allumfassende, der Erklärliches und Unbegreifliches
umfasst, ist wesentlich besser und moderner, lässt sich aber
philosophisch nicht so leicht wegdrängen.

Ja, Thomas, so ist es. Mein Herr und mein Gott, der lebt. Und läßt sich ansprechen. Er wirkt, und bewirkt, für mich nachvollziehbar, aber nicht aufklärungs- bzw. vernunftgemäß „beweisbar“ nach von Menschen erfundenen „Beweis-Kriterien“. Ich habe Ihn darüber gefragt, und habe die für mich befriedigende Antwort erhalten. Nach geduldigem Abwarten!
Hier für Interessierte eine Kurzfassung dazu: Wenn alles, was Gott tut, beweisbar wäre, dann würde man seinen Geist nicht mehr in einer bestimmten Richtung anstrengen, nämlich in Richtung Glauben, Vorschuß-Vertrauen investieren, geduldiges Abwarten und Zuwarten. Wir Menschen sind aber gedacht als Übergangsstufe von der materiell-dinglichen Schöpfung hin zur geistig-seelischen Schöpfung, die nicht mehr die Materie nötig hat, und nebenbei bemerkt auch ewig ist, weil nicht mehr verrottbar, sterblich. Es dürfte klar sein, daß man noch nicht allzu ausgegorene Geschöpfe nicht in diese Ewigkeit mitreinbringt, nur Wesen, wo nur noch ein gewisser Feinschliff zu Vollendung nötig ist. Nur die kommen in die guten Stube, um ein materiell-dingliches Erklärungsmuster zu verwenden.

Ich habe mir überlegt, nachdem mir diese Antwort zugefallen worden ist, ZUFALL, wie ich es denn täte, mit meiner Schöpfung, wenn ich Gott wäre. Sicher nicht viel anders. Da steckt, in diesem Erklärungsblock, eine sehr tiefe, über menschliches Denken weit hinausgehende Weisheit eines liebenden Schöpfungswesen hinter. Spürte ich jedenfalls. Und das - das ist mir „Beweis“ genug. Und die Beweise, der ALTE da oben ist ja nicht blöd, die läßt er dann einem hinterher, quasi als Dreingabe, auch noch zukommen. Warum das so ist, hat Er mir auch erklärt. Wenn Er alles Beweisen würde, wäre kein Platz mehr für das von Ihm für wichtig befundene Lernstückchen Glauben/Vertrauen. Und vor allem: Man, also wir Menschen, wären nicht mehr frei, zu tun und zu lassen, was WIR wollen. Weil Er alles eineindeutig vorgeben würde. Wir könnten nicht mehr irren, sondern höchstens noch gegen Ihn sein. Als Menschen so wie bisher jedoch, können wir aus Fehlern oder Fehleinschätzungen noch dazulernen.

Seitdem, seitdem ist mein Glaube und meine Gewissheit bezüglich Jesus Christus noch ein gewaltiges „Stückchen“ gewachsen.
Und der Seelenfrieden, der daraus erwächst, rein ZUFALLig, der ist auch schon drin, um des amtierenden deutschen „Kaisers“ Denke humorvoll miteinzuarbeiten. Euer Norbert.