Hi Philip!
Das ist schon mal eine gute Frage. Neben dem Vorhandensein von ABS und ESP sowie einer Differentialsperre und adaptiven Stoßdämpfern sind das Antriebskonzept (vorne / hinten / 4WD und hier auch, welche Art Allrad genau), das Format und der Zustand sowie die generelle Auslegung der Bereifung, das Fahrzeuggewicht und dessen Verteilung (Beladung, Position des Motors…), sowie die Beschaffenheit und der Zustand der Stoßdämpfer/Federn die Punkte, welche einen maßgeblichen Einfluß auf das Fahr- und Bremsverhalten eines Autos haben.
Zum ESP:
es gibt Autos, die ohne ESP nur für sehr geübte Fahrer beherrschbar sind. Dazu gehören Smart und Audi TT 1. Außerdem gibt es Autos, die über kein ESP verfügen und sehr schwer beherrschbar sind, wie der Porsche 930 Turbo.
Dann gibt es Autos, die auch ohne ESP gut beherrschbar sind. Das sind die meisten anderen Modelle.
ESP macht jedoch Sinn, wenn man Fahrfehler begeht, die der normale Fahrer ohne elektronische Hilfe nicht mehr auffangen kann. Früher krachte es, heute kommt man mit dem Schrecken davon.
ESP gefährdet niemanden. Es bremst einen nur ab und an etwas früher ein, als manche es für nötig erachten. Ich selbst fahre gerne zackig und komme bei Trockenheit kaum jemals in den Regelbereich des ESP. Letzten Winter hat es mit jedoch bei Nässe voll beladen mit 6 Leuten und Gepäck sowie Dachbox einmal sehr geholfen. Das sind die Situationen, wo man so etwas brauchen kann und die zudem selten sind. Wer jeden tag alleine und unbeladen mit seinem Auto fährt, braucht das System vielleicht nie. Aber fährt man dann einmal mit dem Auto voll besetzt in den Urlaub, überschätzt man den Wagen evtl. und freut sich, wenn ESP eingreift.
Keine Ahnung, weshalb man dieses System ablehnen sollte. Es stört keinen, zum Anfahren auf Schnee ist es zumeist abschaltbar und ansonsten hat es höchstens einen negativen Effekt auf die Rundenzeit an der Nürburgring-Nordschleife.
Zum Thema ABS:
Es wird immer mal wieder behauptet, der Bremsweg ohne ABS sei kürzer. Das gilt meiner Erfahrung nach lediglich für Schnee und Schotter. Deshalb war bei den Audi Quattro Coupés, die in den 80er Jahren für den Rallyeeinsatz konzipiert wurden, das ABS abschaltbar. Ich lebe in München und hier fahre ich so gut wie nie auf Schotter und wenn, dann eher langsam. Schnee gibt es hier an ca. 20 Tagen im Jahr. Weitere 20 Tage kommen in Skigebieten dazu. Ich hatte jedoch noch nie Probleme wegen des ABS.
Zudem hilft einem ABS bei Nässe und auch bei trockener Straße (was ich an den übrigen 295 Tagen im Jahr habe), denn niemand bremst ohne ABS so perfekt, dass er bei diesen Verhältnissen einen kürzeren Bremsweg hinlegt, als ohne. Das Blockieren verkürzt zwar theoretisch den bremsweg, der Verlust der Lenkbarkeit dürfte jedoch schwerwiegender sein. Zudem sind dann bei jeder Vollbremsung auf der Autobahn die Reifen im Eimer.
Was allerdings ein ABS ausgesprochen negativ beeinflusst, sind schlechte Reifen. Hier kann es bei Nässe (und auch sonst) natürlich spannend werden, wenn der Gummi sofort blockiert. Aber dann macht Bremsen auch ohne ABS keinen Spaß.
Fazit: für den Durchschnittsfahrer machen ABS und ESP absolut Sinn. Wer das ablehnt, soll es tun. Es gibt ein paar wirklich gute Sportfahrer in Deutschland, die evtl. wirklich besser ohne ABS und ESP zurecht kommen. Die breite Masse jedoch sollte diese Systeme kaufen, denn wer sie ablehnt, betrügt sich nur selbst und Retro-Wahn im automobilen Alltag bei der deutschen Verkehrsdichte hat m.E. keinen Platz. Vor allem wenn Autos wie Toyota Starlet, Renault Megane, Trabant (sorry Mutschy), Golf 2 oder alte Benze als Benchmark angeführt werden. Diese Autos verfügen allesamt über höchstens durchschnittliche Fahrwerke, manchmal sogar katastrophale Bremsanlagen und befinden sich in 3. Hand in fragwürdigem Pflegezustand. Da lasse ich höchstens noch meinen alten Alfa mit 4 neuen Scheibenbremsen und neuem Fahrwerk gelten. Der fährt oft sicherer als neue Autos, die nur durch ESP überhaupt fahrbar sind. Aber im Winter möchte ich die alte Heckschleuder ohne jede Sperre oder ESP auch nicht mehr fahren.
Grüße,
Mathias
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