Ich bräuchte ein wenig Übersetzungshilfe bei einem Text, den
Wittgenstein in einem Vorwort von Augustinus zitiert.
Et multi ante nos vitam istam agentes, praestruxerant aerumnosas vias,
er quas transire cogebantur multiplicato labore et dolore filiis Adam.
Lieber oath,
es ist Ewigkeiten her, daß ich Wittgestein gelesen habe.
Dunkel hab’ ich in Erinnerung, daß er Augustinus meistens nicht verstand. Ich weiß jedoch beim besten Willen nicht mehr, ob meine vage Erinnerung nicht eventuell trügt.
Im Zitat sind zwei Übernahme-Fehler von Wittgestein: Es heißt nicht „praestruxerant“, sondern „praestruxerunt“; nicht „filiis“ sondern „filii“. 1:0 im Match Tunesien gegen Österreich.
Darüber hinaus ist der der Sinn der Aussage Augustinus (gewollt?) schwierig zu klären. Er hatte häufig eine extrem pessimistische Sicht der „Welt“, in die sich seine spätere - manchmal auch widersprüchliche - „christliche“ Sicht nicht widerstandsfrei integrieren ließ.
Wie niederschmetternd pessimistisch oder eher ins Aufbauende letzlich Mündende (oder angeblich Mündende!) hier die Aussage fällt, könnte man erst aus dem sonstigen augustinischen Kontext, um den es hier geht, eruieren. Ich übersetze so, wie ich die Intentionen Augustinus zum Zeitpunkt der Abfassung noch ungefähr im Kopf habe:
„…auch trugen viele unserer Vorgänger in diesem [irdischen] Leben [mit eigenen Händen] dazu bei, [ausgerechnet] diejenige unpassierbaren und widrigen Wege anzulegen, durch welche mit um so verfielfachten Schmerzen und Peinmühsal die Söhne Adams gezwungen werden sollten sich zu quälen…“
Zum Zeitpunkt der Abfassung wurde solch ein zeitlich komplexer bedingter predikativer Futur durchaus mit dem schlichten Imperfekt Indikativ, wie in einigen der gerade entstehenden oder kurze Zeit danach entstehenden Ansätzen von neolateinischen „Vulgär-Idiomen“.
Natürlich heißt es worwörtlich nur „durchgehen“; meine Übersetzung versucht aber die immense Qual, welche aus dem Original zu erlesen ist, auf „transire“ zu erstrecken, um die Originalvalenz zu vermitteln.
abifiz