Ethikfrage: Todesstrafe ja oder nein?!

Hallo Ihr Lieben,

seeeeeeeeehr brisantes Thema, ich weiß… Trotzdem (und bitte nicht falsch verstehen; ich überlege laut).

Ich grübele immer wieder über die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen wir - also die Gesellschaft: schließlich wird jedes Urteil „im Namen des Volkes“ (in den USA halt auch das Todesurteil) verkündet - das Recht haben, jemandem das Leben zu nehmen.

Die Todesstrafe ist doch im Grunde genommen nichts anderes, als ein staatlich angeordneter Mord „im Namen des Volkes“. Stellt sich im Nachhinein heraus, daß es ein Justizirrtum war, dürfte doch das gesamte Volk verantwortlich sein und - theoretisch - jeder einzelne Bürger von den Hinterbliebenen auf Schadenersatz verklagt werden können.

Versteht mich bitte nicht falsch: ich habe keinerlei Verständnis für Mörder, ob sie nun Kinder oder Erwachsene umbringen. Allerdings stehe ich der Todesstrafe-Problematik sehr zwiespältig gegenüber.

Es ist auch nicht meine Absicht, die diversen in den letzten Tagen aufgekommenen Diskussionen (in Deutschland wurden schon wieder zwei kleine Mädchen umgebracht; in den USA wurde ein Mann trotz Geschworenenprotesten hingerichtet) anzuheizen.

Vielmehr interessiert es mich, wie Ihr das ganze Thema seht. Ob nun aus ehtischer oder aus religiöser Sicht (Das Gebot „Du sollst nicht töten“ ist mir durchaus bekannt, also bitte keine Auslegungsversuche dazu).

Viele Grüße

Tessa

NEIN!!!
Hi Tessa

Lassen wir mal den Justizirrtum aussen vor.

Zunächst mal: Wozu dient der Strafvollzug?
Er soll abschrecken und (bitte nicht lachen) eine Resozialisierung des Täters ermöglichen. Resozialisierung bei Triebtätern ist allerdings eher unwahrscheinlich, dafür gibt es dann aber Sicherungsverwahrung.

Welchen Effekt hat die Todesstrafe?
Die Resozialisierung eins Hingerichteten dürfte schwer möglich sein.
Abschreckend wirkt sie offenbar auch nicht, z.B. hat Deutschland eine erheblich niedrigere Mordrate als die USA. Für die Zahl der Morde in einer Gesellschaft sind ganz andere Faktoren verantwortlich.

Warum wird sie also durchgeführt:
Nimmt der Staat stellvertretend Rache für die Angehörigen der Opfer – Eine überlegte Tötung aus Rache ist nicht gerade ein edles Motiv, wenn es ein Privatmann machen würde, wäre er wg. Totschlag oder gar Mord dran.

Oder weil sich der Staat die Kosten für das lebenslänglich einsperren sparen will? Tötung aus Geldgründen ist Mord!

Mit der Anwendung der Todesstrafe stellt sich ein Staat IMHO auf die gleiche Stufe wie seine Verbrecher, denn er handelt aus niedrigen Motiven.

Gruss
Mike

Hallo Tessa,

seeeeeeeeehr brisantes Thema, ich weiß… Trotzdem (und bitte
nicht falsch verstehen; ich überlege laut).

Ich kann dir die Frage auch nicht beantworten, aber vielleicht einen interessanten Denkanstoß liefern. Die beiden berühmten Profiler John Douglas und Robert Kessler haben lange Jahre Seite an Seite gearbeitet, in denselben Fällen recherchiert, dieselben Mörder und Opfer kennen gelernt. Fazit: Douglas ist ein glühender Verfechter der Todesstrafe, Kessler ebenso leidenschaftlich dagegen. Beide haben ausgezeichnete Argumente zur Hand.
gruß,
bb

seh ich genauso (o.T.)
ganz klar dagegen!

Hallo Tessa

Vielmehr interessiert es mich, wie Ihr das ganze Thema seht.
Ob nun aus ehtischer oder aus religiöser Sicht (Das Gebot „Du
sollst nicht töten“ ist mir durchaus bekannt, also bitte keine
Auslegungsversuche dazu).

Du wirst in diesem Forum nur Gegner der Todesstrafe finden (diese Diskussion gab es mindestens schon einmal).
Deshalb möchte ich mal ein seltenes Argument für die Todesstrafe bringen; Das Prinzip der Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit würde bedeuten, daß jemand den Schaden, der er anrichtet wieder gut macht, bzw. selbst erleidet. Wenn ich aber jemanden umbringe, kann ich ihn nicht zum Leben erwecken. Desweiteren sind die Täter üblicherweise auch nicht in der Lage, die Hinterbliebenen materiell zu entschädigen, geschweige denn emotionell.
Der Tod eines Mörders ist im Prinzip gerecht.

Wenn man aber sich die Länder ansieht, in denen die Todesstrafe angewendet wird, erkennt man deutlich, daß von Gerechtigkeit keine Spur ist. Denn es gibt wohl nichts ungerechteres, als einen unschuldigen Menschen hinzurichten.

Gruß
Carlos

Hallo, Michael,
es gibt noch ein Argument für die Todesstrafe:
zuvor aber eine Unterscheidung: Totschlag und Mord.
Totschlag ist ohne lange Überlegung und Planung. Also aus dem Affekt! Der ist oft resozialisierbar. Meist kommt er nicht mehr in die Situation, das gleiche Verbrechen noch mal zu machen!
Der Mörder plant. Er bereitet den Tod des anderen vor! Ob der resozialisierbar ist, wage ich zu bezweifeln! So einen kann ich auch nicht mit der Androhnung von harten Strafen beindrucken: er meint ja, ihn erwischen sie nicht! Er wird das perfekte Verbrechen (das es tatsächlich gibt) schaffen. Also kann man sagen, Abschreckung hilft nicht… aber weg vom Fenster ist er! Das kann er nicht mehr machen. Einer weniger! Eigentlich wäre ich auch dafür… wenn nicht die furchtbare Angst wäre, einen Unschuldigen hinzurichten! Und das kann jedem passieren!
Grüße
Raimund

Das Prinzip der Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit würde bedeuten, daß jemand den Schaden, der er
anrichtet wieder gut macht, bzw. selbst erleidet. Wenn ich
aber jemanden umbringe, kann ich ihn nicht zum Leben erwecken.
Desweiteren sind die Täter üblicherweise auch nicht in der
Lage, die Hinterbliebenen materiell zu entschädigen,
geschweige denn emotionell.
Der Tod eines Mörders ist im Prinzip gerecht.

Hallo Carlos,

ist der Tod eines Mörders (der Mord an einen Mörder) wirklich gerecht??
Besteht Gerechtigkeit darin Gleiches mit Gleichen zu vergelten?
Wie kann ich mich Moralisch über einen Mörder stellen, wenn ich mich der gleichen Mittel bediene, mich auf das gleiche barbarische Niveau herablasse. Wie kann sich eine Gesellschaft Human nennen, wenn sie sich solcher Mittel bedient.
Rache, was nichts anderes ist als die Todesstrafe,war noch nie ein guter Wegweiser zur Gerechtigkeit.

MfG Roberto

Hallo Carlos,

Deshalb möchte ich mal ein seltenes Argument für die
Todesstrafe bringen; Das Prinzip der Gerechtigkeit.

Gerechtigkeit würde bedeuten, daß jemand den Schaden, der er
anrichtet wieder gut macht, bzw. selbst erleidet.

Das wäre nur dann Gerechtigkeit, wenn der Mörder tatsächlich ALLES (also jede körperliche und empotionelle Qual, die er seinem Opfer zugefügt hat) auch wieder erleidet). Von Befürwortern der Todesstrafe kommt das Argument, dass der schmerzlose Tod durch die Giftspritze z.B. kein Ausgleich für einen Mörder ist, der etwa Dutzende junge Menschen zu Tode gefoltert hat wie Ted Bundy oder John Gacy. Das stimmt wohl.

:Wenn man aber sich die Länder ansieht, in denen die

Todesstrafe angewendet wird, erkennt man deutlich, daß von
Gerechtigkeit keine Spur ist. Denn es gibt wohl nichts
ungerechteres, als einen unschuldigen Menschen hinzurichten.

Da stimme ich dir vollkommen zu. In der Praxis wird auch in „zivilisierten“ Staaten wie den USA die Todesstrafe vorwiegend an armen und sozial unterprivilegierten Menschen angewandt, von totalitären Staaten gar nicht zu reden, in denen jeder Querdenker damit rechnen muss hingerichtet zu werden.
Ein weiteres Argument: Staaten ohne Todesstrafe haben keine höhere Verbrechensrate als solche mit. In England wurde die Todesstrafe in den 50er Jahren abgeschafft, nachdem der Arbeiter Timothy Evans unschuldig gehenkt worden war, und seither ist die Verbrechensrate auch nicht gestiegen.
Was DAFÜR spricht, ist wohl, dass es für die Hinterbliebenen des Opfers eine ständige Qual bedeutet zu wissen, dass der Mensch, der ihr Kind, ihre Frau, ihren Vater brutal ermordet hat immer noch am Leben ist.
gruß,
bb

Hallo Michael,

wie wäre es als „Ziel“ denn mit: Wiederholung ausschließen? Wenn ein Serienmörder aus dem Knast ausbricht und seine Serie fortführt, sterben mehr Menschen als wenn der gute gleich ausgeschaltet wird.

Dann: Wer sagt denn, daß lebenslang hinter Gittern für einen Verbrecher angenehmer ist als der Tod? Warum bringen sich denn so viele selbst im Gefängnis um?

Und dann noch (zugegebenermaßen makaber): Einbuchten kostet deutlich mehr Geld als hinrichten - Geld, für das es sicher auch noch andere gute Verwendungsmöglichkeiten gibt.

Ich will nicht der Todesstrafe das Wort reden, aber diese Punkte sollten auch bedacht werden. So einfach ist die Sache nicht.

Gruß, Kubi

Hallo,

da muss ich leider Widerspruch einlegen:

wie wäre es als „Ziel“ denn mit: Wiederholung ausschließen?
Wenn ein Serienmörder aus dem Knast ausbricht und seine Serie
fortführt, sterben mehr Menschen als wenn der gute gleich
ausgeschaltet wird.

Wiederholung ausschliessen ist gut - umbringen aber keine Lösung. Die Liebmann-Studie der Columbia University of Law belegt bei immerhin 41% der Capital Punishment Cases Verfahrensfehler, die eigentlich eine Wiederaufnahme bedeuten müssten. Seit 1973 mussten 80 Menschen aus der Death Row entlassen werden, weil neue Erkenntnisse ihre Unschuld bewiesen. Für weitere 23 kam der Beweis zu spät, sie sind bereits exekutiert worden.

Die Todesstrafe muss für ein zivilisiertes Land schlicht ausserhalb jeglicher Diskussion liegen. Eine human vertretbare Art staatlichen Tötens gibt es nicht. Selbst in den so aufgeklärten USA wird man in 11 Staaten elektrisch gegrillt, in 5 in die Gaskammer geschickt, in 3 aufgehängt und in drei weiteren vor ein Erschiessungskommando gestellt. Abscheulich.

Dann: Wer sagt denn, daß lebenslang hinter Gittern für einen
Verbrecher angenehmer ist als der Tod? Warum bringen sich denn
so viele selbst im Gefängnis um?

Seitwann soll Strafe angenehm sein?

Und dann noch (zugegebenermaßen makaber): Einbuchten kostet
deutlich mehr Geld als hinrichten - Geld, für das es sicher
auch noch andere gute Verwendungsmöglichkeiten gibt.

Eine Studie der Duke University von 1993 belegt dazu, dass in North Carolina die Kosten für einen Todeskandidaten um §2,16 Mio. über denen für einen Lebenslänglichen liegen.

Der Staat Florida gab für 18 Hinrichtungen insgesamt §57 Mio. aus, das sind schlappe §3,16 Mio. pro Fall.

In Californien sind die Kosten sogar 6x höher wie für einen „normalen“ Prozess.

In Texas kostet eine Hinrichtung im Schnitt $2,3 Mio., das ist etwa das dreifache der Kosten für 40 Jahre Einzelhaft im Hochsicherheitsgefängnis.

Die Haftkosten werden in Deutschland mit 160,-- DM pro Tag beziffert. Einmal Umbringen kostet also soviel wie 89 Jahre Haft. Und so lange sitzt bei uns keiner.

Gruss
Peter

Problem
Hi Raimund

Nun gut, gehen wir mal von einem nachgewiesenen, absolut wasserdichten Mörder aus.
Wenn ich sozusagen als Privatperson den Kerl umniete, dann bin ich entweder wg. Totschlag oder gar Mord dran (nicht wg, Verletzung des staatsmonopols, also Amtsanmaßung)
Wenn es der Staat tut, bleibt er straffrei.
hm.

Es ist natürlich schon so, das der Staat ein Gewaltmonopol ausüben muss, sonst würde gemeinschaftliches Zusammenleben fast unmöglich (traurig, aber wahr).
Aber gelten für einen Staat nicht in etwa die gleichen Regeln wie für Personen, u.A niemanden aus Rache und Gewinnsucht zu töten, oder um potentielle (!) weitere Gewalttaten dieser Person zu verhindern (sozusagen prophylaktische Hinrichtungen).

Gruss
Mike

Hi Kubi

wie wäre es als „Ziel“ denn mit: Wiederholung ausschließen?
Wenn ein Serienmörder aus dem Knast ausbricht und seine Serie
fortführt, sterben mehr Menschen als wenn der gute gleich
ausgeschaltet wird.

Gegenfrage: Wieviele Serienmörder brechen aus und setzen ihre Serie fort? Soll man sie sozusagen "prophylaktisch " hinrichten?

Dann: Wer sagt denn, daß lebenslang hinter Gittern für einen
Verbrecher angenehmer ist als der Tod? Warum bringen sich denn
so viele selbst im Gefängnis um?

Aber das ist DEREN freie Entscheidung, nicht die des Staates bzw seiner Gerichte.

Und dann noch (zugegebenermaßen makaber): Einbuchten kostet
deutlich mehr Geld als hinrichten - Geld, für das es sicher
auch noch andere gute Verwendungsmöglichkeiten gibt.

Tötung eines Menschen, um Geld zu sparen ist MORD (aus Gewinnsucht). Wenn man so anfängt, wo hört man dann auf mit „Geldsparen“
(ich führe das jetzt nicht weiter aus…)

Gruss
Mike

Gerechtigkeit würde bedeuten, daß jemand den Schaden, der er
anrichtet wieder gut macht, bzw. selbst erleidet. Wenn ich
aber jemanden umbringe, kann ich ihn nicht zum Leben erwecken.
Desweiteren sind die Täter üblicherweise auch nicht in der
Lage, die Hinterbliebenen materiell zu entschädigen,
geschweige denn emotionell.
Der Tod eines Mörders ist im Prinzip gerecht.

Gruß
Carlos

Mein lieber Carlos!

Dieses Prinzip, das du anfuehrst, ist ein langes Wort. Es ist viel zu lang, als dass dein Leben ausreichte, es zu erklären. Kennst du denn - im Prinzip - den Schaden, den der Mörder mit seiner Tat anrichtet? Kennt die Gesellschaft, die ihn toetet den Schaden, den sie wiederum anrichtet - etwa, circa, genau oder im Prinzip…

Paul.

Hallo, Michael,
das ist ein Problem, das keiner lösen kann! Ist die prophyaktische Kastrierung von Sexualstraftätern nicht eine unzumutbare Gewaltanwendung? Fast alle werden nun sagen: nein, es ist Schutz für evtl. zukünftige Opfer. Genau das Gleiche kann man jetzt beim Mörder (nur den meine ich, keinen Totschäger) sagen.
Das nächste Problem: es gibt keinen 100% bewiesenen Mord. Selbst wenn der „Täter“ gestanden hat. Gerade habe ich in einer Zeitung gelesen, dass ein Mann 18 Jahre unschuldig im Gefängnis saß. Er hatte geleugnet, dann gestanden, dann geleugnet, dann gestanden und wieder geleugnet. Jetzt hat sich durch Zufall herausgestellt, dass er es tatsächlich nicht war! ein Fremdenlegionär (hat nichts mit dem Beruf zu tun) hat kurz vor seinem Tod gestanden, den Mord begangen zu haben. Auf die Frage (an den Verurteilten), warum er gestanden hat, antwortete er, er hätte nach all diesen Kreuzverhören nicht mehr gewußt, was wahr und was falsch ist.

Grüße
Raimund

Hallo Peter,

da muss ich leider Widerspruch einlegen:

das habe ich gehofft…

Wiederholung ausschliessen ist gut - umbringen aber keine
Lösung. Die Liebmann-Studie der Columbia University of Law
belegt bei immerhin 41% der Capital Punishment Cases
Verfahrensfehler, die eigentlich eine Wiederaufnahme bedeuten
müssten. Seit 1973 mussten 80 Menschen aus der Death Row
entlassen werden, weil neue Erkenntnisse ihre Unschuld
bewiesen. Für weitere 23 kam der Beweis zu spät, sie sind
bereits exekutiert worden.

Das weiß ich, und ich stelle hier auch mal klar, daß ich eindeutig GEGEN die Todesstrafe bin - hauptsächlich aus diesem Grund. Es kam mir darauf an, die Gegenargumente einmal darzulegen. Allerdings haben die beiden Punkte nichts miteinander zu tun. Falschverurteilungen sind ein starkes Argument gegen die Todesstrafe, aber entkräften nicht das „Wiederholungs“-Argument.

Die Todesstrafe muss für ein zivilisiertes Land schlicht
ausserhalb jeglicher Diskussion liegen. Eine human vertretbare
Art staatlichen Tötens gibt es nicht.

Was wäre denn eine solche?..

Selbst in den so

aufgeklärten USA wird man in 11 Staaten elektrisch gegrillt,
in 5 in die Gaskammer geschickt, in 3 aufgehängt und in drei
weiteren vor ein Erschiessungskommando gestellt. Abscheulich.

Aufgeklärt? Na ja, die Diskussion verkneife ich mir jetzt mal…

Seitwann soll Strafe angenehm sein?

Soll sie nicht. Dann fragt man sich allerdings, weshalb heute in jeder Gefängniszelle Fernseher stehen und es den JVA-Insassen allgemein doch recht gut geht.

Eine Studie der Duke University von 1993 belegt dazu, dass in
North Carolina die Kosten für einen Todeskandidaten um §2,16
Mio. über denen für einen Lebenslänglichen liegen.

Die Haftkosten werden in Deutschland mit 160,-- DM pro Tag
beziffert. Einmal Umbringen kostet also soviel wie 89 Jahre
Haft. Und so lange sitzt bei uns keiner.

Da frage ich mich allerdings, was daran so viel Geld kostet. Ich wage mal die Behauptung, daß das nicht an der Hinrichtung an sich liegt, sondern an den falschen Verfahren in den USA.

Gruß, Kubi

Hallo Michael,

Gegenfrage: Wieviele Serienmörder brechen aus und setzen ihre
Serie fort? Soll man sie sozusagen "prophylaktisch "
hinrichten?

Darum geht’s, ja. Man liest relativ häufig von solchen Vorfällen. Also brechen entweder doch so einige davon aus, oder es gibt deutlich mehr davon als man meint. Und „das kommt nicht oft vor“ ist ein schwacher Trost für die, die’s dann erwischt…

Dann: Wer sagt denn, daß lebenslang hinter Gittern für einen
Verbrecher angenehmer ist als der Tod? Warum bringen sich denn
so viele selbst im Gefängnis um?

Aber das ist DEREN freie Entscheidung, nicht die des Staates
bzw seiner Gerichte.

Nö, eben keine freie Entscheidung, da man ja alles menschenmögliche tut, um sie daran zu hindern. Wenn der Strafvollzug human sein soll, wäre es dann nicht angebracht, die Delinquenten aussuchen zu lassen, ob sie lieber lebenslänglich oder den Strick (stellvertretend für alle Hinrichtungsmethoden) hätten?

Und dann noch (zugegebenermaßen makaber): Einbuchten kostet
deutlich mehr Geld als hinrichten - Geld, für das es sicher
auch noch andere gute Verwendungsmöglichkeiten gibt.

Tötung eines Menschen, um Geld zu sparen ist MORD (aus
Gewinnsucht). Wenn man so anfängt, wo hört man dann auf mit
„Geldsparen“
(ich führe das jetzt nicht weiter aus…)

Nix Gewinnsucht. Das Geld könnte man beispielsweise für die Entschädigung der Hinterbliebenen / Opfer benutzen.

Gruß, Kubi

Hallo Kubi,

da muss ich leider Widerspruch einlegen:

das habe ich gehofft…

Das wiederum habe ich mir glatt gewünscht…

Das weiß ich, und ich stelle hier auch mal klar, daß ich
eindeutig GEGEN die Todesstrafe bin - hauptsächlich aus diesem
Grund. Es kam mir darauf an, die Gegenargumente einmal
darzulegen. Allerdings haben die beiden Punkte nichts
miteinander zu tun. Falschverurteilungen sind ein starkes
Argument gegen die Todesstrafe, aber entkräften nicht das
„Wiederholungs“-Argument.

Nunja, das ist natürlich richtig. In meinen wildesten Träumen habe ich zwar schon Vorstellungen, wie man - zumindest bei manchen Straftaten - eine Wiederholung dauerhaft verhindern könnte. Die sind aber ethisch wahrscheinlich genausowenig zu vertreten…

Die Todesstrafe muss für ein zivilisiertes Land schlicht
ausserhalb jeglicher Diskussion liegen. Eine human vertretbare
Art staatlichen Tötens gibt es nicht.

Was wäre denn eine solche?..

Ohne eine neue Diskussion starten zu wollen, sehe ich zwei Formen des Tötens, die unter bestimmten Bedingungen für mich moralisch durchaus vertretbar sind: Abtreibung und aktive Sterbehilfe. Wie gesagt, unter bestimmten Bedingungen.

Selbst in den so

aufgeklärten USA wird man in 11 Staaten elektrisch gegrillt,
in 5 in die Gaskammer geschickt, in 3 aufgehängt und in drei
weiteren vor ein Erschiessungskommando gestellt. Abscheulich.

Aufgeklärt? Na ja, die Diskussion verkneife ich mir jetzt
mal…

Ich hätte es vieleicht in " " setzten sollen. The home of the slaves and the land of the me.

Seitwann soll Strafe angenehm sein?

Soll sie nicht. Dann fragt man sich allerdings, weshalb heute
in jeder Gefängniszelle Fernseher stehen und es den
JVA-Insassen allgemein doch recht gut geht.

Stimmt schon.

Da frage ich mich allerdings, was daran so viel Geld kostet.
Ich wage mal die Behauptung, daß das nicht an der Hinrichtung
an sich liegt, sondern an den falschen Verfahren in den USA.

Das meiste Geld geht tatsächlich bei den Verfahren drauf, da man sich zumindest die Mühe macht, die Schuld möglichst schlüssig zu beweisen. Capital Punishment Cases gehen auch meist noch in Revision. Das zieht die Verfahren zwar in die Länge, ist aber wenigstens ein halbwegs positiver Aspekt (das Ergebnis wird dadurch allerdings nicht besser). Dann sitzt der Todeskandidat bis zu 16 Jahre in einem Hochsicherheitsgefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Dann kommen die Kosten für Bereitstellung und Instandhaltung des Tötungsmechanismus, die immensen Personalkosten für die vorgeschriebene Anzahl an Bewachern, Henkern, Zeugen etc. etc.

Gruss
Peter

Nun denn…
Hi Kubi

Wenn ich jemanden aufgrund der Möglichkeit bestrafe, das er etwas in der Zukunft begehen könnte, dann ist das schlichte Willkür. Niemand kann für etwas bestraft werden, was er (noch) nicht begangen hat, oder? Wieviele Mörder werden nach 15 20 oder 25 jahren entlassen und begehen danach keinen Mord mehr?
Es ist natürlich für die Opfer und deren Angehörige ein schwacher Trost, da hast Du schon recht.

Selbstmord im Knast: Wenn einer wirklich will, dann findet er auch einen Weg.

Wenn man aus dem Tod eines Menschen einen Gewinn zieht, dann ist das imho Mord, egal was vorher war.
Irgendwo steht es ja schon: Hinrichten ist teurer als lebenslänglich wegsperren.
Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Wenn ich einen Mörder sozusagen als Privatmann umniete, dann bin ich fällig. Der Staat wird mich wg Totschlag oder Mord vor Gericht stellen (nicht wegen Verletzung des staatlichen Gewaltmonopols). Wenn der Staat jemanden hinrichtet, dann hat dies keine Konsequenzen. Dürfen für einen Staat andere moralische Richtlinien als für Personen gelten? Ich meine: Nein.

Gruss
Mike

…mal so rum
Hallö Mike,

Wenn ich jemanden aufgrund der Möglichkeit bestrafe, das er
etwas in der Zukunft begehen könnte, dann ist das schlichte
Willkür. Niemand kann für etwas bestraft werden, was er (noch)
nicht begangen hat, oder? Wieviele Mörder werden nach 15 20
oder 25 jahren entlassen und begehen danach keinen Mord mehr?

Stimmt so natürlich. Aber bestraft wird ja auch für das, was er getan hat. Es geht hier nur darum, welche Strafe am besten für die Gesellschaft ist. Und aus dem Standpunkt der Wiederholungsmöglichkeit ist das die Hinrichtung.

Selbstmord im Knast: Wenn einer wirklich will, dann findet er
auch einen Weg.

Selbst wenn: Warum versucht man alles mögliche, ihn daran zu hindern? Es sollte doch seine Entscheidung sein, wenn es um humanen Strafvollzug geht, oder?

Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Wenn ich einen Mörder
sozusagen als Privatmann umniete, dann bin ich fällig. Der
Staat wird mich wg Totschlag oder Mord vor Gericht stellen
(nicht wegen Verletzung des staatlichen Gewaltmonopols). Wenn
der Staat jemanden hinrichtet, dann hat dies keine
Konsequenzen. Dürfen für einen Staat andere moralische
Richtlinien als für Personen gelten? Ich meine: Nein.

Der Staat darf so manches, was Privatleute nicht dürfen. Zum Beispiel Dir einfach Geld von Deinem Einkommen wegnehmen, um dieses der Allgemeinheit zukommen zu lassen (Steuern). Dafür ließen sich noch viele andere Beispiele anführen. Warum also nicht auch: Verhängung der Todesstrafe?

NB: Für alle anderen Strafen gilt das ja auch. Mit Deiner Argumentation gäbe es auch keine Gefängnisstrafe, da diese auch nicht von Privatleuten verhängt werden darf. Was sagt Dir der Begriff „staatliches Gewaltmonopol“?

Gruß, Kubi

Gar nicht so weit auseinander…
…sind unsere Positionen.

Hallo Peter,

da muss ich leider Widerspruch einlegen:

das habe ich gehofft…

Das wiederum habe ich mir glatt gewünscht…

Sind wir nicht lieb zueinander…:wink:

Falschverurteilungen sind ein starkes
Argument gegen die Todesstrafe, aber entkräften nicht das
„Wiederholungs“-Argument.

Nunja, das ist natürlich richtig. In meinen wildesten Träumen
habe ich zwar schon Vorstellungen, wie man - zumindest bei
manchen Straftaten - eine Wiederholung dauerhaft verhindern
könnte. Die sind aber ethisch wahrscheinlich genausowenig zu
vertreten…

LOL. Das ist die generelle Crux an der Sache: Du willst zuverlässig eine Wiederholung verhindern und gleichzeitig die Ethik beim Delinquenten nicht vergessen. Und manchmal sind diese beiden Punkte halt unvereinbar.

Ohne eine neue Diskussion starten zu wollen, sehe ich zwei
Formen des Tötens, die unter bestimmten Bedingungen für mich
moralisch durchaus vertretbar sind: Abtreibung und aktive
Sterbehilfe. Wie gesagt, unter bestimmten Bedingungen.

Da sind wir uns einig.

Selbst in den so

aufgeklärten USA wird man in 11 Staaten elektrisch gegrillt,
in 5 in die Gaskammer geschickt, in 3 aufgehängt und in drei
weiteren vor ein Erschiessungskommando gestellt. Abscheulich.

Aufgeklärt? Na ja, die Diskussion verkneife ich mir jetzt
mal…

Ich hätte es vieleicht in " " setzten sollen. The home of the
slaves and the land of the me.

„Die USA haben den Weg von der Barbarei zur Dekadenz ohne den Umweg über die Kultur gemacht“. Leider weiß ich nicht mehr, von wem das ist.

Dann sitzt der
Todeskandidat bis zu 16 Jahre in einem
Hochsicherheitsgefängnis und wartet auf seine Hinrichtung.
Dann kommen die Kosten für Bereitstellung und Instandhaltung
des Tötungsmechanismus, die immensen Personalkosten für die
vorgeschriebene Anzahl an Bewachern, Henkern, Zeugen etc. etc.

Dacht ich’s mir doch: Auch wenn’s makaber ist: Das könnte man garantiert ordentlich rationalisieren. Fragt sich, wann die Gefängnisse ihre Hinrichtungen auch als profit center betreiben müssen (in den USA würde mich in dieser Hinsicht gar nichts mehr wundern)…

Gruß, Kubi