Ethikunterricht

Hallo www-ler !

Meine Tochter besucht im Moment eine sächsische Grundschule, dritte Klasse. Wir haben sie in dieser Schule für den Ethik-Unterricht angemeldet, da wir als Eltern nicht christlich erzogen und atheistisch eingestellt sind.

In den ersten beiden Klassen hatte meine Tochter den Ethik-Unterricht bei ihrer Klassenleiterin und es ging um Themen wie „Wie streitet man sich mit Freunden“ „Wie kann man etwas ausleihe und wie geht man mit geliehenen Sachen um“ etc, für mich ein guter Unterricht.
Seit der dritten Klasse hat sie allerdings eine neue Lehrerin und der Unterricht den sie macht ist in meinen Augen unverschämt. Problematisch wurde es für mich als sie im Unterricht über fast acht Wochen Martin Luther und die Entstehung der evangelischen Kirche behandelt haben. Kurz danach ging es um Zeichen des christlichen Glaubens im Alltag und der Hammer war dann als mich meine Tochter letzte Woche fragte wie denn die Erde entstanden sei, ich ihr versucht habe die ganze Geschichte mit der Ursuppe und der Evolution halbwegs eingängig zu schildern, sie mich nach 30 sekunden unterbrach und meinte : „Nein, das war Gott. Er hat das Licht und die Erde erschaffen“. Im dem Moment platzte mir dann fast der Kragen (hab mich aber beherrscht.)

Ich lasse ja jedem seine Religion, aber wir haben unsere Tochter aus gutem Grund für Ethik angemeldet. Nur, was da offensichtlich im Ethik-Unterricht vermittelt wird ist ein überhaupt nicht mehr versteckter Missionsversuch einer offensichtlich christlichen Lehrerin. Ich hatte aber eigentlich immer die Vorstellung das „Ethik-Unterricht“ für die Kinder ist deren Eltern eben keine „christliche“ Erziehung wünschen wie sie im Religionsunterricht stattfindet.

Bevor ich mich mit der Lehrerin auseinandersetzen werde würde ich mich aber gern informieren und habe deswegen folgende Fragen :

  1. ist irgendwo genau festegelegt was der Ethik-Unterricht leisten bzw. vermitteln soll ?
  2. Gibts es festgelegte Lehrpläne und wenn ja
  3. wieweit darf der Lehrer davon abweichen ?

Grüße, Alex

Hallo, Alex!

  1. ist irgendwo genau festegelegt was der Ethik-Unterricht leisten bzw. vermitteln soll ?

Aber natürlich. Guck auf der Seite des Kultusministeriums; dort müssten die Lehrpläne aller Schulen und Fächer zu finden sein.
So ist es jedenfalls in Ba-Wü!

  1. Gibts es festgelegte Lehrpläne und wenn ja

Aber ja doch; bei uns ist es aber inzwischen so, dass nicht inhaltiche Ziele genannt werden, sondern Fertigkeiten.

Es heißt also nicht: Der Schüler soll wissen, was Religion vom Atheismus und vom Agnostizismus untescheidet.

Sondern: Der Schüler soll verstehen, dass es kongurierende Weltinterpretationsmodelle gibt und diese einzuordnen verstehen.

  1. wieweit darf der Lehrer davon abweichen?

Bei einer derartigen Wischiwaschivorgabe ist es schwer nachzuweisen, dass einem Lehrer ein Abweichen nachgewiesen werden kann.

Es wäre auch denkbar, dass du dich an die GEW oder andere Lehrerorganisationen wendest, um genauere Aufschlüsse zu erhalten.

Das was du berichtest klingt sehr nach unstatthafter Indoktrinatin. Versuche mal mehr über die Lehrerin zu erfahren. Herkunft. Studienort. Konfession. Weltanschauung.

Aber bitte offen fragen, am besten sie selbst.

Gruß Fritz

Hai Looza,

bei mir ist Ethik zwar schon einzwei Tage her, aber in kurz würde ich es beschreiben als eine Mischung aus „vergleichende Religionswissenschaften“ und „Moral, Anstand und gute Sitten“.
Das war, als Ethik in BaWü neu eingeführt wurde und ich fand es richtig gut.

Ralph

Hallo,

grundsätzlich könnte Dir vielleicht die Seite http://www.zum.de/Faecher/Eth/SA/START.HTM weiterhelfen?
Tatsächlich sieht der Ethikunterricht in der Grundschule explizit vor, sich mit dem Christentum zu beschäftigen.

In den ersten beiden Klassen hatte meine Tochter den
Ethik-Unterricht bei ihrer Klassenleiterin und es ging um
Themen wie „Wie streitet man sich mit Freunden“ „Wie kann man
etwas ausleihe und wie geht man mit geliehenen Sachen um“ etc,
für mich ein guter Unterricht.

Auch das scheint, den Informationen der o.g. Seite entsprechend, dem Lehrplan zu entsprechen.

Seit der dritten Klasse hat sie allerdings eine neue Lehrerin
und der Unterricht den sie macht ist in meinen Augen
unverschämt. Problematisch wurde es für mich als sie im
Unterricht über fast acht Wochen Martin Luther und die
Entstehung der evangelischen Kirche behandelt haben.

Was daran problematisch sein soll, würde mich jetzt schon interessieren.
Schließlich lebst Du in Sachsen, bis 1933 von Luther und der evangelischen Kirche absolut geprägt. Die Christen, die es in Eurer Umgebung geben wird, sind aller Wahrscheinlichkeit nach auch evangelische Christen. Über Luther und die Entstehung der evangelischen Kirche nicht reden zu dürfen mit dem Argument, dass sei Mission, ist genauso plausibel, als ob wir nun den Geschichtslehrern verbieten, über Hitler und die Entstehung des Antisemitismus zu reden, weil dies zwangsläufig Mission zum Nationalsozialismus sei.

Kurz
danach ging es um Zeichen des christlichen Glaubens im Alltag

Was offensichtlich abgedeckt durch den Lehrplan ist.

und der Hammer war dann als mich meine Tochter letzte Woche
fragte wie denn die Erde entstanden sei, ich ihr versucht habe
die ganze Geschichte mit der Ursuppe und der Evolution
halbwegs eingängig zu schildern, sie mich nach 30 sekunden
unterbrach und meinte : „Nein, das war Gott. Er hat das Licht
und die Erde erschaffen“. Im dem Moment platzte mir dann fast
der Kragen (hab mich aber beherrscht.)

Wobei schon die Frage ist, ob Deine Tochter das so im Ethikunterricht gelernt hat. Ob sie vielleicht nur etwas missverstanden hat? Vielleicht sollte man der Lehrerin nicht gleich mit dem Missionsvorwurf kommen, sondern fragen, wie das möglich sein kann (und ob so etwas überhaupt Thema in Ethikunterricht gewesen sein könnte). Die Lehrerin hat ja vielleicht uach nichts dagegen, dass man sie auf eventuelle Missverständnisse, hervorgerufen durch ihren Unterricht, aufmerksam macht?

Ich lasse ja jedem seine Religion, aber wir haben unsere

Tochter aus gutem Grund für Ethik angemeldet. Nur, was da
offensichtlich im Ethik-Unterricht vermittelt wird ist ein
überhaupt nicht mehr versteckter Missionsversuch einer
offensichtlich christlichen Lehrerin.

Einen Missionsversuch kann ich beim besten Willen nicht entdecken. Gerade deswegen ist ja vielleicht auch eine Kenntnis des Christentums im Sinne der Allgemeinbildung durchaus notwendig:
Denn sowohl Werbung für Luther und ev. Kirch und gleichzeitig Kreationsimus geht nun definitiv nicht zusammen.

Ich hatte aber
eigentlich immer die Vorstellung das „Ethik-Unterricht“ für
die Kinder ist deren Eltern eben keine „christliche“ Erziehung
wünschen wie sie im Religionsunterricht stattfindet.

Zur christlichen Erziehung gehört ganz sicherlich nicht (zumindest in Deutschland) der Kreationismus.
Im Übrigen ist es nicht möglich, in Europa / Deutschland Ethik zu unterrichten, ohne das – zumindest ursprünglich – christlich vermittelte Werte eine Rolle spielen,.

Bevor ich mich mit der Lehrerin auseinandersetzen werde würde
ich mich aber gern informieren und habe deswegen folgende
Fragen :

  1. ist irgendwo genau festegelegt was der Ethik-Unterricht
    leisten bzw. vermitteln soll ?
  2. Gibts es festgelegte Lehrpläne und wenn ja
  3. wieweit darf der Lehrer davon abweichen ?

Siehe obigen link. Sicherlich kann man durch einen Anruf beim sächsischen Kultusministerium auch die Lehrpläne erhalten.
Bevor man aber der Lehrerin gleich mit der Bürokratiekeule kommt, wobei mir die Vorwürfe bislang eher inquisitorisch vorkommen, würde ich vielleicht das persönliche Gespräch suchen.

Grüße
Taju,

Hallo,

also ich kann dir leider deine Fragen nicht beantworten, aber Ethikunterricht wäre für mich erst einmal:
Religionen - also alle
und Ethik eben… Ethik ist eigentlich ein Fach, bei dem Mann wunderbar über gut und böse reden kann, ob vergangen oder jetzt.

Ich bin froh, dass ich nie solchen Unterricht hatte, wie du ihn beschreibst. Ich hatte nicht mal Ethik und das ist gut so.

Luther hat man eigentlich in Geschichte und Literatur.

…und in dem Alter ist Politik völlig fehl am Platz.

mfg:smile:
rené

Da kann ich ein Lied von singen

Hallo www-ler !

Hallo Leipzigerin,

ich war auch in Leipzig in Grundschulen und ich kann berichten, dass ich solche Art von Unterricht nicht hatte. Meines Erachtens hörte ich von Luther in der 5ten oder 6ten auf dem Gymnasium.

Den Konflikt kann ich dennoch nachvollziehen, da ich es in der Berufsschule miterlebt habe. Ausbildung kaufmännisch und 2 (!) Fächer: Sozialkunde und Ethik. Ethik ist dabei wirklich sowas, wie du es beschrieben hast mit Konflikten, Umgang mit Minderheiten etc. und Sozi befasst sich mit dem Rest.

Sinnvoll wäre es vielleicht, sich mit anderen Eltern aus der Klasse deiner Kleinen zusammenzusetzen und darüber sich auszutauschen. Dann könntest du mit der betreffenden Lehrerin reden.

Ich kann ebenfalls nicht verstehen, dass eine dritte Klasse der richtige Ort sein soll, über religiöse Dinge aufzuklären. Dafür gibt es schließlich den freiwilligen Konfirmationsdienst (heißt das so?).

Rede mit ihr.

LG auch aus Lpz

H wie Hola.

Die Schilderung ist ja (für mich als ultraharten Atheisten) entsetzlich.

Trotzdem ruhig bleiben. Suche das Gespräch und weise eindeutig daraufhin, daß Ethikunterricht eineindeutig atheistischer Unterricht zu sein hat. Alles andere ist inakzeptabel.

Sollte es sich um ein Mißverständnis Deiner Tochter gehandelt haben, hast Du mit einem Gespräch nichts verloren Eildieweil der Lehrkörper daraufhingewiesen wurde, daß die Kinder die Schilderungen nicht richtig einzuordnen vermögen.

Deine Reaktion kann ich aber gut verstehen - ich wäre ähnlich an die Decke gesprungen. Religionskenntnisse aus religiöser Sicht zu vermitteln, ist an einer bildungsneutralen, staatlichen Schule nicht hinzunehmen. Sowas gehört an glaubensorientierte Schulen, oder von mir aus in ein Fach „Religion“.

Sollte sich der Stil nicht bessern, also ändert sich der Unterricht nicht in Richtung distanzierte, logisch-analytische Betrachtung, melde Deine Tochter von einem solchen Unterricht schlicht und ergreifend ab.

Die Lehrpläne für jedes Fach sind übrigens auf dem sächsischen Bildungsserver oder beim Kultusministerium direkt zu bekommen.

MfG

Hallo,

grundsätzlich könnte Dir vielleicht die Seite
http://www.zum.de/Faecher/Eth/SA/START.HTM weiterhelfen?

Die Seiten habe ich inzwischen selbst gefunden, aber trotzdem vielen Dank.

Was daran problematisch sein soll, würde mich jetzt schon
interessieren.
Schließlich lebst Du in Sachsen, bis 1933 von Luther und der
evangelischen Kirche absolut geprägt. Die Christen, die es in
Eurer Umgebung geben wird, sind aller Wahrscheinlichkeit nach
auch evangelische Christen. Über Luther und die Entstehung der
evangelischen Kirche nicht reden zu dürfen mit dem Argument,
dass sei Mission, ist genauso plausibel, als ob wir nun den
Geschichtslehrern verbieten, über Hitler und die Entstehung
des Antisemitismus zu reden, weil dies zwangsläufig Mission
zum Nationalsozialismus sei.

Ohne hier einen Streit losbrechen zu wollen und mit bewußt hart gewählten Worten : Martin Luther ist für mich ein eher unbedeutender Mann der Zeitgeschichte der eine große Sekte (Die Christliche Kirche) geteilt hat, abgesehen davon seinen Prinzipien später selber wieder untreu wurde und zusätzlich noch ein so heftiger Antisemit war das die Nazis seine Thesen und Schriften zu dem Thema sehr begeistert aufgegriffen haben. Das ist für mich deutsche Geschichte, die in der 6. oder 7. Klasse gelehrt werden kann, aber nicht in der dritten. Abgesehen davon hinkt dein Vergleich, Luther wird vor Drittklässlern glorifiziert während Hitler bewußt erst sehr spät in der Schule durchgenommen (bei uns damals ging es in der 10. richtig los) und logischerweise nicht glorifiziert wird. Das ist das Problem was ich damit habe.

Abgesehen davon ist es auch schon wieder eine komische verdrehte Geschichte die gelehrt wird, meine Tochter lernt für eine Arbeit in Ethik auswendig das Luther seine Thesen an die Kirchentür genagelt hat obwohl unter Historikern seit Jahrzehnten klar ist das diese Aktion mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ überhaupt nicht stattgefunden hat.

Und wenn den Kindern „gute Menschen“ vorgeführt werden sollen habe ich keine Probleme mit Albert Schweitzer oder meinetwegen sogar Mutter Theresa, die ihre Zugehörigkeit zur Kirche immer erst an zweite oder dritte Stelle stellten, als Beispiele anzuführen.
Abgesehen davon das ich es an sich schwachsinnig fände Kindern in der dritten Klasse irgendwelche „Idole“ nahebringen zu wollen.

und der Hammer war dann als mich meine Tochter letzte Woche
fragte wie denn die Erde entstanden sei, ich ihr versucht habe
die ganze Geschichte mit der Ursuppe und der Evolution
halbwegs eingängig zu schildern, sie mich nach 30 sekunden
unterbrach und meinte : „Nein, das war Gott. Er hat das Licht
und die Erde erschaffen“. Im dem Moment platzte mir dann fast
der Kragen (hab mich aber beherrscht.)

Wobei schon die Frage ist, ob Deine Tochter das so im
Ethikunterricht gelernt hat. Ob sie vielleicht nur etwas
missverstanden hat?

Ich habe sie noch einmal gefragt und was sie erzählte kam der Entstehungsgeschichte aus der Bibel sehr nahe. Also „Am Anfang schuf Gott die Erde und dann das Licht und die Tiere und dann die Menschen etc.“
Und da habe ich direkt schon wieder zwei Probleme : Da habe ich mit meinem schwerverständlichen Erklärungsversuchen über den Urknall und Evolution ja direkt verloren, weil das viel zu kompliziert ist und die Nummer mit Gott viel schöner klingt. Stimmt nur nicht, und ich frage mich warum den Kindern in der dritten Klasse genau der Quatsch erzählt wird der später in Biologie, Geographie, Physik und Astronomie widerlegt wird. Genau das ist einer der Gründe warum ich meine Tochter für Ethik angemeldet habe, damit ihr nicht ein solcher (für meine Begriffe) Käse ins Ohr gesetzt wird.

Einen Missionsversuch kann ich beim besten Willen nicht
entdecken. Gerade deswegen ist ja vielleicht auch eine
Kenntnis des Christentums im Sinne der Allgemeinbildung
durchaus notwendig:

Im Übrigen ist es nicht möglich, in Europa / Deutschland Ethik
zu unterrichten, ohne das – zumindest ursprünglich –
christlich vermittelte Werte eine Rolle spielen.

Finde ich persönlich nicht. Ich halte nicht viel von der Vermittlung sogenannter „christlicher“ Werte, ich lebe nach ähnlichen, für mich aber humanistisch motivierten Werten und erziehe meine Tochter auch in dem Sinne. Abgesehen davon sind viele christliche Werte meiner Meinung nach aus viel älteren Religionen/Überlegungen entstanden und von der christlichen Kirche einverleibt worden, die ja gern so tut als ob vor und neben ihr nichts als Chaos (gewesen) wäre.

Das heißt ich erkläre ihr das man anderen nichts „stiehlt“ weil es deren Besitz ist und man den Besitz von anderen achtet, so wie sie erwartet das andere ihren Besitz achten und das sie über ihre Gefühle für etwas das ihr gehört erfassen kann wie es anderen gehen würde wenn sie ihnen etwas wegnimmt, und das niemand das Recht hat einen anderen Menschen aus Gründen der Gier unglücklich zu machen. Das ist für mich respektvoller Umgang.
Und nicht weil Gott angeblich vor 2000 Jahren Moses per himmlischem Telefon gesagt hat „schreib mal auf : du sollst nicht stehlen“ oder weil Gott oben im Himmel sitzt und Tagebuch führt über die Dinge die wir falsch machen. Ich brauche und will das nicht als Argumentation.

Dazu kommen viele Dinge die mich an der Kirche und den Werten die sie vermitteln stören und die ich von meiner Tochter fernhalten will. Von oben angesprochener Entstehungstheorie ist es nicht weit zu Adam und Eva und Eva ist aus der Rippe von Adam entstanden und die Frauen sind weniger wert und kriegen bitte alle ganz viel Kinder und die Männer versorgen die Familie und das ist genau entgegengesetzt zu den ganz grundsätzlichen feministischen Werten die ich meiner Tochter vermitteln will.
(Und das oben angesprochene Dinge „Werte“ sind auf denen die christliche Religion fußt kann ja wohl keiner anzweifeln.)

Abgesehen von dem völligen Verschweigen von den ganz dunklen Flecken in 2000 Jahren christlicher Geschichte. Sie hat irgendwann „Die kleine Hexe“ kennengelernt, erfuhr dann irgendwo von Hexenverbrennungen und war ganz fertig für einige Wochen, und jetzt könnte ich ihr eigentlich direkt sagen das die Kirche die sie grade so toll findet genau der Antrieb hinter den Hexenverbrennungen war. Denn in der Schule sagen sie ihr das sicher nicht.

Ich erwarte an einer staatlichen Schule (und sei das Land noch so CDU-regiert und bayern-fixiert) einen objektiven, naturwissenschaftlichen Unterricht und einen Ethik-Unterricht frei von Religion. Ich bin Atheist, mir sind trotzdem die Grundzüge des (evangelischen) Christentums bekannt, aber an der Schule sind auch viele Kinder deren Eltern Katholiken, Moslems, Juden oder noch anderer Religion sind (kenn mich bei den asiatischen nicht aus, sorry), wie solls denen denn damit bitte gehen ? Und die Religionsfreiheit (also auch das Fehlen einer Religion) ist ja wohl auch im Grundgesetz festgeschrieben.

Ich werde auf jeden Fall die Lehrpläne studieren, mit der Lehrerin versuchen ruhig zu reden und fragen was da noch kommen soll.

Alexander

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erstmal dank an alle.

Ich habe mir inzwischen einen Überblick verschafft und es ist leider so wie Taju es schon erwähnte : In Sachsen besteht der Ethik -Unterricht in der dritten Klasse zumindest zu großen Teilen im durch-hecheln des Christentums. Höhepunkt wird offensichtlich das Video „Die zehn Gebote“.

Meine Antwort weiter unten läßt ja sicher schon erkennen was ich davon halte, zusammenfassend kann ich nur sagen das ich den lakonischen Satz im Lehrplan „dieser Unterricht hat nur aufklärenden und keinen missionarischen Charakter“ für eine Farce halte, weil nichts verglichen wird, sondern einfach nur das Christentum angeschaut wird. Und Kinder in dem Alter nehmen im Frontalunterricht ja eh erstmal alles für bare Münze.

Ich rede mal mit der Lehrerin und werde mich auch bei anderen Eltern umhören wie das das eigentlich finden. Mir wird wieder nur klar wie sehr Sachsen Bayern nacheifert und dabei versucht alles noch besser zu machen, das war damals zu meiner Schulzeit schon so, wir haben die Abiturprüfungen von Bayern geschrieben, wobei die 13 Jahre Schule hatten und wir in Sachsen nur 12. Naja.

Grüße und Danke nochmal für eure Meinungen, Alexander

H wie Hola.

Für den Beitrag unten hast Du einen Stern bekommen. Ich hätte das alles sicher etwas anders aufgeschrieben, doch bei der Mehrzahl der Absätze mußte ich spontan zustimmen.

Bei Deinem Exkurs zum Wandel des Bildungssystems in Sachsen nach der Tilgung des DDR-Systems muß ich Dir jedoch entschieden widersprechen.

Wenn sich an einem Land orientiert wurde, dann Gott sei Dank NICHT an Bayern. Das damals neugegründete Bundesland Sachsen lehnte sich in vielen Dingen hauptsächlich an Baden-Württemberg an.
Dies war zwar zum ehemaligen System immer noch eine deutliche Verschlechterung des Niveaus, jedoch von den angebotenen Alternativen aus den Alten Ländern mit Abstand die beste.
Dauerte auch nicht lange, bis man grundanständige eigene Süppchen kochte (Mittelschule, Berufliches Gymnasium, normales zwölfklassiges Abitur (Neudeutsch: G8), …).

Was die Anspielung auf die Prüfungen soll, weiß ich nicht - jedenfalls kam es zu keiner Zeit vor, daß in Sachsen tatsächlich eine bayrische Prüfung geschrieben würde. Weder eins zu eins, noch in Anleihen.

Gerade das bayrische System ist an mehreren neuralgischen Punkten (Durchlässigkeit, fachspezifische Gymnasien, Neuorganisation der Lehre in G8) vom Terminus „modern“ oder gar „führend“ (wie es dort gerne behauptet wird) Meilen entfernt.

Auch in Sachen Religion bist Du etwas auf falschen Dampfer. Im 16. Jahrhundert wurde Sachsen nachhaltig protestantisch. :wink:

MfG

Tach Alexander,

all Deine ideologischen Untermauerungen sind Dir jetzt mal geschenkt; sie sind nicht so richtig wesentlich.

Daß Du Deine Tochter zu einem mündigen Menschen erziehen willst, ist gut und richtig und schön und lobenswert. Daran gibt es nichts abzumarkten.

Ich verstehe nur nicht, worüber Du Dich so aufregst: über den Lehrplan? Du hast doch slbst festgestellt, daß das, was Deiner Tochter jetzt in der dritten Klasse vermittelt wird, so auch im Lehrplan steht. Und der ist vom Kultusministerium des Freistaates Sachsen - und das ist Teil der Regierung, die aus einer freien, gleichen, geheimen und demokratischen Wahl hervorgegangen ist - so erlassen worden.

Im Übrigen will mir scheinen, Du nähmest das, was in der Schule gelehrt wird, zu wichtig: Führ Dir nur einmal vor Augen, wieviele unserer Nobelpreisträger auf den Gebieten der Chemie, Medizin, Physik den nämlichen Religionsunterricht durchlaufen - ob genossen, mag dahinstehen - haben samt der Schöpfungsgeschichte und der Erschaffung des Menschen sowie dem schuldhaften Verlust des Paradieses. Das hat sie nicht daran gehindert, in einem anderen und auf Grund dieses anderen Weltbildes zu reüssieren.
Traust Du Deiner eigenen Erziehung so wenig zu? Meinst Du nicht, daß Deine pädagogischen Möglichkeiten sehr viel breiter angelegt sind als die der Schule? Du verbringst mit Deiner Tochter sehr viel mehr Zeit als sie in der Schule zubringt.
Und meinst Du wirklich, Du müßtest jetzt, wo Deine Tochter in der dritten Klasse, also wohl acht bis neun Jahre alt ist, einen Kampf anfangen, um Deine Prizipien durchzusetzen? In diesem Kampf wird sie zerrieben werden. Laß sie diesen Unterricht mitmachen; laß sie die Schöpfungsgeschichte hören und meinetwegen lernen, versuch nicht, jetzt partout den Urknall dagegenzusetzen - erstens kommt der noch früh genug,zweitens wird sich der Wert des naturwissenschaftlichen Weltbilds auch Deiner Tochter erschließen, und drittens versuche einmal, den Gedanken wenigstens zuzulassen, daß auch Du Dich möglicherweise irren könntest bei dem, was Du für Deine Tochter das Beste hältst.

Gruß - Rolf

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Bei Deinem Exkurs zum Wandel des Bildungssystems in Sachsen
nach der Tilgung des DDR-Systems muß ich Dir jedoch
entschieden widersprechen.

Ich habe damals in der 8. Klasse eine Prüfung geschrieben und durfte dann von der 9. bis zur 12. aufs Gymnasium. Uns wurde damals immer gesagt wir müssen uns sehr anstrengen weil wir speziell in der 11. und 12. den gesamten Stoff lernen müssten den die Bayern in drei Jahren lernen und wir in diversen Fächern nicht „fertig“ geworden sind bzw. der Lehrplan recht gestückelt war weil die Lehrer uns das beigebracht haben was ihrer Meinung nach in den Prüfungen drankommen würde.

Zur Abiturprüfung 1995 war es dann so das in Deutsch und Geschichte bei den drei zur Auswahl stehenden Themen eins dabei war das wir nicht behandelt hatten, in Deutsch ein Buch das wir nicht gelesen haben und in Geschichte eine Frage zur deutschen Nachkriegsgeschichte, wir hatten im Unterricht aber mit Ach und Krach den zweiten Weltkrieg geschafft (hatte Geschichte Leistungskurs).
Und wie gesagt (auch wenns 11 Jahre her ist), ich glaube sehr fest mich zu erinnern das immer vom „bayrischen Abitur“ die Rede war.

Auch in Sachen Religion bist Du etwas auf falschen Dampfer. Im
16. Jahrhundert wurde Sachsen nachhaltig protestantisch. :wink:

Ja, das ist natürlich Käse und ein vermutlich auf Müdigkeit fußender Fehler. Ich ärgere mich immer mal wieder das man bei WWW seine Posts nicht mehr editieren kann. Man verzeihe mir.

Alexander

Hi,

ich würde zu der Lehrerin gehen und mit ihr ganz offen über deine Bedenken sprechen.
Mach ihr auch klar dass dein Kind nicht in Ethik geht weil du keine Kirchensteuer zahlen möchtest sondern weil du es aus grundsätzlichen Überlegungen wünscht. Es wird zwar für deine Tochter nichts mehr bringen - aber schreib doch einen Beschwerdebrief an das Kultusministerium und weise sie auf den doch stark protestantisch „überlastigen“ Ethikunterricht hin.

viele Grüße

Susanne

Hallo Alexander,

Mir wird wieder nur klar wie sehr Sachsen Bayern nacheifert und dabei versucht
alles noch besser zu machen, das war damals zu meiner
Schulzeit schon so, wir haben die Abiturprüfungen von Bayern
geschrieben, wobei die 13 Jahre Schule hatten und wir in
Sachsen nur 12. Naja.

da muss ich Dir aber widersprechen, falls sich der Ethik-Unterricht in Bayern nicht vollständig gewandelt hat seit den letzten 20 Jahren, als meine Tochter daran teilnahm.

Da hatten sie nämlich in aberwitzig frühen Jahrgängen immer Warnungen vor Drogen oder ähnlich doofes Zeug, so dass die sensibleren Kinder richtig Angst vor den Dealern an der nächsten Ecke bekamen, während andere, zu denen glücklicherweise auch meine Tochter gehörte, dies eher kritisch betrachteten. Da wäre mir schon lieber gewesen, sie hätten den Luther durchgenommen.

Und nocheines: Bayern ist überwiegend katholisch, dass hier Martin Luther außerhalb des ev. Religionsunterrichtes verherrlichend dargestellt wird, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

Gruß, Karin
ehemals evangelisch und seit Jahren ausgetreten mit ungetaufter Tochter

Ich denke zur Erklärung hilft ein wenig das ich mich selber mit 17 für lange Zeit (2 Jahre) sehr mit Kirche beschäftigt habe, ich habe damals bei einem sehr guten Pfarrer Religionsunterricht freiwillig mitgemacht, war in der jungen Gemeinde etc., aber habe dann entschieden das ich nicht an Gott glauben kann und die Kirche etc. nicht brauche um ein „guter“ Mensch zu sein.

Ich lasse auch meiner Tochter ihre Freiheit in dem Sinne und werde nicht in der Gegend rumschreien wenn sie später ihr Interesse in derselben Richtung verspürt und das gern kennenlernen will, nur stört es mich im Moment einfach das den Kindern in der dritten Klasse (und das ist für mich der Knackpunkt) solche Dinge erzählt werden. Das ist halt einfach das erste Mal das die überhaupt mit Fragen wie „wie ist die Welt entstanden“ konfrontiert werden und die einzige Antwort die sie in dem Moment bekommen ist die mit Gott. Ich wäre sonst nie auf die Idee gekommen ihr was von Ursuppe und Evolution zu erzählen (in dem Alter), weil es einfach ein viel zu komplexes Thema ist, aber wenn sie mich direkt nach dem Unterricht darauf anspricht kann ich ihr nichts anderes sagen, weil ich eben nicht glaube das ein Gott die Welt erschaffen hat und sie auch nicht mit „nee, aber das ist alles zu kompliziert, in drei oder vier Jahren lernst du dann wie es wirklich war“ abspeisen kann und will.
Und in dem Moment kommt sie halt in eine Krise weil die Lehrerin, der sie vertraut, und ihr Vater unterschiedliche Dinge sagen, und ich will auch auf keinen Fall das Ansehen der Lehrer bei ihr untergraben.

Alexander

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Hallo Alex,

ich bin etwas verwundert über deine Einstellung. Gut, du hast Ethik gewählt, weil du nicht religiös bist, aber was spricht denn dagegen, wenn ein Kind etwas über Religionen weiss?!
Ich kann mich sehr gut an meinen eigenen Ethikunterricht erinnern. Wir haben darin wesentlich mehr über Religionen (und zwar alle, je älter wir wurden) gelernt als die Schüler, die in evangelische Religionslehre gingen (die haben immer Kuchen gegessen, Tee getrunken und Mandalas gemalt). Zu der Zeit ging mir das auch mächtig auf den Keks, weil ich ja eigentlich Ethik gewählt habe, weil mich Gott nicht interessiert, sondern die Welt, aber glaube mir, es ist unglaublich wichtig, einen Überblick über die Weltreligionen zu haben. Das Christentum ist nun einmal die Religion, die uns hier am meisten geprägt hat, und ich finde es richtig, dass man lernt, woran andere glauben. Später werden sicherlich auch noch die anderen Religionen behandelt werden, aber warum soll man nicht mit dem naheliegendsten anfangen?!
Sollte die Lehrerin wirklich versucht haben, den Kindern weis zu machen, Gott habe die Erde erschaffen, dann sollte man wirklich den Kontakt suchen. Ich kann mir das allerdings nur sehr schwer vorstellen. Vielleicht hat deine Tochter da etwas missverstanden, vielleicht fand sie die Geschichte schön (ist sie ja auch, so schön abenteuerlich und irgendwie auch romantisch…) und hat in dem Moment „Christen glauben an“ mit „So ist es gewesen“ verwechselt?!
Sie wird im Laufe ihres Ethikunterrichts noch wahnsinnig viel von Religionen und Sekten lernen. Sage ihr, sie soll diese Zeit geniessen, denn später kommen dann Kant und Nietzsche und das ist wirklich harter Topak :smile:

Liebe Grüsse,
die Lidscha

Hallo,

Ohne hier einen Streit losbrechen zu wollen und mit bewußt
hart gewählten Worten : Martin Luther ist für mich ein eher
unbedeutender Mann der Zeitgeschichte der eine große Sekte
(Die Christliche Kirche) geteilt hat, abgesehen davon seinen
Prinzipien später selber wieder untreu wurde und zusätzlich
noch ein so heftiger Antisemit war das die Nazis seine Thesen
und Schriften zu dem Thema sehr begeistert aufgegriffen haben.

Dir ist schon klar, dass Deine zweite Bewertung Luthers (Nazis) der ersten widerspricht (unbedeutend)?
Jetzt mal unabhängig von der Frage, ob Luther ein Thema im Ethikunterricht sein sollte, so gehört er bzw. die Epoche (fachdidaktisch habe ich eh grundsätzliche Einwände gegen eine „Geschichte großer Persönlichkeiten“) ganz sicherlich zur Allgemeinbildung.
Grundlegende Unterschiede zw. rk und ev. und das spezifisch protestantische Profil kann aber sicherlich sehr gut mit Hilfe von Luther unterrichten.
Luther war kein Antisemit (eine zumindest historisch wichtige Unterscheidung), er hat jedoch übelste antijüdische Texte verfasst, die im übrigen nicht von den Nazis rezipiert wurden, sehr gerne aber von (lutherischen) Theologen nach 33.

Das ist für mich deutsche Geschichte, die in der 6. oder 7.
Klasse gelehrt werden kann, aber nicht in der dritten.
Abgesehen davon hinkt dein Vergleich, Luther wird vor
Drittklässlern glorifiziert während Hitler bewußt erst sehr
spät in der Schule durchgenommen (bei uns damals ging es in
der 10. richtig los) und logischerweise nicht glorifiziert
wird. Das ist das Problem was ich damit habe.

Wobei ich Dir insofern recht gebe, dass grundsätzlich von Glorifizierungen abgesehen werden sollte (gegen eine Luther-Glorifizierung arbeite ich auch als Dozentin zukünftiger Religionslehrer).

Abgesehen davon ist es auch schon wieder eine komische
verdrehte Geschichte die gelehrt wird, meine Tochter lernt für
eine Arbeit in Ethik auswendig das Luther seine Thesen an die
Kirchentür genagelt hat obwohl unter Historikern seit
Jahrzehnten klar ist das diese Aktion mit „an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit“ überhaupt nicht stattgefunden
hat.

Dabei handelt es sich um eine wissenschaftliche Legende. Selbstverständlich hat Luther seine Thesen an das schwarze Brett der Wittenberger Universität gehängt (was nun mal die Schlosstür war). Jedoch nicht, wie im 19.Jh. schon ikonographisch dargestellt, an eine leere Tür, sondern eben an eine voll mit diversen anderen Ankündigungen. Wir sind hier (im 19.Jh.) mitten in dt. Geschichte und Bismarckschen Kulturkampf gegen Rom.

Und wenn den Kindern „gute Menschen“ vorgeführt werden sollen
habe ich keine Probleme mit Albert Schweitzer oder meinetwegen
sogar Mutter Theresa, die ihre Zugehörigkeit zur Kirche immer
erst an zweite oder dritte Stelle stellten, als Beispiele
anzuführen.

Nun ja, das stimmt nun aber bei beiden nicht. Mutter Theresa ist nicht anders zu verstehen als extrem fromme und kirchlich gebundene Frau.
Auch Albert Schweitzer hat niemals Zweifel an seiner Zugehörigkeit zur Kirche gelassen, insbesondere deswegen ja auch der Theologie den Rücken gekehrt, um als Kirchenmann für die Menschen tätig zu sein. Und selbstverständlich hat er sein Projekt in Afrika ganz klar missionarisch verstanden.

Abgesehen davon das ich es an sich schwachsinnig fände Kindern
in der dritten Klasse irgendwelche „Idole“ nahebringen zu
wollen.

Völlig einverstanden.

Ich habe sie noch einmal gefragt und was sie erzählte kam der
Entstehungsgeschichte aus der Bibel sehr nahe. Also „Am Anfang
schuf Gott die Erde und dann das Licht und die Tiere und dann
die Menschen etc.“
Und da habe ich direkt schon wieder zwei Probleme : Da habe
ich mit meinem schwerverständlichen Erklärungsversuchen über
den Urknall und Evolution ja direkt verloren, weil das viel zu
kompliziert ist und die Nummer mit Gott viel schöner klingt.
Stimmt nur nicht, und ich frage mich warum den Kindern in der
dritten Klasse genau der Quatsch erzählt wird der später in
Biologie, Geographie, Physik und Astronomie widerlegt wird.
Genau das ist einer der Gründe warum ich meine Tochter für
Ethik angemeldet habe, damit ihr nicht ein solcher (für meine
Begriffe) Käse ins Ohr gesetzt wird.

Was, das möchte ich schon betonen (sonst würde ich meine Kinder sofort vom Religionsunterricht abmelden), auch nicht Inhalt eines RU ist.
Mir ginge es bei der Schöpfungsgeschichte auch um etwas anderes…

Im Übrigen ist es nicht möglich, in Europa / Deutschland Ethik
zu unterrichten, ohne das – zumindest ursprünglich –
christlich vermittelte Werte eine Rolle spielen.

Finde ich persönlich nicht. Ich halte nicht viel von der
Vermittlung sogenannter „christlicher“ Werte, ich lebe nach
ähnlichen, für mich aber humanistisch motivierten Werten und
erziehe meine Tochter auch in dem Sinne. Abgesehen davon sind
viele christliche Werte meiner Meinung nach aus viel älteren
Religionen/Überlegungen entstanden und von der christlichen
Kirche einverleibt worden, die ja gern so tut als ob vor und
neben ihr nichts als Chaos (gewesen) wäre.

Ich schrieb von ursprünglich christlich vermittelten Werten.
Die heute humanistisch vermittelten Werte sind nun mal solche, die früher christlich vermittelt wurden (hier geht es, wie Du selbst schriebst, um die Motivation).
Einen grundlegenden Wert, nämlich das prinzipielle und gleichberechtigte Lebensrecht aller Menschen, ist dabei nur Geistesgeschichtlich durch das Christentum, hier insbesondere durch Luther und die Reformation, später durch Pietismus und Aufklärung denkbar. Hinzu kommt die französische Revolution, der wir diesen Verdienst ja auch nicht absprechen wollen, obwohl sie (klar antikkirchlich) den Nationalismus erfunden hat und so auch zur Ausbildung der NAtionalstaaten und damit das Dritte Reich beigetragen hat.
Jeder olle Grieche würde Dich für diese, mittlerweile klar humanistisch, völlig intranszendent begründbare Überzeugung auslachen. Wolltest Du sie historisch herleiten, geht es eben nicht ohne Christentum.

Und nicht weil Gott angeblich vor 2000 Jahren Moses per
himmlischem Telefon gesagt hat „schreib mal auf : du sollst
nicht stehlen“ oder weil Gott oben im Himmel sitzt und
Tagebuch führt über die Dinge die wir falsch machen. Ich
brauche und will das nicht als Argumentation.

Klar.

Dazu kommen viele Dinge die mich an der Kirche und den Werten
die sie vermitteln stören und die ich von meiner Tochter
fernhalten will.
Von oben angesprochener Entstehungstheorie
ist es nicht weit zu Adam und Eva und Eva ist aus der Rippe
von Adam entstanden und die Frauen sind weniger wert und
kriegen bitte alle ganz viel Kinder und die Männer versorgen
die Familie und das ist genau entgegengesetzt zu den ganz
grundsätzlichen feministischen Werten die ich meiner Tochter
vermitteln will.

Da kann es ja vielleicht wirklich nicht schaden, wenn Deine Tochter ein wenig über die evangelische Kirche erfährt? Schließlich wirst Du diese „Werte“ von niemanden in einer evangelischen Landeskirche vertreten finden. Deine Tochter könnte so lernen, Vorurteile abzubauen.

(Und das oben angesprochene Dinge „Werte“ sind auf denen die
christliche Religion fußt kann ja wohl keiner anzweifeln.)

Diese Behauptung ist abenteuerlich und widerspricht der Realität.
Die christliche Religion „fußt“ ganz sicherlich nicht auf dem dargestellten Frauenbild (auch die rk Konfession nicht). Dass die Kirchen einmal ein anderes Frauenbild vertreten haben, ist natürlich klar. Aber bitte, dann darfst Du auch kein Humanist sein, denn auf welchen Begründer des Humanismus (angefangen bei Erasmus bis hin zu den Aufklärern) willst Du Dich berufen, ohne genau dasselbe Frauenbild vorzufinden) UNd die moderne Biologie war auch erst einmal damit befasst, die Unterlegenheit diverser Rassen und Frauen naturwissenschaftlich zu beweisen.

Abgesehen von dem völligen Verschweigen von den ganz dunklen
Flecken in 2000 Jahren christlicher Geschichte. Sie hat
irgendwann „Die kleine Hexe“ kennengelernt, erfuhr dann
irgendwo von Hexenverbrennungen und war ganz fertig für einige
Wochen, und jetzt könnte ich ihr eigentlich direkt sagen das
die Kirche die sie grade so toll findet genau der Antrieb
hinter den Hexenverbrennungen war. Denn in der Schule sagen
sie ihr das sicher nicht.

Das sollte man ihr natürlich.
Aber wenn Du Dich nicht mit dem großen Antijudaisten Erasmus (und gegen ihn war Luther „harmlos“) nur deswegen auf eine Stufe stellen lassen willst, weil Du Dich zu humanistischen Werten bekennst, sondern bei aller historischer Kontinuität auch für Dich einfordern willst, dass Du aus Geschichte lernen kannst, warum nicht auch anderen Menschen / Institutionen.

Ich erwarte an einer staatlichen Schule (und sei das Land noch
so CDU-regiert und bayern-fixiert) einen objektiven,
naturwissenschaftlichen Unterricht und einen Ethik-Unterricht
frei von Religion. Ich bin Atheist, mir sind trotzdem die
Grundzüge des (evangelischen) Christentums bekannt,

Nach Deinen bisherigen Äußerungen sind Dir diese Grundzüge gänzlich unbekannt.

Grüße
Taju

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Hi,

nun, das problem mit dem ethikunterricht besteht zunächst darin, dass die ethisch-moralischen grundvorstellungen unserer gesellschaft auf eben christlichen grundsätzen basieren. Darauf basiert unsere gesellschaftstruktur und unsere gesetzgebung. Hierbei begibt man sich aber schnell auf philosophisches glatteis (der philosophieunterricht ist imho eh die bessere zum religionsunterricht).

Religion in der schule war seit jeher ein „laberfach“. Dies findet über die philosophie in der ethik seinen höhepunkt.

Weiter unten aber gibst du ja schon den entscheidenden hinweis, wenn du selbst sagst, du hättest auch nicht so viel ahnung von den religionen.
Hier machst du einen entscheidenden fehler. Warum soll man religion völlig ausblenden? Selbst wenn sie nicht der eigenen weltvorstellung entspricht, ist es richtig und notwendig deinem kind zu vermitteln, dass es religionen in der welt gibt, und dass es menschen gibt, die danach leben.
Kurz: Wenn ich etwas ablehnen möchte, muss ich wissen, WAS das überhaupt ist. Alles andere wäre verantwortungslose nachplapperei von papis schwadronieren.

Nun zu dem anderen problem:
Deine tochter is in der dritten klasse. Was tatsächlich gesagt wurde und was sie nach hause bringt sind zunächst einmal zweierlei paar schuh.
Du solltest also das gespräch mit der lehrerin suchen, um dir von ihr erläutern zu lassen, was gelehrt wird und welcher gedanke dahinter steckt.

Soweit…

LG Alex:smile:

hallo,

Da hatten sie nämlich in aberwitzig frühen
Jahrgängen immer
Warnungen vor Drogen oder ähnlich doofes Zeug,
so dass die
sensibleren Kinder richtig Angst vor den Dealern an der
nächsten Ecke bekamen, während andere, zu denen
glücklicherweise auch meine Tochter gehörte, dies eher
kritisch betrachteten.

eine gesunde angst vor dealern schadet eigentlich niemandem:smile:
ich meine, ich bin 27 und mache einen bogen drumrum.

Und nocheines: Bayern ist überwiegend katholisch,
dass hier
Martin Luther außerhalb des ev. Religionsunterrichtes
verherrlichend dargestellt wird, kann ich
mir überhaupt nicht
vorstellen.

du weisst schon, dass er damals staatsfeind nr 1 war:smile:
und das ist auch nicht zu verdenken. es gibt leute, die haben angst vor reformen.
das, was meines erachtens reformbeduerftig ist, ist der ethikunterricht.
was nuetzen uns luther und goethe in unserem ethischen verstaendnis(der grundschule!!!), wenn ich den fernseher einschalte und von mord und todschlag und vera-am-mittag erdrueckt werde.
ethik sollte ein fach sein, in dem man eben parallelen zwischen heute und gestern ziehen sollte und VOR ALLEM aktuelles betrachten muss.
meines erachtens…

mfg:smile:
rene

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Kurz: Wenn ich etwas ablehnen möchte, muss ich wissen, WAS das
überhaupt ist. Alles andere wäre verantwortungslose
nachplapperei von papis schwadronieren.

Ich gehe nach deiner Antwort mal davon aus das du Christ bist und möchte dich hiermit dringend auffordern mit deinem erstgeborenen Kind zu seinem achten Geburtstag bei mir zu Hause zu erscheinen, wo ich ihm in ein paar kleinen Nachhilfestunden genau, kindgerecht und natürlich nur zur Information und ohne „Missionsgedanken“ erkläre warum es Gott nicht gibt, das die reale Person Jesus Christus nicht mal ansatzweise mit dem übereinstimmen kann was heute von ihr erzählt wird und die Bibel deswegen nichts weiter als ein lustiges kleines Märchenbuch ohne weiteren Sinn ist und was die Institution Kirche in den letzten 2000 Jahren so alles verbockt hat.

Weil, sonst wäre sein Wissen und seine Vorstellung von der Welt ja nur „verantwortungslose nachplapperei von papis schwadronieren“.

Gruslig, oder ? In diesem Sinne.

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