Hallo Jürgen,
Na gut, wobei ich tatsächlich meinte, dass a) der Mensch viel
für plausibel hält, was an sich nur am wahrscheinlichsten
scheint
hmm, es gibt Regeln dafür, Wahrscheinlichkeiten lassen sich berechnen. Kein Naturwissenschaftler fragt sich bei der der Prüfung von Thesen, welche er für wahrscheinlcher HÄLT.
und b) der Mensch auch nur das bewerten kann, was er
wahrnimmt (was ja eh nur ein sehr kleiner Bereich der Realität
ist)
Ja, das ist ein Problem. Man muß immer sehr aufpassen, wenn man Dinge bewertet, die man nicht direkt wahrnehmen kann (das heißt aber nicht , das es nicht ginge). In manchen Fällen können wir durch indirektes Schließen tatsächlich weiterkommen, verlieren aber mehr und mehr den „Bezug“ zu den Größen, mit denen wir rechnen, weil wir sie ja nicht nur nicht wahrnehmen können, sondern auch weil unser Gehirn nicht dazu gemacht ist, solche Strukturen zu „begreifen“.
Dass die Evolution vieles sinnvoll erklärt, ist klar. Nur
könnte auch die Evolution generell wirksam sein, die Erde aber
erst seit den letzten 6800 Jahren existieren.
ok, nehmen wir das an.
Was ich mich
halt frage: Könnte der Mensch es erkennen, wenn der natürlich
extrem unwahrscheinlichere Fall der spontanen Entstehung
eingetreten wäre? Ich denke nein.
Ich denke doch. Dieses Ereignis muß 1. eine Ursache gehabt haben und 2. Wirkungen, die sich von denen einer evolutiven Entstehung unterscheiden.
Du müßtest, um in diesem Zenario konsistent zu bleiben, behaupten, das GESAMTE Universum sei vor 6800 Jahren *schwupps* in seiner damaligen Form entstanden und hätte sich seither nach den Gesetzen entwickelt, die wie beobachten. Interessanter Weise ist nicht zu erkennen, daß wenn wir - fälschlicherweise - auf Daten vor 6800 Jahren zurückrechnen (extrapolieren), alles konsistent bleibt, als hätte die Welt sich dort schon entwickeln können.
Nun, hier sagt mir schon mein gesunder Menschenverstand, daß das etwas weit hergeholt scheint. Das läßt sich aber letzlich weder beweisen noch widerlegen, weshalb diese „Theorie“ mit der Spontanentstehung nicht naturwissenschaftlich ist. Man kann also naturwissenschaftlich nicht gegen eine solche Ansicht argumentieren.
Und das hat für mich selbst
schon interessante Konsequenzen für meinen
naturwissenschaftlichen „Glauben“.
Genau, hier geht es viel mehr um „Glauben“ als um Naturwissenschaft. Für mich ist es wenig sinnvoll, an etwas zu glauben, solange ich keinen Grund dafür habe, das zu Glauben. Diese „Glaubensfragen“ weisen aber dann auch den Weg zu neuen Erkenntnissen, d.h. sie sind prinzipiell mindestens widerlegbar.
Und deswegen sähe ich ganz
gerne Zweifel bei überzeugten Anhängern der
Naturwissenschaften, die ja gerne mit „Wissen“ argumentieren,
denn manchmal zweifle ich eben selber (wobei nicht unbedingt
bei dem sicher an den Haaren herbeigezogenen Beispiel:wink:)
Gute Wissenschaftler zweifeln grundsätzlich. Zweifel ist die Triebfeder und die Vorraussetzung für gute Wissenschaft!
Grüße
Jochen