Eure Meinung ist gefragt!:

Hallo liebe WWW-lers!

Neulich habe ich mir was überlegt und nun frage ich mich, wie es in einer Umfrage aussehen würde, nämlich:

Hält Ihr für richtig/schlecht, daß das Buch „Mein Kampf“ von A. Hitler nicht gedrückt werden darf?

Hier zwei Thesen, die mir so auf die schnelle einfallen:

Wäre gut, weil dann würde sich jeder eine Meinung bilden können, was Hitler alles dachte und wie er das befürwortete. Ausserdem ein Buch zu verbieten macht im Allgemein den Menschen neugieriger auf dieses Werk, als es wert ist. Noch ein Grund wäre, daß dies, wohl oder übel ein Stück Geschichte ist.

Wäre schlecht weil dann die Rechtsextremisten sich mit Infos „vollstöpfen“ könnten und würde unnötig diese grausamen Theorien weiter verbreiten. Ausserdem so ein Buch kann durchaus gefährlich werden, je nachdem unter welchen Händen sie auch fallen und wie es interpretiert wird. Noch ein Grund: Durch dieses Buch wurde der Menschheit schon viel zu viel leid zugefügt, als daß es irgendwo, wo Demokratie nicht so fest ist, etwas Ähnliches hätte wieder vorkommen können.

Was denkt Ihr?

Bitte nicht unbedingt auf meine Theorien zurückgreifen, sondern einfach Eure wirkliche Meinungen dazu geben!

Im Voraus besten Dank!

Ganz liebe Grüße
Helena

War das nicht auch Hitlers Methode Bücher zu verbieten und um es in Szene zu setzen in der Öffentlichkeit verbrennen zu lassen ?
Sollte man sich dieses Niveau zum Beispiel nehmen ?

Es ist ein Merkmal das Diktaturen zueigen ist .

Gruß
Merkur

Bücherverbrennung und -vernichtung
Hallo Merkur,

soweit mir bekannt, haben sich die berüchtigten Bücherverbrennungen der Nazis wenig von den harmlosen Feuerchen gegen „Comic“-Schund in den frühen 60er-Jahren unterschieden.
Die Allierten haben jedoch nach ihrem Sieg in großem Umfang Büchervernichtung betrieben; von etwa 30.000 Titeln wurden alle greifbaren Exemplare zerstört.
Dazu gehörten z.B. die Schulbücher - obwohl oder gerade weil sie verblüffend un-antisemitisch waren. „Mein Kampf“ hingegen scheint womöglich nicht dazuzugehören; es liegt in etlichen Bibliotheken aus.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

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Hallo Helena,
grundsätzlich finde ich dass Verbote eine Sache eher interessanter machen, als dass sie davon abhalten (was gelegentlich in der Kindererziehung zu gewaltigen Konflikten führt.) Ich glaube die legale Möglichkeit dieses Buch zu erwerben würde keinerlei weiterreichende Konsequenzen haben, da ich sicher bin, dass jede Gruppe, Vereinigung und weitere Leute mit dem entsprechendem rechtsradikalen Gedankengut sowieso Zugang dazu haben.
Auch denke ich nicht, dass ein Buch alleine zu den gewaltigen Aussmaßen an menschenverachtendem Denken führt, welches im 2. Weltkrieg zur Massenvernichtung von Juden, Szinti und Roma sowie anderen ausgesuchten Gruppen geführt hat, dazu braucht es auch meist den Schreiber des Buches oder eine Person die es versteht, den Inhalt des Buches so zu vermitteln, dass er eine wirkliche Gefahr darstellen könnte, sowie gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen, die rechsradikales Gedankengut bei den Massen fördern. Auch glaube ich, dass das Buch nicht wirklich eine Anleitung zu Massenmorden in der heutigen Zeit bietet.
Ich persönlich hätte es schade gefunden, es nicht vor Jahren einmal lesen zu können, hat es mir doch, auch wenn ich inhaltlich nicht mit dem Autor übereinstimme, ermöglicht vielleicht einen kleinen Teil dieser Person und der augenscheinlich damals von ihr ausgehenden Faszination zu erfassen.
Viele liebe Grüße
Iris

Hallo Helena,

abgesehen von leisen Zweifeln daran, dass dieses Buch nicht gedruckt werden darf (dürfen tut es schon, alleiniger Inhaber der Rechte daran ist aus welchem Grunde auch immer der Freistaat Bayern, und schon in Strasbourg kannst Du - sogar halbwegs seriöse - Ausgaben von „Mein Kampf“ in den Buchhandlungen kaufen):

Zuerst die Ansichten von zwei Zeitzeugen aus meiner Verwandtschaft, sie Jahrgang 1919, BDM-Führerin, Landfrauenjahr, zuletzt bis 1945 Lehrerin; er: Arbeitsdienst, dann Ulmer Pionier, 1942 in der Cyrenaika um ein Bein erleichtert, von der OP aufgewacht mit dem Gefühl großer Erleichterung „So werden sie mich jedenfalls nicht an die Ostfront schicken!“ - vor einigen Jahren mit dem Bundesverdienstkreuz behängt wegen Studien & Dokumentation zur Aktion T4, Ermordung psychisch Kranker. Beide haben übereinstimmend erklärt, dass „Mein Kampf“ - obwohl es bei jedem im Regal stand - im Dritten Reich viel zu wenig gelesen worden ist: Deswegen, weil man in Kenntnis seines Inhaltes Punkt für Punkt vorher hätte wissen können, wo man nachher „reingeschliddert“ ist - und von Anfang an eben nicht an das „Kleinere Übel“ Hitler hätte glauben brauchen.

Diese Aussage - „Mein Kampf“ ist viel zu wenig gelesen worden - gilt heute unverändert. Die Lektüre könnte dazu dienen, außerhalb von Betroffenheitsritualen sich ein Bild davon zu machen, was Hitlers Programm war. Möglicherweise auch zu der Ansicht zu gelangen, dass (Neo)faschismus nicht in erster Linie durch das Tragen irgendeiner Haartracht oder irgendwelcher Schnürsenkel gekennzeichnet ist.

Beleg: Die permanente und grundsätzliche Erfolglosigkeit der Faschistischen Partei in Italien, wo sie nicht verboten wurde. In diesem Land, welches eine bemerkenswerte Kultur des öffentlichen Diskurses kennt (und wo aus genau diesem Grund Herr Berlusconi eine mehr oder weniger clowneske Figur am Rand der Geschichte bleiben wird), darf sich jeder mit seiner Meinung der öffentlichen Diskussion stellen und sich dabei so lächerlich machen wie er gerade will. Es spricht nichts dagegen, diese Praxis auch in Deutschland zu übernehmen.

Hochinteressant eine Einführung zum Erbgesundheitsgesetz, den ich kürzlich wieder in die Finger bekam: Er liest sich genau gleich wie irgendein kommentierter Text aus dem Verwaltungsrecht heute - vielleicht mit ein paar schwülstig-romantisierenden Wendungen mehr. Wenn man sich die Ärzte, die Sterilisationen von „erblich Minderwertigen“ begutachten mussten, heute als irgendwelche rasiermesserschwingenden Sadisten vorstellt, wie sie von Hollywood gezeigt werden, führt dieses zu einem höchst zweifelhaften und gefährlichen Klischee vom bösen Nazi. Wenn man „Mein Kampf“ liest, kann man sich an der Quelle kundig machen. Selbstverständlich muss das Buch gedruckt und gelesen werden, und selbstverständlich sind von den heutigen (tatsächlichen oder auch nur selbst erklärten) Antifaschisten Argumente gefragt, denen auch das Original aus Hitlers Feder nicht standhält. Alles andere ist Schwindel.

Die These, von dem Buch würde eine „Faszination“ ausgehen, die man dem beschränkten Intellekt seiner Leser nicht zumuten könne, spricht nicht gegen das Buch, sondern gegen den Intellekt seiner Leser: Sie fällt also auf deren Lehrer zurück. Es ist übrigens mit dieser Faszination nicht weit her, Perry Rhodan ist zichmal faszinierender.

Schöne Grüße

MM

Hallo Diskutanten,

haben sich die berüchtigten
Bücherverbrennungen der Nazis wenig von den harmlosen
Feuerchen gegen „Comic“-Schund in den frühen 60er-Jahren
unterschieden.

was allerdings vor allem zeigt, wie wenig harmlos diese Feuerchen waren, da sie doch aus den präzise gleichen Beweggründen veranstaltet wurden, bloß halt ohne braune Uniformen - die zu Zeiten der Adenauerschen Käseglocke nicht mehr en vogue waren. Globkes Hilfspersonal konnte damals wie heute auch sehr gut ohne Braunhemd agieren.

Schöne Grüße

MM

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was allerdings vor allem zeigt, wie wenig harmlos diese
Feuerchen waren, da sie doch aus den präzise gleichen

Ich hatte in Erinnerung, daß es Zusammenrottungen erboster Eltern waren, die damals unter Mitwirkung Halbwüchsiger Nachkommen Mickymausheftchen den Flammen überantworteten. Danke für den Hinweis, daß das vielmehr Globkes Hilfspersonal, mithin also eine Kommandoaktion oder eine Verschwörung war. Welche schlimmen Folgen hatte das übrigens?

Berichtigung
… unter Mitwirkung halbwüchsiger Nachkommen …

im übrigen brüstet sich die Bundesrepublik seit ´48 seiner „wehrhaften Demokratie“. Eine absolute Pressefreiheit gehört meines Wissens dazu, und damit auch die Freiheit neben der Mao-Bibel auch alle anderen politischen Doktrien lesen zu dürfen. Ein Bekannter (Türke) brachte mich mal in Schwierigkeiten, als er mit mir über Religion und Politik diskutieren wollte, indem er mir erzählte, daß er neben dem Koran auch die Bibel und „Mein Kampf“ gelesen hätte. Ich hatte leider keins davon gelesen, ob verboten oder nicht. Jedenfalls stammt das allgemeine „Wissen“ über Hitler´s Buch bei allen, die nach ´45 geboren wurden entweder von den Eltern oder Großeltern oder aus Hollywood. Und in keinem Fall kann man dabei wohl von sachlicher Information sprechen.

Und wer sagt, daß diktatorische Merkmale und „Qualitäten“ nicht von Individuen einer Gesellschaft gezeigt und gelebt werden, einer Gesellschaft, die im Allgemeinen nicht diese Richtung vertritt ?

Gruß
Merkur

Moin!

Ich halte das Verbot inhaltlich für fragwürdig und technisch für überholt. Es ist ein Leichtes sich eine gedruckte Version im Ausland (via Internet) zu bestellen und zuschicken zulassen. Zudem Verfügt eigentlich jede Stadtbibliothek über Exemplare, die man auch ausgehändigt bekommt, wenn man irgendetwas von wissenschaftlicher Auseinandersetzung o.ä. erzählt.

Letztlich gibt es zudem pdf-Versionen im Internet, die sich jeder herunterladen kann (URL wird von den Moderatoren gelöscht und daher erst gar nicht angegeben). Für Faschos ist es daher ein leichtes das Buch zu erhalten.
Ein großer Verlust ist die Vorenthaltung aber für alle anderen auch nicht. Das Werk ist tatsächlich furchtbar schlacht geschrieben und nicht dazu angetan, dass man es liest um ein besseres Bild von Hitler oder dem NS zu gewinnen. Jedes Geschichtswerk taugt mehr.

Egonist

Hallo Merkur,

es fällt mir schwer, mir zusammenzureimen, was Du sagen möchtest.
Wir hatten schon herausgearbeitet, daß die Mickymausheftchenverbrennung eine von Globke geführte Kommandosache war. Globke ist eigentlich ansonsten nicht als Diktator aufgefallen, sondern als Rechtswissenschaftler im 3. Reich und als Berater Adenauers. Willst Du sagen, daß seine Erfüllungsgehilfen, die also mit dem Zündholz an den Papierhaufen gingen, lauter krankhafte Diktatorpersönlichkeiten waren?

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

Hallo Helena,

hast Du evtl. schon mal von dem Schauspieler & Regisseur Serdar Somuncu gehört/gelesen?

Somuncu tourt seit Mitte der Neunziger durch BRD und liest Auszüge aus „Mein Kampf“ bzw. aktuell aus Goebbels Sportpalastrede: http://www.somuncu.de/

Viele Grüße
Diana

Hallo Diana!

Vielen herzlichen Dank für Dein Hinweis.

Und nein, ich habe von Herrn Somuncu noch nie was gehört.

Aber es ging nicht darum, ob ich Interesse daran habe (oder nicht) das Buch „Mein Kampf“ zu lesen, sondern ob es heutzutage so ein Verbot sich rechtfertigen läßt oder nicht. Lt. jetzigen Stand der Umfrage bei WWW, offensichtlich ein rieses NEIN. Das freut mich sehr.

Jedenfalls werde ich mich mal umhören, ob Herr Somuncu hier mal in/um Nürnberg gastiert…

Also nochmals vielen herzlichen Dank für Dein Tipp!

Ganz schöne Grüße,
Helena

WOW!!! DAAAAAAAANKE!!!
Liebe WWW-lers!

Als erstes:

Viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiielen herzlichen Dank für eure rege Teilnahme!!!

Ich kann mich schon jetzt kaum einzel dafür bedanken!

Jedenfalls habe ich, selbstverständlich, alle Postings gelesen und sehr Interessantes dabei erfahren (zB daß in der 60-er Jahren in der BRD sogar Comics verbrannt wurden!) Ich gebe zu, daß habe ich erst jetzt erfahren und wundert mich maßlos…

Ansonsten stelle ich fest, daß die absolute Mehrheit von denen, die an diese „Umfrage“ teilgenommen haben, auch dafür sind, dieses Verbot aufzuheben und „Mein Kampf“ wieder drücken zu lassen. Das freut mich sehr. Und nicht nur weil auch ich so denke, sondern vielmehr, weil ich der Meinung bin, daß ein Volk, das in Freiheit und ohne Gewalt leben will, muß/soll in der Lage sein, diese ausüben zu können. Das schließt die Lesefreiheit absolut mit ein. (Uuuups! ich hoffe ich habe mich verständlich genug ausgedrückt!!)

Auch die Argumente, die Ihr dafür gebraucht habt, sind sehr intelligent, nicht emotional und äußerst fundiert. Deshalb aller Achtung und nochmals vielen, vielen herzlichen Dank für den bisherigen Postings!

Ganz, ganz liebe Grüße aus Nürnberg!
Helena *die sich über weitere Teilnahme freut!!!*

Hallo!

Eins vorweg: ich habe die anderen Artikel noch nicht gelesen, weshalb es sein könnte, dass ich schon Gesagtes wiederhole. Aber nun zu meiner Meinung zu diesem Thema.
Ich habe das Buch gelesen und fand es erschreckend, meiner Meinung nach die perverseste Propagandaschrift, die die Welt je gesehen hat. Ein Verbot halte ich für angebracht, gerade in Anbetracht der stark dogmatischen und suggestiven Schreibweise, die der Autor an den Tag legte. Mein Bedenken ist, dass politisch und moralisch/ethisch noch nicht stark gefestigte Menschen (v.a. Kinder und Jugendliche) negativ beeinflusst, oder im Wortlaut des Gesetzes „sozial desorientiert“, werden könnten. Das Argument einer möglichen Einschränkung der Meinungsfreiheit ist sowohl naiv als auch sinnfrei. Jeder kennt bestimmt Art. 5 Abs. 1 GG, die Einschränkung in Abs. 2 [„Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze…“] wird jedoch meist nicht beachtet. Dieses Buch verletzt jedoch in grober Weise geltende Vorschriften des Strafgesetzbuches (z.B. § 80, 130 StGB). Ebenso verstößt es mit seinem menschenverachtendem Inhalt massiv gegen Art. 1 GG.
Das vielfach angebrachte Argument, dass man sich Print- und Online-Versionen von „Mein Kampf“ leicht besorgen kann, da sie im Ausland nicht verboten seien, ist in meinen Augen gleichermaßen ein argumentativer Irrweg. Fakt ist, dass in diesen Ländern andere Gesetze gelten als in Deutschland (z.B. den Volkshetzeparagraphen), nur das zählt. Das Verbote umgangen werden, lässt sich freilich nicht vermeiden, das liegt in der Natur des Menschen. Jedoch besteht ein himmelweiter Unterschied darin, ob man das Buch nur aus wissenschaftlichen und informatorischen Gründen liest, oder ob es für jederman frei zugänglich ist wie jedes x-beliebige andere Buch. Problem ist heutzutage auch, dass es sich um eine Devotionalie handelt und meiner bescheidenen Meinung nach schon deswegen nicht uneingeschränkt öffentlich zugänglich sein dürfte.
Auch wird häufig angeführt, dass durch Verbote Rechte des Autors und des Verlages berührt werden. In diesem speziellen Fall kann man aber davon absehen, da a.) der Autor verstorben ist und b.) das ‚Werk‘ „weder pädagogisch wertvoll, noch in sonstiger Weise geeignet (ist), die Kritikfähigkeit von Jugendlichen zu fördern“.

mfG Dirk

Hallo Wolfgang,

Danke für den Hinweis, daß das vielmehr Globkes Hilfspersonal,
mithin also eine Kommandoaktion oder eine Verschwörung war.

Diese Schlussfolgerung scheint mir ziemlich krude, ich würde sie so nicht ziehen. Auch wenn es in Deutschland spätestens seit November 1938 eine unselige Tradition „organisierten Volkszornes“ gab, kann man keineswegs daraus schließen, dass jedesmal, wenn eine Plebs aus gemeinsamen Beweggründen handelt, dahinter eine Kommandoaktion vermutet werden müsse.

Hilfspersonal für die seit Praktizierung des „Huckepackverfahrens“ in dramatisch hoher Zahl (mehr als vor 1945) in Amt und Würden nicht nur in Ministerien, sondern vor allem in der Judikative befindlichen Parteigenossen war die genannte Plebs auch ohne Verschwörung und Kommandosache.

Und zwar in einem zentralen Inhalt nationalsozialistischer Politik: Der Bekämpfung des Rechts auf freie Meinungsäußerung in Wort und Bild - ja ganz recht, auch für Walt Disney. Natürlich auch für Trotzkij, Hitler, de Sade, Hendrix, Lennon, Preußler, Wieland, Mann, Tucholsky, Kisch, Ossietzky, Kästner, Helvetius, von Schirach, Löns etc. pp.

Dass dieses Grundrecht (auch gewalttätige) Feinde nicht nur in den Reihen der Nationalsozialisten hat, ist klar.

Welche schlimmen Folgen hatte das übrigens?

Die gewaltsamen Aktionen der sechziger Jahre, außer den Verbrennungen von „Schund und Schmutz“ durch die treuen Verehrer von Heidi und Prinz Eisenherz gabs ja auch üble Anschläge auf Aufführungen von Bergmans „Schweigen“ und Hochhuths „Stellvertreter“, blieben glücklicherweise ohne unmittelbare Folgen. Die Zeit war schon nicht mehr danach, Minirock und Pille schimmerten bereits am Horizont und damit erstmals seit 1933 wieder eine Chance, persönliche Freiheit am eigenen Leib zu erfahren.

Dass es aber auf die lange Sicht nicht gelungen ist, derartige gewaltsame Anschläge auf Grundrechte so zu diskreditieren, dass sie außer Schande des Täters nichts bewirken, zeigt die traurige Entwicklung in den neunzehnhundertachtziger und neunziger Jahren - ich habe bewusst in die oben genannte Reihe von Autoren Otfried Preußler aufgenommen, dessen „Kleine Hexe“ nach dem Wunsch irgendeines Hausfrauenzirkels wegen „Förderung des Satanismus“ auf den Index hätte gesetzt werden sollen; diese Initiative war zeitnah mit und aus dem selben Geist geboren wie Alice Schwarzers „PorNo“-Kampagne, ohne dass man Schwarzer deswegen als Kopf einer Verschwörung beargwöhnen müsste.

Damit haben wir uns jetzt aber schon weit von der Geschichte weg hin zu Politik einerseits und Ethik andererseits bewegt. Ich lass es dabei bewenden, allenfalls noch ein Literaturhinweis für die Jüngeren - um sich einfach mal ein Bild machen zu können, vor welchem zeitgeschichtlichen Hintergrund die „Schund und Schmutz“-Kampagnen stattgefunden haben: Eckhard Siepmann, „Bikini - Kalter Krieg und Capri Sonne“. Zeugnisse, Beiträge, Bilder zu Westdeutschland in den fünfziger Jahren. Das Buch ist leider bloß noch antiquarisch zu kriegen.

Schöne Grüße

MM

Hi!

Also, wenn Hitlers „Mein Kampf“ - und folglich auch Alfred Rosenbergs „Der Mythos des 20.Jahrhunderts“, Julius Streichers „Der Stürmer“ und was es sonst noch so alles gab - für jedermann inklusive Kinder und Jugendliche zugängig gemacht werden soll, dann bin ich auch für die Freigabe von Pornoheftchen für jeden, unabhängig vom Alter. Ich halte nämlich die Nazi-Pamphlete für perverser als jedes Pornoblatt.

Grüße
Heinrich

so in etwa. Gedankenlos , führungshörig oder kleine Stammtischdiktatoren.

Gruß
Merkur

Nebenbei gefragt
Hallo Heinrich!

Vielen dank für Deine Antwort.

Doch zu Deiner Meinung hätte ich drei Fragen:

Frage 1: Meinst du nicht, daß diese Werke, eine Stelle in der Geschichte haben und allein deshalb schon Interessant wäre, sie zu lesen? (So wie zB. die Bibel, der Koran, der Thalmud oder Marx’s „Das Capital“)?

Frage 2: Stimmst du der Annahme zu, daß wenn irgendwas verboten wird, ist die Lust danach einfach größer?

Und Frage 3: Warum dürften/sollten Jugendlicher sich damit nicht auseinander setzen?

Schon im Voraus vielen Dank für Deine Mühe, mir eine Antwort zu geben.

Einen schönen Gruß aus Nürnberg!
Helena