Eure Meinung ist gefragt

Hallo WWW-lers!

Neulich mit Freunden kam das Thema „Hitler“. Über etwas ganz bestimmtes bildeten sich dann zwei „Parteien“. Dazu würde ich gerne eure Meinungen wissen.
(Ich GLAUBE basierend auf dieser Theorie/Frage würden mehrere Bestsellers geschrieben/ Filmegemacht)

Meint Ihr, hätte es kein Adolf Hitler gegeben, wäre die Geschichte des 20. Jh. so (oder ähnlich) verlaufen? Mußte dieser Menschen geboren sein, um all das zu erleben was wir aus den Geschichtsbücher wissen?

Oder aber:

Die Lage war so gespannt, daß egal wer an der Macht gekommen wäre, wäre vieles so wie es dann war bzw sehr ähnlich?

Was denkt Ihr dazu?
Im Vorfeld vielen Dank!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Helena,

diese Frage wurde bei uns im Geschichtsunterricht damals auch gestellt. Sogar die beiden Positionen wurden genannt. Die zuerst von Dir genannte Position hat z.B. der deutsche Historiker v. Treitschke unter dem Stichwort „Männer machen Geschichte“ (es waren noch wenig emanzipierte Zeiten damals) vertreten. Er meinte damit, daß geschichtliche Ereignisse stark von den handelnden Personen abhängen. Zu der zweiten Position habe ich jetzt keinen Namen mehr im Kopf, aber unser Lehrer hat sie mit dem Fluß der Geschichte verglichen, auf dem einzelne Personen zwar beeinflussen können, wo die sich auf dem Fluß befindlichen Boote treiben (nahe am Ufer oder in der Mitte), aber nicht, wohin der Fluß fließt.

In Bezug auf Hitler würde ich der zweiten These mehr zustimmen als der ersten. Es gab damals noch mehr autoritär / faschistisch regierte Staaten (z.B.Italien, Spanien) als Deutschland, die Demokratie befand sich auf dem Rückzug und eine Expansionspolitik stand nicht nur in Deutschland auf der Tagesordnung (sondern z.B. auch in Japan, Italien, Sowjetunion). Mit Hitler kam insofern einer dieser Typen an die Macht, die es woanders auch gab. Selbstverständlich waren die Folgen seiner Politik entsetzlicher im Vergleich zu denen anderer Diktatoren dieser Zeit. Er hat - um das Bild des Flusses zu bemühen - den Dampfer Deutschland geradewegs in einen Strudel gesteuert.

Grüße,

Oliver Walter

Hallo Helena,

das ist natürlich eine sehr schwierige Frage (gäbe es Europa in der heutigen Form
ohne Alexander, Caesar, Heinrich IV., Napoleon), die man eigentlich nicht
beantworten kann. Sicher erscheint mir vor allen Dingen, dass es so, wie es in
der Weimarer Republik zum Ende zuging, nicht lange gut gegangen wäre, so oder so.
Die ganze Situation zum Ende der Weimarer Republik hatte sich so dermaßen
zugespitzt, dass es zu einem Aufstand kommen musste - und im Allgemeinen
polarisiert sich soetwas an einer Führerfigur (der Mensch ist eben doch ein
Herdentier) - das ist im Zweifel der, der am lautesten schreien und die
phantastischsten Illusionen erzeugen kann.

Sicherlich wäre die Geschichte ohne Adolf Hitler anders verlaufen, in Details
vermutlich sogar ganz anders - ich wage allerdings zu behaupten, dass die Lunte,
die das Pulverfass gezündet hat, schon vor Hitler entzündet wurde und ohne ihn
vielleicht langsamer abgebrannt wäre; trotzdem hätte es irgendwann eine Explosion
gegeben, nur in welchem Ausmaß ist fraglich.

Ein Buch, das nicht ganz auf Deiner Frage basiert sondern sich mit einem
Deutschland auseinandersetzt, in dem Hitler den Krieg gewonnen hätte, ist von
Robert Harris „Fatherland“ (Vaterland)…

Schöne Grüße aus Nürnberg!

Ebenfalls schöne Grüße aus Nürnberg :smile:
Christian

Hallo !

Darüber zu diskutieren ist doch müüüüüssssig!

Wäre Hitler nur einen Tag später geboren, wäre es vielleicht schon ganz anders gekommen

mfgConrad

Hallo schöne Helena!
Ich glaube, dass es im geschichtlichen Ablauf beide Erscheinungen gibt:

  1. Es liegt etwas „in der Luft“ und wartet auf eine/einen die/der es ausarbeitet: Marie Curie, Albert Einstein … scheinen mir solche eher „kontinuierliche“ Fälle.
  2. Dann gibt es aber auch die sehr chaotischen Vorgänge, wo ein System durch einen (kleinen) Schubs (oft durch ein verbrecherisches „Genie“) in eine (oft falsche) Richtung umkippt. Ich bin (als Ausländer) überzeugt, dass Hitler ein solcher Spezialverbrecher war, der die Ungunst der Stunde für sich usurpierte.
  3. Es gibt eine bedenkenswerte Novelle von Stefan Zweig
    http://linz.info.at/students/jakob.auer/jack1.html#s…
    Die ist (immer noch) sehr lesenswert, besonders auch im Hinblick auf den eher beunruhigende Fall 2 oben.
    Gruss
    Erich

Hallo Helena!

Ich schließe mich den anderen an: Diese Frage wird wohl nicht eindeutig zu klären sein, denn gerade in der Politik ist alles so verstrickt, dass man im nachhinein die Fäden nicht mehr vollkommen entwirren kann.
Ich denke, dass wahrscheinlich schon eine Führungsperson an die Macht gekommen wäre, aber meiner Meinung nach ist Hitler eine ganz neue Form des Machtpolitikers gewesen, als es sie bis zur damaligen zeit gab. Ich denke z.B., dass wenn Brüning mal etwas mehr mit den Menschen über seine Politik geredet hätte, die Geschichte auch ganz anders weiterverlaufen hätte können. Es halten sich ja bis heute solche Märchen, wie dass es Hitler gelungen sei die Reperationszahlungen abzuwälzen, er die erste Autobahn gebaut hätte, etc.

Aber in einem Punkt bin ich mir sicher: Die zeit hat uns geprägt. Wir wüssten das nicht, was wir jetzt wissen, wenn er nicht gewesen wäre. Wir wissen, was Verblendung, Propaganda, Wegschauen, etc. bewirken kann. Und dass so eine Zeit nicht wieder kommen darf.

Gruß aus Bayreuth
Regina

Hi,
falls es jemanden interessiert, zu diesem Thema gibt es auch ein Buch, was wäre wenn Hitler nicht gewesen wäre: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499224100/302…
es ist zwar in Romanform geschrieben, aber ich fand den Gedankengang nicht schlecht, auch wenn es natürlich nur eine mögliche Lösung der Geschichte ist.
schönen Abend noch,
servus

Hallo WWW-lers!

Also zunächst mal vielen herzlichen Dank für eure Antworten.

Es war aber -zumindestfür mich- selbstredend, daß diese Frage nie zweifelsfrei beantwortet werden kann. Aber ansonsten habt Ihr der Sinn der Frage richtig verstanden, wenn ich mich so ausdrücken darf.

Wenn man davon ausgeht, daß man diese Frage nie 100% sicher beantwortet wird, so zumindest können/sollten wir genauso sicher daran etwas lernen. Und das macht IMO die Geschichte soooooo wichtig und zT so belastend. Oder mit anderen Wörter: Wer aus der Geschichte nicht lernt, der wird dieselbe Fehlern (immer wieder) machen, wie einst unsere Vorfahren.

Also nochmals vielen herzlichen Dank und einen schönen Gruß aus Nürnberg!
Helena
PS Meine Meinung zu diesem Thema ist eher den 2. Punkt: Ich denke, hier war die Lage soo gespitzt, gepaart mit der Tatsache, daß in anderen Ländern Demokratie ein Fremdwort war und evtl noch ein bißchen nach dem Motto „wir werden ja eh nicht angegriffen“ regiert wurde, daß hätte es kein Adolf Hitler gegeben, hätte jemand anders diese Rolle übernommen. Natürlich wären ein paar Kleinigkeiten/Anekdote anders gewesen, aber im Großen und Ganzen wäre es so gewesen wie wir es jetzt aus der Geschichte kennen. Auch deshalb, weil ein Mensch allein nicht alles wirken kann, wie Hitler es geschafft hat.

IMO genau das ist was die Verantwortlichen des hiesigen „Dokumentationszentrum Nürnberg“ uns mit auf den Weg haben geben wollen. Hier ein paar Links dazu:

http://www.br-online.de/land-und-leute/thema/ns-doku…
http://www.zdf.de/ZDFde/einzelsendung_content/0,1972…
http://www.nordbayern.de/dokuzentrum/

Wenn man davon ausgeht, daß man diese Frage nie 100% sicher
beantwortet wird, so zumindest können/sollten wir genauso
sicher daran etwas lernen. Und das macht IMO die Geschichte
soooooo wichtig und zT so belastend.

Aus der Geschichte hat der Mensch noch nie etwas gelernt.
Nach 1945 glaubte jeder Mensch, das war der Höhepunkt, das passiert nie wieder!! Welch ein Witz!

Und die friedliebenste Nation führte seitdem die meisten Kriege.

mfgConrad

Wenn man davon ausgeht, daß man diese Frage nie 100% sicher
beantwortet wird, so zumindest können/sollten wir genauso
sicher daran etwas lernen. Und das macht IMO die Geschichte
soooooo wichtig und zT so belastend. Oder mit anderen Wörter:
Wer aus der Geschichte nicht lernt, der wird dieselbe Fehlern
(immer wieder) machen, wie einst unsere Vorfahren.

Welchen Fehler haben unsere Vorfahren gemacht, den sie mit „besseren Geschichtskenntnissen“ hätten vermeiden können? Der Mensch wird immer „Fehler“ machen und es wird immer Leute geben die im Nachhinein alles anders gemacht hätten.

PS Meine Meinung zu diesem Thema ist eher den 2. Punkt: Ich
denke, hier war die Lage soo gespitzt, gepaart mit der
Tatsache, daß in anderen Ländern Demokratie ein Fremdwort war
und evtl noch ein bißchen nach dem Motto „wir werden ja eh
nicht angegriffen“ regiert wurde, daß hätte es kein Adolf
Hitler gegeben, hätte jemand anders diese Rolle übernommen.
Natürlich wären ein paar Kleinigkeiten/Anekdote anders
gewesen, aber im Großen und Ganzen wäre es so gewesen wie wir
es jetzt aus der Geschichte kennen. Auch deshalb, weil ein
Mensch allein nicht alles wirken kann, wie Hitler es geschafft
hat.

Das ist ebenfalls Spekulation. Die Geschichte ist oft genug sehr eng mit dem Schicksal einer einzigen Person verbunden (Siebenjähriger Krieg-Preußen-Elisabeth I. oder Oktoberrevolution-Erster Weltkrieg-Lenin)

Hi!

Welchen Fehler haben unsere Vorfahren gemacht, den sie mit
„besseren Geschichtskenntnissen“ hätten vermeiden können?

Diese Frage kann ich nur mit einem Beispiel antworten:
zB hutzutage hat der Bundespräsident in D m.W. nur eine mehr oder weniger representative Funktion. Und das, wenn ich richtig informiert bin, weil man auf jeden Fall vermeiden will, daß wie einst Hitler, ein Mensch zuviel Macht bekommt.

Im Grunde und IMO, viele Fehlern würden wir vermeiden, wenn wir im Vorfeld wüßten, welche Folgen diese mit sich bringen.

Der Mensch wird immer „Fehler“ machen

Nicht nur Menschen! Auch Tiere!

und es wird immer Leute
geben die im Nachhinein alles anders gemacht hätten.

Das sowieso. Aber zB wenn Du gewußt hättest, daß am 26.1.2005 ein Tsunami in Thailand das Land zerstören würde, hättest Du nicht versucht, dafür zu sorgen, daß ein Warnungssystem bereits in Betrieb gewesen wäre???

Das meine ich, mit dem Satz „aus den Fehler lernen“. Und für mich klarer und deutlicher wie in Deutschland in den 30-er Jahren gibt es nichts.

PS Meine Meinung zu diesem Thema ist eher den 2. Punkt: Ich
denke, hier war die Lage soo gespitzt, gepaart mit der
Tatsache, daß in anderen Ländern Demokratie ein Fremdwort war
und evtl noch ein bißchen nach dem Motto „wir werden ja eh
nicht angegriffen“ regiert wurde, daß hätte es kein Adolf
Hitler gegeben, hätte jemand anders diese Rolle übernommen.
Natürlich wären ein paar Kleinigkeiten/Anekdote anders
gewesen, aber im Großen und Ganzen wäre es so gewesen wie wir
es jetzt aus der Geschichte kennen. Auch deshalb, weil ein
Mensch allein nicht alles wirken kann, wie Hitler es geschafft
hat.

Das ist ebenfalls Spekulation.

Es ist insofern Spekulation, weil man das eben nur vermuten kann.

Die Geschichte ist oft genug
sehr eng mit dem Schicksal einer einzigen Person verbunden
(Siebenjähriger Krieg-Preußen-Elisabeth I. oder
Oktoberrevolution-Erster Weltkrieg-Lenin)

Wie du meine Frage verstanden hast ist nicht ganz richtig.
Denn meine Frage geht ein bißchen weiter, wie du andeutest, nämlich: Ist die Geschichte soooooo sehr eng mit einem Menschen verbunden, daß wäre dieser Mensch nie geboren worden, würde die Geschichte großtenteils so aussehen oder wäre es völlig anders verlaufen??

Und schon in Deinen Beispiele glaube ich Deine Meinung zum thema herauszulesen (Bitte entschuldige mich, wenn ich falsch liege!): Wenn Du meinst, daß in Zarenrußland eine Oktoberrevolution gab, nur weil ein Mann namens Vladimir gab, glaube ich, daß du dich mit der Geschichte dieses Landes nicht besonders gut auskennst.

Schöne Grüße aus Nürnbeg!
Helena

Diese Frage kann ich nur mit einem Beispiel antworten:
zB hutzutage hat der Bundespräsident in D m.W. nur eine mehr
oder weniger representative Funktion. Und das, wenn ich
richtig informiert bin, weil man auf jeden Fall vermeiden
will, daß wie einst Hitler, ein Mensch zuviel Macht bekommt.

Genau diese NS-Fixierung ist das Problem. Das ein möglicher Umsturz auch aus einer anderen Richtung und mit anderen Mitteln erfolgen kann hält keiner für möglich. Aber die Ukraine, Kirgisien oder jede Bananenrepublik in Afrika oder Mittelamerika haben es vorgemacht, Russland und Italien sind auch Demokratien und doch irgendwie auch nicht. Bei unserem wirtschaftlichen Abstieg, einhergehend mit Bildungs- und Sozialabbau haben wir irgendwann vielleicht ganz andere Probleme als die Wahl eines Bundespräsidenten.

Das Problem mit der Geschichte ist, daß sie in der Vergangenheit statt fand und sich in genau der selben Form nicht noch mal wiederholt.

Der Mensch wird immer „Fehler“ machen

Nicht nur Menschen! Auch Tiere!

Und Pflanzen!

Das sowieso. Aber zB wenn Du gewußt hättest, daß am 26.1.2005
ein Tsunami in Thailand das Land zerstören würde, hättest Du
nicht versucht, dafür zu sorgen, daß ein Warnungssystem
bereits in Betrieb gewesen wäre???

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich kein Warnsystem mehr gebraucht. Aber Spaß bei Seite: Dies ist in meinen Augen ein klassisches Beispiel aus der Rubrik „nicht aus der Geschichte lernen“. Seit Ewigkeiten gibt es in diesen Regionen Seebeben gepaart mit Flutwellen – und der Mensch baut Hotels am Strand…

Und schon in Deinen Beispiele glaube ich Deine Meinung zum
thema herauszulesen (Bitte entschuldige mich, wenn ich falsch
liege!)

Du liegst Falsch. Einzelne Personen haben zwar die Geschichte beeinflußt, man darf aber auch nicht die anderen Einflüsse außer acht lassen. Hinzu kommt daß Geschichte überliefert wird und jeder etwas hinzudichtet, interpretiert oder wegläßt.

Wenn Du meinst, daß in Zarenrußland eine
Oktoberrevolution gab, nur weil ein Mann namens Vladimir gab,
glaube ich, daß du dich mit der Geschichte dieses Landes nicht
besonders gut auskennst.

Ich bin nicht der Meinung, daß es im Zarenreich eine Oktoberrevolution gab – allein deswegen nicht, weil das Zarenreich schon seit der Februarrevolution 1917 nicht mehr existierte. Ich weiß nicht was Du über die russisch-sowjetische Geschichte weißt aber ich kenn sie so:

Lenin im Schweizer Exil, darf 1917 über Deutschland nach Russland einreisen, unter der Bedingung nach bolschewistischer Machtübernahme Frieden mit Mittelmächten zu schließen – was 1917 dann auch geschah.

Da z.B. Trotzki 1917 über die USA nach Russland einreiste, hätte es o.g. Absprachen mit Deutschland nicht gegeben und der Frieden von Brest-Litowsk wäre unwahrscheinlicher.

Schöne Grüße nach Nürnberg!

Ergänzung
Wollte noch ergänzen, daß es bis 1933 eine Opposition innerhalb der NSDAP zu Hitler gab, u.a. bestehend aus Strasser, Röhm und anfänglich auch Goebbels. Hätte sich dieses Trio durchgesetzt, wäre wahrscheinlich eine eher linksradikale Richtung (nach sowjetischen Vorbild) in Deutschland eingeschlagen worden (oder die NSDAP wäre vielleicht in der Versenkung verschwunden).

Hallo WWW-lers!

PS Meine Meinung zu diesem Thema ist eher den 2. Punkt: Ich
denke, hier war die Lage soo gespitzt, gepaart mit der
Tatsache, daß in anderen Ländern Demokratie ein Fremdwort war
und evtl noch ein bißchen nach dem Motto „wir werden ja eh
nicht angegriffen“ regiert wurde, daß hätte es kein Adolf
Hitler gegeben, hätte jemand anders diese Rolle übernommen.
Natürlich wären ein paar Kleinigkeiten/Anekdote anders
gewesen, aber im Großen und Ganzen wäre es so gewesen wie wir
es jetzt aus der Geschichte kennen. Auch deshalb, weil ein
Mensch allein nicht alles wirken kann, wie Hitler es geschafft
hat.

Sorry, daß ich mich erst verspätet zu Wort melde, aber ich denke, daß kann man so nicht stehen lassen, weil es als Fazit doch eher zu pauschal und fatalistisch ist und der Wirkung von Einzelpersonen auf den Lauf der Geschichte nicht gerecht wird.

Zunächst ist es richtig, daß die Weimarer Republik eine ganze Menge sagen wir mal Kinderkrankheiten hatte, aus denen herauszuwachsen sie nie die Zeit hatte. Der Versailler Vertrag hat dazu beigetragen, daß es nie zu einer außenpolitischen Entspannung kommen konnte und hat die Gemüter der Deutschen natürlich ohne Ende angeheizt.

Bestimmt hätte sich irgendjemand anderes außer Hitler sich dem Thema Versailles genauso verschrieben, möglicherweise hat er den immer vorhandenen Antisemitismus als Wahlkampfinstrument verwendet, aber um die Massen so in den Bann zu ziehen, wie Hitler es vermocht hatte, dazu gehört schon außerordentliches Talent.

Es kann nicht oft genug betont werden, daß hier nicht irgendeine Clique rechtsextremer Hansel sich ein wenig vom Treiben der ohnehin vorbeilaufenden Dinge haben treiben lassen. Es war Hitler alleine, der die treibende Kraft hinter dem gewaltigen Siegeszug der NSDAP war und es war allein sein Wille, den Feldzug gegen die Sowjetunion zu starten, entgegen der Skepsis der Wehrmacht. Alle Dinge nach 1938 sind in logischer Abfolge auf dieses Ziel hin passiert.

Der II. Weltkrieg ist sicher keine „Anekdote“ der Geschichte, sondern es war die ultimative Antwort der Welt auf die Politik Hitlers.

Hallo benrumson,

Bestimmt hätte sich irgendjemand anderes außer Hitler sich dem
Thema Versailles genauso verschrieben, möglicherweise hat er
den immer vorhandenen Antisemitismus als Wahlkampfinstrument
verwendet, aber um die Massen so in den Bann zu ziehen, wie
Hitler es vermocht hatte, dazu gehört schon außerordentliches
Talent.

Stimmt. Hitler konnte allerdings nicht nur das Volk in
seinen Bann ziehen, sondern auch die Generäle der
Wehrmacht. Und das ist ausschlaggebend (imho).

Es kann nicht oft genug betont werden, daß hier nicht
irgendeine Clique rechtsextremer Hansel sich ein wenig vom
Treiben der ohnehin vorbeilaufenden Dinge haben treiben
lassen.

Insbesondere die SS- und Parteiführung bestand zu gutem
Teil aus Top-Leuten, promovierte Rechts- und sonstige
Wissenschaftler. Also Leute, die heute auch in „ver-
gleichbaren“ Positionen sitzen. Im Vermögen, das
„teusche Volck“ zu täuschen, war Hitler einzigartig.

Es war Hitler alleine, der die treibende Kraft hinter
dem gewaltigen Siegeszug der NSDAP war und es war allein sein
Wille, den Feldzug gegen die Sowjetunion zu starten, entgegen
der Skepsis der Wehrmacht. Alle Dinge nach 1938 sind in
logischer Abfolge auf dieses Ziel hin passiert.

Das ist afaik so nicht ganz korrekt. Hitler wollte um
keinen Preis einen Krieg gegen England, auch weil er davon
ausging, dass derzeit dessen Kolonien an die USA und
Sowjetunion fallen würden, falls England fällt.

Der II. Weltkrieg ist sicher keine „Anekdote“ der Geschichte,
sondern es war die ultimative Antwort der Welt auf die Politik
Hitlers.

kleine Korrektur: die Antwort Churchills auf die Politik Hitlers.

Grüße

CMБ

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Hallo benrumson,

Hallo Semjon,

kurz vorweg: ich habe meinen Alias gedumpt, weil er bei meiner e-Mail-Adresse ohnehin nix bringt.

Stimmt. Hitler konnte allerdings nicht nur das Volk in
seinen Bann ziehen, sondern auch die Generäle der
Wehrmacht. Und das ist ausschlaggebend (imho).

Genau. Die Anfangserfolge der „politischen Phase“ zwischen 1936 und 1939 waren ja auch gigantisch: Wiederbewehrung des Rheinlands, Anschluß Österreichs, Sudetenland: hier war ein Mann, der endlich durchgesetzt hat, was die Deutschen schon lange wollten: ein geeintes großes Reich. Daß das ganze einen rassistischen Tenor hatte, störte in diesem Zusammenhang nicht. Ganz im Gegenteil: Dieser Größenwahn, von dem Hitler beseelt war, sprang ohne Zweifel auf viele Menschen über: auf Generäle wie auf sagen wir mal „normale Menschen“.

Insbesondere die SS- und Parteiführung bestand zu gutem
Teil aus Top-Leuten, promovierte Rechts- und sonstige
Wissenschaftler. Also Leute, die heute auch in „ver-
gleichbaren“ Positionen sitzen. Im Vermögen, das
„teusche Volck“ zu täuschen, war Hitler einzigartig.

Es waren VOR ALLEM die bürgerlichen Schichten, die sich vom Hitlers Phantasie eines reinrassigen großdeutschen Reiches haben anstecken lassen.

Es war Hitler alleine, der die treibende Kraft hinter
dem gewaltigen Siegeszug der NSDAP war und es war allein sein
Wille, den Feldzug gegen die Sowjetunion zu starten, entgegen
der Skepsis der Wehrmacht. Alle Dinge nach 1938 sind in
logischer Abfolge auf dieses Ziel hin passiert.

Das ist afaik so nicht ganz korrekt. Hitler wollte um
keinen Preis einen Krieg gegen England, auch weil er davon
ausging, dass derzeit dessen Kolonien an die USA und
Sowjetunion fallen würden, falls England fällt.

Das ist richtig. Hitlers Bestreben war neben der Ausrottung der Juden, Lebensraum und Rohstoffressourcen im Osten zu bekommen, und das war nun mal die UdSSR. Folglich mußte er, um dieses gigantische Land zu erobern, zunächst einmal Polen, die Tschechoslowakei und den Balkan besetzen.

Nur hatte er als Konsequenz die Kriegserklärung Englands und Frankreichs an der Backe. Aber ein Feldzug gegen England war nie sein primäres Interesse, das ist richtig.

Viele Grüße

Oli

Hi Benrumson!

Deine Meinung teile ich auch. Ich sehe es auch so.

Nur die Frage war -etwas salopp ausgedrückt!-: Wäre Hitler nicht geboren worden, wäre die Geschichte genauso wie wir es kennen oder wäre es grundsätzlich und entschieden anders gewesen?

Natürlich eine 100%-ige Antwort dazu werden wir nie geben können, nur Vermutungen.

Nur ich persönlich bin der Meinung, daß -eben aus den von Dir genannten Gründen- Hitler so von der Geschichte auserwählt wurde (wenn ich mich so ausdrücken darf). Hätte es kein H. gegeben, wären nur ein paar „Kleinigkeiten/Anekdoten“ anders. Und auf diese Weise weiter redend, er war ein im Reden ausser ordentlich begabter Mensch -leider!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

Hallo Helena,

Hätte es kein H.gegeben, wären nur ein paar
„Kleinigkeiten/Anekdoten“ anders.

Ich frage besser noch mal nach: Wie meinst Du das?
Ist das Deine Ansicht oder ist das die Ansicht,
die Du widerlegen willst?

Grüße

CMБ

Sorry
Pribjet Semjon!

Sorry. Vermutlich habe ich mich -wie so oft…- falsch ausgedrückt.

Ich meine und ist meine Ansicht, daß genauso wie eine Revolution nicht wg. ein einziger Mensch stattfinden wird, war H. sozusagen ein X-belibiger Mensch in der Geschichte. Wäre Hitler nicht geboren, hätte sich die Geschichte ein anderer mensch „ausgesucht“ um alles „geschehen zu lassen“.
Sorry ich kann mich wirklich nicht besser ausdrücken.
Schöne Grüße aus Nürnberg!
Paká!
Helena

PS Noch ein Versuch, mit anderen Wörter: Nehmen wir an, die Geschichte ist eine Theaterbühne. Es wird zB die französische Revolution gespielt. Viele Gestalten nehmen daran teil. Hätte es zB kein Robespierre gegeben, hätte es ein XY gegeben, die dessen Rolle übernimmt. Es liegt großtenteils nicht an der Mensch Robespierre, daß die Revolution so stattfand wie wir diesen Theaterstück so verläuft, sondern er hat eine leitende Rolle daran gespielt. Ohne Robespierre hätte es trotzdem eine franz. Revolution, ganz bestimmt, gegeben. Das ist meine Meinung und meine Ansicht.

Hallo Helena
Mögest du Recht haben mit der Vorstellung, dass Hitler nur „das Instrument“ und eigentlich ersetzbar war. Das dachten wohl auch alle die gescheiten Leute und die INDUSTRIELLEN (in D/GB/USA etc.) im Hintergrund: wenn er es zu dick treibt, stellen wir ihn kalt! Diesen Moment haben dann alle verpasst.
Wir sind uns wohl ziemlich einig, aber mir sind beide folgende Punkte wichtig (erlaube mir eine Meinung zu dieser traumatischen Phase in meinem damals jungen Leben südlich des Rheins).

  1. Hitler war ein ausgesucht gemeiner Verbrecher und dazu leider ein genialer Rattenfänger.
  2. Auch ohne Hitler wäre die Weltgeschichte vielleicht nicht sehr viel besser verlaufen, da es in jedem Land genug üble Typen gibt. ABER: Diese Variante sollte neben Punkt 1 vor allem als ein Lehrstück für uns alle sein, wachsam zu bleiben und notfalls Mut zu beweisen. Leichter gesagt als getan!
    Aus Basel grüsst freundnachbarschaftlich
    Erich