ein wichtiger Unterschied
… und deshalb gut, daß dus es mal so direkt sagst, Fritz:
bleibt doch immer ein fader Nachgeschmack.
denn da genauer zu differenzieren ist erheblich aufwendig und mit subtilen Differenzierungen ist in Kampfatmosphären nicht viel zu holen. aber ich versuchs mal:
Du hast jetzt einmal mehr den Religiösen „ihre Wahrheit“ zugestanden
Ja, soweit d’accord. Ich sage dasselbe aber lieber so: Religiöse Wahrheitsbegriffe haben mit philosophischen bzw. naturwissenschaftlichen nur die Vokabel gemeinsam. Das war es, was ja auch datafox nochmal deutlich pointierte.
Allerdings muß man nun differenzieren, was diese religiösen Wahrheitsbegriffe beinhalten und was nicht.
und von diesem Standpunkt aus ziehen sie wieder los und belästigen uns mit ihren Dogmen …
da ist bei mir ebenfalls jede Geduld zuende. Und sofern das in unserer Welt geschieht, die im Hintergrund von Philosophiegeschichte, Naturwissenschaft, Aufklärung usw. geprägt ist, habe ich dafür keine Verständnisbereitschaft und gehe ggf. damit möglicherweise ebenso radikal um wie du, oder noch kämpferischer: ich versuche zu vermitteln, daß sie von ihrer eigenen Religion nichts verstehen …
z.B.:
… dem Nosens, den sie aus ihren heiligen Büchern holen, wie die Creationisten
wenn diskutiert wird (egal wo, nicht nur in diesem Forum!), daß Adam usw. so alt wurde, weil die Menschen damals „Gott noch näher“ waren, oder gefragt wird, ob die Familie Adam, Eva, Kain usw. Inzucht betrieben haben müssen … dann hab ich nicht den Standpunkt, daß die Mytheme, an dene sich diese kuriosen Fragen entzünden, Unsinn sind, sondern daß diese Standpunkte ihre eigenen Mythen nicht verstehen. Denn sie machen als Mythen durchaus Sinn (welchen, das sei hier mal ausgelassen, sonst wird ein Buch draus), aber eben nicht als historische oder naturwissenschaftliche Aussagen. D.h. sie wissen genau das nicht, was ich - und datafox noch mal zusätzlich - herausstellte: bei Mythemen handelt es sich nicht (und handelte sich NIE, auch nicht in Zeiten, in denen sie zuerst notiert wurden), um Aussagen, die im heutigen Sinne der Beweispflicht unterliegen. Ein mythischer erster Pharao, der beim Initiationsritual des aktuellen historischen Pharao der rituellen Legitimation dient, wurde auch in Ägypten niemals als angeblicher historischer Vorfahr gehandelt … usw. Das Problem entsteht erst dadurch, daß diese Dinge von Unkundigen heute als historisch hingestellt werden …
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Das mythische Material in „heiligen Büchern“ zähle ich nicht zu dem religionssprachlichen Wahrheitsbegriff! Die Sakralisierung von Gegenständen, Handlungen, Personen (nein, das Unfehlbarkeitsdogma beruht bereits auf einem mythologischen Unsinn, es zählt nicht dazu!) und last but not least von Schriften: das sind ihrerseits Mytheme, die ihren mythen-logischen und ritualtheoretischen Sinn machen.
So ist ein Gottesbegriff (z.B. „allmächtig, allgegenwärtig, allwissend“) und eine daraus resultierende Anthropologie (zB jeder Mensch sei vor ihm gleichrangig usw. und daraus folgend ethische Grundsätze) und Kosmologie (z.B. die sinnliche Welt ist Schöpfung) jeweils Inhalt einer religiösen Wahrheit. Aber die Details einer mythischen Kosmogonie (Töpferscheibe, ausgebrütetes Ei, Insel aus dem Urmeer, oder 1. Mose 1.1-2.4 oder 1. Mose 2.4ff, oder Tötung der Authubla im Niflhem) sind Mytheme , die für diejenige Religionsgemeinschaft, die diese zu „ihren“ Mythen erklärt hat, gesellschaftsdefinierenden Sinn machen - sie werden daher sakralisiert zwecks rituellem Umgang damit, sie definieren aber nicht die religiöse „Wahrheit“.
Anders gesagt (da der rel. Wahrheitsbegriff an den Ausdruck „glauben“ gekoppelt ist): Wenn einer sagt, „ich glaube ‚an‘ Gott“ oder z.B. ein (johanneisch orientierter) Christ „ich glaube, daß Jesus der Gesandte Gottes ist“, dann drückt er damit eine religiöse Wahrheit aus, nämlich seine bzw. die seiner rel. Gemeinde. Wenn aber jemand sagt „ich glaube, daß Adam der erste Mensch ist“ oder „ich glaube, daß Maria ohne Mann empfangen hat“, dann redet er auch religionssprachlich gesehen Unsinn (das ist eine Kritik an der Formulierung bestimmter formalisierter Glaubensbekenntnisse), denn er verwendet den Ausdruck „glauben“ in einem anderen Sinne als im ersten Fall. Denn dieses letztere „glauben“ heißt so viel wie „etwas für wahr halten“, das erstere aber nicht! Es (das letztere) ist dann rituelle Sprechweise, die von realsprachlicher zu unterscheiden ist. M.a.W. ich sehe in der biologisch-medizinischen Diskussion um das Hymen intactum der Mutter Jesu eine Blasphemie, aber als Mythem (das noch nichtmal von den Christen erfunden wurde) lasse ich es gelten, und sehe es als durchaus sinnvoll an, aber nur, wenn man es als Mythem versteht, und nicht, wenn man es als biologisches Fakt versteht.
… die Unfehlbarkeit der tatterigen Oberpopen, der nicht mal die
gemeinsame Mahlzeit beim gemeinsamen Kannibalenfest zulassen will.
Über Unfehlabarkeit brauchen wir nicht zu diskutieren. Das „Kannibalenfest“ ist aber wiederum ein religionssprachlches Mißverständniss: Wenn man das höchst bedeutsame und uralte Mythem „Gott essen“ und die rituelle Tötung des Opferpriesters in griechischen, persischen, semitischen Kulten kennt (Orpheus, Zalmoxis, Dionysos, Adonis) sieht man die anthropologische Valenz besser. Weder das „hoc est enim corpus meum“ noch die Tötung, noch die „Auferstehung“ Jesu hat seine mythenhistorischen Wurzeln im Judentum (einer der Gründe, weshalb es zum Konflikt führte) - aber das sind religionsphilosphische und religionshistorische Feinheiten … zu komplex für hier …
Irgenwann ist Toleranz einfach Tollheit.
Ganz und gar deiner Meinung, da auch ich unter Toleranz „Aushalten“ verstehe … aber ich sehe: alle diese Probleme sehen im Licht der Religionsphilosophie anders aus. Und diese hilft 1. religiöse (und damit subjektive, bzw. auf „Gemeinden“ bezogene) Wahrheiten von solchen zu unterscheiden, die der Beweispflicht unterliegen, 2. religiöse Wahrheiten von Ritualen und Mythemen zu unterscheiden und damit auch rituelle Sprache von epistemischer Sprache und 3. schneller zu erkennen, wo von religionsgebundener Seite mythen- und ritaultheoretisch unredlich gehandelt wird (mit den bekannten mörderischen Folgen): Wer die Existenz Adams als historische oder Marias Jungfrauengeburt als biologische Tatsache behauptet, versteht seine eigene Religion nicht und begeht imho ein Sakrileg. Aber sowohl als Physiker, Philosoph, Psychologe oder Historiker der Geistesgeschichte kann einer dennoch den Mythos Adam und dem Mythos Maria-Virgo ernstnehmen und ihm Bedeutung und Respekt beimessen …
Ich weiß nicht, ob ich mich deutlich ausdrücken konnte, aber es ist ja noch nicht aller Worte Abend …
Soviel zum Nachgeschmack …
Grüße
Metapher