Hai, Beat,
ich glaube, ich komme langsam dahinter, welches Problem Du
hast - in Deinem Kopf versteckt sich irgendwo die Idee, daß
für die Entwicklung einer neuen Art vorher irgendwo so eine
Art Bauplan rumliegt; z.B. um einen Vogel zu kriegen brauchen
wir Flügel, also nehmen wir ein Tier und bauen es so und so um
und haben am Ende dann einen Vogel und sich das Ganze
sozusagen in Stufen von Art zu Art entwickelte…
Nein
So ist es nicht. Als die ersten Saurier die Vorderfüße vom
Boden abhoben, war das nicht, damit sich daraus später Flügel
entwickeln können, sondern nur, um schneller laufen zu können.
Ist mir klar
Das ist ein Verhalten, das man auch heutzutage bei einigen
Echsenarten (soweit ich weiß, handelt es sich um Kragenechsen)
beobachten kann - wenn die es eilig haben, richten sie sich
leicht auf, klappen die Vorderbeine an den Körper und flitzen
los.
Dieses zweibeinige Laufen hat sich als so großer Vorteil
erwiesen, daß sich dieses erste aufrecht laufende Tier
besonders erfolgreich vermehren konnte und sich aus den vielen
Nachkommen verschiedenste Arten bilden konnten.
Das leuchtet mir auch noch ein
Manche dieser
Arten haben gejagt, immer größere Mäuler (und mehr Zähne)
bekommen so daß es für diese Art kein Problem war, wenn die
Vorderläufe immer kürzer wurde, bis sie eigentlich nur noch
Anhängsel waren - ist in dieser Art ein Tier geboren worden,
dessen Vorderläufe nur halb so groß waren, wie die seiner
Verwandten, so war das völlig egal - sie wurden sowieso nicht
benutzt…
Na ja, wenn ich mir das so vorstelle, denke ich das auch diese Krüppelbeine einen kleinen Vorteil hatten (grobes Festhalten oder so)
Bei anderen Arten dieser Zweifüßer wurden die Vorderläufe z.B.
benutzt, um sich Äste heranzuziehen, um dann die Blätter
abzufressen - ist in dieser Art ein Nachkomme entstanden, der
nur halb so große Vorderläufe hatte, war das ein Nachteil -
schließlich konnte dieses Wesen sich nicht so gut ernähren.
Während in der ersten Beispiel-Art das Wegbleiben der
Vorderläufe kein Problem darstellte, sogar die Energie
eingespart wurde, die Vorderbeine wachsen zu lassen und zu
versorgen, und somit die Verkleinerung durch die Umstände
gefördert wurde, ist in der zweiten Beispiel-Art dieses
Wegbleiben nachteilig und wird durch den Selektionsdruck
verhindert.
So existierten über Jahrmillionen die verschiedensten
Zweifüßigen Arten vor sich hin. Manche wurden immer größer,
andere bekamen aufklappbare Hautkrägen, wieder bei anderen
wurden die Schuppen fransig.
Eben, die hunderte von Zwischenarten (alle abgestufte Grössen, leicht, mittel und stark aufgeklappte Hautkrägen, etc)
Die fransigen Schuppen waren wieder ein Vorteil (auf den wir
uns jetzt mal stürzen): während die „normal“-geschuppten auf
eine gewisse Mindest-Temperatur angewiesen waren, konnten die
fransig-geschuppten in Lebensräumen klarkommen, die kühler
waren - je fransiger, desto kuscheliger - die Federn waren
geboren. Und wieder existierten lauter gefederte Viecher
jahrhunderttausende vor sich hin - bis der erste bei einer
Fluchtaktion seine „Arme“ mal nicht anklappte sondern
ausstreckte und durch irgendeinen blöden Zufall (ist dadurch
übern Bach gesegelt und so seinen Jägern entkommen, oder über
'ne Klippe getürmt und eben nicht unten aufgeklatscht, sondern
gelandet) hat sich dieses Verhalten als vorteilhaft erwiesen,
so daß im Laufe der Zeit immer mehr seiner Nachfahren die Arme
ausgeklappt haben… während es vorher nachteilig gewesen
wäre, zu lange Vorderextremitäten zu entwickeln (wenn Du zur
Flucht die Arme an den Bauch legen willst, Dir dann aber
dauernd auf die Hände latschst, ist das nicht sooo günstig),
ist das bei der „neuen“ Art plötzlich ein Vorteil - hier
werden jetzt nicht mehr die langarmigen Opfer der Selektion,
sondern haben einen Vorteil.
Das leuchte mir wiederum ein
Nun warten wir noch mal ein paar
hunderttausend Jahre *Däumchen-dreh*
und wo sind die immer leicht mutiertren Zwischenarten die es in den hundertausend Jahren gegeben haben muss bis der Archäopterix da war?
Archäopterix ist da! OK - er hat noch 'n Schwanz und Zähne und
Krallen an den Flügeln, aber er kann schon richtig fliegen und
hat das typische Vogel-Brustbein. Aus seinen Nachkommen wurden
dann die vielen schönen Vögel - schließlich stand ja ein noch
ungenutzter Lebensraum zur Verfügung, und es konnten sich alle
möglichichen Varianten entwickeln.
Übrigens kann man nicht die komplette Evolution ausschließlich
mit „Survival of the fittest“ erklären - die ersten Säuger
hätten schlechte Karten gegen die zu der Zeit herrschenden
Saurier gehabt - freundlicherweise ist denen dann aber ein
Meteorit auf’s Haupt geknallt (gut - es kann auch ein
Vulkanausbruch gewesen sein) und die klimatischen Verhältnisse
haben sich so stark geändert, daß die Saurier keine Chance
mehr hatten und die Säuger (die praktischerweise 'ne
eingebaute Heizung haben) hatten plötzlich jede Menge Platz
für sich und ihre Nachkommen. Der Zufall spielt also auch eine
nicht zu verachtende Rolle.
Nun hab ich Dich langwierig vollgetextet und damit doch nur
ein Ziel verfolgt: es gibt, je nach Sichtweise, keine oder
ausschließlich „Zwischenarten“ - auf keinen Fall aber gibt es
„End-Arten“, nur Zwischenarten, die sich weiter entwickeln
können und damit die Basis für neue Arten bilden, oder Arten,
die aussterben. Auch wir sind nur das vorläufige Ende
einer Entwicklung - entweder sterben wir irgendwann aus, oder
aus uns entwickeln sich eine oder mehrere neue Arten.
Mit meinen Zwischearten meinte ich jeweils Arten die es gegeben haben müsste, die zwischen den bekannten gefundenen Fossilien anzusiedeln sind
Wo ich Probleme habe, ist, dass es bei langsamen
Veränderungen, die wie u sagtest sogar trotz Nachteilen
überleben konnten, wieso es dann nich gleich viele
Zwischenarten, wie der Endart gibt Bei einem Flügel müsste es
doch gleichviele mit kleinsten, kleinen und mittelgrossen
Flügel geben, auch wenn es von allen nur wenige Fossilien
geben würde.
Ich hoffe, Dir ist jetzt klar, wo sich die Zwischenarten auf
dem Weg zum Vogel „verstecken“ und daß es durchaus von all
diesen Zwischenarten ungefähr gleichviele Fossilien gibt
wenn ich die Funde ansehe, stimmt das gleichviele eben nicht.
(natürlich: je weiter zurück, desto weniger, je geringer die
allgemeine Verbreitung, desto weniger). Nun noch zur
gleichmäßigen Verteilung der Flügelgrößen: ist die Art auf’s
Fliegen angewiesen, werden Exemplare mit zu kleinen Flügeln
ziemlich schnell aussortiert
eben, dann können sie sich aber nie zu solchen mit grossen Flügel weiterentwickeln, da sie vorher aussorrtiert würden
(*grins* es gibt da diverse
Wasservögel, die auf ewig hohen, steilen Felsen nisten - sind
die Jungen ausgeschlüpft, werden sie einfach
runtergeschubst…);
ehrlich?
sind die Tiere aber nicht auf’s Fliegen
angewiesen, so verkleinern sich auch die Flügel im Laufe der
Generationen bis zur totalen Nutzlosigkeit (z.B. Sträuße);
das ist mir weider klar
erobert eine Tierart einen neuen Lebensraum und kann daher
eine Fähigkeit aufgeben, dann passt sich der Körper an und aus
Flügeln wird was Flossenartiges (siehe Pinguine). Um Dir
klarzumachen, wie sich sowas ohne Nachteile für die
„Zwischenstufen“ entwickeln kann, sieh Dir doch mal
verschiedene Wasservögel an - manche schießen nur kurz ins
Wasser um sich 'nen Fisch zu holen und vermeiden es möglichst,
allzu naß zu werden, andere stellen sich eben nach jedem
Jagdzug in die Sonne zum Trocknen und wieder andere können
unter Wasser ihre Flügel wie Flossen benutzen und schütteln
sich hinterher nur kurz.
Im weiteren müsste es ja fast bei jeder Entwicklung mal
Nachteile geben, auch wenn die nur kleine sind (wie zB die
Dinosaurierforderfüsse langsam zu Flügel) und diese
Nachteilige Zwischenentwicklung könnten sich zwar wie Du
schriebst manchmal halten (kein Selektionsdruck), aber in den
meisten Fällen wäre ja der Selektionsdruck da, oder?
Veränderungen können sich nur dann durchsetzen, wenn sie
keinen Nachteil darstellen - entweder, weil diese Veränderung
die Funktion nicht beeinträchtigt, oder weil zur Zeit kein
Selektionsdruck herrscht - alles andere geht flöten!
Eben und da meistens Selektionsdruck herrschte, müsste es flöten gehen, bevor es gut ist.
Vieleicht hast du ja aber darauf auch eine einleuchtende
Erklärung
So, nun hoffe ich, Dich genug erleuchtet zu haben - solltest
Du noch weitere Fragen haben - gerne - allerdings sollten wir
dann entweder das Brett wechseln, oder das ganze per Mail
fortsetzen - so direkt religiös ist das Thema wohl nicht
mehr… *smile*
lach, stimmt, aber ist einfacher hier zu bleiben.
Gewisse Dinge leuchten wir ein, andere wie Du lesen kannst weniger.
Auf bald
Gruß
Beat