Hallo,
ich lese hier schon länger mit und hab mich jetzt entschlossen auch mal was zu schreiben.
Und zwar, wie man in meiner Überschrift lesen kann, hab ich extremes Fernweh.
Ich bin 22, habe nach der Matura ein Jahr auapair gemacht, und habe dann 3 jahre als flugbegleiterin gearbeitet. Mittlerweile hab ich jedoch ziemliche Nasennebenhöhlenprobleme weshalb ich wahrscheinlich nicht mehr fliegen kann.
Im Moment bin ich krank geschrieben und suche nach Alternativen, aber wenn ich daran denke immer am gleichen Platz zu arbeiten, oder generell am gleichen Platz zu leben dann bekomm ich Panik. Wenn ich Flugzeuge am Himmel seh, oder wenn ich im Fernsehen reise reportagen sehe dann fängts in mir an zu Kribbeln, dann kann ich an nichts mehr anderes mehr denken als ans Reisen. Ich bin ständig in Aufbruchstimmung, auch wenn das für manche harmlos klingen mag für mich ist das schon belastend. Ich hab ständig das Gefühl weg zu müssen, zu verreisen. Sobald ich im Flieger sitze dann ist das so eine Erleichertung dann komm ich endlich weg. Manchmal kommt mir das irgendwie schon vor wie eine Sucht.
Ich könnte wenn ich wollte in Zukunft auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten aber ich hab seit 2 Monaten einen Freund und das wäre nicht die erste Beziehung die in Brüche geht.
Ich bin mittlerweile schon ziemlich einsam geworden durch meinen Lebensstil. Irgendwie beneide ich meine Freundinnen die irgendwo studieren, an einem festen Platz wohnen, einen Freundeskreis haben.
Doch wenn ich das dann auch haben könnte so wie jetzt, dann will ich nur weg. Dann kann ich an nichts mehr anderes denken. Dann fahr ich an den Flughafen, dann schau ich den Fliegern beim starten und landen zu, und irgendwann halt ich’s nicht mehr aus. Dann kauf ich mir ein standby ticket und wenn ich glück hab kann ich mitfliegen, und sobald ich im flieger sitze dann bin ich richtig glücklich.
Irgendwie hab ich das Gefühl dass ich nicht normal bin.
‚Was kann ich denn dagegen machen, das kann ja schliesslich nicht mein ganzes Leben so weitergehen.
Sorry, ist etwas lang geworden, aber ich hatte irgendwie gerade das Bedürfnis das niederzuschreiben.
C.
Hallo,
also ich würde Dein Fernweh nicht als krankhaft bezeichnen.
Du bist jung - lebe es aus!
Die Paar richtige Freunde, die Du hier hast (das sind übrigens die, die Dich in deinem Handeln unterstützen und nicht auch egoistischen Gründen blockieren), die werden auch da sein, wenn Du wieder kommst. Halte Kontakt zu ihnen, schreibe ihnen Reisetagebücher und bringe etwas mit was es hier nicht gibt.
Ich habe zwei Freunde, die ständig in der Welt herumreisen und ich freue mich immer über ihre Briefe von sonst wo her - die Briefmarken, die Erzählungen und die Freude wenn man sich wieder sieht.
Das eine Paarbeziehung unter dem Herumtingeln leidet ist klar. Das ist ein Kompromiss den Du eingehen musst.
Viele Grüße
du bist nicht allein …
ich schaue heute noch jedem Flugzeug nach dass meinen Wohnort (NICHT „Heimatort“) überquert … ich bin immer noch am Liebstern am Meer und schaue den Schiffen nach …
geh hin so lange du jung bist und keine Kinder hast … UND TU ES !
Lebe das aus so lange du kannst !
Gute Reise,
SomeOne
Hi,
ich würde, wenn ich Du wäre, auf dem Schiff anheuern. Später würdest Du es anderenfalls bereuen …
Gruß S
Das kann ich alles sehr gut nachvollziehen. Was hieltest du denn von der Idee, nach Innen auf Entdeckungsreise Deine Dark Continent im Unbewussten zu gehen? Ich hielte nicht für unwahrscheinlich, dass Du dort das finden wirst, worum Du Dich in dauernd sesshaften Bezügen/ lähmender Routine im immer und immer wieder gleichen) betrogen fühlen könntest.
Hi Claudinchen,
Als ich das las mit deinen Nebenhöhlen, habe ich auch sofort gedacht „Schiff!“. Woran liegt es, dass der Job auf dem Schiff deine Beziehung gefährdet, die Fliegerei aber nicht? Geht es darum, wie lange du am Stück weg sein müsstest?
Könnt ihr aushandeln, wie viel Strohwitwertum dein Freund toleriert, und dann die Jobsuche danach ausrichten?
Es gibt doch Jobs, bei denen man viel unterwegs ist, aber halt nicht immer gleich monatelang: Fährschiffe innerhalb von Europa, Eisenbahnen …
Übrigens - es gibt viele Firmen, die „flexible“ Mitarbeiter schätzen.
Und was ist schon normal - du bist so, wie du jetzt und hier durch deine Veranlagung und Entwicklung geworden bist. Entwicklung geht weiter, es ist also gut möglich, dass du in zehn Jahren oder so ganz von selbst und ganz zufrieden ruhiger wirst.
Die Frage ist wohl eher, was du eigentlich willst: dich „normal“ machen oder einfach einen Platz in der Welt finden, der zu Leuten wie dir passt?
Viel Glück,
Beate
Hallo an alle und danke für eure antworten.
Ich würd mich jetzt selber auch nicht als abnormal bezeichnen, aber da ich mit meinen Vorstellungen doch des öfteren anecke hab ich halt überlegt ob das vielleicht wirklich schon krankhaft ist und ich es nur nicht merk.
In meinem Umfeld kann das niemand verstehen weshalb ich so unbedingt weg will und ich weiss es ja selbst auch nicht wirklich.
Wenn ich am Schiff wäre, dann wäre ich teilweise ein paar Wochen am Stück weg und das ist halt doch was anderes als beim Fliegen. Da war ich höchstens 5-6 tage weg.
Es ist schon als Flieger nicht leicht eine Beziehung zu führen und da ist man ja im Gegensatz zum Schiff noch relativ wenig weg.
Und ja, ich muss ehrlich sagen, dass es mir sehr oft lieber wäre wenn ich „normal“ wäre. Dann hat mans nämlich viel leichter im Leben.
Grüsse,
Claudia
Hallo, Claudinchen,
lebe einfach Deinen Traum und reise, soviel Du kannst.
Das mit Deinem Freund wird eh nichts, wenn Du -nur seinetwege- hier bleibst. Irgendwann wirst du ihn dafür verantworltich machen oder nur halb zu ihzm gehören. Weil er Dein Fernweh nicht teilt - und das ist ja in einer Beziehung schon die halbe Miete - Gefühle und Sehnsüchte miteinancder zu teilen.
Also, da ist jetzt schon der Wurm drin.
Man kann halt nicht immer alles haben zur gleichen zeit.
Charlychaplin