Fasnacht-Heiden-Christentum

Schönen guten Tag!
Zur Fasnachtszeit kommt mir jedesmal fast mein Mageninhalt hoch, wenn ich von sog. „Narrenmessen“ höre, d.h. Gottesdienste für Narren, also Fasnachtstreibende. Man darf dort, bzw., es ist ausdrücklich erwünscht im „Häs“, also der Verkleidung zu erscheinen.
Was sagt Ihr dazu? Für mich ist das der Versuch der christlichen Kirchen, die letzten Reste unseres Brauchtums zu vereinnahmen und umzudeuten, wie sie es mit allen Bräuchen und dem Wissen der Ahnen gemacht haben. Mir als Heide tut das schrecklich weh, weil so viel verloren geht und das Ganze außerdem eine ziemliche Volksverdummung und Verdrehung der gewachsenen Tatsachen darstellt. Was hat denn Fasnacht bitteschön mit dem Christentum zu tun? Bitte keine „Standardantworten“ von
Geistlichen o.ä., mich interessieren mehr die Meinungen von Menschen wie Du und ich… Ich hoffe, ich konnte mich deutlich ausdrücken, möchte niemanden verletzen.
Danke. Andreas

Hallo Andreas
Karneval, so heisst die Fasnacht hier, hat sehr wohl was mit Christentum zu tun, caro, carnis bedeutet im Lateinischen Fleisch, Carneval also soviel wie Fleisch ade oder Fleisch lebwohl. Das bezieht sich auf die Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Vorher durfte man noch mal so richtig feiern, dann fiel das Fasten nicht so schwer. Eigentlich keine schlechte Idee.
Gruss
Rainer

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Hallo Andreas!

Für mich ist das der
Versuch der christlichen Kirchen, die
letzten Reste unseres Brauchtums zu
vereinnahmen

Da wird wohl eher umgekehrt ein Schuh draus. Die Fastnacht (der Karneval) hat durchaus ihre Wurzel im Christentum.
Fleisch, lebe wohl, und dann die vorösterliche Fastenzeit.
Dass dem heidnische Bräuche (Ende des Winters) zu Grunde liegen, ist bestenfalls eine Theorie.

Ciao!
Martin

Na ja, um eine „Standardantwort“ kommst du aber nicht herum: Fastnacht und Christentum sind eng miteinander verknüpft. Im Allemannischen spielen da auch noch ganz alte Bräuche (Vertreibung von Geistern usw.) mit, aber letztlich ist es nun wirklich umgekehrt: Nicht die Kirche hat die Fastnacht „christianisiert“, sondern heute wird die Fastnacht mehr und mehr säkularisiert.

Helau!

Gerd

Hallo Rainer und die anderen,
na ja, ich könnte auch sagen: Fasnacht (alt: Vasenacht) kommt von „vaselen“, was so viel wie fruchtbar sein, gedeihen heißt. Der Schluß liegt nahe, Fasnacht als Vor-Frühlingsfest zu begreifen. Das Wort Carneval entstand viel später, als das Kirchen-Latein schon bei uns Einzug gehalten hatte. Für mich hat Fasnacht einen festen Platz im Jahreslauf und ist eng mit dem Ostara-Fest (Ostern, ein echtes Frühlingsfest) verbunden, was sich die Kirche natürlich auch „unter den Nagel gerissen“ hat; so kommt meines Erachtens die Verbindung Fasnacht-Christliches Osterfest zustande.
Gruß
Andreas
Übrigens: Heiden brauchen keine verordnete Fastenzeit, sondern können ganz allein bestimmen, wann es an der Zeit ist, Maß zu halten (oder schreibt man jetz maßzuhalten?)

Hallo Andreas
Karneval, so heisst die Fasnacht hier,
hat sehr wohl was mit Christentum zu tun,
caro, carnis bedeutet im Lateinischen
Fleisch, Carneval also soviel wie Fleisch
ade oder Fleisch lebwohl. Das bezieht
sich auf die Fastenzeit von
Aschermittwoch bis Ostern. Vorher durfte
man noch mal so richtig feiern, dann fiel
das Fasten nicht so schwer. Eigentlich
keine schlechte Idee.
Gruss
Rainer

Narri!
Was mir immer wieder auffällt, daß von Vertreibung o.ä. gesprochen wird. Heiden sehen den Winter nicht als schlecht an, sondern als Notwendigkeit. Der Winter wird also nicht vertrieben, sondern lediglich verabschiedet. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Gruß
Andreas

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Narri!
Was mir immer wieder auffällt, daß von
Vertreibung o.ä. gesprochen wird. Heiden
sehen den Winter nicht als schlecht an,
sondern als Notwendigkeit. Der Winter
wird also nicht vertrieben, sondern
lediglich verabschiedet. Ein kleiner,
aber feiner Unterschied.
Gruß
Andreas

Jo! Soll mir recht sein…Probleme gibts…

Gerd

Hallo

Deine Überschrift sollte eigentlich Christentum - Heiden - Fastnacht heissen, denn die Logik der Geschichte war so herum.

Am Anfang war das Christentum und die Idee, vor Ostern eine Fastenzeit einzulegen (wie christlich das ist, darüber lässt sich auch trefflich streiten).

Aber so einfach wollten sich die Leute den Bauch nicht verbieten lassen. Denen war Christus eigentlich egal (=Heiden). Aber wenn sie schon fasten mussten, dann wollten sie wenigstens vorher tüchtig feiern.

Mit der Zeit hat das Fest sich verselbständigt und einen eigenen politisch/gesellschaftlichen Sinn bekommen (=Fasnacht). Das Fest bleibt bestehen, selbst wenn jegliche Verbindung mit Fasten oder dem Sinn des Fastens (=Tod Jesu) schon lange über den Jordan gegangen ist.

Fazit: Man kann ja Karneval feiern, wenn man unbedingt will. Aber heute hat das nichts mehr mit Christentum zu tun.

Gruß
Thomas

Übrigens: Heiden brauchen keine
verordnete Fastenzeit, sondern können
ganz allein bestimmen, wann es an der
Zeit ist, Maß zu halten (oder schreibt
man jetz maßzuhalten?)

Hmm, schwere Frage, denk ich mal auf dem Oktoberfest drüber nach :smile:.
Fasten hat aber in allen Religionen und Kulturen einen festen Platz und das zu Recht, wir wissen ja aus medizinischen Untersuchungen, dass es gesundheitsfördernd wirkt. Heute gibt es zB. für Gicht Tabletten, damals half wirklich nur Fasten.
Aber was bist Du denn?
Was ist ein Heide? Kenn ich eigentlich nur als nicht christlich.
Oder ein Agnostiker?
Oder was sonst?
Gruss
Rainer
*neugierig*

Was sagt Ihr dazu? Für mich ist das der
Versuch der christlichen Kirchen, die
letzten Reste unseres Brauchtums zu
vereinnahmen und umzudeuten, wie sie es
mit allen Bräuchen und dem Wissen der
Ahnen gemacht haben.

Moin,
ich schließe mich Deiner Meinung an. Die Verbindung von „Fastnacht“ und „Fastenzeit“ im christlichen Sinne ist ein weiterer geschickter Schachzug der christlichen Religion (wie z.B. die Einführung des Sonntags anstatt des Sabbat, der marienkult, weil viele vorchristliche Kulturen Muttergöttinnen verehrten, die Maiprozessionen, weil früher die „Frühlingskönigin“, ein junges Mädchen aus dem Dorf segnend über die Felder schritt, heute macht das der Pastor mit seinem Weihrauch…die Liste läßt sich ewig fortsetzen). Wenn man allerdings diese Meinung öffentlich äußert, wird man hart rangenommen, weil sich einige bemüßigt fühlen, etwas für Dein Seelenheil tun zu müssen… :smile:

Ich hatte mal die provokante Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Bibel gestellt, Junge, da hab ich in ein Wespennest gestochen!

Die Fastnachtszeit ist der Übergang von Winter zu Frühling. Die letzen Reserven des Winters sind aufgebraucht, viele Lebensmittel sind mittlerweile verdorben. Obwohl der Winter durchaus seine Berechtigung hat (ich will ihn nicht schlecht machen), muß er jetzt dem Frühling weichen.Das möchte man durch das in der allemannischen Fastnacht am schönsten bewahrte Geklapper und Getöse beschleunigen. Bald sind die ersten Kräuter und Frühgemüse erntereif (eben so um Ostern) und dann gibt es wieder satt zu essen. So ist das.

Gruß

Jutta *die trotz ihrer Häretischen Ansichten Aspekte des Christentums lebt*

Fazit: Man kann ja Karneval feiern, wenn
man unbedingt will. Aber heute hat das
nichts mehr mit Christentum zu tun.

Da kann man ja froh ein…
Andreas

Da kann man ja froh ein…
Andreas

Nee, find ich eigentlich nicht: Denn dadurch wird die ganze Sache zwar nicht weniger lustig, dafür aber ein wenig sinnentleerter (nicht gleichzusetzten mit sinnlos). Damit will ich nicht die Fastnacht schlecht machen (Helau!) und es tut ja auch ganz menschlich gesehen mal sehr gut, drei Tage lang über die Stränge schlagen zu dürfen und sich ganz anders zu geben, aber - und das ist meine ganz persönliche Meinung - es feiert sich halt doch wieder ganz anders, wenn man den Aschermittwoch bewußt auch als einen religiösen Punkt des Neuanfangs und der Besinnung setzt. Ist halt wie mit Weihnachten und Ostern auch, wo das fest ja auch nicht „nur“ aus Schokonikolaus und -hase besteht.

Ich wünsche aber allen tolle närrische Tage!

Gerd

Moment mal: Das bestreitet ja niemand! Natürliich gabe es heidnische Feste und Bräuche, die „christianisiert“ wurden. Warum auch nicht. Aber das war ein jahrhundertelanger natürlicher Prozess und keine geschickt geplante „Übernahmestrategie“ der Kirche! Und in den meisten Fällen läßt es sich auch theologisch zu begründen, z.B. der Zusammenhang zwischen Weihnachten und dem römischen Fest des Sol Invictus. Aber mir ist kein Fall bekannt, wo die Kirche damit gewaltsam ein Fest umbiegen wollte, um dadurch „Macht“ über die Gesellschaft zu erhalten!

Gerd

Was hast du denn ständig mit deinen „Heiden“??? Ist das jetzt eine neue Konfession? Du redest von denen, wie man von Muslimen, Christen oder sonstigen Gruppen redet…

Gerd (der sich wundert)

Tja Gerd,
die Heiden sind keine neue Religion, sondern die alte! Es würde in der Tat den Rahmen dieses Forums sprengen, würde ich versuchen, alles was „Heide sein“ heißt, hier darzulegen. Nur soviel: die Heiden wurden SYSTEMATISCH (sic!) von der Christianisierung entweder umerzogen oder wenn das nicht geklappt hat, ermordet. Ein Blick in die Geschichte der Sachsen zeigt dies eindringlich. Nicht umsonst hat Kaiser Karl (genannt der Große…) den Beinamen „Heidenschlächter“ erhalten. Schau doch mal unter www.nordzeit.de nach, dort gibt es Informationen in Hülle und Fülle zum Thema Heidentum. Ich als Heide glaube jedenfalls an die Werte, die vor der Christianisierung Gültigkeit hatten, obwohl es heute sehr schwierig ist…
Viele Grüße
Andreas

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Hallo Rainer,
werf doch mal einen Blick auf www.nordzeit.de, da gibt es Informationen zum Thema Heidentum in Hülle und Fülle. Ich bin auch über diese Seite einen großen Schritt weitergekommen.
Gruß
Andreas

Aber was bist Du denn?
Was ist ein Heide? Kenn ich eigentlich
nur als nicht christlich.
Oder ein Agnostiker?
Oder was sonst?
Gruss
Rainer
*neugierig*

x

Moinmoin,

der sei ein Narr, der die verkerte Welt für die richtige hält.

Schönen guten Tag!
Zur Fasnachtszeit kommt mir jedesmal fast
mein Mageninhalt hoch, wenn ich von sog.
„Narrenmessen“ höre, d.h. Gottesdienste
für Narren, also Fasnachtstreibende. Man
darf dort, bzw., es ist ausdrücklich
erwünscht im „Häs“, also der Verkleidung
zu erscheinen.
Was sagt Ihr dazu? Für mich ist das der
Versuch der christlichen Kirchen, die
letzten Reste unseres Brauchtums zu

Glaube ich nicht, daß es sich um Heidenbrauch handelt. Narren gab es schon im alten Israel.

vereinnahmen und umzudeuten, wie sie es
mit allen Bräuchen und dem Wissen der
Ahnen gemacht haben. Mir als Heide tut
das schrecklich weh, weil so viel
verloren geht und das Ganze außerdem eine
ziemliche Volksverdummung und Verdrehung

Kann ich nicht nachempfinden, bin das ganze Jahr ein Narr und brauche dafür kein Karneval.

der gewachsenen Tatsachen darstellt. Was
hat denn Fasnacht bitteschön mit dem
Christentum zu tun? Bitte keine
„Standardantworten“ von
Geistlichen o.ä., mich interessieren mehr
die Meinungen von Menschen wie Du und
ich… Ich hoffe, ich konnte mich
deutlich ausdrücken, möchte niemanden
verletzen.
Danke. Andreas

Es ist das elfte Gebot - und hat mit Heidentum nichts an Hut. „Als Narr steht jeder Mensch“(Jer.10/14).

„Was dem Christen seine Sünde - das ist dem Narren seine Lust“

Schiller sagt es durch Piccolomini: „Elf!..Elf ist die Sünde.“ Elf überschreitet die zehn Gebote. Nur Narren wissen das die elfte Sünde für eine zeitlang unerläßlich ist, um nicht ewig zu sündigen. Jedenfalls der katholische Christ darf für eine kleine Zeit die Geckenzahl ziehen. Wir evangelischen Christen brauchen das nicht, weil wir das ganze Jahr als Sünder geliebt werden, und so immer gennart ist.
„Stell Dich dumm zur rechten Zeit, dann bist du wircklich ganz gescheit.“
In übrigen ist durch die Bibel allerhand über die Narren gesagt worden, es gibt sie nicht erst heute.
„Wer unter euch sich weise dünkt, der werde ein Narr, damit er weisse sei.“ (1Kor 3,18).
Das weiss der Teufel. Und das hat der Hofbibliothekar Barack aus Konstanz so beschriben: Ungerufen kam der Teufel zu einem frommen Einsiedler und rühmte sich der Größe seines Reiches von dieser Welt. Alle 124 Stände, vom Kaiser bis zum Spitzbub, vom Kurfürsten bis zum Zuhälter, vvom Papst bis zum Mistträger, alle, alle blieben in den Maschen seines Netzes hängen.„Auch Einsiedler und Nonnen?“ wollte der Fromme wissen, aber die mochte der Teufel erst recht, obwohl die Schulmeister noch verfänglicher waren. Nur auf die letzte Frage des braven Mönches ist der Teufel kleinlaut geworden:
„Doch kommen auch die Narren rein?/Der Teufel sprach:smiley:ie Narren-nein…/Denn Narren und die jungen Kinder,/sind unsers Herrgott Hofgesind,/weil sie nicht schmälern Gottes Ehre,/ sie ziehn nur aus der Welt die Lehre.“
Friedrich

Traditionen aus dem Heidentum
Kann man ja meistens nur noch in Symbolen wiederfinden wie dem Tannenbaum, Steckpalmen- und Mistelzweigen zu Weihnachten, Hasen und Eiern zu Ostern und

z.B. in Köln am Ende des Karnevals die Nubbelverbrennung. In meiner rheinischen Kleinstadt wird auch eine Strohfigur eines Mannes verbrannt. Und dies ist garantiert ein heidnisches Erbe.

Wenn du mir noch mehr darüber erzählen und belegen kannst, schreib mir. Ich bin immer daran interessiert, wo und was alles unsere Wurzeln sind. Auf Spurensuche in den Knochenresten der Vergangenheit (Kennst du die Wolfsfrau? :wink:

Gruß, Faten

Moinmoin,

der sei ein Narr, der die verkerte Welt
für die richtige hält.

Glaube ich nicht, daß es sich um
Heidenbrauch handelt. Narren gab es schon
im alten Israel.

Friedrich

KLingt ja alles wunderschön, nur, wer sagt, daß die Bibel stimmt? Ich glaube jedenfalls nicht daran, sondern bin der Meinung, daß die jüdische Sekte Christentum die Bibel (vielleicht war sie einmal ein Geschichtsbuch) benutzt und umformuliert hat, um ihren Zwecken zu dienen.
Unsere Heidnischen Wurzeln werden auf Dauer sowieso stärker sein als eine von außen aufgezwungene Religion.
Gruß
Andreas