Hallo!
kann mir jemand weiterhelfen - Fechner Gustav Theodor Fechner
beschreibt in seiner Identitätsansicht die „zwei Seiten der
Münze“, wonach der Leib und die Seele nicht zwei verschiedene
Substanzen sind, sondern lediglich eine andere Perspektive auf
der gleichen Sache (Körper). Was ich nicht gefunden habe und
was ich nicht verstehe: stehen diese beiden Substanzen im
Austausch oder laufen sie parallel, von was auch immer
gesteuert, nebeneinander ab. Wie ist das Problem nach Fechner
gelöst, wenn es keine Interaktion zwischen Leib und Seele gibt
(z.B. bei Psychsomatischen Beschwerden, wie Stress)?
Naja, ich bin auch nicht gerade ein Fechner-Experte, darum kann ich nur recht allgemein antworten …
(aus welchem Grund interessierst du dich eigentlich für ihn?)
- der Psychophysikalismus des 19. Jdts. (und da ist Fechner sicher einer der großen Anstoßgeber für Leute wie Helmholtz, Brücke usw.) setzte es sich zum Ziel, Psychisches (bzw. „Seelisches“), da wo möglich, auf Physikalisches zu reduzieren. Da wo nicht möglich, Psychologie mit physikalischen Mitteln zu betreiben. (letzteres sieht man beim frühen Freud des „Entwurfs einer Psychologie“ übrigens höchst anschaulich).
Jedenfalls zeigt diese Zwischenstellung schon ganz gut um was es geht: Psyche und Leib sind nicht zwei verschiedenen Entitäten, aber sie sind auch nicht immer aufeinander reduzierbar, weshalb man mit zwei „Perspektiven“ an sie rangehen mussen.
Der „Körper“-Begriff Fechners, den du oben anführst (als das Umfassende von Seele und Leib), zeigt aber, dass es sich letztlich um ein physikalistisches Programm handelt, weil „Körper“ einer der zentralen Begriffe der Physik ist, und als solcher wird er bei Fechner auch gebraucht, nicht in dem Sinn, was wir umgangssprachlich unter „Körper“ verstehen, denn das wäre mehr der „Leib“ im Sinne Fechners.
- an ‚Fechners Gesetz‘ lässt sich vielleicht auch die Beziehung des Psychischen zum Leiblichen zeigen:
E = k . log R + f
wobei:
E: Intensität des psychischen Erlebens
R: Intensität des Reizes, der auf den Leib einwirkt
log: Logarithmus
k: Konstante 1
f: Konstante 2
I. Das Gleichheitszeichen zeigt, dass Psychisches (E) und Leibliches ® substantiell das gleiche sind, weil durch mathematische Operationen ineinander umformbar.
II. Fechners Gesetz zeigt aber auch, dass man psychische Erregungsquanitäten nur erfassen kann, wenn man perspektivisch vom Leib her an sie rangeht, weil nur diese Quantitäten der Reizung des Leibes direkt messbar sind.
III. Und es wird aus der Formel aber auch ersichtlich, dass das eine reine Frage des Zugangs (der „Perspektive“) ist, denn man könnte die Formel ja mathematisch umformen in die Form: R = … ich hab das mit dem log leider verlernt …, so dass das ganze „rückwärts“ ganz genauso gilt: Entsteht eine psychische Erregung E, muss diese sich notwendig als Reiz R auf den Leib (dieses mal von der Seite der Psyche her) ausdrücken und motorisch abgeführt werden um sich nicht anzustauen. Hier haben dann bekanntlich Breuer und Freud angeschlossen …
_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _