Federsattelstütze (Fahrrad) wozu und worauf achten

Hallo Ihr Lieben,
derweil sind ja diese gefederten Sattelstützen der letzte Schrei … muß man sowas haben? Bringt das wirklich mehr Komfort? Wo sind die Nachteile? Was ist beim Umrüsten zu beachten?
Vielen lieben Dank im Voraus für Eure Erfahrungen und Tips,
Martina

Hallo Martina,

der Nachteil dabei ist, dass ein Teil der Energie, die Du eigentlich für die Fortbewegung aufbringst, in dieser Federung verschwindet. D.h. wenn Du fest in die Pedale trittst, bewegt sich der Sattel aufwärts, lässt Du wieder lockerer, geht es wieder runter und das bei jedem Tritt.

Zum Komfort kann ich nichts sagen, da ich so etwas nicht verwende. Ich habe mir stattdessen ein vollgefedertes Rad gekauft, bei dem nicht nur der Sattel, sondern der ganze Rahmen gefedert ist. Das ist deutlich komfortabler als ein Rad ohne Federung.

Aber auch das hat Nachteile, vor allem ein höheres Gewicht, ein höherer Preis und natürlich die Wartung der Federung.

Ich denke, dass auch eine gefederte Sattelstütze mehr Komfort bietet, aber wenn man das Radfahren sportlich betrachtet, ist das eigentlich keine gute Lösung. Aber am besten probierst Du es mal bei jemandem aus, der sowas schon hat.

Gruß

Anne

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Hallo Martina,

Federungen sind eine angenehme Sache beim Radfahren, wenn man

  1. auf ein besonders leichtes Rad verzichten kann (Berge, Hügel?) und man
  2. auf eine sehr direkte Kraftübertragung verzichten kann (Radsport).

Also sind sie brauchbar

  • für Alltagsradler in der Stadt, die z.B. über halbabgesenkte Bordsteinkanten fahren,
  • für Radler, die über Feld- und Schotterwege u.ä. fahren und
  • für Radler, denen durch die Erschütterungen Schmerzen oder Unwohlsein/ Überforderungen des Halteapparates im Genick- und Halsbereich, als auch im Gesäß- und Lendenwirbelbereich auftreten.

Nachteile:

* höheres Gewicht, was sich jedoch für einen Alltagsradler kaum bemerkbar macht. Der Nachteil des Gewichtes kann durch die schönere und angenehmere Fahrweise gut weggemacht werden, denn auch eine ungeschmeidige Fahrweise kostet mehr Kraft als eine flüssige Fahrweise.
* Bei einer Heckfederung, die im Sitzrohr untergebracht ist, verändert sich bei jeder Federung der Kniewinkel, weil der Abstand Sattel zu Pedalen verändert wird. Das ist beim Fahren sehr unangenehm und man hört automatisch auf zu treten.
(Ähnliches Problem haben Busfahrer, deren Sitze stark federn, weil sie das Gaspedal nur schwer kontrolliert drücken können, sobald sich der Hebelweg ständig ändert)

Beachte:

Eine Federung sollte unabhängig von der Antriebseinheit sein, d.h. die Laufräder werden gefedert gelagert. Für ein Fahrrad bedeutet das, dass Hinterrad und Vorderrad getrennt voneinander am Rahmen gefedert befestigt werden und getrennt voneinander einstellbar sind.

* Eine Gabelfederung ist wichtiger, wenn man mehr Gewicht auf dem Vorderrad/ Lenker hat (flache, vornübergebeugte Sitzposition) -> Entlastung der Hals- und Nackenmuskulatur.
Man kann auf eine Hinterradfederung verzichten. (z.B. Radrennfahrer bei Radklassiker Paris-Roubaix)
* Eine Hinterradfederung ist wichtiger, wenn man mehr Gewicht auf dem Hinterrad hat (aufrechte Sitzposition).
* Eine Federung an der Sattelstange ist nur dann brauchbar, wenn der Radler sehr aufrecht und sehr langsam und gemütlich fährt. Da dieser ohnehin bei jedem Holpern aufhört zu treten, wird ihn die Winkeländerung nicht oder kaum stören.
* Federungen sollten einstellbar sein, damit sie weder nachfedern noch zu wenig nachgeben. Sie müssen an das Fahrergewicht und die Fahrbahnsituation anpassbar sein. Das ist aber üblich, außer bei sehr billigen Modellen.
* Unter normalen Umständen sind die Federungen auch wartungsfrei.

Alternative:

Als Alternative kann ein gut gefederter und in der Breite (auf den Sitzknochen sitzen) passender Gel-Sattel, zusammen mit einer Rahmengeometrie für aufrechte Sitzhaltung (z.B. Hollandrad), zusammen mit großen Schläuchen/ Mäntel bis ca. 3Bar aufgepumpt gelten. Das ist also etwas für gemütliche Langsamfahrer. :smile:

Noch Fragen?

Grüße, Ingo

Hallo Martina,

Noch Fragen?

Grüße, Ingo

Hallo Ingo, vielen, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Jetzt weiß ich, dass so eine gefederte Sattelstütze wohl nix für mich ist, denn ich bin zwar beileibe kein Radprofi, möchte aber doch irgendwann an meinem Ziel ankommen und fahre entsprechend zügig und rationell.
Tschau,
Martina