Fehlender Grund des Ausscheidens im Zeugnis

Ich schreibe hier unter der Kennung einer Bekannten, um anonym zu bleiben.

Das Zeugnis meines letzten Arbeitgebers, eines mittelständischen Unternehmens, schließt mit den folgenden Sätzen:

„In seiner Arbeitsweise zeigte sich Herr X schnell auffassend, sicher und selbstständig. Alle ihm übertragenen Aufgaben erfüllte er stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kunden und Kollegen war stets einwandfrei. Herr X ist in der Lage, Projekte erfolgreich innerhalb des vorgegebenen zeitlichen Rahmens selbstständig zu planen, durchzuführen und abzuschließen.
Wir danken Herrn X für seine Loyalität und seinen großen Einsatz und wünschen ihm für die Zukunft privat und beruflich alles Gute.“

Mich irritiert etwas, dass hier nicht steht, warum ich aus dem Unternehmen ausgeschieden bin. Den Grund schreibe ich auch nicht hier im Forum, weil ich unvoreingenommene Meinungen hören möchte. Wird der fehlende Grund bei einer Bewerbung negativ bewertet?

Für erhellende Kommentare wäre ich dankbar.

Hallo

Man müßte das ganze Zeugnis kennen, um beurteilen zu können, ob das Fehlen des Grundes eine negative Auswirkung haben könnte.

Gruß,
LeoLo

Hallo!

Nur mal so interessehalber…

„die Idealreihenfolge ist doch wohl Vorgesetzte, Kollegen, Kunden“

Wieso? Nach meinem Verständnis (ok, kommt auf die Branche an) wäre die „Idealreihenfolge“: Kunden, Kollegen und Vorgesetzte…

Viele Grüße,

Dennis

meine Meinung

"In seiner Arbeitsweise zeigte sich Herr X schnell auffassend,
sicher und selbstständig. Alle ihm übertragenen Aufgaben
erfüllte er stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Seine Arbeitsweise erscheint dem AG teils etwas eigen, die Ergebnisse seiner Arbeit sind aber immer sehr gut. Also 1

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kunden und Kollegen war
stets einwandfrei.

Nun das ist 1- bis 2+. Teamfähig?

Herr X ist in der Lage, Projekte erfolgreich innerhalb des vorgegebenen zeitlichen Rahmens
selbstständig zu planen, durchzuführen und abzuschließen.

Ist in der Lage …? Heißt soviel wie: „könnte wenn er wollte.“
innerhalb des vorgegebenen zeitlichen Rahmens=schneller war er aber auch nicht.
Das ist herb. Ich persönlich sehe hier einen Typ Mensch, der vieles kann, seine Fähigkeiten allerdings nie voll ausspielt. Er weiß was er kann, tut aber nicht unbedingt mehr. So ein Typ „verkanntes Genie“.

Wir danken Herrn X für seine Loyalität und seinen großen
Einsatz und wünschen ihm für die Zukunft privat und beruflich
alles Gute."

Das ist ganz klar eine 3 und die Abschiedsformel.
Kein bedauern und privat wünschen sie es Dir in erster Linie.

Mich irritiert etwas, dass hier nicht steht, warum ich aus dem
Unternehmen ausgeschieden bin. Den Grund schreibe ich auch
nicht hier im Forum, weil ich unvoreingenommene Meinungen
hören möchte. Wird der fehlende Grund bei einer Bewerbung
negativ bewertet?

Das muß nicht drin stehen. Im Gesamteindruck entspricht das entweder einem befristetem Arbeitsvertrag, gegenseitigem Einvernehmen (was nicht anderes heißt, das der AG sie loswerden wollte/konnte ohne zu kündigen). Vielleicht auch KG, aber eher nicht.

Für erhellende Kommentare wäre ich dankbar.

„Ein Mensch mit dem man es nicht leicht hat, der aber bei richtiger Führung oder Einstellung zu sehr guten Leistungen Fähig ist. Leider kann er sich selbst schwer motivieren und wir mußten das AV nach einigen Versuchen doch beenden. Würde er seine Möglichkeiten ausschöpfen und Kontinuität zeigen hätten wir dieses AV verlängert/ nicht beenden müssen“

Das ist der bei mir entstehende Eindruck.

Gruß Grüne

Huhu Walkuerax,

hmm - ergänzend zu dem was die anderen schon gesagt haben: ich als Personaler fände es auch interessant zu erfahren, warum Dein Bekannter die Firma verlassen hat. Und wenn da auch nur steht „Herr xxx verläßt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch, wir bedauern sein Ausscheiden sehr/außerordentlich“ oder „…betriebsbedingt entlassen…“. Wenn da gar nix steht, riecht mir das ein wenig nach „hat die Kaffeekasse geklaut und darum haben wir ihn rausgeworfen“. Vielleicht kann er das ja mit seinem Personalscheffe noch klären? Also langer Rede kurzer Sinn: ich finde, eine Begründung für sein Ausscheiden muß ins Zeugnis rein :smile:

*wink*

Petzi

Und eine dritte Meinung!
Hi!

Mal abgesehen davon, dass ich es furchtbar unseriös finde, ein Zeugnis, dass nur zu einem Teil bekannt ist, abschnittsweise zu beurteilen…

Die Idealreihenfolge ist
Kunden, Vorgesetzte, Kollegen! Und zwar völlig unabhängig von der Branche (klar - bei einer Tätigkeit ohne Kundenkontakt fallen diese natüprlich weg!) ist das nicht meine Meinung, sondern die, welche allgemein gelehrt wird!

LG
Guido

Na ja
Hi!

Ich habe gerade noch mal in Papier gewühlt…und:

Die Kunden zuletzt habe ich da auch mal entdeckt! Aber halt an erster Stelle…

Ich denke mal, das Wichtige ist, dass die Kollegen nicht vor den Vorgesetzten stehen! Ob die Kunden jetzt an erster oder dritter Stelle genannt werden ist vermutlich nicht sooo relevant.

Allerdings kenne ich durchaus das ein oder andere Unternehmen, in dem Wert darauf gelegt wird (U-Beratungen), dass der Kundenkontakt ganz vorne steht, da der Kunde das wichtigste Glied in dieser Kette ist

LG
Guido

Wir danken Herrn X für seine Loyalität und seinen großen
Einsatz und wünschen ihm für die Zukunft privat und beruflich
alles Gute."

Sich als Schlußformel für Loyalität zu bedanken ohne den Kündigungsgrund bzw. die Initiative für die Kündigung zu benennen, hört sich für mich nach einer erheblichen Unregelmäßigkeit (Unterschlagung, Untreue, Diebstahl) an. Kann mich natürlich aber auch täuschen.

Herr X ist in der Lage, Projekte erfolgreich innerhalb des vorgegebenen zeitlichen Rahmens
selbstständig zu planen, durchzuführen und abzuschließen.

Ist in der Lage …? Heißt soviel wie: „könnte wenn er
wollte.“
innerhalb des vorgegebenen zeitlichen Rahmens=schneller war er
aber auch nicht.
Das ist herb. Ich persönlich sehe hier einen Typ Mensch, der
vieles kann, seine Fähigkeiten allerdings nie voll ausspielt.
Er weiß was er kann, tut aber nicht unbedingt mehr. So ein Typ
„verkanntes Genie“.

Danke. Das „Ist in der Lage“ habe ich tatsächlich nicht so negativ Interpretiert, wie Sie es hier tun. Und der zeitliche Rahmen? Hmm…, ich hatte ein Projekt mit wenigen Mitarbeitern, das ich innerhalb des vorgegebenen zeitlichen Rahmens, der aber denkbar knapp kalkuliert war, ins Laufen gebracht habe. Alle haben erwartet, dass wir es nicht schaffen würden, aber wir haben es trotzdem hinbekommen. Zum zweiten war ich in einem Mammutprojekt, wo individuelles Vorwärtsstürmen nichts gebracht hätte, weil die anderen Gruppen dann noch nicht fertig gewesen wären. Insofern relativiert sich die Floskel mit dem „zeitlichen Rahmen“. Das geht aus den Passagen, die ich zitiert habe, nicht hervor, ist aber vielleicht im Zusammenhang mit meinen Tätigkeitsbeschreibungen, die 90% des Zeugnisses einnehmen und die ich hier nicht gepostet habe, verständlich.

Wir danken Herrn X für seine Loyalität und seinen großen
Einsatz und wünschen ihm für die Zukunft privat und beruflich
alles Gute."

Das ist ganz klar eine 3 und die Abschiedsformel.
Kein bedauern und privat wünschen sie es Dir in erster Linie.

Stimmt, dass sie mir zuerst „privat“ alles Gute wünschen, hat mich auch schon gewundert.

Mich irritiert etwas, dass hier nicht steht, warum ich aus dem
Unternehmen ausgeschieden bin. Den Grund schreibe ich auch
nicht hier im Forum, weil ich unvoreingenommene Meinungen
hören möchte. Wird der fehlende Grund bei einer Bewerbung
negativ bewertet?

Das muß nicht drin stehen. Im Gesamteindruck entspricht das
entweder einem befristetem Arbeitsvertrag, gegenseitigem
Einvernehmen (was nicht anderes heißt, das der AG sie
loswerden wollte/konnte ohne zu kündigen). Vielleicht auch KG,
aber eher nicht.

Der Grund war, dass das mittelständische Unternehmen etwas ins Schlingern gekommen war, weil ihm plötzlich die Aufträge wegbrachen. Neben mir sind noch eine ganze Reihe Anderer entlassen worden.

„Ein Mensch mit dem man es nicht leicht hat, der aber bei
richtiger Führung oder Einstellung zu sehr guten Leistungen
Fähig ist. Leider kann er sich selbst schwer motivieren und
wir mußten das AV nach einigen Versuchen doch beenden. Würde
er seine Möglichkeiten ausschöpfen und Kontinuität zeigen
hätten wir dieses AV verlängert/ nicht beenden müssen“

Diese Beurteilung entspricht meiner Selbsteinschätzung und ich habe auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich nicht leicht motivierbar bin. Bzgl. des o.g. Mammutprojekts habe ich immer laut gesagt, dass ich an etwas arbeite, das ich so für mich eigentlich nicht haben wollte und Vorgesetzte mögen das auch gehört haben. Ironischerweise ist dieses Projekt erfolgreich beendet und ein halbes Jahr später zurückgefahren worden, weil offensichtlich auch noch andere Leute meine Meinung geteilt haben.

Insgesamt vielen Dank für die differenzierte Analyse.

Hi,

Sein
Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kunden und Kollegen war
stets einwandfrei.

hmm, die Idealreihenfolge ist doch wohl Vorgesetzte, Kollegen, Kunden. :„Warum hast du dich mit Externen besser verstanden als mit deinen eigenen :Kollegen?“

Weil ich selbst Externer war! Mit meinen Kollegen (d.h. den bei der gleichen Firma Beschäftigten) hatte ich selten zu tun. Mein Umfeld bestand aus Externen anderer Firmen und Kunden. Auch meine Vorgesetzten im Projekt waren Kunden.

Hallo,

es ist schwierig mit einem Auszug ein Zeungis zu beurteilen. Aus dem Abschluss geht hervor, dass man Dir gekündigt hat. Allerdings ist das wirklich zu abgehackt auch ohne Austrittsdatum würde es bei mir ein paar ??? erzeugen. Es fehlt ein Satz wie … verlässt uns auf eigenen Wunsch zum… oder im beiderseiteigen Einvernehmen… etc.

Also entweder mal das gesamte Zeugnis veröffentlichen oder von einem Gewerblichen das Zeunigs prüfen lassen. Wenn es schlecht ist, hängt Dir das Dein Leben lang nach, also dran bleiben.

Viel Erfolg Julio

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