Fehlendes Durchhaltevermögen

Hallo,

ein noch recht junger Bekannter von mir (16 Jahre) hat sich mir mit dem folgenden Problem anvertraut:

Bestimmte Situationen werden ihm schnell langweilig, er braucht irgendwie ständig Abwechslung. Das trifft zum Beispiel auf Hobbbys zu, die er am Anfang richtig gut findet, ihm aber im Lauf der Zeit (ein paar Wochen) sehr langweilig werden, der anfängliche „Kick“ fehlt einfach. So z.B. auch bei der Berufsfindung: Es gibt eigentlich 2 Berufsfelder die ihm gefallen würden, doch wie ich ihn kenne und wie er sich einschätzt würde er in keinem Job „auf Dauer“ richtig glücklich werden, ihm wird der Job irgendwann (im Laufe der Wochen) langweilig.

Tja, wegen diesem Phänomen war er zwar schon beim Arzt, der einen zu niedrigen Blutdruck festgestellt hat, die Medikamente zeigten jedoch keine Wirkung!

Wie würdet ihr die Situation einschätzen bzw. wie kann ihm geholfen werden?

Gruss,
Alex

hi alex,

mir geht es da ein bisschen ähnlich. ich bevorzuge auch die abwechslung was job und hobbys angeht.

was hobbys betrifft ist die sache recht einfach: immer dem nachgehen, was man gerade gerne machen möchte! er ist mit 16 noch ziemlich jung, es gibt noch so unendlich viel auszuprobieren - und dabei wird er auf ein paar sachen stoßen, die ihm wirklich spaß machen. alles andere ist interessant, aber nur beiwerk, um das er sich vielleicht ab und zu mal wieder kümmert. aber es wird mit sicherheit ein paar sachen geben, die er länger aushält und auch aushalten will. also gilt die devise: augen auf, möglichst viel ausprobieren.

tja, mit der berufswahl ist das so eine sache. aber auch da kann ich nur sagen: ausprobieren. sprich: praktika machen. in sich hineinhorchen, was er gerne machen will, sich zum praktikum eine firma aussuchen und ausprobieren.
macht er hauptschule? oder realschule? gymnasium? ich hoffe, er hat noch ein paar ferien übrig, um sich das eine oder andere noch anzuschauen.
immerhin ist der dschungel von möglichen berufen so groß und unübersichtlich - da hilft auch das biz nichts. wenn er da am praktikum machen ist, muss er auch auf - sagen wir mal - ‚zulieferteile‘ achten. alles was wir so einfach fröhlich vor uns hin benutzen, ohne darüber nachzudenken, hat einen riesigen rattenschwanz an fertigungstechniken und -firmen. nur als beispiel: du liest ein buch. das hast du schon seit der 3. klasse gemacht. du hast dir auch immer schon gerne die bilder angeschaut. aber hast du jemals mal mit einer lupe so ein bild angeschaut? dann siehst du kleine punkte, die einen regelmäßigen abstand zueinander haben, sich in der größe leicht verändern. und es gibt auch nur vier farben, keine einzige mehr, obwohl ich auf dem bild viele viele mehr sehe! woher kommt das? und schon bist du in der drucktechnik angelangt - und da gibt es viel zu entdecken! ab in die nächste druckerei, praktikum durch alle bereiche des betriebs machen. und auch hier wieder: gibt es zulieferer? was machen die? wo kommt denn eigentlich das papier her? - wieder eine welt für sich usw. usf.
das ist nur ein winziges beispiel, das du mit jedem anderen gegenstand ebenso durchspielen kannst. also auch hier: augen auf und ausprobieren.

es ist auch keine schande, seinen beruf nicht beim ersten mal zu finden! gar nicht! ich habe auch mit chemiestudium angefangen. dann eine ausbildung zum schriftsetzer gemacht und bin im prinzip dort hängen geblieben und darin aufgegangen. jetzt studiere ich verlagsherstellung in stuttgart und erfreue mich über die breite dieses fh-studiums. und im laufe dieser ganzen ausbildung hat sich mein weg immer deutlicher abgezeichnet.

wenn dein freund sich und seine umwelt aufmerksam beobachtet und durchaus auch ab und an mal einfach eine bauchentscheidung trifft, wird er seinen weg machen. und der wird nicht schlechter sein, als der zielstrebigste andere. denn was heute in großem maße gefragt ist, ist verzahntes wissen. und man kann aus dem miesesten, stupidesten job was lernen, was man irgendwo völlig anders gebrauchen kann!

lieben gruß
tobias

Hallo Alex,

ich möchte vorausschicken, dass ich kein sonderlich kompetenter Ansprechpartner für dieses problem bin, da ich kein psychologe bin, deshalb kann ich nur eine einfache persönliche Meinung ausdrücken.

Ich denke, mit 16 ist man noch ziemlich unreif und man ist sich vielleicht noch nicht ganz im Klaren, was man wirklich will.
Was Hobbies angeht, finde ich nicht schlimm, dass er mehrere sachen ausprobiert. Das er am Anfang begeisterungsfähig ist ist in dem Alter ziemlich normal. wenn er aber den neuen Zeitvertreib sehr schnell satt hat, hat er vielleicht nocht nicht wirklich das gefunden, was seinen Interessen wirklich entspricht… vielleicht findet er das bald und das Problem löst sich von selbst.
Die Möglichkeiten des Berufs sind tatsächlich heute sehr vielseitig und unübersichtlich. Mit 16 kann man udn vielleicht sollte man sich noch nicht endgültig festlegen, allerdings fände ich hilfreich, wenn man wenigstens eine vage Ahnung hat, in welche Richtung man sich ausbilden sollte. Vielleicht hilft da eine Beratung? Es gibt Spezialisten (auch seriöse), die anhand einer Art Persönlichkeitstest feststellen, für was man geeignet wäre. Das könnte doch zu Orientierung behilflich sein.

Ausserdem: man hat Phasen im Leben, an denen man keine festen Bezugspunkte in Form von Interessen und Lebensplanungen hat…
…solchen Phasen sind m.E. in der Pubertät und danach häufig.

Jedenfalls viel Glück für dich und deinen jungen Freund!

Ciao
Camilla

der junge mann sollte sich etwas zusammenreißen.

vor 100 jahren hätte er dieses problem sicher nicht gehabt…das ist ein typisches symptom der sog. wohlstandsgesellschaft

Ulrike

Hallo Alex,

im Gegensatz zu einigen unsachlichen Kommentaren finde ich durchaus, daß das Problem des Jungen ernstgenommen werden sollte.

Was Du schilderst, ist durchaus kein Einzelfall. Ich kenne das auch sehr gut von früher. Mit der Einschränkung, daß ich selbstverständlich keine Ferndiagnose stellen kann, nehme ich an, daß der Junge das Problem hat, daß Metapher bereits einmal treffend und gut beschrieben hat, das Hunter-Syndrom. Keine Angst, das ist nicht ansteckend. :smile: Lies Dir einfach mal Metaphers großartigen Artikel im Archiv durch.

Übrigens leiden die meisten „Hunter“ unter zu niedrigem Blutdruck.

Also, hier ist der Artikel:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Falls Du danach Fragen hast, kannst Du gerne „wiederkommen“. :wink:

Liebe Grüße, Nike

Nachtrag Hunter-Syndrom
Nochmal Hallo,

außerdem gehört noch folgender Artikel von unserem Metapher dazu (aus der archivinternen Metapherenzyklopädie *g*)

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Liebe Grüße, Nike

2 „Gefällt mir“

Typus ‚hunter‘
Hi Alex

Diese Aussagen von Dir:

Bestimmte Situationen werden ihm schnell langweilig
er braucht irgendwie ständig Abwechslung.

Das trifft zum Beispiel auf Hobbbys zu, die er am Anfang richtig gut findet, ihm aber im Lauf der Zeit (ein paar Wochen) sehr langweilig werden, der anfängliche „Kick“ fehlt einfach.

wie ich ihn kenne und wie er sich einschätzt würde er in keinem Job „auf Dauer“ richtig glücklich werden, ihm wird der Job irgendwann (im Laufe der Wochen) langweilig.

beschreiben tatsächlich eine Erscheinung, die - wie Nike schon schrieb (und charming _um_schrieb) - sehr charakteristisch in eine Richtung weist, die bis vor nicht allzulanger Zeit als ADD (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom( oder ADS (attention deficit disease) betrachtet wurde. Lange glaubte man, daß dies eine im weitesten Sinne psychische Störung sei (also etwas zu therapierendes sei) und vorwiegend bei Kindern vorkomme.

Das ist aber nicht der Fall: es ist keine psych. Störung im klassischen Sinne, sondern eine Eigenart, die man besser einfach als Persönlichkeits-Charakteristik bezeichnet.

Thom Hartmann (z.B. hier:smile:
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3795007356/o/q…
hat daher einen ganz anderen psycholgischen Ansatz versucht: er unterscheidet „Jäger“-Typen (hunter) von „Farmer“-Typen.

Die einen bringen ihre Höchstleistung kurzfristig mit einer enormen Aufmerksamkeit (daher ist „ADD“ als Name dafür regelrecht falsch), zu der der „Farmer“, der eher langfristig denkt und dauerhafte Anstrengungen bewältigt, gar nicht fähig wäre.

Das Problem ist, daß unsere Kultur fast ausschließlich eine (in diesem Sinne) Farmer-Kultur ist. Hunter gehen sehr oft baden, weil für ihr Aktivitäts-Spektrum einfach kein Raum ist: weder auf Schulen (man hat sogar spezielle Schulen einzurichten versucht - das ist aber auf sehr kuriose Weise gescheitert) bzw. generell in unseren Lernsystemen, noch in den Berufsfeldern: Es gibt kaum charaskteristische Berufe für „Hunter“… aber wo auch immer eine Krise (von was auch immer) auftaucht, da sind diese Leute diejenigen, die blitzschnell und treffsicher agieren und reagieren können, ehe die „Farmer“ überhaupt merken, daß etwas nicht stimmt.

Das Problem für Hunter ist also, daß sie im Berufsleben meist Einzel"kämpfer" sind.

Die Psychotherapie kann mit diesem Phänomen nur begrenzt umgehen. Es gibt einfach kaum etwas „therapierbares“ dabei, auch wenn sich diese Menschen in ihrer Lebenswelt häufig unglücklich fühlen, weil sie sich gängigen Maßstäben nicht angemessen verhalten. Was viel wichtiger ist, sind Gespräche, aus denen man lernt, sich dieser Eigenschaften bewußt zu werden, um dann mit ihnen besser umhgehen zu können und die in geeigneter Form eine „Interessenbilanz“ ermöglichen, aus der nach und nach Wege gefunden werden können, befriedigende Tätigkeitsfelder zu finden… und - vor allem - zu lernen, ihrer Frustrationstoleranz zu erhöhen.

Zur Frustrationstoleranz hier etwas (auch wenns vom Thema her nicht hganz paßt):

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

(Nike wird jetzt wieder auf die „Enzyklopädie“ verweisen *lach*)

Tja, wegen diesem Phänomen war er zwar schon beim Arzt, der
einen zu niedrigen Blutdruck festgestellt hat, die Medikamente
zeigten jedoch keine Wirkung!

Ja - haha - das ist klar, das ist keine Sache für die Medizin.
Allerdings könntest Du Dich mal auf dieser Seite hier umsehen - es gibt zur schnellen überbrückung kritischer Situationen doch auch in diesem Bereich Hilfe…

http://www.ads-hyperaktivitaet.de/hauptteil_index.html

Grüße
Metapher

Jo Alex,
habe drei Kids (18,16,10) Das erste Kind „probierte“ auch.Sie hat einen Punkt erreicht wo sie -ganz von alleine- bemerkte, dass es nicht interessant ist dazusitzen auszuprobieren und abzuwarten.Von meiner Seite kamen da nur Vorschläge und eine andere Sichtweise. Das zweite Kind (ein Junge) probiert sich zwischen Schreiner und Bänker aus. Meine Hilfe dazu wiederum nur Vorschläge. Ich bin sicher wenn er die Praktikas nicht gemacht hätte wäre er auch nicht weitergekommen. Er will nun weiter auf die Schule gehen. Ich meine Dein Freund sollte sich überlegen in verschiedenen Bereichen Praktikas zu machen. Hat er schon mit anderen -vielleicht älteren- Jugendlichen gesprochen wie sie zu ihrem Berufen gekommen sind?Ob sie auch zufrieden mit ihrer Entscheidung sind? Ich habe in meiner Jugend einen Job annehmen „müssen“ der mich überhaupt nicht interessiert hat. Meinen Kindern möchte ich dies ersparen. Wenn es seine Schulischen Leistungen zulassen, könnte er auch auf eine Weiterführende Schule gehen. Lernen kann man nie genug und er hätte noch Zeit sich weiterhin zu informieren.Dies soll nur ein Rat für den Job sein. Ich finde es großartig wie Du Dir Gedanken wegen Deines Freundes machst.
Alles Gute für Euch beide
Gonzo

___
[Mod]: Zitierten Textkopf entfernt :smile:

der junge mann sollte sich etwas zusammenreißen.

vor 100 jahren hätte er dieses problem sicher nicht
gehabt…das ist ein typisches symptom der sog.
wohlstandsgesellschaft

na na, warum denn gleich politisch werden? ich weiß aus eigener erfahrung, dass das ziemlich nervenaufreibend ist - um das mal vorsichtig zu formulieren -, nicht zu wissen, wo es hingehen soll und was ich machen soll.

gruß
tobias

*ironieein* Ja, die gute alte Zeit, wo die Welt noch in Ordnung
war. Die Männer verdienten das Geld (so sie Arbeit hatten) und
die Frauen bekamen Kinder und standen am Herd (und studierten
nicht Jura)! Ich erinnere mich noch gut! *ironieaus*

Mal im Ernst, wenn Du das Ernst meinst, dann ist Deine
Altersangabe in der Visitenkarte wohl nict ganz so Ernst
gemeint, denn diese Ansicht war schon bei meinem Großvater
überholt.

Gruß
Tommes

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

ich habs auch überlebt.
wusste auch erst nicht, was ich machen sollte.
aber auf jeden fall sollte man auch mal was durchziehen, aúch wenn es manchmal schwer fällt.

ich habs auch überlebt.
wusste auch erst nicht, was ich machen sollte.
aber auf jeden fall sollte man auch mal was durchziehen, aúch
wenn es manchmal schwer fällt.

An Deinem Alter sieht man aber, dass Du ja noch weit davon entfernt bist, es tatsächlich durchgezogen zu haben, oder? Du kannst also gar nicht sagen sieh her, ich habs ja auch durchgezogen - weisst Du, ob Du Dein Studium beenden wirst? Und was Du danach machen wirst?

warum sollte ich mein studium nicht beenden?

ich wäre ja schön blöd, dann hätte ich ja 2 jahre umsonst gelernt. und das würde ich bereuen.

Ulrike

Konsequenz ist…
… auch einen Holzweg zu Ende zu gehen…

zwei Jahre sind nicht sehr viel, wenn man danach vielleicht viele Jahre lang ungl"ucklich ist. Ich meine, es ist durchaus legitim, sich auch nach zwei Jahren noch umzuorientieren. Ich geh"ore zu den Leuten, die hartn"ackig und unflexibel immer weitermachen, und deshalb verl"auft mein Leben relativ gleichf"ormig. Ich hatte mit 13 oder so beschlossen, Astronom zu werden, deshalb habe ich Physik studiert, und meine Diplomarbeit in Astronomie gemacht, und dann promoviert (bzw ich liege nun in den letzten Z"ugen) - und in ein Paar Wochen bin ich dann Astronom. Tolle Wurst. Das ist zwar prima, weil ich das Ziel erreicht habe (nach 15 Jahren, seit ich beschlossen habe, Astronom zu werden), aber ich frage mich auch hin und wieder, ob das eigentlich richtig ist, so ohne rechts und links zu gucken vorw"arts zu laufen. Ich weiss nicht, ob einem da nicht eine ganze Menge Erfahrung verloren gehen kann. Andererseits gibt es ebne Ziele, die man nie erreicht, wenn man nicht dabeibleibt - man muss halt zwischendrin immer mal wieder "uberpr"ufen, ob es sich noch lohnt.

Einer Kommilitonin von mir hatte nie wirklich Spass am Physikstudium. Ihr fiel alles zu, sie hatte immer beste Noten, und hat halt immer so weiter gemacht - bis sie sich irgendwann (als sie schon f"ur die Diplompr"ufung lernte), entschloss, eine Schreinerlehre zu machen - reichlich sp"at, und 10 Semester in den Sand gesetzt. Das h"atte sie zwarauch fr"uher haben k"onnen, sie ist jetzt damit aber viel gl"ucklicher.
Damit meine ich - es ist nicht immer gut, auf einer einmal getroffenen Entscheidung zu beharren, und es ist nie zu sp"at, sich umzuorientieren. Trotzdem, je fr"uher, desto besser.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Change

warum sollte ich mein Studium nicht beenden?

Hallo Ulrike,

Natürlich gibt es keinen Grund, es nicht zu beenden. Was Atompilzkopf wohl eher meinte, ist, daß Du Dir all dessen doch noch gar nicht so sicher sein kannst. Du gibst in Deiner ViKa 21-22 Jahre an. Medizinisch gesehen endet die Pubertät erst mit 21 Jahren. Du stehst doch noch ganz am Anfang - und das ist ja auch gut so. Aber viele Menschen entdecken Probleme noch viel später, und einige lernen nie, mit ihnen umzugehen.

Daß Du schon „fertig“ bist, kann ich so einfach nicht glauben… und es wäre auch schade. Wir entwickeln uns immer weiter, das Leben ist bestimmt von Veränderung, und so ist es auch gut. Viele Dinge können noch passieren in Deinem Leben und bei Dir. Und wenn Du solcherlei Veränderungen von Anfang an ausschließt, wirst Du Dir selbst im Wege stehen oder ziemlich kalt erwischt werden.

Vielleicht solltest Du darüber mal nachdenken.

Liebe Grüße, Nike

2 „Gefällt mir“

Studienabbruch und Quereintsieg
Hallo,

zu diesem Beispiel hier

Einer Kommilitonin von mir hatte nie wirklich Spass am
Physikstudium. Ihr fiel alles zu, sie hatte immer beste Noten,
und hat halt immer so weiter gemacht - bis sie sich irgendwann
(als sie schon f"ur die Diplompr"ufung lernte), entschloss,
eine Schreinerlehre zu machen - reichlich sp"at, und 10
Semester in den Sand gesetzt.

Fallen mir noch andere ein, die Ulrikes pauschales „Warum sollte ich mein Studium nicht beenden?“ antworten können:

  • Stichwort Schreinerlehre: Einer Freundin ging es genauso. 3 Jahre Lehramtsstudium, und sie war immer unglücklich damit. Dann hörte sie auf und lernte Schreinerin. Das ist jetzt sechs Jahre her, sie hat ihren Meister, und ihr geht es toll.

  • Ein Kollege von mir studierte Publizistik. Ihm war das alles viel zu theoretisch. Nach einem Praktikum bei einem Sender bot man ihm eine freie Mitarbeiterschaft an - er schmiß sein Studium. Heute ist er Redaktionsleiter. Bei uns im Fernsehen gibt es übrigens unheimlich viele Quereinsteiger und Studienabbrecher, ich würde mal auf 40 % schätzen. Einer unserer besten Kameraleute ist studierter Umweltökonom. Mein Chef hat, bevor er Regisseur wurde, Telekommunikationstechniker gelernt.

Warum ich das erzähle?

Weil ich es wichtig finde, flexibel zu sein und den Mut zu haben, sich umentscheiden zu können. Nur wenige Dinge erfordern mehr Größe, als zugeben zu können, daß man einen Fehler gemacht hat. Und überhaupt - was heißt schon Fehler. Mit 19 / 20, einem Alter, in dem sich die meisten eben entscheiden müssen, kann man noch icht alle Entwicklungsmöglichkeiten sehen und mit einbeziehen. Das ist ja auch nicht schlimm. Wir müssen alle unsere eigenen „Fehler“ machen.

Mein Freundeskreis besteht fast ausschließlich aus solchen „Suchern“: Menschen, die vieles ausprobiert, sich auch oft „geirrt“ haben - aber letzten Endes sind auch das wichtige Erfahrungen gewesen, auf die sie nicht verzichten mögen. Meine Erfahrung ist, daß denen mit dem straighten Weg meistens irgendetwas fehlt, beruflich wie privat. Erfahrung, Toleranz, oder einfach ein gewisser EQ. Sehr viele Personalchefs, die ich kenne, wissen das auch, und ziehen Menschen mit gewundener Laufbahn denen vor, die es von Anfang an ganz genau wußten.

Liebe Grüße, Nike

1 „Gefällt mir“

Viele Dinge können noch passieren in Deinem Leben

und bei Dir. Und wenn Du solcherlei Veränderungen von Anfang
an ausschließt, wirst Du Dir selbst im Wege stehen oder
ziemlich kalt erwischt werden.

ich werde im januar mutter…

reicht dir das, damit du mir glaubst, dass ich veränderungen nicht ausschließe?

es ist aber auch sinnvoll, wenn man was lernt, wo man auch eine aussicht auf eine spätere stelle hat (jura ist vielleicht nicht gerade das paradebeispiel, ich weiß)

was bringt mir es, wenn ich voller freude ägyptologie studiere und dann jahrelang arbeitslos bin? dann ist die freude sicher bald dahin.
lieber was, was vielleicht etwas weniger spaß macht, aber man auch berufliche chancen hat

Ulrike

Hallo Ulrike,

ich werde im januar mutter…

reicht dir das, damit du mir glaubst, dass ich veränderungen
nicht ausschließe?

Es muß mir nicht reichen oder irgend jemandem genügen. Es war lediglich ein Hinweis. Nicht nur Deine Lebensumstände können sich verändern, auch Du selbst kannst und wirst es.

Was das Mutter-werden anbelangt, so wird das mit Sicherheit Dein ganzes Leben umkrempeln. Es gibt aber genügend Frauen, die Mutter werden, ohne sich dessen bewußt zu sein. Damit meine ich jetzt nicht Dich, es war nur eine Anmerkung.

Alles Gute für Dein Baby, btw! :smile:

Liebe grüße, Nike

2 „Gefällt mir“

es ist aber auch sinnvoll, wenn man was lernt, wo man auch
eine aussicht auf eine spätere stelle hat (jura ist vielleicht
nicht gerade das paradebeispiel, ich weiß)

Das weiss man aber im Vorneherein nicht immer. Als ich angefangen habe (1992), war es vollkommen absurd, Physik zu studieren - ich kann mich an einen Artikel in den Physikalischen Bl"attern erinnern, in dem es hiess, auf eine Stelle k"amen 600 Bewerber. Die typischen Jobs f"ur Physiker waren Taxifahrer und Kellner (ich kannte damals sogar einen, der eine Pommesbude aufgemacht hat). Als ich mein Diplom fertig hatte (1998), hatte sich die Situation vollkommen ge"andert - die Industrie suchte h"anderingend Physiker, und die Einstiegsgeh"alter waren richtig saftig. Im Moment ist es wohl auch nicht so schlecht. Wie sich der Arbeitsmarkt in so langer Zeit ver"andert, ist oft "uberhaupt nicht abzusehen. Deshalb finde ich, wenn man weiss, was einem Spass macht, dann soll man das auch machen. Nichts ist schrecklicher, als wenn man den ganzen Tag etwas tun muss, was einem eigentlich gar keinen richtigen Spass macht?

was bringt mir es, wenn ich voller freude ägyptologie studiere
und dann jahrelang arbeitslos bin? dann ist die freude sicher
bald dahin.
lieber was, was vielleicht etwas weniger spaß macht, aber man
auch berufliche chancen hat

Ulrike