Hallo Christopher
Fuer diesen Beitrag ein Stern von mir. Sehr gut argumentiert, wenn
ich das sagen darf.
Die Frage ist dann aber doch: Warum ist es energetisch
guenstiger zu sagen „das war gut gewesen“ als „das ist gut
gewesen“?
es ist energetisch identisch, „das war gut gewesen“ oder „das
ist gut gewesen“ zu sagen. Aber: Es ist energetisch nicht
identisch, irgendeine Form aus dem Schublädchen
„Vergangenheit“ hervorzuholen oder darüber nachzudenken,
welche die richtige ist. Für die allermeisten
Alltagssituationen genügt die Einteilung „Vergangenheit –
Präsens – Futur“ völlig. Die Aspekte Präsens und Futur können
umgangssprachlich beide von der Präsensform abgedeckt werden,
das gefällt dem faulen Hirn natürlich. Ob es nun Zufall,
persönliche Vorliebe oder unbewusst regelgeleitet ist, welche
der drei (Süddeutschland/Schweiz: zwei) Vergangenheitsformen
man wählt, müsste man herausfinden.
Gut. Verraetst du mir, welche Zeitform im Sueden nicht benutzt wird
oder gar unbekannt ist?
Uebrigens: Gestern hoerte ich einen fragen: Wo hattest du dein Auto
geparkt gehabt? Perfekt und Plusquamperfekt zu verwechseln, dafuer
haben wir ja jetzt eine Erklaerung, aber das Ankleben von „gehabt“
dient wohl dazu, die Sprache redundanter zu machen, sozusagen mit
einem zusaetzlichen Vergangenheitsindikator.
Auch ist „denn“ nicht leichter zu sprechen als „dann“.
Nein, das ist Dialekt. Hier in Rheinhessen höre ich das so gut
wie gar nicht, weil es nicht zur Sprachharmonie der hiesigen
Dialekte zu passen scheint. Je nördlicher man kommt, desto
stärker ist die Form vertreten.
Das dachte ich mir schon. Hier in Rostock ist es extrem verbreitet.
Warum legt sich dann die falsche Grammatik als Form im
Sprechzentrum ab und nicht die richtige?
Wahrscheinlich eine eher mathematische als
kognitiv-linguistische Überlegung. Es gibt meist eine
richtige Form und wer weiß wie viele falsche Formen. Die
Gefahr, in einer inhaltsfixierten Situation grammatische oder
logische Fehler zu begehen, ist also denkbar hoch.
Das ist vielleicht der richtige Weg zur Beantwortung der Frage, aber
die ganze Erklaerung kann es noch nicht sein:
Warum gibt es eine Reihe von Fehlern, die immer wieder und von
vielen gemacht werden und andere Fehler kommen so gut wie nie oder
nur bei jenen vor, fuer die Deutsch eine Fremdsprache ist?
Z.B. „Ich gehst nach Hause“ sagt kein Mensch, obwohl doch
mathematisch gesehen die Wahrscheinlichkeit ein Verb falsch zu
konjugieren ebenso hoch sein sollte wie die falsche
Vergangenheitszeitform zu waehlen. Das heisst bei der Verbkonjugation
funktioniert die im Gehirn abgelegte Grammatik, bei anderen
grammatischen Formen aber nicht.
Moegliche Erklaerung: Bei der Konmjugation hat man nichts zu waehlen,
der Zusammenhang zwischen Personalpronomen und Verbendung ist fest;
jedoch bei der Zeitform muss man waehlen, denn dort gibt es mehrere
Moeglichkeiten, je nachdem, was man sagen will.
Dein
Beispiel für einen logischen Fehler vom „wohl behüteten
Elternhaus“, das man notfalls als Enallage durchgehen lassen
könnte, wird der Aussage des Satzes keinen Abbruch getan
haben. À propos Abbruch: Wenn ich einen Satz auf eine
bestimmte Weise beginne, nehme ich doch lieber eine
Inkonsequenz oder einen Bruch in der Struktur in Kauf, als
nach der Hälfte komplett neu anzusetzen.
Stimmt. Oder man ist Schnelldenker und beendet den Satz zwar anders
als geplant, aber trotzdem grammatisch richtig.
Gruss, Tychi