Satan und lange Röcke.
Hallo Hanna,
Wollen wir diesen Gedanken mal weiterspinnen:
Ich kenne Frauen, die aus religiöser Überzeugung ihr Haar lang
tragen.
(Eine Bekannte hat sogar ausschließlich lange Röcke getragen,
weil sie alles andere für „unzüchtig“ hielt!)
Ich kenne Menschen, die aus Aberglauben ein Amulett um den
Hals tragen.
Ich persönlich habe eine Farb- und Stilberatung in Anspruch
genommen und kleide mich seither in warmen Farben (aus
Überzeugung, dass sie mir besser stehen).
Siehst Du, wo ich hinauswill? Wo willst Du da die Grenzen
ziehen? Soll man jeden, der sein Äußeres aus irgendeiner
Überzeugung auf irgendeine Weise gestaltet, aus dem Lehramt
entfernen?
Ich sehe das Problem und verstehe, worauf Du hinaus willst.
Ich denke jedoch, daß Dein Gedanke etwas „hakt“, aus dem einfachen Grunde, daß es (zumindest mir) ja um religiöse Neutralität geht. Und diese Neutralität wird durch Dinge verletzt, die erkennbar eine Glaubensrichtung repräsentieren, also als Symbole gelten.
Das hat - natürlich - auch einfach viel mit unserem Kulturkreis zu tun.
Lange Haare oder lange Röcke sind keine Dinge, die einen Schluß auf dem Glauben zulassen, auch wenn sie aus religiösen Motiven getragen werden (wovon ich persönlich rein gar nichts halte, aber das ist ein anderes Thema). Diese Sache hat also viel damit zu tun, was als „gemeinhin üblich“ betrachtet wird und was nicht. Ein Kopftuch zu tragen, ist nunmal eher unüblich, heute und hier, und man wird mit der Assoziation „Kopftuch = Muslima“ eine verdammt hohe Trefferquote nahe 100% haben.
Und hier geht es ja auch um das Kopftuch als Ausdruck von Religiösität.
Es gehört für mein Dafürhalten in haargenau dieselbe Kategorie wie das Kreuz um den Hals oder das Pentagramm auf dem T-Shirt. Es soll jeder die Symbole tragen, die der will, aber in der Funktion als Staatsdiener und v.a. als Lehrer dann bitte diskret, also das Kreuz meintwegen unter der Kleidung, das T-Shirt mit dem Pentagramm unter dem Pullover oder was weiss ich. Das ist nun mit dem Kopftuch nicht so leicht.
Ich finde Marions „Weiterspinnen“ des Gedankens schon ganz richtig, und genauso gültig wie Deines - wenn wir das Kopftuch zulassen wollen (was eine Möglichkeit ist, auch für mich!), dann müssen wir auch konsequenterweise Parteiabzeichen, Satanssymbole, hakenkreuzähnliche Zeichen, das Anarchie-Symbol und ähnliches zulassen. Denn auch all diese sind ebenso wie Kreuz oder Kopftuch (wenn man sich auf diesen Standpunkt stellt) durch Glaubens- oder Meinungsfreiheit zulässig und geschützt. Die möchte ich aber alle nicht an den Lehrern meiner Kinder sehen.
Um zu Deiner Frage zurückzukommen:
Ich möchte die Grenze kulturabhängig ziehen. Und unsere Kultur empfindet das Kopftuch nunmal als religiöse Aussage, den langen Rock aber nicht. Das hängt auch eng mit dem Thema zusammen, welche Ansprüche man an Menschen aus anderen Kulturkreisen in puncto Anpassung stellt. Und da will ich keine Gleichschaltung, aber mehr Anpassung als momentan gefordert wird. Auch das hat was mit Respekt und Toleranz zu tun.
Hättest Du wirklich so gar kein Problem damit, wenn Lehrer Deiner Kinder bleich geschminkt mit schwarzen Augen, Pentagramm auf dem Shirt und umgedrehtem Kreuz um den Hals unterrichten würden?
Wie schon an anderer Stelle gesagt: Ich kann wohl eine Entscheidung in der Richtung tolerieren, aber ich würde meine Kinder so es irgend geht nicht auf solch eine Schule schicken.
Gruß,
Malte.