wer legt in Deutschland eigentlich die Schulferientermine fest und warum sind die Ferien in manchen Bundesländern so unterschiedlich? In NRW z.B. fangen die Sommerferien schon Ende Juni an, in BaWü dafür erst Anfang August. Warum gibt es da so große Unterschiede?
Hallo,
wer legt in Deutschland eigentlich die Schulferientermine fest
das geht zurück auf eine vereinbarung der kultusministerkonferenz (KMK) aus dem jahr 1964, festgelegt im sog. „hamburger abkommen“. darin wird u.a. die zahl der ferientage auf 75 werktage festgeschrieben. die koordination der ferientage übernimmt die KMK. allerdings können die einzelnen bundesländer einzelbestimmungen festlegen.
und warum sind die Ferien in manchen Bundesländern so
unterschiedlich? In NRW z.B. fangen die Sommerferien schon
Ende Juni an, in BaWü dafür erst Anfang August. Warum gibt es
da so große Unterschiede?
das liegt daran, daß nicht die gesamte brd auf einmal in sommerferien gehen soll. stell dir mal vor, 80 mio. menschen machen sich an einem tag auf und begeben sich auf straßen, bahn oder flugzeug. daher hat man einzelne bundesländer zu verschienene blöcken zusammengefaßt. das dient also der entzerrung. und dann profitiert davon natürlich auch das gastgewerbe.
näheres findest du u.a. auch bei wikipedia.
güße
uwe
Kleine Ergänzung noch: Grundsätzlich rotieren die Termine für die Sommerferien. D.h. jedes Bundesland bekommt mal die früheren und mal die späteren Termine. Nur Bayern bekommt traditionell als klassisches Ferienland immer den spätesten Termin, damit die dort im Fremdenverkehr Beschäftigten auch was davon haben, die sind ja in der übrigen Zeit in der Hochsaison. Warum z.B. Nds., SH und MP dieses Privileg aufgrund der Küste nicht auch in Anspruch nehmen, weiß ich auch nicht.
Nur Bayern bekommt traditionell als klassisches Ferienland
immer den spätesten Termin, …
Nicht nur Bayern. Gilt auch für Baden-Württemberg. Die beharren seit Jahren auf August/September. Entsprechend haben sie auch regelmäßig die spätesten Herbstferien, nämlich immer über Allerheiligen.
Gruß, Hartmann, der sich immer auf die Ferien freut, weil Busse und Bahnen dann nicht so überfüllt sind.
Nur Bayern bekommt
traditionell als klassisches Ferienland immer den spätesten
Termin,
Ist diese Argumentation verbürgt?
Mir wurde immer erzählt, es habe mit den Bauern in Bayern
zu tun, die das durchgesetzt hätten, damit die Kinder bei
der Ernte helfen können.
noch eine Vermutung: Meines Wissens ging es bei der Frage „rollieren oder nicht“ darum, dass ein Schuljahr nur bei nicht rollierenden Sommerferien immer gleich lang ist. Wenn man Wert darauf legt, ein bestimmtes Volumen an Stoff zu vermitteln, sind verkürzte und überlange Schuljahre diesem Wunsch nicht förderlich.
Baden-Württemberg war zeitweise (Jahreszahlen fehlen mir, es war irgendwann während meiner Schulzeit - ich weiß noch, wie sauer meine Eltern waren, die sich nicht vorstellen konnten, dass sich so etwas wichtiges wie Schule dem Rhytmus von Urlaubsreisen unterordnen müsste) bei der Rolliererei dabei, und ist dann wieder ausgestiegen. Der dadurch entstandene positive Effekt wird erst jetzt wieder durch die „Bildungsinitiative“ wieder ausgeglichen, die darin besteht, hunderte von Lehrerstellen nicht mehr zu besetzen, weil ja immerhin in 15 Jahren vielleicht kein Bedarf mehr dafür bestehen könnte - aber das gehört woanders hin…
Das ist aber sehr lang nach der Sache mit den Bauern (die in einem anderen Beitrag erwähnt sind) geschehen, wo Kindereinsatz beim Heuen und in der Getreideernte zunehmend weniger wichtig wurde und ab ca. 1980 mit den schnell laufenden Traktoren und immer größeren Erntemaschinen ganz überflüssig wurde. Relikt davon sind die „Kartoffelferien“ im Herbst.
das ist in der fraglichen Periode wenig wahrscheinlich. Einmal haben sich in der Zeit ca. 1960 - 1980 die Termine für Heuen und Silage um etwa vier Wochen nach vorne verschoben, sie liegen jetzt je nach Wetter auch im Voralpenraum in der zweiten Junihälfte. Dann ist das „Augschten“ = Getreideernte schon lange Zeit mechanisiert, Kinder konnte man allenfalls noch in der Zeit des Mäh-Ablegers brauchen, der noch in den 1950er Jahren zuerst durch den Mähbinder, dann durch den Mähdrescher abgelöst wurde.
Die „Kartoffelferien“ im Herbst sind noch übrig vom früheren Jahresrhytmus der Landwirtschaft. Genauso wie d’ailleurs die ewig langen Gerichtsferien in RHP, die dafür gemacht sind, dass die mager besoldeten Staatsdiener das Heu für ihre Geißen einbringen können…