Filmpsychologie

Hallo, Cineasten

hätte da mal eine auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsame Frage. Aber vielleicht hat der ein oder andere von Euch sich auch schon mal ähnliche Gedanken gemacht.

Ein gut gemachter Film entführt den Zuschauer in eine virtuelle Realität, in eine Illusion und zwar so, dass es der Zuschauer gar nicht merkt.
Würde sich der Zuschauer immer vor Augen halten: Das ist ja nur ein Film, ein erfundenes Drehbuch und Schauspieler und dahinter steht ein Kamerateam und zig Scheinwerfer, etc. dann würde es sicher auch keinen Spaß machen, sich diesen Film anzusehen, weil sich der Zuschauer mit solchen (realistischen) Gedanken die Illusion kaputt machen würde. Ein gut gemachter Film verhindert solche Gedankengänge des Zuschauern.

Bei guten Filmen ist die Illusion und der Ausflug in eine virtuelle Welt so intensiv, dass man nach Ende des Films nur sehr widerwillig wieder in seinen (verhältnismäßig)langweiligen, tristen Alltag zurückkehrt. Ist bei mir zumindest oft so. Keine Panik, bin nicht depressiv :smile:. Aber verglichen z. B. mit nem Bond-Streifen ist der Alltag der meisten Menschen wohl langweilig und trist. Wahrscheinlich ist das von den Machern von Filmen auch genau so beabsichtigt. Ich weiß es nicht.

Das ist ja möglicherweise auch der Grund dafür, warum viele Menschen sich gerne Filme ansehen. Weil sie dem (normalen) Alltag entfliehen wollen in eine andere, fremde, faszinierende, schillernde, aufregende Welt.

Frage:

Wenn die Macher von Filmen offenbar genau wissen, wie man einen Film interessant und spannend macht und wie er nicht sein darf, warum weiß man dann nicht, wie man seinen normalen Alltag verändern müßte, damit er spannend und schön ist?

Beispiel:
Schaut Euch mal z. B. Akte X an oder auch nur einen deutschen Tatort. Man wird lange suchen müssen, um bei der Polizei Büros oder Gebäude zu finden, die auch nur annehmernd so schön sind, wie Polizeibüros in Filmen.

Wenn man aber offenbar weiß, wie Büros oder Gebäude aussehen müssen, damit der Zuschauer sie geil und interessant findet, dann könnte man Polizeibüros im echten Leben doch auch gleich so gestalten.

Das war nur EIN Beispiel.

Warum weicht also die Filmrealität in den allermeisten Fällen so krass von der echten Realität ab?

Bin gespannt, ob ihr Euch tatsächlich schon mal ähnliche Gedanken gemacht habt.

Gruß, Hilde

Hallo Hilde,

das sind schon etwas merkwürdige Fragen ,die du da stellst.

Wenn du schon sehr viele Filme gesehen hast, dann muß dir ja klar sein, daß jeder Film ein bestimmtes Thema aufgreift und es dann möglichst spannend, oder auch unterhaltsam für den Zuschauer in einer komprimierten Form nahebringt.
Damit er glaubt, daß er quasi als Geistwesen (mit den Augen der Kamera) den ganzen Szenen beiwohnt und damit allen bekannten Gesetzen der Schwerkraft trotzt (Kamerafahrten), ist eine Kamera oder Scheinwerfer auch nie im Film zu sehen (es sei denn, der Film spielt an solchen Orten).
Die Welt im Film ist oft idealisiert, nur wenige Kinofilme zeigen die absolute Realität; und wie du erkennst, ist das auch so gewollt.
Wie heißt der Werbespruch? Mach dir ein paar schöne Stunden, geh’ ins Kino.

Würde aber der im Film gezeigte Handlunsgablauf in seiner zeitlich nicht gerafften Form gefilmt, also ohne Zeitsprünge, wäre das unendlich langweilig!
Und mit den in Wirklichkeit schlecht ausgestatteten Polizeibüros: Da würde ich mich mal an die diversen Stadtverwaltungen wenden und um Erhöhung der Budgetposten bitten!

Gruß Heinz

Hallo Hilde,

Frage:

Wenn die Macher von Filmen offenbar genau wissen, wie man
einen Film interessant und spannend macht und wie er nicht
sein darf, warum weiß man dann nicht, wie man seinen normalen
Alltag verändern müßte, damit er spannend und schön ist?

bei einigen kreativen und fantasiebegabten Menschen geht das und sie tun es auch. Die Gefahr besteht dann aber das diese Menschen vom Rest ihrer Bekannten als verrückt, spinnert, albern oder verstrahlt bezeichnet werden, wenn sie das tun.

Beispiel:
Schaut Euch mal z. B. Akte X an oder auch nur einen deutschen
Tatort. Man wird lange suchen müssen, um bei der Polizei Büros
oder Gebäude zu finden, die auch nur annehmernd so schön sind,
wie Polizeibüros in Filmen.

Wenn man aber offenbar weiß, wie Büros oder Gebäude aussehen
müssen, damit der Zuschauer sie geil und interessant findet,
dann könnte man Polizeibüros im echten Leben doch auch gleich
so gestalten.

Das war nur EIN Beispiel.

Das liegt warscheinlich aber eher an der Immobilien die man eben hat und die man nutzen muss und weil die Geldseckel der öffentlichen Hand für futuristisch-stylische Renaturierungen von Gebäuden leer sind, das viel zu viel Geld verschlingt und diese stylischen Designs aus Filmen gegen so ziemlich alle Sicherheits-, Unfallverhütungs- und Gebäudeplanungsvorschriften verstießen die es gibt. Erst kommt Bezahlbarkeit, dann Sicherheit, dann das chique Design.

Warum weicht also die Filmrealität in den allermeisten Fällen
so krass von der echten Realität ab?

Weils die verfilmte Fantasie eines Regisseurs bzw. Schriftstellers ist und eben nicht die Realität.

Ich habe in Filmen nie erlebt das die Indiana Jones, James Bonds und Spidermänner mal „schnell pinkeln“ gehen müssen, aufgeregt sind weil sie glauben sie schaffen einen doppelt eingedrehten Sprung von einem Hochhaus zum anderen (aber da in die 3. Etage und das 4 Fenster von rechts, weil da sitzt der Böse) mit dem brennenden BMW nicht. Oder das man in einem SciFi-Film genervt ist, weil man wieder nen neuen Pickel im Gesicht hat, oder nen eingewachsenen Fußnagel. Gandalf hatte im Herr der Ringe ja allen möglichen Stress, ebenso der Rest der Ringträger, aber hast du die mal beim Haare kämmen gesehen? Oder hat Arwen mal geklagt das sie Regelschmerzen hat? Oder Galadriel hat geklagt das ihre permanent die schönen langen Haare zerfusseln beim Haare waschen? Wären ganz normale reale Probleme. Hab ich in ganz normalen Kinofilmen, außer Reality Dramen, noch nie erlebt das sowas thematisiert würde.

Weiss nicht ob ich mir mal ähnliche Gedanken gemacht habe. Aber als ich nach „Little Shop Of Horrors“ mit meiner Pflanze sprach und sie warnte durch außerirdische Einflüsse zu glauben sie könne mein Blut haben, da schaute mich mein Mann seeehr seltsam an…

Grüsse
Helena

Hallo, Heinz,

wir sind uns aber wohl in einem Punkt einig:

Das Kino zeigt die Realität so, wie sie idealerweise sein könnte, bzw. wie sie der Zuschauer gerne hätte.

Wären Filme eine Kopie unseres normalen oftmals grauen Alltags, würden wahrscheinlich nur sehr wenige ins Kino gehen, weil sie das nicht sehen wollten. Das kennen die Leute ja ohnehin.

Es stellt sich doch dann logisch die Frage:

Warum bleibt das Erscheinungsbild unseres Alltags oftmals hinter dem zurück, wie es idealerweise sein könnte und wie es die Menschen ja auch gerne hätten, weshalb sie ja auch ins Kino gehen, um sich eben mal für 2 Stunden in diese Welt zu flüchten?

Du führst die Kosten an und Budgetfragen. Das ist aber glaube ich nicht immer das Problem. Es ist ofmals einfach eine Frage des schlechten Geschmacks. Man kann ein Büro schön und ansprechend einrichten oder häßlich und trist. Das schöne Büro muss nicht unbedingt teurer sein.

Kennst Du nicht das Phänomen, dass Du nach einem tollen Bond-Streifen noch eine ganze Weile diesem Film nachhängst in Deinen Gedanken und Du stimmungsmäßig noch eine ganze Weile in diesem Film gefangen bist?

Gruß, Hilde

Hallo Hilde,
irgendwo hatte ich mal eine ganze Liste von diesen realitätsfernen Film-fehlern, leider finde ich sie nicht mehr.
Mein persönlicher Favorit:
Wie schafft man es perfekt geschminkt/frisiert aufzuwachen?
Grüße
Almut

Hi,

ich sehe unheimlich gerne Filme aber das was du beschreibst, kenne ich nicht. Ohne das ich es mir einrede, ist mir klar, das ein Film nur Fiktion ist und nichts mit dem handelsüblichen Alltag zu tun hat.

Ich schaue Filme, weil ich unterhalten werden möchte, nicht weil ich meinem Leben entfliehen will. Es mag daran liegen, das ich meinen Alltag nicht als öde und trist bezeichnen würde. Dem entsprechend habe ich gar keine Lust darauf, das mir mein Leben verändert wird, es ist eh schon spannend genug (vor allem jetzt, in der Bauphase).

Nun ja, ich habe eine Vorliebe für Horror- und Actionfilme, das kann ich im echten Leben nun wirklich nicht brauchen :wink:

Zu deinem Beispiel: hast du mal was aus der Nachtschicht-Reihe im ZDF gesehen? Die Polizeiwache ist so abgeranzt wie unsere dörfliche (ehrlich). Im Alltag arbeite ich dagegen in einem unheimlich stylischen und bis ins letzte Detail abgestimmten Designer-Gebäude und würde es am liebsten sprengen, da nichts wirklich sinnvoll ist.

Einen Film macht die Story spannend und packend, Filmschnitte und Musik tragen auch ihren Teil dazu bei. Aber eine gähnend langweilige Story wird auch im Film nicht besser (ein richtiges Beispiel fällt mir gerade nicht ein, aber ich nenne einfach mal alle Herzschmerz-Liebesschnulzen und Tanzfilme).

Gruss,
Little.

Hi, Almut,

ja, genau darauf will ich hinaus.

Das Problem ist - wenn man es nicht schafft einen gesunden Abstand zu wahren - dass man mit sich selbst irgendwie unzufrieden wird, weil man seinen Alltag mit dem Alltag von Filmfiguren vergleicht.

Aber ich glaube, dass das bei vielen Filmeguckern leider schon der Fall ist. Warum verkauft sich der Ring von HdR sonst so gut oder die Sonnenbrillen und Ledermäntel von Matrix?

Psychologisch gesehen steckt da doch dahinter, dass die Käufer dieser Produkte gerne selbst so wären wie ihre Filmidole und dass sie glauben, es mit dem Erwerb dieser Produkte auch tatsächlich ein bischen mehr zu sein, als vorher.

Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen läßt, ist das schon ziemlich krass.

LG Hilde

Hallo Almut,

… und wie schafft man es, aus dem Wasser trocken herauszukommen?!?

Gruß Heinz

Hi, Helena,

Volltreffer. Du hast mein Problemchen genau richtig erkannt.

Die einzige Ausnahme - zwar nicht im Kino, sondern im Fernsehen - die ich kenne, ist die LINDENSTRASSE.

Die ist ziemlich nah am eigentlichen Alltag der Menschen dran. Im Gegensatz zu Verbotene Liebe oder Marienhof, die alle ziemlich auf Hochglanz poliert sind, kommt die LINDENSTRASSE ziemlich grau in grau daher.

Die Macher der Lindenstraße haben sich sicher etwas dabei gedacht, sonst wäre die LINDENSTRASSE nicht so.

LG Hilde

Hallo Hilde,

Das Kino zeigt die Realität so, wie sie idealerweise sein
könnte, bzw. wie sie der Zuschauer gerne hätte.

nicht immer; es gibt wirklich sehr viele zeitkritische, ja unangenehme Filme, die keine schöne Welt zeigen (nenne wir mal La Strada)
Die Kinogänger wollen natüürlich Geschichten sehen, spannende, oder schöne Handlungen, ansonsten hätten wir Dokumentarfilme. Man kann ja nicht ie Kamera auf eine Szene halten und eine Stunde laufen lassen, wer will das sehen?

Warum bleibt das Erscheinungsbild unseres Alltags oftmals
hinter dem zurück, wie es idealerweise sein könnte und wie es
die Menschen ja auch gerne hätten,

warum denkst du, daß es so ist? Halte dich unter Reichen auf, die tun und lassen können, was sie wollen und ein sorgenfreies Leben führen - da ist alles schön!

Du führst die Kosten an und Budgetfragen. Das ist aber glaube
ich nicht immer das Problem. Es ist ofmals einfach eine Frage
des schlechten Geschmacks. Man kann ein Büro schön und
ansprechend einrichten oder häßlich und trist. Das schöne Büro
muss nicht unbedingt teurer sein.

Das mag sein - aber ich glaube nicht, daß Beamte daran ein Interesse haben.

Kennst Du nicht das Phänomen, dass Du nach einem tollen
Bond-Streifen noch eine ganze Weile diesem Film nachhängst in
Deinen Gedanken und Du stimmungsmäßig noch eine ganze Weile in
diesem Film gefangen bist?

Natürlich gibt es Filme, die einen schwer beeindrucken und im Film bleiben lassen. Aber das gibt es auch bei guten Konzerten oder Bühnenaufführungen - das gleiche Phänomen.

Gruß Heinz

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Also den HdR-Schmuck zu kaufen setzt nicht voraus das ich meine dann aussehen zu können wie Galadriel. *seufz* Ich identifiziere mich auch nicht mit Galadriel wenn ich den Ring oder dieses Diadem trage.

Es ist bei solchen Fantasyfilmen vielleicht eine Art „leise Sehnsucht“ einen Teil dieser zu Film gewordenen Welt zu sein, ein Stück im Alltag zu besitzen das, wenn man gaaanz fest dran glaubt, einem den Zauber der Fiction in den Alltag holt. So wie der ausgefranste Teddy vom Speicher einen augeblicklich an gruselige Nächte oder tolle Kinderpartys erinnert wenn man ihn wieder findet.

Es mag sein das einige sehr „fragile“ Zuschauer aus einem Film herausgehen, sich den Ledermantel von Matrix kaufen, glauben sie können die Zeit biegen und sich schneller bewegen als der Schall, zumal eh alles eine Projektion ist und man auch vor einen Bus laufen kann ohne zu sterben. Das wäre aber dann schon therapiewürdig meine ich.

Da ich mich sehr für Dialogregie interessiere habe ich mal versucht witzige und schlagfertigen Sprüche und Dialoge in meinen Alltag zu integrieren, die ich in Filmen und TV Serien hörte, bzw. solche Situationen auszubauen. Blöder Nebeneffekt ist - diese Dialoge sind zu geschliffen, wenn man auch nur ansatzweise so zynisch, schnell, ironisch und locker daher plaudert reagiert die Umwelt eher ablehnend, irritiert und ist düpiert. Weil im Film eben jeder so schnell und gelassen spricht, aber im Alltag jede Menge Menschen schon Probleme haben einfach nur witzig zu sein, oder einen Witz nicht als Anspielung zu verstehen.

Darum ist es gut wenn Film, einfach nur Film sein kann.

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Hi, Littlescare,

sehr interessant. Es gibt eben unterschiedliche Geschmäcker. Dem einen gefällt das, dem anderen etwas anderes und jeweils auch noch aus unterschiedlichen Gründen, denen sich die Betroffenen oftmals gar nicht bewußt sind. Das Leben ist Psychologie.

Als ich meine Frage hier gepostet habe, war ich mir gar nicht sicher, ob die nicht im Psychobrett besser aufgehoben wäre. Aber ich wurde nicht enttäuscht. Sehr interessante Beiträge bisher.

Ist Unterhaltung nicht auch irgendwie eine Abkehr vom Alltag? Wir bräuchten doch gar keine Unterhaltung, wenn der Alltag schon top wäre. Wie dem auch sei.

Das mit Filmen und guter Story, etc. ist bei mir auch nicht so. Für mich zählt hauptsächlich die Stimmung, die ein Film auf nicht hat, bzw. die ein Film in mir auslöst. Dazu gehört zum einen natürlich die Musik, aber vor allem auch die Einstellungen die ein Film zeigt.

Megageil finde ich in diesem Zusammenhang Blade Runner, Dare Devil, HdR oder StarWars. Aber noch viele mehr, die mir jetzt spontan nicht einfallen. Doch, jetzt fällt mir noch Paris Texas ein, einfach herrlich melancholisch.

Du siehst, ich finde Filme verschiedenster Genres geil, wenn die Stimmung paßt, in die mich diese Filme versetzen. Das ist natürlich sehr individuell und subjektiv und es hängt sicher auch entscheident davon ab, in welcher Stimmunglage ich diese Filme seinerzeit zum ersten Mal gesehen habe.

LG Hilde

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Lindenstraße hat Mut zur Hässlichkeit und zum öden Alltag, das stimmt. Da wird ja auch gestorben und gesiecht, da gibts Arbeitslose und Abhängige. Das ist eine sehr reale Soap. Zum Glück!!!

Hi,

hier findest du ein paar dieser Dinge: http://www.lustigestories.de/stories/kino.php
http://www.iphpbb.com/foren-archiv/29/1830400/182984…

Gestern habe ich in diesen Nicolas-Cage-Indiana-Jones-Verschnitt reingezappt, da reichte auch ein klitzekleiner Bengalo aus um eine große Halle zu erhellen :wink:

Gruss,
Little.

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Hallo Hilde,

ich meine es kommt immer drauf an was du mit Unterhaltung meinst.

Für mich ist ein Filmerlebniss z.B. auch, wie stellt es der Regisseur an das seine Message bei mri als unbelekten Zuschauer ankommt? Wie geht er das Thema an? Wie stellt er die Personen dar? Welche Mittel benutzt wer? Wie gut (oder platt) wurde die Vorlage umgesetzt? Wie geschliffen sind Dialoge? Welche Schnittechnik, Geräusche, Musik wird eingesetzt und zu welchem Zweck?

Für mich ist Film (egal ob TV, BluRay oder Open Air Kino) nicht nur Unterhaltung zum Abschalten. Im Idealfall hat ein Filmerlebniss sogar alles, einen Lerneffekt, ich sehe durch die Augen des Regisseurs / Schriftstellers wie er seine Inhalte vermittelt, ich möchte berieselt werden, ich möchte abschalten, ich will entführt werden und mein Hirn nimmt noch etwas zum nachknabbern mit nachhause.

Das schlimmste sind für mich Filme in denen ich die weitergehenden Dialoge und Handlungen erraten kann. Und das passiert in letzter Zeit leider oft das vor allem Klischees wie Textbausteine in Drehbücher reingebastelt werden…

Grüsse
Helena

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Hallo, Heinz,

Warum bleibt das Erscheinungsbild unseres Alltags oftmals
hinter dem zurück, wie es idealerweise sein könnte und wie es
die Menschen ja auch gerne hätten

warum denkst du, daß es so ist? Halte dich unter Reichen auf,
die tun und lassen können, was sie wollen und ein sorgenfreies
Leben führen - da ist alles schön!

Sehr guter Einwand. Warum saufen und koksen dann so viele Film- und Musikstars, wenn deren Leben so supertoll ist?

Da gibt es wohl einen Unterschied zwischen dem, wie das Leben der Reichen nach außen hin ist, und dem, wie sie es selbst für sich erleben.

Du hast aber Recht, dass Reichtum sehr oft idealisiert wird und zum Schönen und Interessanten dazugehört, z. B. die Bond-Filme. Da spielt Geld keine Rolle.

Aber ich finde auch die Filmrealität von z. B. Club der toten Dichter sehr anziehend, obwohl das eher ein trauriger und nachdenklicher Film ist, der mit Reichtum und Geprahle nichts zu tun hat. Dieser Film hat unglaublich viel Atmosphäre und Stimmung.

LG Hilde

Hallo, Helena,

ich mal wieder :smile:

Die Sache mit der Dialogregie finde ich sehr interessant.

Kannst Du mir mal zwei oder drei konkrete Beispiele nennen, wie Du das genau meinst?

Welche Dialoge aus welchen Filmen hast Du den in der echten Realität schonmal ausprobiert und bei welchen Gelegenheiten?

LG Hilde

Hi,

ja, das sehe ich auch so.

Die Filmindustrie orientiert sich am common sense, daran hat sich nix geändert, aber der commen sense hat sich schon geändert.

Leichte Kost mit ein paar coolen Effekten verkauft sich besser, als die große Message, auch wenn ich zu meiner Schande gestehen muss, dass HdR oder Dare Devil auch keine besonders anspruchsvolle Message rüberbringen :smile:

Was auch eine sehr interessante Untersuchung wäre:

Man müsste mal abgleichen, welche Messages Regisseure in ihren jeweiligen Filmen rüberbringen wollten und was Zuschauer dann jeweils tatsächlich als Message verstanden haben. Da gibt es bei 10 Zuschauern möglicherweise 10 Varianten und die Variante des Regisseurs ist womöglich gar nicht dabei.

Cool finde ich jedenfalls, wenn Filme, die als Message rüberbringen wollen, wie unwichtig doch Geld, Karriere und Macht sind, dann am Ende Kassenschlager werden und die Darsteller, den Regisseur und den Produzenten dann noch um ein paar zusätzliche Millionen reicher machen :smile: Das ist dann Realsatire und eine Message, die so überhaupt nicht beabsichtigt war

LG Hilde

Bin gespannt, ob ihr Euch tatsächlich schon mal ähnliche
Gedanken gemacht habt.

Jau… im Prinzip kenne ich aus meinem Alltag und meinen Interessen eigentlich immer DEN einen einzigen Grund, warum das so ist, wie Du es beobachtet hast:

Es ist schlicht unpraktisch.

Unpraktisch bedeutet in diesem Zusammenhang meistens:

  1. Der Aufwand, dass die ganze „Kulisse“ so gut und spannend aussieht, ist einfach zu hoch, als dass man ihn immer wieder betreiben will. Im Alltag muss etwas zur Benutzung eben nicht nur toll aussehen, sondern z.B. auch einfach zu reinigen sein.

  2. Es sieht zwar gut aus, ist aber nicht wirklich bequem zu nutzen. Wir kennen alle die tolle Computersteuerung aus Minority Report. Sieht klasse aus, aber wie kann ich damit faul auf dem Sofa liegen und surfen?

  3. Der Anschaffungsaufwand (Kohle) ist viel zu hoch für den Nutzen. In Star Trek haben alle eine ganze Menge an Touch-Computern an jeder Ecke. Technologisch sind wir mit den ganzen iPads und so gar nicht so furchtbar weit weg entfernt (oder eigentlich faktisch schon soweit), diese z.B. zu nutzen, um in jedem Raum die Heizung einzustellen. Es ist aber einfach zu teuer.

Grüße,
Ecki

Servus,

ergänzend zum ersten Teil Deiner Frage, möchte ich noch anmerken, dass ich kein Problem mit phantasievollen Filmen habe, jedoch brauche ich, dass der Film seiner eigenen Logik folgt bzw. empfinde es immer als einen Art Weckruf aus der Phantasiewelt, wenn der Film seine eigenen „Regeln“ verletzt.

Beispiel: Ich habe kein Problem mir eine Phantasiewelt vorzustellen, in der der Held übernatürliche Kräfte hat, wenn jedoch dieser Held in eine Situation gerät, die er mit seinen zuvor offenbarten Kräften leicht lösen könnte, sich aber aus dramaturgischen Gründen plötzlich einen umständlichen anderen Weg beschreiten muss, dann fällt mir das negativ auf.

Leider gibt es selten Filme, die ihrer eigenen Logik bis zum Schluss treu bleiben.

Nun aber zu Deiner eigentlichen Frage:

Ich denke es ist wie mit vielen Dingen des Lebens: Man hat eine gewisse Vorstellung von der idealen Welt, jedoch Schicksal, Geld, äußere Umstände und Zwänge, innere „Hürden“ und nicht zuletzt Naturgesetze verhindern die Umsetzung derselben.

Im Film muss das Büro der Gesetzeshüter nicht vom Steuerzahler bezahlt und neue innenarchitektonische Ansätze nicht international ausgeschrieben werden, es müssen kein Denkmalschutz oder arbeitsrechtliche Bedingungen beachtet werden und nicht zuletzt muss sich die Form nicht der Funktion unterordnen. Obwohl gerade in Tatorten IMHO häufig auf relativ realistische Büroräume geachtet wird.

Warum Film nicht Realität werden kann, sieht man aber am Besten an Actionfilmen. Vieles was da laut explodiert, würde in der Realität nicht mal gescheit brennen (Chemie ist schuld); Explosionen, die man im Film-Weltraum hört, wären in Wirklichkeit absolut tonlos (Physik ist schuld); PCR-Analysen, die im Film wenige Minuten dauern, dauern in Wirklichkeit Tage und sind dabei auch noch fehlerbehaftet(Biologie ist schuld); zufällige Ereignisse, die im Film immer eintreten, geschehen im wirklichen Leben selten bis nie (Wahrscheinlichkeiten sind schuld) und Frauen verhalten sich im Film auch immer anders :wink: (Gott ist schuld?).

Gruß,
Sax