Hi, Annie,
sehr gerne. Ich weiß gar nicht, wo Helena abgeblieben ist…
Sehr interessant das Ganze. Derart kannte ich bisher nicht, bzw. ich war mir dessen nicht bewußt.
Ist Dein Nickname nicht auch eine Bezeichnung aus irgendeinem Film? Awful Annie sagt mir irgendwie was, wenn ich mich nicht täusche.
Drehbücher und Dialoge sind nunmal von A bis Z durchgeplant und inszeniert. Zudem werden bei Dreharbeiten ein und dieselben Szenen x-mal wiederholt, bis sie total perfekt sind (in den Augen des Regisseurs). Das sind alles Dinge, die man im Alltag leider nicht machen kann, das wird mir langsam immer klarer, obwohl es mir natürlich ohnehin schon klar war. Man ist sich dessen aber nicht immer sofort bewußt.
Das ist auch genau das Perfide und Gefährliche daran, dass einem das Inszenierte von Drehbüchern und Dialogen nicht immer sofort bewußt ist. Der Film will ja gerade kaschieren, dass es (nur) ein Film ist und die perfekte Illusion erzeugen.
Ganz furchtbar finde ich in diesem Zusammenhang übrigens das Making of zu einem Film, das es als Extra auf DVD ja oft gibt. Das zerstört gerade die Illusion, weil es die Täuschung erklärt. Das ist so ähnlich, als würde man die Pointe eines Witzes rational analysieren. Schrecklich! Da bekomm ich Gänsehaut.
Zwischen dem echten Leben und der Filmwelt gibt eine Wechselwirkung. Einerseits werden Filme produziert, von denen angenommen wird, dass die Menschen sie sehen wollen (Profitstreben der Filmindustrie). Hier orientiert sich der Film also am echten Leben.
Andererseits vermittelt der Film auch Lebensgefühle, Weltbilder, Stimmungen und Meinungen, die umgekehrt die Menschen in ihrem echten Leben beeinflussen (sollen). Menschen orientieren sich daher auch oftmals an ihren Filmidolen und wollen ihnen gerne nacheifern.
Insofern erzeugen Filme auch Sehnsüchte, Melancholie und Wehmut, letztlich aber auch Unzufriedenheit und Frust, weil man bei einem Vergleich mit seinen Filmlieblingen immer schlechter abschneidet und sie in ihrer Perfektheit unerreichbar sind bezüglich Dialoge, Job, Aussehen, Style, Kleidung, Mut, Geschicklichkeit, Liebesleben, etc.
Sogar Darth Vader ist in seiner Bösartigkeit und Verbitterung perfekt und obwohl er bei Star Wars die Persona non grata ist, ist er trotzdem irgendwie eine beeindruckende Erscheinung. Man haßt ihn als Zuschauer jedenfalls nicht wirklich, sondern ist im Gegenteil eher fasziniert. StarWars ist natürlich nicht jedermanns Sache, aber es gibt hier unzählige andere Beispiele.
Nimm die Rolle von Kevin Costner in Perfect World. Natürlich will man selber kein Verbrecher sein und ist froh, dass man im echten Leben keiner ist. Trotzdem findet man diese Rolle sympatisch und identifiziert sich auch ein Stück weit damit. Man wäre auch gerne so cool und souverän und wüßte auch gerne immer gleich, was zu tun ist und wie man es anpackt.
Diese Aufzählung könnte ich noch stundenlang fortführen…
Schönen Tag, Hilde
lg Hilde