Finanzierung bei Selbständigen

Hallo Zusammen,

ich bin zusammen mit meiner Frau auf eine Schlüsselfertige Immobilie gestossen. Etwa 20% Eigenkapital haben wir. Für die Nebenkosten nochmals etwa 11% (Umbau,Makler etc) haben wir den Rückkaufwert von Lebensverischerung sowie die Eigenheimzulage in Höhe von € 22.800 zu als Sicherheit. Mit unserer Besonderheit der Selbständigkeit, bei meiner Frau sogar noch frisch folgende Fragen? Welche Banken sind für Selbständige interessant und hat jemand anderes Erfahrungen als Selbständiger?

Danke Jules

sehr schwierig
Hallo,

also ersteinmal: Die Zeit drängt! Anfang 2006 kommt Basel II und ab dann haben es Selbständige noch schwerer als jetzt.

Pauschal kann man da keine Empfehlung geben, da spielen leider zu viele Faktoren eine Rolle. Ich kann gerne einige Parallelanfragen starten, wenn sie mir eine Selbstauskunft zukommen lassen. Bei Interesse Email an mich. Sorry wenn ich nicht konkret weiterhelfen kann. Tipp: Lassen Sie die Eigenheimzulage aus allen Berechnungen raus, es sollte auch ohne gehen. Hier wird oftmals schöngerechnet, die EHZ sollte die Reserve der Reserve sein.

Viele Grüße

Mcihael Hussing

Hallo Michael!

also ersteinmal: Die Zeit drängt! Anfang 2006 kommt Basel II
und ab dann haben es Selbständige noch schwerer als jetzt.

Wenn ein Selbständiger Kredit braucht, wird geguckt, ob die Bank womöglich das komplette Risiko des Vorhabens alleine zu tragen hat und wie groß die Chance des Ausfalls bzw. der Rückzahlung ist. Danach richtet sich, ob die Bank überhaupt mitzieht und wenn ja, zu welchem Preis.

Solche Überlegungen fanden schon immer statt, hat also nichts mit BaselII zu tun.

Gruß
Wolfgang

Wenn ein Selbständiger Kredit braucht, wird geguckt, ob die
Bank womöglich das komplette Risiko des Vorhabens alleine zu
tragen hat und wie groß die Chance des Ausfalls bzw. der
Rückzahlung ist. Danach richtet sich, ob die Bank überhaupt
mitzieht und wenn ja, zu welchem Preis.

Richtig. Das ist allgemeingültig.

Solche Überlegungen fanden schon immer statt, hat also nichts
mit BaselII zu tun.

Also das es ein Selbständiger schon immer schwer hatte, einen Kredit zu bekommen ist klar und hab ich ja auch geschrieben.
Basel II verschärft das Ganze nochmal. Hier werden übrigens auch viele Angestellte Probleme bekommen, wenn es beispielsweise um eine Anschlussfinanzierung geht. Oder wolltest du sagen, daß BASEL II keine Auswirkung auf eine Kreditvergabe haben wird?

Viele Grüße

Laber

Hallo Jules,

erfahrungsgemäß ist es bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken (etwas) leichter als Selbständiger Geld zu kriegen, aber der Unterschied hat sich in den letzten Jahren nivelliert.

Gandalf

Hallo Michael!

Oder wolltest du sagen, daß :BASEL II keine :Auswirkung auf eine :Kreditvergabe haben wird?

Genau das wollte ich sagen, soweit es um Privatleute und kleine Unternehmen geht.

Die Probleme sind immer wieder ähnlich: Junges Geschäft, gute Aussichten, aber keine handfesten Zahlen und viel zu wenig Eigenkapital. Wird dann auch noch alles flüssig gemacht, was irgend geht, ist beim erstbesten Engpaß die Liquidität dahin und aus eigener Kraft auch nicht wieder herstellbar, weil ja alles in Anlagevermögen oder der Immobilie steckt. Zusätzliche Sicherheiten kann der Kreditnehmer nicht bringen, weil sein Dach über dem Kopf ohnehin der Bank gehört, wo auch der Kfz-Brief liegt und alle Forderungen sind ebenfalls längst abgetreten. Das ist dann die Situation, in der sich die Bank aussuchen kann, entweder einen Sanierungsfall mit der Gefahr des Fasses ohne Boden zu finanzieren oder den Geldhahn sogleich zuzudrehen.

Basel II hin oder her, das geschilderte Szenario kennt jeder Banker und verhält sich zukünftig nicht anders wie in der Vergangenheit.

Wenn es seit Jahren gesunde Zahlen gibt, alle Kennzahlen sind im grünen Bereich, der Kreditnehmer ist nicht schon durch Unzuverlässigkeit, irreale Vorhaben und andere Wolkenkuckucksheime aufgefallen und das Eigenkapital besteht nicht nur aus Sachen, die im Zweifel bestenfalls den Kilopreis abzüglich Transportkosten bringen, funktionierte eine Finanzierung bisher und wird auch weiterhin funktionieren.

Der im Ursprungsposting geschilderte Fall hört sich nicht gut an. Zwei Selbständigkeiten, eine davon noch am Anfang, brauchen vorhersehbar irgendwann Geld. Die im Bedarfs- oder Notfall rettende Reserve wird jetzt aus dem Verkauf einer Lebensversicherung für die Immobilie verwendet. Das Eigenkapital für die Immobilie besteht zudem z. T. aus Aussichten auf staatliche Förderung. Wenn bei dieser Konstellation irgend etwas Unvorhergesehenes passiert, bricht alles wie ein Kartenhaus zusammen.

Gruß
Wolfgang

1 „Gefällt mir“

Bin jetzt seit etwas mehr als drei Jahren als Freiberufler tätig und habe die Tage auch versucht ne Finanzierung für eine Immobilie zu bekommen. Grundvoraussetzung hierfür war, dass die Bank überhaupt per Satzung Freiberufler finanzieren darf. Danach hängt es wohl stark von der Branche ab und der Höhe, die man finanzierne will. Habe bei meiner Voba angefragt. Die Hätten sich bei der Größenordnung von 70.000 auf eine 90% bis 100% Finanzierung eingelassen. Bei 100% hätten sie aber gerne nen Bürgen gehabt.
Das Spiel hätten sie aber nur mitgemacht, weil meine aktuelle Miete für Wohnraum und Büro identisch oder sogar in der Zukunft höher gewesen wäre, als die Tilgung des Kredites und ich nachweisen konnte, dass ich meine Miete bis jetzt immer begleichen konnte (während des Studiums, und der Startphase) Ansonsten ist Grundvoraussetzung, dass das Unternehmen mindestens drei Jahre existieren muß und die Zahlen sich eher positiv entwickeln. Daneben mußte ich anchweisen, dass ich ordentlich versichert bin, dass heißt auch bei totalausfall weiter den Kredit finanzieren kann.

Kredit hat letzten Endes hier nicht funktioniert, da die Immobilie genau auf der Landesgrenze zum anderen Zuständigkeitsbezirk steht ;o)

Hallo Wolfgang,

yep, genau so ist es. Sehr schön dargestellt.

Diverse (Bank)Pleiten der letzten Jahre sowie Basel II zwingen die Banker, die nackten Zahlen zu befragen, wo früher noch Vertrauen und persönliche Einschätzung zur Anwendung kamen.

Viele (Jung)selbständige haben - gottseidank - ein so grosses Vertrauen in ihren Erfolg, dass sie aus allen Wolken fallen, wenn ihnen der Banker erklärt, dass er diesen Beweis nun auch noch schwarz auf weiss und nachweisbar benötigt.

Zu allem Überfluß herrscht bei der Schaffung von Immobilieneigentum seit einiger Zeit eine groteske Torschlußpanik. Da wird Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, Kind und Kegel beliehen und versetzt, um vermeintliche „Schnäppchen“ zu ergattern, bei denen der Verkäufer drei Kreuze macht, sobald alles erledigt ist.

Gruß
Bonsai

Hallo,

das ist ja alles vollkommen richtig und treffend formuliert, aber leider wird es noch schwieriger für alle, ab 2006 einen Kredit zu bekommen. Und das liegt nunmal an BASEL II. Das war mein Anliegen. Wenn du meinst das nach BASEL II alles unverändert beim Alten bleibt ist das falsch. Naja, das war ja eigentlich auch garnicht der ursprüngliche Punkt. Es ist jetzt schon schwierig genug, eine gute Finanzierung für einen Selbständigen zu erhalten.

Viele Grüße

Laber

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Vielen Dank für das bisherige Posting.

Weitere Infos:
Einer ist seit 1993 selbständig. Die Neuselbständige hat einen unbefristeten festen 5-stelligen Vertrag über merhere jahre mit einer sehr bekannten und bonitätsstarken Gesellschaft . Die Finanzen waren immer im grünen Bereich. Der zusätzliche monatliche Cash-Flow würde eine 10% Tilgung pa. ermöglichen. Geplant ist aber lediglich 1% Tilgung um die Liquidität zu erhalten.

Ertscheint es immer noch zu heiß genäht. Und wie siehst es mit den Banken aus, die Geschäft machen wollen?

Danke

Weitere Infos:
Einer ist seit 1993 selbständig. Die Neuselbständige hat einen
unbefristeten festen 5-stelligen Vertrag über merhere jahre
mit einer sehr bekannten und bonitätsstarken Gesellschaft .
Die Finanzen waren immer im grünen Bereich. Der zusätzliche
monatliche Cash-Flow würde eine 10% Tilgung pa. ermöglichen.
Geplant ist aber lediglich 1% Tilgung um die Liquidität zu
erhalten.

Ertscheint es immer noch zu heiß genäht.

Ja. Das, was Du oben schreibst und Dein Ursprungsposting:

ich bin zusammen mit meiner Frau auf eine Schlüsselfertige Immobilie gestossen. Etwa 20% Eigenkapital haben wir. Für die Nebenkosten nochmals etwa 11% (Umbau,Makler etc) haben wir den Rückkaufwert von Lebensverischerung sowie die Eigenheimzulage in Höhe von € 22.800 zu als Sicherheit…

werden bei der Bank zu der Frage führen, warum in 12 Jahren Selbständigkeit (ich denke doch auch, im 5-stelligen Bereich) nicht schon wesentlich mehr übriggeblieben ist, was dann zu 30% oder mehr Eigenkapital (ohne Mitfinanzierung der Nebenkosten, ohne Einrechnen der EHZ) führt, und einer Finanzierung, auch bei einem Selbständigen nichts im Wege steht.

Soll ich Dir die sehr bekannten und bonitätsstarken Firmen auflisten, die - alleine in meinem direkten Umfeld - im letzten Jahr von heute auf morgen eine erhebliche Anzahl ihrer externen Verträge - von heute auf morgen - gekündigt hat? Nein, tue ich natürlich nicht, irgendwann bekomme ich auch von dort wieder Aufträge…

Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ich Haus und Wohnung zu Beginn diesen Jahres nur halten konnte, weil ich - neben Immobilien, Versicherungen und fest angelegten Werten - erhebliche Rücklagen hatte. Denn, ein sehr bekanntes und finanzstarkes Unternehmen hat mir nichts, dir nichts, einen Sparaufwand von 100 Mio. Euro festgestellt und mir das relativ kurzfristig auch mitgeteilt :wink:

Gruß
Bonsai

Hallo Michael!

Es ist jetzt schon schwierig :genug, eine gute Finanzierung :für einen Selbständigen zu :erhalten.

Ja, zumal dann, wenn wie im vorliegenden Fall von üppigem Überschuß geschwärmt wird, der auch 10% Tilgung zuließe. So ein Mensch steht mit dem Rücken an der Wand, wenn er vom Bankangestellten gefragt wird, weshalb dann die bar gar nicht vorhandene Eigenheimzulage als Teil des Eigenkapitals herhalten muß.

Der Rat, den man jedem Selbständigen geben kann, ist der, für Liquidität zu sorgen, statt Liquidität nur anzukündigen. Wenn viel Geld verdient wird, muß ein nennenswerter Anteil zurückgelegt werden, also ganz „altmodisch“ wie auch immer gespart werden. Das eigene Geschäft in der eigenen Immobilie ist gewiß erstrebenswert. Aber man kann von einem Haus und von einem noch so beeindruckenden Maschinenpark nicht abbeißen. So wird mancher lt. Bilanz vermögende Mensch zum Bittsteller, vor dem es dem Banker graust und der seine stolz vorgezeigten Aufträge nur abwickeln kann, wenn ihm jemand das nötige Geld pumpt. Wenn so ein Mensch gegenüber dem Geldinstitut zum Besten gibt, er könnte ja noch viel mehr tilgen, wenn er denn nur wollte, fällt die Klappe bei der Bank, weil Aussagen und Wirklichkeit nicht zueinander passen. Der dadurch eingetretene Vertrauensschaden ist i. d. R. irreparabel, denn für die Bank gibts nur die Auswahl zwischen lauter Sachverhalten, die eine Kreditvergabe ausschließen: Der Kunde leidet unter Realitätsverlust. Oder der Kunde lügt bewußt. Oder der Kunde kann nicht mit Geld umgehen. Etwas Kreditwürdiges ist jedenfalls nicht dabei.

Dem Selbständigen hilft deshalb nur sparsam wirtschaften und Geld in der Tasche (oder wo auch immer, jedenfalls verfügbar).

Gruß
Wolfgang

Hallo Zusammen,

vielen Dank für die unterschiedlichen Eindrücke. Es zeigt sich das hier einiges an Kreditsachverstand zusammen kommt. Alle Informationen auszubreiten würde den Rahmen sprengen, daher werde ich nicht auf die einzelnen Kommentare eingehen, bin aber auf die Banken schon mal eingestellt und gespannt wie meine Zweit-Gespräche mit denen weiterlaufen.
Bedauerlich ist in meinen Augen dennoch die Landschaft, die der Sache nichts abgewinnen können, aber so sieht leider die Bankenrealität meistens auch aus. Ein Spannungsfeld zwischen Unternehmern und den Jungs in der Marktfolge. Naja, jeder bekommt was er verdient.

Gruß Jules

Ich kann Ihnen als selbstständigen einen sicheren Mietkauf empfehlen. Und zwar den von der Genotec eG bzw. Genotrade eK. www.genotrade-nord.com

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Genotec - die Lösung aller Probleme?

Ich kann Ihnen als selbstständigen einen sicheren Mietkauf
empfehlen. Und zwar den von der Genotec eG bzw. Genotrade eK.
www.genotrade-nord.com

Andy Janssen vermittelt vermutlich provisionspflichtige Genotec-Verträge. Das sollte man beachten!

Der Genotec Mietkauf ist teurer als eine Bankfinanzierung, in jedem Fall bei den derzeitigen Darlehenszinsen. (Aber: Eine Berechnung mit den derzeit aktuellen Konditionen von 4% auf 10 Jahre, anschließend 8% bringt dasselbe Ergebnis).
Abschlusskosten für den Eintritt in eine Genossenschaft sind in dieser Höhe sehr ungewöhnlich (1,6% von der Investitionssumme). Sie sind wohl für den Vertrieb erforderlich.
Es ist nirgendwo ersichtlich, wie die Kosten für die Verwaltung der Immobilien, Zahlungen, Instandhaltung, Reparaturen etc., aufgebracht werden
Die Immobilie gehört, rechtlich gesehen, Genotec (Aber: Wer ist in den 25 Jahren für Instandhaltung und Reparaturen zuständig?).
Der Kaufpreis der Immobilie ist von Anfang an festgelegt (Aber: Genotec erhält nach 25 Jahren nur den Nominalwert, nicht den realen, durch Inflation erhöhten Wert).
Der Genossenschaftsanteil ist niedriger als das Eigenkapital bei einer Bankfinanzierung (!!!Aber: Es ist ungeklärt, woher aus den relativ niedrigen Genossenschaftsanteilen, ca. 10-15% der späteren Investitionssummen, die Immobilien finanziert werden sollen. Es ist davon auszugehen, dass ein stark progressives Mitgliederwachstum erforderlich ist!!! ).
Es gibt staatliche Förderungen für Genossenschaftsanteile (Aber: Damit wurden schon in den 90er Jahren im VL-Bereich unbedarfte Anleger zu zweifelhaften Anlagen überredet)
Da keine Finanzierung erfolgt, ist keine Schufa-Auskunft erforderlich (Aber: Wer schützt Genotec vor schlechten Zahlern?)
Personen, die Schwierigkeiten haben, eine Bankfinanzierung zu erhalten, können Immobilieneigentum erwerben (Aber: Können die sich dann den Genotec Mietkauf überhaupt leisten?)
Da dem Mietkäufer die Immobilie nicht gehört, ist eine Zwangsversteigerung ausgeschlossen (Aber: Was passiert, wenn Genotec insolvent wird?)
Schutz vor Vermögensverwertung nach Hartz IV. (Aber: Zahlt das Arbeitsamt auch die Ansparleistungen? Wohl eher nicht).

Strucki: Der Genotec Mietkauf ist teurer als eine Bankfinanzierung, in jedem Fall bei den derzeitigen Darlehenszinsen. (Aber: Eine Berechnung mit den derzeit aktuellen Konditionen von 4% auf 10 Jahre, anschließend 8% bringt dasselbe Ergebnis).

Janssen: Rein auf die Zinskonditionen für 25 Jahre betrachtet ist es tatsächlich in etwa das selbe Ergebnis.
Jedoch muß man beachten, dass der Genotec-Mietkauf mit folgenden Förderungen bedacht ist: Eigenheimzulage, Baukindergeld, Wohnungsbauprämie und beide Arbeitnehmersparzulagen.
Desweiteren erhält der Mietkäufer auf seine Genossenschaftsanteile eine jährliche Dividende, auf die zweckgebundene Ansparung Guthabenzinsen und auf die private, zweite Ansparung eine gute Rendite, je nach Anlage.
Eine Bank gibt auf die Tilgung, logischerweise, keinerlei Guthabenzinsen.

Strucki: Abschlusskosten für den Eintritt in eine Genossenschaft sind in dieser Höhe sehr ungewöhnlich (1,6% von der Investitionssumme). Sie sind wohl für den Vertrieb erforderlich.

Janssen: Die Abschlusskosten betragen als „Sparer“ 1,6% und als „Soforteinzahler“ 1,4 % von der Investitionssumme.
Von den Abschlusskosten, die einmalig fällig sind, werden Verwaltungskosten, Personalkosten, Vertriebskosten etc. bezahlt. Meines erachtens also keine besonders hohe Gebühr. Im übrigen sind die prozentualen Abschlusskosten bei einem Bausparvertrag ähnlich.

Strucki: Es ist nirgendwo ersichtlich, wie die Kosten für die Verwaltung der Immobilien, Zahlungen, Instandhaltung, Reparaturen etc., aufgebracht werden. Die Immobilie gehört, rechtlich gesehen, Genotec (Aber: Wer ist in den 25 Jahren für Instandhaltung und Reparaturen zuständig?).

Janssen: Diese Kosten werden auf den Mietkäufer umgeschlagen, denn der Mietkäufer wird von Anfang an wie ein Eigentümer behandelt. Besitzer ist er ja bereits und er ist im Grundbuch bestmöglichst abgesichert mit einer Auflassungsvormerkung.
Bei einer Bankfinanzierung wird der Schuldner ja direkt Eigentümer und hat somit auch alle anfallenden Nebenkosten und eventuelle Reparaturarbeiten selbst zu tragen.

Strucki: Der Kaufpreis der Immobilie ist von Anfang an festgelegt (Aber: Genotec erhält nach 25 Jahren nur den Nominalwert, nicht den realen, durch Inflation erhöhten Wert).

Janssen: Das ist vollkommen richtig! Und ich finde das absolut fair. Wer würde jemanden heute eine Immobilie zum Preis von 1980 anbieten?? Ich denke niemand und daher ist das absolut okay!

Strucki: Der Genossenschaftsanteil ist niedriger als das Eigenkapital bei einer Bankfinanzierung (!!!Aber: Es ist ungeklärt, woher aus den relativ niedrigen Genossenschaftsanteilen, ca. 10-15% der späteren Investitionssummen, die Immobilien finanziert werden sollen. Es ist davon auszugehen, dass ein stark progressives Mitgliederwachstum erforderlich ist!!! ).

Janssen: Der Genossenschaftsanteil ist tatsächlich sehr niedrig in Bezug zum Kaufpreis. Jedoch muß man einer Bankfinanzierung zu Gute halten, dass diese bei guter Bonität usw. auch Finanzierungen ohne Eigenkapital darstellen können. Dies ist aber in den seltensten Fällen so.
Die Immobilien werden aus verschiedenen Einnahmen bezahlt. Zuerst möchte ich jedoch anmerken, dass keinerlei Kredite seitens der Genossenschaft aufgenommen werden, um die Immobilien zu bezahlen.
Einerseits macht die Genotec Einnahmen aus der Einzahlung von Genossenschaftsanteilen, desweiteren hat Sie die Einnahmen aus dem 5%igen Mietzins, und weiterhin hat Sie Einnahmen aus dem Rückerwerb der Immobilien durch den Mietkäufer.

Strucki: Es gibt staatliche Förderungen für Genossenschaftsanteile (Aber: Damit wurden schon in den 90er Jahren im VL-Bereich unbedarfte Anleger zu zweifelhaften Anlagen überredet)

Janssen: Der Erwerb von Eigentum, und das mit einer so großen Sicherheit, und mit sehr vielen Vorteilen, und einer sehr großen Flexibilität, ist sicherlich keine zweifelhafte Anlage.
Jedoch ist eine kritische Haltung gegenüber eines neuen Konzeptes immer angebracht, da gebe ich Ihnen recht.

Strucki: Da keine Finanzierung erfolgt, ist keine Schufa-Auskunft erforderlich (Aber: Wer schützt Genotec vor schlechten Zahlern?)

Janssen: Das ist richtig, dass keine Schufa-Auskunft notwendig ist.
Sofern ein Mietkäufer seine monatliche Belastung nicht mehr vollständig tragen kann, wird die Differenz aus der zweckgebundenen Ansparung entnommen. Somit muss der Mietkäufer nicht aus seiner Immobilie ausziehen und hat eine Überbrückung, die man bei einer Bankfinanzierung nicht erhält.
Sollte auch die zweckgebundene Ansparung verbraucht sein, muss der Mietkäufer allerdings ausziehen. Er bekommt jedoch seine Genossenschaftsanteile zuzüglich Dividenden ausbezahlt.
Entweder wird für diese Immobilie ein neuer Mietkäufer gesucht, vorrangig innerhalb der Genossenschaft, oder die Immobilie wird verkauft.

Strucki: Personen, die Schwierigkeiten haben, eine Bankfinanzierung zu erhalten, können Immobilieneigentum erwerben (Aber: Können die sich dann den Genotec Mietkauf überhaupt leisten?)

Janssen: Wer sich den Genotec-Mietkauf nicht leisten kann, sollte besser gar nicht an Immobilien-Eigentum denken.
Es wird im übrigen im Vorfeld eines Mietkaufes eine Liquiditätsberechnung gemacht. Somit wird geprüft, ob sich jemand diesen Mietkauf leisten kann.
Es gibt aber auch Menschen, die gut verdienen und trotzdem keine Bankfinanzierung erhalten. Zum Beispiel Selbständige. Die haben große Schwierigkeiten bei Banken ein Darlehen zu erhalten.
Oder Leute, die aus irgendeinem Grund mal einen negativen Eintrag in der Schufa bekommen haben. Das ist ein K.O.-Kriterium bei Banken.

Strucki: Da dem Mietkäufer die Immobilie nicht gehört, ist eine Zwangsversteigerung ausgeschlossen (Aber: Was passiert, wenn Genotec insolvent wird?)

Janssen: Die Genossenschaft kann nicht insolvent werden, da Sie keine Zahlungverpflichtungen gegenüber Banken hat. Wie vorhin erwähnt nimmt Sie ja keine Kredite auf. Desweiteren gibt es Kontrollorgane, wie z.B. Aufsichtsrat, die alle Vorgänge der Genossenschaft überblickt.

Strucki: Schutz vor Vermögensverwertung nach Hartz IV. (Aber: Zahlt das Arbeitsamt auch die Ansparleistungen? Wohl eher nicht).

Janssen: Erstmal ist es überhaupt sensationell, dass sowohl die Genossenschaftsanteile, als auch die zweckgebundene Ansparung vor dem Staat geschützt ist. Zum Beispiel bei Harz IV und auch Insolvenz!
Sofern die Immobilie, des in Harz IV geratenen Mietkäufers, sich innerhalb des Kostenbewilligungsrahmens der Arbeitsagentur bewegt, leistet die Arbeitsagentur die 5%ige Miete, da rechtlich gesehen der Mietkäufer als Mieter zu sehen ist. Die Ansparleistung übernimmt Arbeitsagentur natürlich nicht. Die muss der Mietkäufer selbst tragen oder er kann die Überbrückungsmöglichkeit, die ich vorhin erwähnt habe, nutzen.

Lieber Struckischreck!
Ich hoffe meine Aussagen konnten auch dir weiterhelfen. Ich merke, du hast dich schon etwas mit der Genotec eG / Genotrade eK beschäftigt. Falls du weitere Fragen hast kannst du mich gerne kontaktieren.

Lg, Andy Janssen

Genotec - Problemlösung für 10% ihrer Mitglieder

Janssen: Der Genossenschaftsanteil ist tatsächlich sehr
niedrig in Bezug zum Kaufpreis. Jedoch muß man einer
Bankfinanzierung zu Gute halten, dass diese bei guter Bonität
usw. auch Finanzierungen ohne Eigenkapital darstellen können.
Dies ist aber in den seltensten Fällen so.
Die Immobilien werden aus verschiedenen Einnahmen bezahlt.
Zuerst möchte ich jedoch anmerken, dass keinerlei Kredite
seitens der Genossenschaft aufgenommen werden, um die
Immobilien zu bezahlen.
Einerseits macht die Genotec Einnahmen aus der Einzahlung von
Genossenschaftsanteilen, desweiteren hat Sie die Einnahmen aus
dem 5%igen Mietzins, und weiterhin hat Sie Einnahmen aus dem
Rückerwerb der Immobilien durch den Mietkäufer.

Lg, Andy Janssen

Sehr geehrter Herr Janssen,

genau da geht die Genotec-Rechnung nicht auf:

Wenn 12 Genossen Genossenschaftsanteile von jeweils 17.600 EUR einzahlen, reicht dies nach etwa drei Jahren grundsätzlich für jedes Mitglied für 200.000 EUR Investitionssumme. Tatsächlich reicht die Summe von 211.200 EUR aber nur für ein Mitglied.

Damit die anderen elf Mitglieder ebenfalls „mietkaufen“ können, werden weitere 132 Mitglieder benötigt, die jeweils 17.600 EUR einzahlen, Summe 2,34 Mio. EUR. Die Einnahmen aus dem Mietzins von 5% des ersten Mitgliedes sind mit 10.000 EUR völlig zu vernachlässigen. Damit können 11 Mitglieder jeweils 200.000 EUR finanzieren.

Damit aber die neu gewonnenen 132 Mitglieder in absehbarer Zeit in den Genuß des Mietkaufs kommen, muss die Mitgliederanzahl schon auf etwa 1.490 Mitglieder steigen, die ihrerseits jeweils 17.600 EUR Genossenschaftsanteil einzahlen. Damit können aus 26,5 Mio. EUR 132 Mietkäufe zu je 200.000 EUR finanziert werden. Auch hier spielen die etwa 1,5 Mio. EUR Mietzins nur eine untergeordnete Rolle.

Merken Sie etwas? Die Mitgliederanzahl muss exponential mit dem Faktor 11 steigen, damit das System aufgeht. Da dieses auf Dauer nicht der Fall ist (selbst die Verdoppelung von Mitgliederzahlen ist über einen längeren Zeitraum völlig unwahrscheinlich), werden niemals mehr als 8-10% der Mitglieder tatsächlich die Vorteile des Mietkaufs genießen können. Die anderen 90% müssen viele, viele Jahre warten.

Erst nach 25 Jahren fließen die ersten Einnahmen aus dem Rückerwerb der Immobilien durch die ersten Mietkäufer. Erst ab diesem Zeitpunkt steigt die Quote auf 20-25% der Mitglieder. Aber solange werden die 90% benachteiligten Mitglieder nicht warten, sondern ihre Einlagen wieder abziehen. Damit wird das ganze System sehr viel schneller an seine Grenzen stoßen.

Genotec ist nur eine Problemlösung für einen geringen Teil der Mitglieder. Alle anderen müssen sich damit vertraut machen, dass sie diesen Teil finanzieren, ohne selber zu profitieren. Auch eine Art genossenschaftlicher Gedanke.

Struckischreck

3 „Gefällt mir“

Janssen:
Ihre Rechnung ist zwar richtig, hat aber nichts mit der Genotec zu tun.
Die Genossenschaft nimmt nur 20% Soforteinzahler auf und 80% Sparer.
Das Prinzip ist ähnlich wie einer Bausparkasse. Da funktionierts doch auch.
Gruß, Janssen

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Janssen:
Ihre Rechnung ist zwar richtig, hat aber nichts mit der
Genotec zu tun.
Die Genossenschaft nimmt nur 20% Soforteinzahler auf und 80%
Sparer.
Das Prinzip ist ähnlich wie einer Bausparkasse. Da
funktionierts doch auch.
Gruß, Janssen

@Janssen,

ist es richtig, dass die Definition „Soforteinzahler“ für denjenigen gilt, der den Genossenschaftsanteil auf einen Schlag bezahlt und „Sparer“ diejenigen sind, die diesen Betrag über drei, vier oder fünf Jahre einzahlen? Laut Angebotsrechner der Genotec macht dies übrigens für die „Zuteilung“ der Investitionssumme keinen großen Unterschied aus.

Das ändert nämlich nichts am grundsätzlichen Problem, sondern verschiebt den Zeitpunkt des Mietkauferwerbs für die Sparer nur um den Zeitraum des Ansparens hinaus.

Beim Bausparen funktioniert es nur deshalb, weil Ansparzeit (ca. 7 Jahre) und Anspargrad (40-50%) einer Rückzahlungszeit von 11 Jahren und einem Rückzahlungsgrad von 60% gegenüber stehen.

Bei Genotec sind dies: 3-5 Jahre 10-15% Sparphase und 25 Jahre 85-90% Rückzahlungsphase. Deshalb funktioniert das System nicht aus sich heraus, sondern benötigt laufend mit dem Faktor 10 steigende Mitgliedszahlen, was völlig ausgeschlossen ist.

Struckischreck

@Janssen,

ist es richtig, dass die Definition „Soforteinzahler“ für
denjenigen gilt, der den Genossenschaftsanteil auf einen
Schlag bezahlt und „Sparer“ diejenigen sind, die diesen Betrag
über drei, vier oder fünf Jahre einzahlen? Laut
Angebotsrechner der Genotec macht dies übrigens für die
„Zuteilung“ der Investitionssumme keinen großen Unterschied
aus.

Das ändert nämlich nichts am grundsätzlichen Problem, sondern
verschiebt den Zeitpunkt des Mietkauferwerbs für die Sparer
nur um den Zeitraum des Ansparens hinaus.

Beim Bausparen funktioniert es nur deshalb, weil Ansparzeit
(ca. 7 Jahre) und Anspargrad (40-50%) einer Rückzahlungszeit
von 11 Jahren und einem Rückzahlungsgrad von 60% gegenüber
stehen.

Bei Genotec sind dies: 3-5 Jahre 10-15% Sparphase und 25 Jahre
85-90% Rückzahlungsphase. Deshalb funktioniert das System
nicht aus sich heraus, sondern benötigt laufend mit dem Faktor
10 steigende Mitgliedszahlen, was völlig ausgeschlossen ist.

Struckischreck

Janssen:
Soforteinzahler sind diejenigen, die den Genossenschaftsanteil sofort einzahlen und je nach Höhe des Genossenschaftsanteils und nach länge der Wartezeit wird zugeteilt.
Sparer sind diejenigen, die ihre gewählten Genossenschaftsanteile stunden lassen, und dies bis zu 100 Monaten.

Selbstverständlich sollte die Genotec einen laufenden zufluss an Neukunden bekommen. Das kann man bei diesem sehr guten Produkt auch gar nicht verhindern.
Sollten nur noch sehr wenige Neukunden dazu kommen, müssen sich die Tarife für neue Kunden auch anpassen. Zum Beispiel durch einen etwas höheren Mietzins oder durch etwas längere Zuteilungszeiten oder durch etwas höhere Genossenschaftsanteile.
Bausparkassen reagieren auch auf den Markt.

Bei deiner Rechnung solltest du auch die Nichtrealisierer beachten.
Bei Bausparverträgen gibt es ebenfalls viele Nichtrealisierer.

Lg, Andy Janssen