Verunfallte Sprache
Der Klassiker der Katastrophen-Berichterstattung: Nach den
Überlebenden wird nicht „intensiv“ oder „gewissenhaft“ gesucht,
sondern immer und ausnahmslos fieberhaft.
Hallo,
Gebäude, Häuserblocks und ganze Dörfer fallen beim Erdbeben grundsätzlich zusammen „wie Kartenhäuser“. Masten oberirdischer Leitungen knicken „wie Strohhalme“, und Lastwagen schleudert der Wirbelsturm durch die Luft „wie Spielzeugautos“.
"Jahrhundert"fluten und -stürme ereignen sich mittlerweile alle drei Monate, „Feuerwalzen rollen“ über die Wälder hinweg und Brände lodern nicht, sondern sie pflegen zu „wüten“. Nachdem sie fertig gewütet haben, hinterlassen sie nicht etwa Verwüstungen, sondern mindestens „schwere“, wenn nicht gar „schwerste Verwüstungen“. Hat jemand schon mal leichte Verwüstungen gesehen?
Opfer der Katastrophen sind i.d.R. „unschuldige Frauen und Kinder“. Unschuldige Männer scheint es jedenfalls nicht zu geben, sie sind per se schuldig. Verletzte Personen werden gerne mal „teilweise schwer verletzt“. Anschließend gibt man ihnen den Rest, indem sie „evakuiert“ werden. Wie aufbasbare Gummipuppen.
Besonders grauslig ist der „Unfall mit einem Toten“. Unfälle mit Motorrädern, mit Rehen, Heißluftballons oder Fußgängern kennen wir - aber „mit Toten“? Schlimm, das.
Fast ebenso furchtbar ist das „Busunglück mit 13 Schwerverletzten“. Nun sind diese Leute schon schwer verletzt, und dann rast auch noch ein Bus in sie hinein…
Die „humanitäre Katastrophe“ darf am Schluß nicht fehlen. Eine Wohltätigkeits-Katastrophe? Verstehen wir darunter eine Benefiz-Gala mit Dieter, Naddel und Co.?
Alle Beispiele - wie noch manch anderes der in diesem Artikelbaum genannten - aus Bastian Sicks „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“. http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3462034480/028…. Ein wunderbares Buch, aber das weiß ja hier jeder.
Gruß,
Andreas