Die Wirklichkeit
Hallo,
Ich hatte danach gefragt ?
ja, besser gesagt: du hast den Wahrheitsgehalt in Frage gestellt.
Die Gesetzgebung in Deutschland nützt, dieses Eindruckes kann
ich, und viele gleichgesinnte Leidensgenossen, mich beim
besten Willen kaum mehr erwehren, nur den Gaunern.
Rechtschaffende Leute haben immer wieder das Nachsehen.
Es ist eben bloß ein Eindruck! Über die Demokratie und die Möglichkeiten des Missbrauchs, die man eben um der Freiheit willen in Kauf nehmen muss, hat Wolfgang Dreyer oben schon das Nötige gesagt. Ich denke nicht, dass ich das wiederholen muss.
Das geht beim Eintreiben meiner Außenstände los und hört bei
geschildertem Vorfall mit dem Pol. und den Einbrechern noch
lange nicht auf. Es gibt dazu ein Buch „Der Ehrliche ist der
Dumme“ … ist es nicht etwa so ?
Das ist von Wickert, nicht wahr? Über Qualität kann man ja streiten, aber wenn Wickert dem Volk aus der Seele schreibt, dann ist das allerhöchstens schöngeistige Literatur. Wer mit so sensiblen Themen Geldmacherei betreibt, ist keine moralische Instanz, sondern jemand, der seine Popularität geschickt auszunutzen weiß (was ich ihm nicht vorwerfe).
Ist das hier noch normal ?
Darf man nicht mal mehr eine gerechtere Justiz fordern ?
Doch, das darf man, das soll man sogar (wenn man davon wirklich überzeugt ist), aber du setzt einen Begriff von Gerechtigkeit voraus, der mindestens drei Mängel hat: Er ist erstens nicht realistisch, weil er an ganz banalen Dingen wie etwa menschlichen Verhaltensweisen scheitert. Er hat zweitens nicht mit der Komplexität von gesellschaftlichen Grund-Folge-Erscheinungen vereinbar (wie ich schon andeutete). Drittens ist er ein Gerechtigkeitsbegriff, der deshalb falsch ist, weil er sich an Interessen orientiert und damit grundätzlich Gefahr läuft, einseitig zu bewerten, was genau das Gegenteil von Gerechtigkeit ist.
Kritik an Gesetzgebung bzw. ihrer Anwendung äußern ?
Ja, auch das darf man, aber wie ich schon bemängelte, argumentierst du nicht, sondern wirfst Begriffe in den Raum, von denen du meinst, jeder müsse sofort wissen, was du meinst. Gleichzeitig untermauerst du dein eigenes Wertesystem nicht, sondern setzt es schlicht voraus, und auf Gegenargumente gehst du auch nicht ein. Das ist keine Diskussion, das ist Propaganda.
ohne in die rote oder braune Ecke gedrückt zu werden ?
Das hast du mit deiner Formulierung vom „erwachten Deutschland“ selbst verschuldet. Allerdings ist es schon merkwürdig, dass gerade die Eckensteher (egal ob rot oder braun oder sonstwie) sich auf Gerechtigkeit berufen, die doch genau das Gegenteil vom Extremen ist, nämlich Ausgleich (wie auch immer).
Insbesondere die regelmäßig vernehmbare Forderung nach schärferer Strafverfolgung und härteren Gesetzen setzt in der Regel dreierlei voraus: erstens Unkenntnis der rechtsphilosophischen Grundlagen, zweitens Unkenntnis der gesellschaftlichen Mechanismen und drittens ein sehr einseitiges Wahrnehmungsvermögen. Diese drei Beschränkungen paaren sich gerne mit einer übersteigerten Ansicht, dass die eigene beschränkte Wahrnehmung doch bloß „gesunder Menschenverstand“ sei. Und diese letzte Bedingung ist aus meiner Sicht das eigentliche Problem. Einfach nur Forderungen aufstellen, ist einfach. Deren Bedingungen und Konsequenzen zu diskutieren, ist nicht mehr so einfach. Aber das schwerste ist, einzusehen, dass man selbst möglicherweise im Unrecht ist (obwohl man doch Gerechtigkeit fordert).
Herzliche Grüße
Thomas Miller