Hallo Eli,
wie es zur jetztigen Sitation kam, ist mir schon bewusst und
bekannt. Dennoch bleibt es unverständlich.
Hm, ok, dachte das hätte es erklärt.
Es kommt darauf an. Normalerweise habe ich damit keine
Probleme. Wenn aber einige Christen verkünden, sie und nur sie
haben die Tora verstanden und in Folge noch irgendwelchen
Antijudaismus draufsetzen, dann fühle ich mich nicht gerade
sehr ernstgenommen.
Das kann ich verstehen.
Dieses betrifft meistens auch immer jede Aussage
christlicherseits darüber, was neu oder anders am Christentum
im Verhältnis zum Judentum sei.
Wie meinst du das?
In der akutellen Diskussion geht es ja darum, dass nur
bestimmte Teile aus dem sogenannten „alten Testament“ genommen
werden und nur diesen eine aktuelle Gültigkeit zugemessen
wird. Sei es jetzt das „Greul“ der Homosexualität oder das
Zehnwort. Aus jüdischer Sicht besteht hier eine Einheit und
mir konnte bisher noch niemand ein Kriterium nennen, warum das
eine gelten und das andere Gebot nicht gelten soll.
Das war glaube ich auch der Tenor des satirischen Briefes, der eben meinte, nichts davon würde mehr gelten. Mehr dazu unten.
Was ist schlimmer an der Homosexualität bezogen auf die Texte
im Verhältnis dazu nicht koscher zu essen, den Schabbat zu
halten oder den Opferdienst abzuschaffen? (Für alles lassen
sich auch im „Neuen Testament“ Belege für deren weitere
Gültigkeit finden.)
Nein, diese Gesetze gelten nach der paulinische Theologie eben nicht mehr. Und die paulinische Theologie ist die Theologie, auf der das Christentum fußt. Andere Ansichten, die sich im „NT“ finden, haben sich nicht durchgesetzt.
Ich habe jetzt meine Bibel nicht am Arbeitsplatz und werde das wohl frühestens morgen Abend (bin heute Abend bei meinen Eltern) genauer nachschlagen können. So bibelfest bin ich nämlich nicht:smile:). Dann bring ich dir gerne die paulinische Argumentation, warum nach der Auferstehung von Jesus Christus Paulus das Gesetz abgelöst sieht. Und was das für Christen heißt. (Römer 11-13, wenns jemand schonmal vorher lesen will:smile:) Es heißt nämlich nicht, dass Christen alles tun dürfen, was sie wollen *gg*…das dachten sich damals auch ein paar ganz Schlaue und Paulus hat mit diesen libertinären Gemeinden gleich Tacheles geredet und ihnen klar gemacht, dass eben nicht alles erlaubt ist.
) …
Mal ganz verkürzt gesagt ist für Paulus das Gesetz dafür da gewesen, den sündigen Menschen klar zu machen, wie sie sich gottgefällig verhalten müssen (und das Gesetz ist deshalb auch etwas positives, es zeigte den Weg zu Gott). Nach der Auferstehung ist das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen aber ein qualitativ anderes - so Paulus. Die Erkenntnis der Liebe Gottes hat uns nachhaltig verändert: Der Weg zu Gott führt nicht mehr über die korrekte Einhaltung der Gesetze, sondern über Jesus Christus (Evangelium statt Gesetz). Nach christlichem Verständnis ist die Einhaltung oder Nicht-Einhaltung der Gebote also kein wesentliches Kriterium.
Hm, nochmal anders:
Ich kann Dinge tun, bzw. nicht tun,
a) weil mir mein Vater es verbietet und ich ihn
liebe und deshalb seinen Anweisungen gehorche, damit er zufrieden und stolz auf mich ist, ich mich seiner Liebe würdig erweise (die jüdische Sicht, was meinst du?).
b) weil mir mein Vater es verbietet und ich
Angst vor ihm habe ( vermutlich das Verständnis vieler christlicher Fundamentalisten (Angst vor der Hölle etc.) und
c) weil ich bemerke, dass mich mein Vater liebt, einfach so. Er ist stolz auf mich, weil ich da bin, nicht weil ich etwas bestimmtes tue. Gerade weil es für seine Liebe zu mir irrelevant ist, ob ich die Dinge tue oder nicht tue, die er für richtig hält, tue ich sie. Weil ich jetzt weiß, das es gut ist, diese Dinge zu tun. Weil ich durch das Erkennten dieser Vaterliebe ein anderer Mensch geworden bin. Die paulinische Sicht.
Also, ich weiß, das ist jetzt sehr oberflächlich und mit heißer Feder schnell geschrieben, ein für dich sicher unbefriedigendes Posting, ich werde aber sobald es geht, deine Fragen besser beantworten,
shalom,
barbara
)