Sünde und Gerechtigkeit G’ttes
Hallo Eli,
wie sagt man heute bei euch: shabbat shalom?
), das wünsche ich dir auf jedenfall!
Zum Sündenbegriff, wie ich ihn verstehe und wie man ihn mir nahe gebracht hat. Wenn du den Thread weiter oben mit Carlos, einem Zeugen Jehovas, verfolgst, wirst du aber sehen, dass es keineswegs einen Konsens in den Christenheit gibt:smile:.
Und nochwas, mir ist wieder eingefallen, dass ihr G’tt schreibt. Ich vergesse das immer (weil es für mich kein Problem darstellen würde) und ich hoffe, dass ich diesmal dran denke. Normalerweise versuche ich, die Einstellungen anderer so gut es geht zu respektieren. Entschuldige bitte!
Der paulinische Sündenbegriff
Der paulinische Sündenbegriff ist kein moralischer, sondern eher ein onthologischer. Sünde ist keineswegs einfach ein unmoralischens Leben oder eine unmoralische Lebensweise, sondern ist der Zustand der G’ttesferne. Dieser Zustand besteht seit dem „Sündenfall“ (Du weißt schon, die Sache mit der verboteten Frucht *grins*) und bedeutet schlicht und einfach das Leben außerhalb des Paradieses. Die Unmoral ist dann ein Symptom des gestörten G’ttesverhältnisses. (wie Fieber) (und ist der Zustand der „Ungerechtigkeit“)
[…]die Durchsetzung der Gerechtigkeit Gottes, verwirklicht.
Ich hoffe du bist mir nicht zu böse, wenn ich zugebe, dass ich
nicht alles verstanden habe
Warum sollte dieser Eingriff
erfolgen? Wo war die Gerechtigkeit vorher und wo ist sie
jetzt?
Der Eingriff (ich vermute du meinst die Kreuzigung??) erfolgte als Sühneopfer. Der Eingriff musste erfolgen wegen der Sündhaftigkeit der Menschen (i.S. wie ich es oben beschrieben habe). G’tt erweist im Sühnetod seines Sohnes, in der stellvertretenden Lebenshingabe, seine Gerechtigkeit und Liebe gegenüber den Menschen und macht die Sünder geschenkweise gerecht. (d.h. mit G’tt versöhnt) - die Wortwahl und Terminologie ist ganz nah an der jüdschen Sühneopfer-Terminologie, bzw identisch.
Wenn du das nicht verstehst, tröste dich, ich habe mit diesem Hauptthema des Christentums und der eigentlichen Initialzündung auch immer wieder heftigste Porbleme und nicht nur eine Glaubenskrise deswegen hinter mir!
G’ttes Gerechtigkeit
dikaiosunä theou die Gerechtigkeit G’ttes hat mehrere mögliche Aspekte:
- Gen. subject.: Die Gerechtigkeit, die G’tt als Eigenschaft hat (Röm 3,5/26)
- Gen. auctoris: Die Gerechtigkeit, die er als Heil schafft und offenbart (Phil/Jes)
-gen. objectivus: Die Gerechtigkeit, die vor G’tt gilt (Luther zu Röm 1, 17/3, 21f.)
Im Römerbrief ist das Hauptthema: Der aus Glauben Gerechte wird leben
Positives Beispiel hierfür ist übrigends Abraham. Er ist das Urbild des Glaubens, die Beschneidung erfolgte - so Paulus- nur als nachträgliches Siegel der Glaubensgerechtigkeit. Abraham ist damit der Vater aller Glaubenden.
Das nur als Info, damit deutlich wird, wie nah Paulus am Judentum argumentiert. Dass er offensichtlich ein anderes Welt- und Menschenbild hat als die anderen Juden ( was du als falsch bezeichnet hast) ist ja ansich klar *grins*…so hätte man sich nicht abspalten müssen.
da hier alles Leben als Freude anzusehen ist. Dadurch entsteht
wahrscheinlich diese Spannung auch erst nicht. Daneben sehe
ich nicht, dass irgendwo im Zusammenhang mit den Geboten von
einem solchen „Heil“ die Rede wäre. Ein Jude hält die Gebote
nicht, damit ihm ein „Heil“ dafür geboten wird.
Ich weiß eben nicht, ob es nicht zu Paulus Zeiten andere dominante Strömungen im Judentum gab. Er war, glaube ich, vor seinem Damaskus Erlebnis Pharisäer. Seine theologie hat er auf jedenfall gegen und mit dem Judentum entwickelt. Da muss ich aber passen, da kenne ich mich nicht so gut aus.
arüber gibt es auch im Judentum Auseinandersetzungen, wobei
dieses hier ein Randthema ist, da es sich als Frage
letztendlich nie beantworten lässt. Das Einhalten der Gebote
allein, machen aber aus einem Menschen noch keinen Gerechten.
Ja, das sagt Paulus auch: Der aus Glauben Gerechte wird leben.
Da ich jetzt nicht genau weiss, was ich angedeutet haben soll,
weiss ich auch nicht, wofür du dich genau interessierst. Geht
es dir um die Auswirkungen des Gesetzes, dessen Einhalten also
die praktische Seite oder die Bedeutung hinter dem Gesetz? Mit
Letzerem habe ich mich nämlich kaum beschäftigt und im
Judentum ist dieses auch hauptsächlich der Bereich der Mystik.
Du hast mir in deinen letzten Postings eh schon sehr viel über das Judentum beigebracht! Danke!
Shalom,
barbara