Frage zu Mißbrauch

Hallo,

immer wieder hört und liest man über Mißbrauchsopfer, die sich erst viele Jahre nach dem Geschehen outen.

Ich kann folgendes nicht verstehen: da ist z. B. in der Bekanntschaft eine Frau, Mitte 30, die erst jetzt erzählt, dass sie in als Mädchen vom Vater missbraucht wurde. Warum wird so etwas erst nach ganz vielen Jahren erzählt ? Diese Frau hatte etliche Freunde, mit diesen auch Geschlechtsverkehr, und alles schien normal. Nun wohnt sie mit einem neuen Freund zusammen, hat plötzlich Depressionen wegen des Mißbrauchs und verändert sich natürlich seelisch. Ihr Freund bekommt langsam einen dicken Hals. Sie zieht sich zurück, „kann nicht mehr“, und er hat die Belastung von Hausausbau, Kindern, Beruf und Haushalt. Wie lange wird das noch gutgehen ?

Zurück zur Frage. Natürlich kann und muss man nicht jedem auf die Nase binden, dass man missbraucht wurde. Aber spätestens, wenn es Richtung Verlobung geht, würde ich mit offenen Karten spielen.

Gruss

Andreas

Hallo Andreas!

Jeder Mensch ist anders. Bin kein Experte und wurde weder selbst missbraucht noch kenne ich jemand der missbraucht worden ist, aber ich kann mir vorstellen dass die meisten Menschen sowas einfach verdrängen.

Zum Thema „Kinder, Haushalt, Job“ usw, das auf deinem Freund lastet - es ist Alltag vieler Frauen, auch Frauen die verheiratet sind und eigentlich auf Unterstützung vom Mann rechnen dürfen, es nicht bekommen und dennoch nicht jammern. Wenn ihr das starke Geschlecht sein sollt, dann lernt doch mal endlich es auch zu sein! :wink:

Grüsse, Seltsam

Hallo,

das klingt ein bisschen nach „Warum konnten die anderen Jungs sie einfach poppen und mir ihr Spaß haben und ausgerechnet ich hab’ jetzt den Stress am Hals?“

Und genau das ist vermutlich auch das Problem: Wenn Frauen von einem Missbrauch erzählen, dann gibt es eine Menge Männer, die damit nicht umgehen können. Sie schaffen es vielleicht noch, einigermaßen erfolgreich zu verdrängen, dass ihre Frau schon mit anderen Kerlen geschlafen hat - aber als Kind mit dem eigenen Vater/Bruder/Onkel…diese Vorstellung ertragen sie nicht.

Es fällt Männern grundsätzlich schwer, sich in die Lage eines Menschen zu versetzen, der über längere Zeit gegen seinen Willen Sex hatte. Das ist nicht schuldhaft, sondern entspricht einfach nicht ihrer eigenen Erlebens- und Erfahrenswelt. Männer sind - wenn auch mit Ausnahmen - nicht Opfer sexueller Gewalt.

Die Kenntnis darüber, dass ihre Frau zu diesen gehört, löst deshalb von möglicher Verständnislosigkeit bis hin zu Abscheu gegenüber der Frau alles Mögliche aus. Die meisten missbrauchten Frauen machen eine solche Erfahrung mindestens einmal und überlegen sich für die Zukunft erst recht, ob sie sich öffnen sollen oder nicht.

Hinzu kommt, dass Verdrängen ein probates Mittel ist, mit dem Geschehen zurecht zu kommen. Es gibt nicht wenige Frauen, die dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen, nachdem sie „erfolgreich“ Ehefrau, Mutter und Großmutter waren. Sie sind nicht frei von Depressionen und anderen Problemen - lediglich um die Ursache weiß niemand außer ihnen.

Solange die Aussicht besteht, mit dem Geschehenen irgendwie zurechtzukommen, besteht also auch nicht unbedingt die Notwendigkeit, darüber zu reden und zu riskieren, dass der Mann das Weite sucht.

Eine betroffene Frau hat das mal so formuliert: „Dem Partner vom Missbrauch zu erzählen, wäre ja ein bisschen so, wie ein Schild mit der Aufschrift „Vorsicht! Beschädigte Ware“ vor sich herzutragen. Darüber reden kann man immer noch, wenn es denn zum Problem werden sollte - was es ja nicht zwingend muss.“

Schöne Grüße,
Jule

da ist z. B. in der
Bekanntschaft eine Frau, Mitte 30, die erst jetzt erzählt,
dass sie in als Mädchen vom Vater missbraucht wurde. Warum
wird so etwas erst nach ganz vielen Jahren erzählt ?

Ich habe da eine Frage: Wem hat sie das erzählt? Die Frau ist, so schreibst du, eine Bekannte. Hat sie dir das direkt erzählt? Oder hat sie es ihrem Freund erzählt, der das dann zum Gesprächsstoff im Bekanntenkreis gemacht hat?

Unabhängig davon, ob das im konkreten Fall durch den Bekanntenkreis wabert oder nicht: hier hast du einen Grund, warum eine Frau das nicht erzählt.

Diese
Frau hatte etliche Freunde, mit diesen auch
Geschlechtsverkehr, und alles schien normal. Nun wohnt sie mit
einem neuen Freund zusammen, hat plötzlich Depressionen wegen
des Mißbrauchs und verändert sich natürlich seelisch. Ihr
Freund bekommt langsam einen dicken Hals. Sie zieht sich
zurück, „kann nicht mehr“, und er hat die Belastung von
Hausausbau, Kindern, Beruf und Haushalt. Wie lange wird das
noch gutgehen ?

Und hier haben wir gleich einen zweiten Grund, warum ein Frau das nicht erzählt. Du zeigst in deinen Zeilen kein noch so kleines Stück Betroffenheit oder Verständnis über das Schicksal der Frau. Der Einzige, bei dem man wirklich Betroffenheit bei dir spürt, ist der Freund, der nun das ganze Theater am Hals hat.

Nach dem Missbrauch ist Frau auch noch lästig, solange sie sich nicht „normal“ verhält und gefälligst funktioniert. Wie kann sie da die Unverschämtheit besitzen, nach so langer Zeit noch Depressionen zu bekommen. Muss irgendwann ja auch mal gut sein, oder nicht?

Zurück zur Frage. Natürlich kann und muss man nicht jedem auf
die Nase binden, dass man missbraucht wurde.

Ist ja gnädig von dir.

Aber spätestens, wenn es Richtung Verlobung geht, würde ich mit offenen Karten spielen.

Würdest du? Bist du missbraucht worden? Weisst du, wie sich das anfühlt? Weißt du, wie sich diese Frau fühlt? Nein? Du hast also keine Ahnung, was du tun würdest, wenn du in dieser Situation wärest. Vielleicht solltest du dich dann mit so verurteilenden Äußerungen etwas zurückhalten.

Dein Beitrag und die von dir beschriebene Reaktion des Freundes / Verlobten, so sie so stimmt, bieten jedenfalls schon ausreichend Gründe dafür, das nicht jedem und nicht sofort auf die Nase zu binden. Auch dem Partner nicht. Darüber hinaus gibt es allerdings noch eine ganze Menge mehr Gründe dafür, dies nicht zu tun. Darunter sind „sinnvolle“ und weniger „sinnvolle“, dies aber aus der Perspektive der Frau betrachtet. Nur sollte man deren Perspektive wenigstens versuchsweise einnehmen, wenn man eine vernünftige Antwort auf diese Frage bekommen will.

Aber das bedeutet, mit Feingefühl in das Thema einzusteigen. Die Antwort auf deine Frage hast du dir aber vollumfänglich schon selbst geliefert.

Auf den Punkt getroffen! OwT
.

Moin!

Ich kann folgendes nicht verstehen:

Is nich schlimm, Menschen sind so verschieden, dass man gar nicht jeden verstehen kann.

eine Frau, Mitte 30, die erst jetzt erzählt,
dass sie in als Mädchen vom Vater missbraucht wurde. Warum
wird so etwas erst nach ganz vielen Jahren erzählt ? Diese
Frau hatte etliche Freunde, mit diesen auch
Geschlechtsverkehr, und alles schien normal. Nun wohnt sie mit
einem neuen Freund zusammen, hat plötzlich Depressionen wegen
des Mißbrauchs

Wer hat denn beurteilt, dass das ‚normal‘ war? Und was genau ist ‚normal‘? Und wer kann denn beurteilen, dass sie ‚plötzlich‘ Depressionen hat? Vielleicht hat sie die schon viel länger?

und verändert sich natürlich seelisch.

Das kann einem aber mit jedem Partner passieren. Jeder Mensch hat das Recht, sich zu verändern, findest du nicht? Kann man also nicht zum Vorwurf machen.

Ihr
Freund bekommt langsam einen dicken Hals.

Naja, er wird immerhin gefragt werden, ob er in guten und in schlechten Zeiten zu ihr halten will oder nicht…usw.

Sie zieht sich
zurück, „kann nicht mehr“, und er hat die Belastung von
Hausausbau, Kindern, Beruf und Haushalt. Wie lange wird das
noch gutgehen ?

Interessanter wäre doch die Frage „Unter welche Bedingungen kann das gutgehen?“.
Wenn er sie liebt, dann hält er in schweren Zeiten zu ihr und bietet ihr Hilfe und Unterstützung an anstatt sich zu beschweren, sie moralischen herabzuwürdigen und sie mit ihrem Problem allein zu lassen.

Aber spätestens,
wenn es Richtung Verlobung geht, würde ich mit offenen Karten
spielen.

Ja, Du!!! Das ist eine leichtfertige Behauptung. Du steckst nicht in ihrer Haut, teilst ihre Erlebnisse nicht.
Sie hat sich sicherlich vorgenommen, sich ihre Vergangenheit nie anmerken zu lassen, aber wer weiß vorher schon, wie er sich in einer bestimmten Situation fühlen und verhalten wird? Auch du kannst das für dich nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen.

ImhO steht dir keine moralische Bewertung zu. Genausowenig, wie mir keine moralische Bewertung deines fragwürdigen Verhaltens zusteht. Ooops, I did it!

SCNR

Gru, noi

Hi,

Ihr Freund bekommt langsam einen dicken Hals.

Naja, er wird immerhin gefragt werden, ob er in guten und in
schlechten Zeiten zu ihr halten will oder nicht…usw.

Vielleicht war das auch der aus dem „dicke Eier“-Thread aus dem Brett ziemlich unten.

Wenn dem alles dick wird, muss man doch Verständnis haben!

Gruß
wildpferd

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immergleicher chor
mißbrauchsopfer outen sich manchmal erstmalig als kind; nicht wenige erfahren zurückweisung bagatellisierung einschüchterung; spinn nicht rum das hast du dir doch ausgedacht; na komm so schlimm ist das doch nicht; stell dich nicht so an; willst du die familie kaputt machen; das leben geht weiter;

das wird verinnerlicht; oft viele jahrzehnte; dann bricht es auf: nein, ich habe es mir NICHT ausgedacht; nein, es WAR schlimm; die familie blieb ‚heil‘ mich HAT es kaputt gemacht; es macht mich kaputt, immer noch;

für diese frau wiederholt sich das alles; und ihr umfeld sagt wieder spinn nicht rum…

Hi,

ich kann nachvollziehen, dass es für „Nicht-Missbrauchsopfer“ schwer ist, die Zusammenhänge, ja regelrecht Mechanismen zu verstehen.

Eine Freundin konnte erst ca. 30 Jahre nach dem Missbrauch diesen überhaupt für sich erfassen (in Erinnerung rufen, die Erinnerung akzeptieren und aushalten) . . . Bis dahin erlebte sie Erinnerung an den Übergriff immer als „Sturz in ein bodenloses schwarzes Loch“ (so beschrieb sie es und konnte es nicht näher „greifen“).

Ein Grund scheint mir zu sein, dass es nicht selten neben oder trotz des Missbrauchs eine weitere (oftmals als positiv empfundene) emotionale Bindung an den Täter/die Täterin (im vorgenannten Fall war es die Mutter) gibt. Neben der Angst vor Zurück-, nicht selten sogar Zurechtweisung „wegen solch unglaublicher* Unterstellungen“ sorgen sich seltsamer Weise ausgerechnet die Opfer zudem noch um das Ansehen oder den Zusammenhalt der Familie udgl.

* Meine Freundin konnte (und wollte ggf.) tatsächlich ganz lange die Täterschaft ihrer Mutter nicht glauben i. S. v. wahrhaben. Es hat sie enorme Kraft und Überwindung (in mehr als 10 Jahren Therapie) gekostet, diesen „Verdacht“ überhaupt zum ersten Mal auszusprechen . . .

Im von Dir beschriebenen Fall muss der Lebenspartner entweder „sehr stark“ sein oder ggf. für sich Hilfe in Anspruch nehmen, ansonsten droht die Gefahr, dass (auch) diese Beziehung an den Spätfolgen des Missbrauchs scheitert.

Schublade auf, Schublade zu, Schublade auf… OT
Hallo,

Du zeigst in deinen Zeilen kein noch so
kleines Stück Betroffenheit oder Verständnis über das
Schicksal der Frau.

Du zeigst sehr viel Betroffenheit hinsichtlich des Postings und so gar kein Verständnis für den Poster.

Der Einzige, bei dem man wirklich
Betroffenheit bei dir spürt, ist der Freund, der nun das ganze
Theater am Hals hat.

Und dein (euer) ausschließliches Verständnis für die Frau. Welchem daher alle und alles sich unterzuordnen hätten.

Weisst du, wie sich
das anfühlt? Weißt du, wie sich diese Frau fühlt? Nein?

Offensichtlich. Und daher die Frage hier?

Darüber hinaus gibt es allerdings noch eine ganze Menge mehr Gründe
dafür, dies nicht zu tun. Darunter sind „sinnvolle“ und
weniger „sinnvolle“, dies aber aus der Perspektive der Frau
betrachtet.

Wäre gut, wenn du diese hier auch äußern würdest. Im Sinne der Beantwortung des UP. Du tust ja gerade so, als seien Andreas und sein Freund die Missbrauchstäter und verantwortlich für früher Vorgefallenes.

Weißt du was richtig bedauerlich ist? Du besitzt ein umfangreiches Wissen zum Thema Psychologie und verfügst über ein gerüttelt Maß an Menschenkenntnis. Leider bist du gleichzeitig sehr oft komplett unfähig, dieses auch nur annähernd im Sinne der Anfragen in einer angemessenen Form zu vermitteln. Stattdessen lädst du dein Emotionspaket hier nur ab, ohne auch nur einen einzigen Rat gegeben zu haben.

Schade, wirklich schade.

Franz

@Andreas: Sofern du hier nicht absichtlich ein Fake setzen wolltest…ändere deinen Nick gelegentlich. Bei einigen kommst du aus deren Schublade und Unverständnis für deine Art und Persönlichkeit nie mehr heraus.

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Und dein (euer) ausschließliches Verständnis für die Frau.

Das stimmt - allerdings ohne die Einschränkung „einschließlich“

Welchem daher alle und alles sich unterzuordnen hätten.

Das ist deine Behauptung. Davon ist in meinem Beitrag allerdings nichts zu lesen. Auf diesen ganzen Bereich bin ich gar nicht eingegangen!

Weisst du, wie sich
das anfühlt? Weißt du, wie sich diese Frau fühlt? Nein?

Offensichtlich. Und daher die Frage hier?

Welche Frage? Die von Andreas?
Andreas hat an keiner Stelle gefragt, wie sich die Frau fühlt. Nach seinem Beitrag interessiert er sich dafür nicht. Ihn interessiert, warum sie das erst so spät erzählt und dass (noch nicht einmal warum) sie ihren Freund mit der ganzen Belastung hängen lässt.

Darüber hinaus gibt es allerdings noch eine ganze Menge mehr Gründe
dafür, dies nicht zu tun. Darunter sind „sinnvolle“ und
weniger „sinnvolle“, dies aber aus der Perspektive der Frau
betrachtet.

Wäre gut, wenn du diese hier auch äußern würdest. Im Sinne der
Beantwortung des UP. Du tust ja gerade so, als seien Andreas
und sein Freund die Missbrauchstäter und verantwortlich für
früher Vorgefallenes.

Auch das ist wieder eine Behauptung von dir, die völlig an den Haaren herbei gezogen ist.

Im Übrigen habe ich die Frage beantwortet mit gleich mehreren möglichen Gründen für ein „warum“.

Weißt du was richtig bedauerlich ist? Du besitzt ein
umfangreiches Wissen zum Thema Psychologie und verfügst über
ein gerüttelt Maß an Menschenkenntnis. Leider bist du
gleichzeitig sehr oft komplett unfähig, dieses auch nur
annähernd im Sinne der Anfragen in einer angemessenen Form zu
vermitteln. Stattdessen lädst du dein Emotionspaket hier nur
ab, ohne auch nur einen einzigen Rat gegeben zu haben.

Wenn du persönlich mit mir etwas zu klären hast (ich wüsste zwar nicht, warum, aber dennoch), dann kläre das per mail und nutze nicht irgendwelche Beiträge anderer dafür.

Bei einigen kommst
du aus deren Schublade und Unverständnis für deine Art und
Persönlichkeit nie mehr heraus.

Den Zusammenhang bleibst du schuldig. Oder geht auch hier deine Fantasie mit dir durch?

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so true!!!
genau so ist es!

Hallo,

ist schon putzig, wie hier auf einen Beitrag geantwortet wird, der allgemein gehalten wurde!

Mißbrauch!

Um so mehr ist es befremdlich, wie sich Experten hier äußern und es sofort in eine Schublade (Sex!)stecken, diesen Mißbrauch!

Beginnt der Mißbrauch eines Kindes also erst bei sexuellen Handlungen?

Im Kinderbrette´l wird auch gerade ne 10-jährige mißbraucht. Scheint aber keinen hier zu interessieren!

Na ja, jeder hat so seine Schubladen…

VG René

hallo

Hallo,

immer wieder hört und liest man über Mißbrauchsopfer, die sich
erst viele Jahre nach dem Geschehen outen.

Missbrauchsopfer, überhaupt Opfer aller Art (Vergewaltigung, Folter, Auschwitz etc.) neigen dazu, zu schweigen und zwar in erster Linie aus Scham. Dieses Schweigen kann Jahrzehnte dauern und manchmal es gibt Situationen, die die Erinnerung brutal heraufbeschwören.

Ich kann folgendes nicht verstehen: da ist z. B. in der
Bekanntschaft eine Frau, Mitte 30, die erst jetzt erzählt,
dass sie in als Mädchen vom Vater missbraucht wurde. Warum
wird so etwas erst nach ganz vielen Jahren erzählt ?

Weil irgendetwas die Erinnerung heraufgezerrt hat und es für die Frau nicht mehr, wie all die Jahre zuvor, einfach wegsteckbar war.

Diese

Frau hatte etliche Freunde, mit diesen auch
Geschlechtsverkehr, und alles schien normal.

„Schien“ ist wohl das wichtigste Wort in diesem Satz, aber vielleicht konnte sie bisher auch wirklich gut damit leben.

Nun wohnt sie mit
einem neuen Freund zusammen, hat plötzlich Depressionen wegen
des Mißbrauchs und verändert sich natürlich seelisch. Ihr
Freund bekommt langsam einen dicken Hals. Sie zieht sich
zurück, „kann nicht mehr“, und er hat die Belastung von
Hausausbau, Kindern, Beruf und Haushalt.

Was auch immer sie bewogen hat, die Erinnerung auszugraben, es tut ihr nicht gut. Hatte sie besonders viel Stress? Hausausbau? Kinder? Haushalt? Sowas kann zum Zusammenbruch führen oder irgendein Mensch, eine Situation hat bei ihr die Vergangenheit aufgewühlt.

Sie spielt alles nochmal durch, denkt vielleicht an die Reaktionen der Umgebung, an ihre Angst und die Ohnmacht von damals und die Gedanken fangen an, sich im Kreis zu drehen. Depressionen und Angstzustände können so auch noch Jahrzehnte später auftreten.

Wie lange wird das

noch gutgehen ?

Die Frau braucht eine Behandlung und einen liebevollen Partner, der versucht, sie zu unterstützen - sie braucht also genau das, was jede kranke Person braucht. Das in dieser Zeit der Partner massiv zusätzlich belastet ist, ist klar.

Zurück zur Frage. Natürlich kann und muss man nicht jedem auf
die Nase binden, dass man missbraucht wurde. Aber spätestens,
wenn es Richtung Verlobung geht, würde ich mit offenen Karten
spielen.

Viele Menschen tragen Bürden und schwer bepackte Rucksäcke mit sich und schaffen es, damit zu leben, ohne zusammen zu brechen. Solange es gut geht, gibt es keinen Grund, jemandem etwas zu sagen - man glaubt ja nicht, das die Vergangenheit einen plötzlich einholen könnte und ist selber dann völlig überrascht, wenn die Erinnerung dann - wie aus dem nichts - zur untragbaren Last wird.

Gruss

Andreas

Gruss Sama

Frage des Gebrauchs der Sprache
Hallo,

nachdem Jule und viele andere dir die Basics erklärt haben zu deiner Frage

Warum wird so etwas erst nach ganz vielen Jahren erzählt ?

und Janina einen Kommentar schrieb, den ich Satz für Satz unterstreichen möchte, hier noch ein paar Zusätze.

in der Bekanntschaft eine Frau, Mitte 30, die erst jetzt erzählt

Hier drängt sich wirklich die Frage auf, ob diese Frau in einen Kreis geraten ist, in dem dieses kürzliche Outing als „Weißte schon das Neuesete?“ herumgetragen wird. Hoffen wir, daß es anders ist. Denn sonst wäre genau soetwas ebenfalls einer der Gründe, weshalb eine Frau mit solchem Hintergrund sich nicht darüber äußert.

Es gibt außer dem „Schweigen“, das hier im Wesentlichen erklärt und begründet wurde, noch einen anderen Grund, weshalb genannte Erfahrungen erst viele Jahre, manchmal Jahrzehnte später erst zur Sprache kommen.

Es gibt eine (unwillkürliche) Reaktion auf traumatische Situationen, zu der die Psyche prinzipiell fähig ist und die (ganz oberflächlich betrachtet!) eine gewisse Ähnlichkeit mit „Vergessen“ hat (den Fachbegriff dazu erwähne ich hier aus Gründen erst gar nicht).

Diese Reaktion ist eine Bewältigungsstrategie, die es einem Betroffenen möglich macht, eben manchmal über Jahre so zu leben „als wäre nicht passiert“. Auch eine - wie du zu sagen bevorzugst - „normale“ Sexualität ist dann möglich. Aber auch das ist nur oberflächlich betrachtet. Es ist nur so, daß (für solche Wahrnehmungen zu unsensiblen) Partnern nichts auffällt und auch die Betroffenen selbst sich ggf. Symptome ganz anders „erklären“.

Irgendwann kann dann aber ein Ereignis diesen Schutzmechanismus aufbrechen. Zu diesen Ereignissen kann, neben vielen anderen, manchmal auch ein neuer Partner zählen, zu dem ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickelt wird. Dann können sich die, dem Bewußtsein gar nicht zugänglichen, „Sicherheitsriegel“ öffnen. Das zeigt sich dann im Öffnen der Erinnerung einerseits (mit allen Konsequenzen), und andererseits in der Bereitschaft zum Outen - allerdings ausschließlich(!) dieser Vertrauensperson gegenüber.

Was passiert, wenn dieses Vertrauen dann aber gebrochen wird (siehe oben), brauche ich sicher nicht auszumalen. Deine Äußerung

Ihr Freund bekommt langsam einen dicken Hals.

weist auf zweierlei Weise in eine Richtung, die, sehr diplomatisch gesagt, der Frau nicht gut tun wird.

Zurück zur Frage. Natürlich kann und muss man nicht jedem auf
die Nase binden, dass man missbraucht wurde. Aber spätestens,
wenn es Richtung Verlobung geht, würde ich mit offenen Karten spielen.

„Auf die Nase binden“, „mit offenen Karten spielen“, „dicken Hals“ … deine Frage läßt sich auch ganz einfach beantworten: „Weil die Folgen solcher Erfahrungen eine ganz andere Kategorie von Problemen darstellt als ein verheimlichtes Pickel auf dem Hintern, oder ein gebrochener Arm, oder - um in der den Zitaten entgegenkommenden Sprache zu sprechen - eine kaputte Zylinderkopfdichtung“

Gruß
Metapher

Hallo,

zu deinen Gründen für das lange Schweigen der Frau:

Deine erste Begründung ist deine Feststellung (woher auch immer), dass der Freund ihr „Geständnis“ überall herum erzählen würde. Vorwurf.

Deine zweite Begründung ist deine Feststellung, dass Andreas in seinem Post kein Verständnis für die Freundin zeigt. Vorwurf.

Seine erste Frage war, wie du selbst feststellst:

Ihn interessiert, warum sie das erst so spät erzählt und dass
(noch nicht einmal warum) sie ihren Freund mit der ganzen
Belastung hängen lässt.

Genau. Darf er das und auf diese Art nicht fragen? Ist es ein Grund, ihn derart anzugehen?

Und seine zweite Frage:

Wie lange wird das noch gutgehen?

beantwortest du mit fehlendem Verständnis von Andreas für die Freundin eines anderen. Und dass Frau „lästig“ sei. Ausweichender und an der Frage vorbei geht es wohl kaum. Und ein wenig Verhöhnung wird von dir auch gleich nachgeschoben

Ist ja gnädig von dir.

Im Übrigen habe ich die Frage beantwortet mit gleich mehreren
möglichen Gründen für ein „warum“.

Nochmals nachgefragt und abgesehen von dem von dir als Ursache angegebenem falschen Verhalten und fehlendem Verständnis der beiden Jungs: Welche konkret?

Und dein (euer) ausschließliches Verständnis für die Frau.

Das stimmt - allerdings ohne die Einschränkung „einschließlich“

Welchem daher alle und alles sich unterzuordnen hätten.

Das ist deine Behauptung. Davon ist in meinem Beitrag allerdings nichts zu lesen. Auf diesen ganzen Bereich bin ich gar nicht eingegangen!

Klar, die beiden Schuldigen hast du ausgemacht. Hast du mal nachgefragt, ob Frau bisher irgendetwas unternommen hat, um ihr Problem anzugehen? So als Hinweis für die beiden, wie sie das Thema angehen könnten?

Wenn du persönlich mit mir etwas zu klären hast (ich wüsste
zwar nicht, warum, aber dennoch)

Hab ich nicht.

dann kläre das per mail und
nutze nicht irgendwelche Beiträge anderer dafür.

Klar, Hauptsache du darfst hier im Forum und die anderen nicht.

Den Zusammenhang bleibst du schuldig. Oder geht auch hier
deine Fantasie mit dir durch?

Auch wenn die Zustimmung von allen Seiten auf dich hereinprasselt: Sehr einseitig und aggressiv, was und wie du schreibst. Auf die eigentlichen Fragen (weshalb verhält sich Frau derart) hast du nur eine konkrete Antwort parat: Die Jungs sind schuld.

Franz

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Hi,

ist schon putzig, wie hier auf einen Beitrag geantwortet wird, der allgemein gehalten wurde!:

hm, vielleicht haben sie das hieraus geschlossen:

Ich kann folgendes nicht verstehen: da ist z. B. in der Bekanntschaft eine Frau, Mitte 30, die erst jetzt erzählt, dass sie in als Mädchen vom Vater missbraucht wurde. Warum wird so etwas erst nach ganz vielen Jahren erzählt ? Diese Frau hatte etliche Freunde, mit diesen auch Geschlechtsverkehr, und alles schien normal:

Aber ich würde meinen, dass die meisten Antworten hier ziemlich ähnlich ausgesehen hätten, wenn es um körperliche/ seelische Gewalt gehen würde.
Wobei ich persönlich denke, dass der UP dann den Geschlechtsverkehr nicht explizit erwähnt hätte, sondern insgesamt das Zusammensein mit Männern (und das Männer schließe ich nicht daraus, dass es ja immer ein Mann ist, sondern daraus, dass er vom Vater schreibt! Nur, um einem Einwand vorzukommen).

Gruß

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Hallo,

ich möchte kurz noch ergänzen

Eine Freundin konnte erst ca. 30 Jahre nach dem Missbrauch diesen überhaupt für sich erfassen (in Erinnerung rufen, die Erinnerung akzeptieren und aushalten) . .:

Darüber hinaus gibt es Mißbrauchsopfer, denen im Kindesalter während des teilweise jahrelangen Mißbrauchs immer wieder eingeredet wurde, es sei völlig normal und alle Väter/ Onkel etc täten das, wenn sie ihre Kinder lieb haben. Und alle Kinder müssten es tun, wenn sie die Täter lieb haben. Und dass sie es ja selbst möchten, freier Wille usw.
Teils wird es sogar im Familienumfeld verharmlost.

Das kann durchaus dazu führen, dass eine Frau erst mit den Jahren überhaupt realisiert, dass sie mißbraucht wurde.

Insofern finde ich es überhaupt nicht verwunderlich, dass Mißbrauchsopfer sich aus den verschiedenen von dir und anderen genannten Gründen teilweise erst nach Jahren „outen“.

Vielleicht hatte sie auch Angst zu hören, dass sie bestimmt eine Mitschuld am Mißbrauch hatte…

Gruß
Shannon

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Hallo Jule,

wieder mal ein sher guter Beitrag von Dir!

Es gibt einen Punkt, der in mir etwas wach gerufen:

Die Kenntnis darüber, dass ihre Frau zu diesen gehört, löst
deshalb von möglicher Verständnislosigkeit bis hin zu Abscheu
gegenüber der Frau alles Mögliche aus.

Hier gibt es auch noch andere Aspekte des Problems Missbrauch, nämlich das Umfeld des Missbrauches und der Umgang mit denjenigen, die früher Missbraucht haben.

Ich habe mal nicht verstehen können, wie mit dem Vater, Bruder und Onkel sonntags bei Kaffee und Kuchen auf nette Familie gemacht wurde, obwohl alle drei über viele Jahre mehrere Mädchen der Familie missbraucht haben. Und die Mutter wusste auch Bescheid, wenigstens später.

Ich weiss natürlich auch nicht, wie es richtig wäre; ich wollte nur zeigen, dass die Verständnislosigkeit nicht unbedingt so entsteht, wie du es geschrieben hast - nur als Randbemerkung, weil ich mich da angesprochen gefühlt habe.

Schöne Grüße
Polweiler

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Hallo Andreas a.d.N.,

für Dich scheint mir bis jetzt nichts brauchbares herumgekommen zu sein, als viel Schmäh für das angebliche Unverständnis des Bekannten und allenfalls die Empfehlung, ggf für sich selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das sagt sich so leicht. Ob das wirklich erfolgsversprechend ist, steht in den Sternen. Die Garantie indes gibt niemand. Danke.

Aber wieso das? Ausgerechnet der Lebenspartner der Frau? Um die Kirche mal im Dorf zu lassen: Die Frau ist es doch, die einzig ein seelisches Trauma zu haben scheint. Ein Trauma zu haben, heißt aber nicht psychisch so krank zu sein, dass es nicht mehr möglich ist, die Verantwortung gegenüber dem Lebenspartner und das beide verbindende Lebensglück wahrzunehmen. Wenn eine Liebesbeziehung aus einer Respektbeziehung hervorgeht (oder etwa nicht?) dann kann das nicht bedeuten, den anderen in die eigenen Probleme zu verstricken und auf dessen Hilfe bloß zu hoffen. Das wäre leicht infantil, erlaube ich mir dazu zu sagen . Mit Vertrauen hätte das rein gar nichts zu tun. Das wäre schlicht auch nichts anderes als nur eine Form von Missbrauch. Na bitte.

Die Bekannte, die Frau also, sollte erkennen, dass sie, ´unbedingt´ - sei dahingestellt, was tun sollte. Am besten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Nur zu hoffen, dass sich was tut „verebbt“(:smile:) im Ungewissen. Der Wille stirbt zuerst. Therapeutische Hilfe birgt in sich die Gefahr, dass die Meinung sich verfestigt, dass Hilfe nur von außen kommen wird. (Kommt irgendwie bekannt vor, nicht wahr?) Dass Hilfe von außen kommt, von oben oder von wo auch immer, das zu denken, wäre fatal.

Grüße mki