Frage zur RT - wer bewegt sich?

Hi,

ich hätte mal ne Frage zur RT:

Ich habe zwei Raumschiffe von 10 m Länge. Das eine Raumschiff ruht, das andere bewegt sich mit 90 % der Lichtgeschwindigkeit daran vorbei.

Aus Sicht des ruhenden Raumschiffs hat das Raumschiff, das sich bewegt eine Länge von knapp 4,35 m.

Aus Sicht des sich vorbeibewegenden Raumschiffs hat das ruhende ebenfalls eine Länge von 4,35 m.

Woran erkennen die Raumschiffinsassen, ob sie ruhen oder nicht? Intuitiv würde ich sagen, das die Leute im bewegten Raumschiff ein ziemlich eigenartiges Universum sehen müssten. Blauverschobenes Licht von vorne und rotverschobenes von hinten, bspw.

Was aber wäre, wenn ich die Ansicht des Universums ausknipse? Die beiden Raumschiffe befinden sich in einer, na, nennen wir es mal Vakuumblase. Oder der liebe Gott hat die Sterne weggesaugt. Ist ja im Grunde genommen egal. Woher erkenne ich jetzt, welches Raumschiff sich bewegt und welches ruht, wenn ich mich in einem der beiden Raumschiffe befinde? Oder ist die Frage sinnlos, wenn ich nur die zwei Raumschiffe betrachte? Ich meine, eines der beiden Raumschiffe hat ja offensichtlich Energie in Bewegungsenergie umgewandelt; zumindest so, wie ich es verstehe, müsste dieses sich dann doch bewegen…

Oder kann man das vielleicht überhaupt nicht sagen? Wenn ich kein Universum habe bzw. kein „drumherum“, zu dem relativ ich mich bewege, ist die Frage dann unbeantwortbar? Könnte ja auch sein, das, als die Raumschiffe relativ zueinander unbewegt sind, sie sich in wirklich mit 90 % von c bewegt haben, und das, von dem ich behaupte, es bewegt sich, in Wirklichkeit nur abgebremst hat…

Kann ich mit einem wie auch immer funktionierendem Gerät zur Messung der kinetischen Energie herausfinden, wer sich bewegt? Aber die kinetische Energie ist laut RT auch relativ, oder?

Ich gebe es zu, die Vorstellung verwirrt mich. Kann mir jemand das erklären?

ciao

JM

Hallo,

Ich habe zwei Raumschiffe von 10 m Länge. Das eine Raumschiff
ruht, das andere bewegt sich mit 90 % der Lichtgeschwindigkeit
daran vorbei.

Aus Sicht des ruhenden Raumschiffs hat das Raumschiff, das
sich bewegt eine Länge von knapp 4,35 m.

Aus Sicht des sich vorbeibewegenden Raumschiffs hat das
ruhende ebenfalls eine Länge von 4,35 m.

Woran erkennen die Raumschiffinsassen, ob sie ruhen oder
nicht? Intuitiv würde ich sagen, das die Leute im bewegten
Raumschiff ein ziemlich eigenartiges Universum sehen müssten.
Blauverschobenes Licht von vorne und rotverschobenes von
hinten, bspw.

Was aber wäre, wenn ich die Ansicht des Universums ausknipse?

Dann hast du kein Bezugssystem mehr, und die Aussage, ein Raumschiff befinde sich in Ruhe oder Bewegung ist dann Bedeutungslos - im Bezug zu was sollte es sich auch bewegen?

Oder kann man das vielleicht überhaupt nicht sagen? Wenn ich
kein Universum habe bzw. kein „drumherum“, zu dem relativ ich
mich bewege, ist die Frage dann unbeantwortbar?

Richtig.

Kann ich mit einem wie auch immer funktionierendem Gerät zur
Messung der kinetischen Energie herausfinden, wer sich bewegt?

Nein, weil Energie auch vom Bezugssystem abhängt.

Grüße,
Moritz

Hallo!

Ich habe zwei Raumschiffe von 10 m Länge. Das eine Raumschiff
ruht, das andere bewegt sich mit 90 % der Lichtgeschwindigkeit
daran vorbei.

Aus Sicht des ruhenden Raumschiffs hat das Raumschiff, das
sich bewegt eine Länge von knapp 4,35 m.

Aus Sicht des sich vorbeibewegenden Raumschiffs hat das
ruhende ebenfalls eine Länge von 4,35 m.

Woran erkennen die Raumschiffinsassen, ob sie ruhen oder
nicht?

Gar nicht. Das macht nämlich überhaupt keinen Unterschied. Nun könnte man meinen, das sei ein Widerspruch, denn beide Astronauten nehmen ja für sich in Anspruch, dass ihr Teil jeweils länger ist als das des anderen. (Männer neigen ohnehin zu dieser Argumentation…)

Wenn man genau hinschaut, sprechen sie aber über unterschiedliche Dinge. Angenommen jedes Raumschiff hat auf seiner Außenwand zwei Markierungen, die 4,35 m von einander entfernt sind. Nennen wir diese Markierungen A und B. Dann sagt jeder Astronaut für sich: „Wenn der Bug des Raumschiffs bei A ist, ist das Heck gleichzeitig bei B. Also ist das andere Raumschiff genau 4,35 m lang.“

Außerdem sagt jeder Astronaut: „Auf dem anderen Raumschiff befinden sich zwei Markierungen, A’ und B’. Wenn das andere Raumschiff an mir vorbeifliegt, erreicht zunächst A’ meinen Bug, dann B’ mein Heck. Diese beiden Ereignisse finden nicht gleichzeitig statt. Die Entfernung zwischen A’ und B’ ist also deutlich kürzer als mein Raumschiff.“

Auf deutsch: In jedem Bezugssystem ist die Längenkontraktion beobachtbar. Eine Längenmessung im einen Bezugssystem ist aber vom anderen Bezugssystem aus betrachtet keine reine Längenmessung. Das hat (wie gezeigt) mit der Relativität der Gleichzeitigkeit zu tun, die man ganz gerne übersieht.

Kann ich mit einem wie auch immer funktionierendem Gerät zur
Messung der kinetischen Energie herausfinden, wer sich bewegt?
Aber die kinetische Energie ist laut RT auch relativ, oder?

Man kann es nicht herausfinden. „Relativität“ bedeutet ja, dass viele Dinge vom Zustand des Beobachters abhängen (in der SRT: Längen, Zeiten, Gleichzeitigkeit). Wenn ich es richtig weiß, hat Einstein jedoch ursprünglich die Bezeichnung „Invarianztheorie“ vorgeschlagen, um auszudrücken, dass die Lichtgeschwindigkeit für alle Beobachter gleich ist (= invariant). Diese Bezeichnung hat sich aber nicht durchgesetzt.

Die wichtigste Aussage dieser Theorie (unabhängig davon, wie man sie nennt) ist: Es gibt kein Bezugssystem (genauer: Inertialsystem), das gegenüber anderen Bezugssystem eine Sonderstellung hätte. Es gibt also den Zustand der absoluten Ruhe gar nicht.

Michael

Danke!
Danke, das hat nicht nur meine Frage beantwortet, sondern auch gleich die Relativität der Gleichzeitigkeit hervorragend beleuchtet. Das war nämlich etwas, was mir auch Kopfzerbrechen bereitet - die beiden Raumschiffe scheinen ein prima Modell zu sein, um die RT zu erklären. Ja, ich könnte sogar per Formel berechnen, wann das eine Raumschiff die 4,35 Markierung aus der eigenen Sicht mit Bug und Heck passiert. Na ok, ich hätte ein Problem mit meinem Taschenrechner, weil der Zeitunterschied bei 0,9 c natürlich ziemlich gering wäre…

>Es gibt also den Zustand der absoluten Ruhe gar nicht.

Hmf, da hätte ich selbst drauf kommen müssen, das setzt einen Äther voraus… klar, sowas erlaubt die RT nicht, sonst hieße sie AT, Absolut-Theorie :wink:

Danke!

JM

Noch eine kleine Verständnisfrage…

Dann hast du kein Bezugssystem mehr, und die Aussage, ein
Raumschiff befinde sich in Ruhe oder Bewegung ist dann
Bedeutungslos - im Bezug zu was sollte es sich auch bewegen?

OK, das leuchtet ein :smile:

Kann ich mit einem wie auch immer funktionierendem Gerät zur
Messung der kinetischen Energie herausfinden, wer sich bewegt?

Nein, weil Energie auch vom Bezugssystem abhängt.

Mal überlegen… sagen wir mal, eines der Raumschiffe wäre in unserem Universum mit 0,9 c unterwegs. Der Pilot könnte nun behaupten, er steht, und das Universum rauscht mit 0,9 c an ihm vorbei. Und etwas, das der Rest des Universums als Bremsvorgang bezeichnen würde, könnte der Pilot als „angleichen der Geschwindigkeit“ bezeichnen. Er bringt praktisch die - aus seiner Sicht - nichtvorhandene Bewegungsenergie des Raumschiffs auf das Level der Bewegungsenergie des an ihm vorbeirauschenden Universums… käme das so in etwas hin?

ciao

JM

Ich denke, so einfach ist das nicht, denn die Tatsache, dass das Raumschiff sich mit 0,9 c relativ zum Universum bewegt, ist ja dadurch hervorgerufen worden, dass das Raumschiff vorher beschleunigt hat, und nicht das Universum. Diese kinetische Energie ist jetzt im Raumschiff als Massezuwachs gespeichert, und führt dazu, dass auch die Zeit im Raumschiff langsamer vergeht, als im Universum. Beobachten durch Uhrenvergleich kann man diese Zeitdilatation aber erst dann, wenn das Raumschiff wieder abgebremst hat. Zum Abbremsen verbraucht das Raumschiff natürlich auch Energie, wenn es mit Raketen abbremst, aber physikalisch ist es so, als würde das Raumschiff eine Art Anker in das Universum werfen, und seine kinetische Energie wieder ans Universum abgeben.
Man kann natürlich auch sagen, wenn ein Raumschiff in die eine Richtung beschleunigt, beschleunigt das Universum in die andere Richtung, denn die ausgestossenen Abgase der Rakete sind ja nunmehr ein Teil des Restuniversums. Aber, da die Gesamtmasse des Universums ziemlich gross ist, ist die durchschnittliche Beschleunigung des Universums vernachlässigbar. Insofern ist zwar Geschwindigkeit relativ, die Funktion aus Geschwindigkeitsänderung und kinetischer Energie, der die Zeitablaufgeschwindigkeit ausmacht, ist aber beim Raumschiff viel höher. Daher läuft die Zeit im Raumschiff langsamer. Für die Passagiere ist es nun so, dass sie auch ein Sternsystem, das sagen wir 100 Lichtjahre entfernt ist, in 12 Jahren oder so erreicht haben, währenddessen die Zurückgebliebenen jedoch 112 Jahre wahrscheinlich nicht nur Däumchen drehen, sondern wohl eher das Interesse an der ganzen Story verlieren, bzw. unterdessen einen Überlichtgeschwindigkeitsantrieb erfinden, mit dem sie das Raumschiff auf halber Strecke einholen, um es ins Museum zu bringen, mit den Worten: „Wo Ihr hinwollt, haben wir schon Enkel, einer davon bin ich, hallo Oma“.

Hallo,

die Tatsache, dass
das Raumschiff sich mit 0,9 c relativ zum Universum bewegt,

Es gibt nicht ‚das Universum‘. Es gibt vor allem kein ruhendes Universum. Es gibt im Universum auch keinen ruhenden Punkt. Alle Bewegungen sind immer relativ zu irgendetwas. Auch die kinetische Energie ist immer nur relativ zu etwas. Jedes Abbremsen ist nichts anderes als eine Beschleunigung in eine andere Richtung. Ein Raumschiff stößt sich nicht vom Universum ab. Und das Universum als ganzes hat keine Masse, die vom Raumschiff beeinflußt würde.

Grundsatz der RT ist doch grade, dass es keine absolute Bewegung von irgendetwas im Universum gibt.

Das einzige, in dem Du recht hast, ist das:

Ich denke, so einfach ist das nicht

Gruß
loderunner

Ist denn aber nicht auch die Relativität relativ? Also, ist denn nicht das Raumschiff, weil es weniger Masse hat, den Relativitätseffekten stärker unterworfen, als das Universum?

Hallo,

Ist denn aber nicht auch die Relativität relativ?

Nein.

Also, ist
denn nicht das Raumschiff, weil es weniger Masse hat, den
Relativitätseffekten stärker unterworfen, als das Universum?

Nochmal: es gibt nicht ‚das Universum‘. Es gibt einen Raum, in dem sich Dinge bewegen. Unabhängig voneinander. Es ist nicht so, dass, wenn Du ein Ding beschleunigst, die anderen automatisch abgebremst oder mitgezogen werden. Man kann die Gesamtmasse des Universums vielleicht abschätzen (ich kann es nicht), aber das ist nur die Masse der Dinge, die sich darin befinden.
Gruß
loderunner

Wenn zwei Dinge sich unabhängig voneinander bewegen, also z.B. die Erde und das Raumschiff, wer legt dann fest, dass im Raumchiff die Zeit langsamer läuft als auf der Erde, und nicht umgekehrt? Entweder gibt es die Zeitdilatation, oder die Gleichberechtigung aller Bezugssysteme, beides passt nicht zusammen, oder? Zeitdilatation ist experimentell nachgewiesen.

Es muss also ein Haupt-Bezugssystem geben. Das ist immer dasjenige, in dem der Uhrenvergleich vor und nach der Reise atattfindet, also die Erde. Nur dort läuft die Zeit „normal“, in allen anderen Bezugssystemen langsamer. Wenn z.B. zwei Raumschiffe starten, eins nach Süden, eins nach Norden, beide die gleichen spiegelverkehrten Manöver fliegen, dann wieder gleichzeitig landen, zeigt der Uhrenvergleich von Mitgliedern beider Besatzungen keinen Unterschied, obwohl die zwei Raumschiffe sich die ganze Zeit mit hoher Relativgeschwindigkeit zueinander bewegt haben.

Hallo,

Wenn zwei Dinge sich unabhängig voneinander bewegen, also z.B.
die Erde und das Raumschiff, wer legt dann fest, dass im
Raumchiff die Zeit langsamer läuft als auf der Erde, und nicht
umgekehrt?

Das ist ja grad Dein Missverständnis: Die Zeit von beiden läuft langsamer - aber nur vom jeweils anderen aus gesehen.

Entweder gibt es die Zeitdilatation, oder die
Gleichberechtigung aller Bezugssysteme, beides passt nicht
zusammen, oder? Zeitdilatation ist experimentell nachgewiesen.

Sie ist nachgewiesen (und nicht nur einmal) und es passt wunderbar zur Gleichberechtigung aller Bezugssysteme.

Gruß
loderunner

Es muss also ein Haupt-Bezugssystem geben.

Nein. Genau das KANN es nicht geben.

Das ist immer dasjenige, in dem der Uhrenvergleich vor und nach der
Reise atattfindet, also die Erde.

Falsch.
Btw., wie kommst Du darauf, dass ausgerechnet die Erde das Hauptbezugssystem des Universums sein sollte?

Nur dort läuft die Zeit „normal“,
in allen anderen Bezugssystemen langsamer.

Falsch.

Wenn z.B. zwei
Raumschiffe starten, eins nach Süden, eins nach Norden, beide
die gleichen spiegelverkehrten Manöver fliegen, dann wieder
gleichzeitig landen, zeigt der Uhrenvergleich von Mitgliedern
beider Besatzungen keinen Unterschied, obwohl die zwei
Raumschiffe sich die ganze Zeit mit hoher
Relativgeschwindigkeit zueinander bewegt haben.

Ja. Und?
Du vergisst bei Deinem neuen Modell mit zwei Raumschiffen einen wesentlichen Unterschied zum ersten Modell mit einem Raumschiff und der Erde: die Beschleunigung. Denk an die Erdbeschleunigung, die im Raumschiff nicht wirkt.
Wenn Du jetzt das Modell Raumschiff-Erde veränderst, indem Du als neue Vorgabe das Raumschiff permanent mit 1g beschleunigen lässt, um der Erde gleich zu sein, übersiehst Du wiederum ein anderes Problem: die Aussage mit der verlangsamten Zeit gilt nur für Inertialsysteme, also für Systeme, die keiner Beschleunigung unterliegen.

Aber das können andere viel besser erklären als ich, der ich nicht mal Physiker bin:
http://de.wikipedia.org/wiki/Relativit%C3%A4tstheori…
Folge mal den Links zum Zwillingsparadoxon etc.

Gruß
loderunner

Stimmt, ich hab mich wohl unklar ausgedrückt, ich meinte, wenn es um Zeitdilatation und die anderen Relativitätseffekte (Massezunahme, Längenkontraktion) geht, muss man dafür immer ein Hauptbezugssystem definieren, in diesem Fall die Erde. Im Fall Raumschiff, von der Erde gestartet, führt diese Anfangsbedingung darüber hinaus dazu, dass es objektiv falsch wäre, etwas anderes als die Erde als ruhendes Bezugssystem anzunehmen. Denn: Wenn sich eine sehr kleine Masse von einer sehr grossen trennt, teilt sich der Impuls in beide Richtungen gleichgross auf (der Gesamtimpuls bleibt Null). Die kinetische Energie geht jedoch fast vollständig auf den kleinen Körper (weil hier die Geschwindigkeit quadratisch in die Formel eingeht, und Energie kein Vektor ist wie Impuls). Und diese kinetische Energie ist es ja, die die Massezunahme ausmacht: delta m=Ekin/c². Also, wenn man die Anfangsbedingungen betrachtet, ergibt sich manchmal zwingend ein Hauptbezugssystem. Darüberhinaus die Endbedingung: Nur das Raumschiff kann ja zur Erde zurückkehren, nicht die Erde dem Raumschiff hinterherfliegen, um dann die Uhren zu vergleichen. Obwohl ich jetzt vielleicht auch wieder was falsches gesagt habe, denn: Man könnte ja auch die Sonne oder den Galaxismittelpunkt als Hauptbezugssystem nehmen, muss dann aber mehr rechnen, kommt aber auch zu exakteren Ergebnissen.

Hallo,

ich meinte, wenn
es um Zeitdilatation und die anderen Relativitätseffekte
(Massezunahme, Längenkontraktion) geht, muss man dafür immer
ein Hauptbezugssystem definieren, in diesem Fall die Erde.

Es gibt nur Bezugssysteme, kein Hauptbezugssystem.

Im
Fall Raumschiff, von der Erde gestartet, führt diese
Anfangsbedingung darüber hinaus dazu, dass es objektiv falsch
wäre, etwas anderes als die Erde als ruhendes Bezugssystem
anzunehmen.

Keineswegs. Es sind völlig beliebige Bezugssysteme annehmbar. Man muss nur genau definieren, was man meint.

Denn: Wenn sich eine sehr kleine Masse von einer
sehr grossen trennt, teilt sich der Impuls in beide Richtungen
gleichgross auf (der Gesamtimpuls bleibt Null).

Nur dann, wenn sie sich voneinander abstoßen. Wenn man die eine von der andern wegzieht, folgt die zweite Masse sogar der gezogenen.

Die kinetische
Energie geht jedoch fast vollständig auf den kleinen Körper
(weil hier die Geschwindigkeit quadratisch in die Formel
eingeht, und Energie kein Vektor ist wie Impuls).

Falsch.
a) die kinetische Energie ist relativ.
b) die Summe der kinetischen Energie muss nicht Null sein (siehe oben).
c) wenn sie sich voneinander abstoßen, muss die Kraft auf beide gleich wirken. Dass das beim einen eine andere Beschleunigung ergibt als beim anderen ist klar. Dass das eine andere Energie ergibt, solltest Du nochmal überprüfen.

Und diese
kinetische Energie ist es ja, die die Massezunahme ausmacht:
delta m=Ekin/c². Also, wenn man die Anfangsbedingungen
betrachtet, ergibt sich manchmal zwingend ein
Hauptbezugssystem.

Nochmal: keineswegs. Man kann das ganze auch von außen betrachten. Von einem stillstehenden oder bewegten Beobachter aus. Und aus einem beliebigen Bezugssystem heraus. Es gibt entsprechende Transformationsgleichungen für alle Beobachtungen.

Darüberhinaus die Endbedingung: Nur das
Raumschiff kann ja zur Erde zurückkehren, nicht die Erde dem
Raumschiff hinterherfliegen, um dann die Uhren zu vergleichen.

Wer legt das fest? Doch nur der, der sich das Modell ausgedacht hat. Selbstverständlich kann er auch festlegen, dass die Erde dem Raumschiff hinterherfliegt, was sollte ihn hindern?

Obwohl ich jetzt vielleicht auch wieder was falsches gesagt
habe, denn: Man könnte ja auch die Sonne oder den
Galaxismittelpunkt als Hauptbezugssystem nehmen, muss dann
aber mehr rechnen,

Oder irgendein anderes Bezugssystem. Du hast es erfasst.

kommt aber auch zu exakteren Ergebnissen.

Keineswegs. Die Exaktheit eines Ergebnisses kann niemals durch kompliziertere Berechnung noch exakter werden.

Gruß
loderunner

c) wenn sie sich voneinander abstoßen, muss die Kraft auf
beide gleich wirken. Dass das beim einen eine andere
Beschleunigung ergibt als beim anderen ist klar. Dass das eine
andere Energie ergibt, solltest Du nochmal überprüfen.

Hey Loderunner! Puuh, endlich hab ich auch mal recht: Kinetische Energie ist ja (m*v²)/2. Da geht die Geschwindigkeit quadratisch ein. Andere Beschleunigung bedeutet andere Geschwindigkeit, also in diesem Falle andere Energie. Ok, ein Raumschiff ist keine Kanonenkugel, bei der sich Impuls und Gegenimpuls gleichmässig aufteilen, aber, zumindest beim Start wird ja das hinten rausgeblasene Abgas von der Erdathmosphäre absorbiert. Danach bläst es irgendwo in den Weltraum, und interessiert nicht mehr. Auf jeden Fall geht die Energie, also auch der Massezuwachs, und somit die anderen relativistischen Effekte, auf das Raumschiff. Es sei denn, es stösst sich nicht von der Erde oder seinen Abgasen ab, sondern wird, wie Du gesagt hast, gezogen, infolge eines erst noch zu erfindenden Raumanker- Antriebs. Dann ist wieder alles anders. Kann ja sein, ich hab den Verdacht, wir haben beide recht, irgendwie. Viele Grüsse!

Moin,

Hey Loderunner! Puuh, endlich hab ich auch mal recht:
Kinetische Energie ist ja (m*v²)/2. Da geht die
Geschwindigkeit quadratisch ein. Andere Beschleunigung
bedeutet andere Geschwindigkeit, also in diesem Falle andere
Energie.

Und was ist mit der Masse? Wie wär’s denn mit: andere Masse, gleiche Energie -> andere Geschwindigkeit?

Gruß

Kubi

Wenn man von der Erde eine Kanonenkugel senkrecht abschiesst, geht der eine Impuls m*v auf die Kugel, der gleichgrosse Gegenimpuls auf die Erde. Da die Masse der Kanonenkugel viel kleiner ist als die der Erde, wird praktisch nur die Kugel beschleunigt. Da die Geschwindigkeiten quadratisch in die kinetischen Energien eingehen, die Massen aber nur linear, ist quasi die gesamte kinetische Energie vom Abschuss in der Kugel, und quasi nichts davon in der Erde. Ok, ein Raumschiff hat Raketen und ist keine Kanonenkugel, aber ändert das was? Irgendwie ist es sowieso schwierig, sich der Lichtgeschwindigkeit anzunähern, man müsste einen Warp-Antrieb oder Wurmlochtunnelung erfinden. Aber die Tatsache, dass sich noch keine Aliens bei uns gemeldet haben, zeigt vielleicht, dass es sowas nicht geben kann, denn bei 100 Milliarden Sternen in der Galaxis sind sicher ein paar dabei mit BewohnerInnen (oder drei- oder mehrgeschlechtlichen BewohnerInAnUnnen), die technologisch ein paar hundert Jahre weiter entwickelt sind, als wir. Oder, die kennen sich alle, und haben sich abgesprochen, dass die Erde unter Naturschutz steht, und dort nicht eingegriffen werden darf. Aber auch dann müsste es eigentlich ein paar pubertierende Outlaws geben, die das trotzdem tun. Entsprechende Augenzeugenberichte gibt es ja. Allerdings keine Beweise in Form von Artefakten oder anderen Hinterlassenschaften der Aliens. Schade, oder vielleicht auch besser so.
Gruss

Hallo,

Ok, ein Raumschiff
hat Raketen und ist keine Kanonenkugel, aber ändert das was?

Dir ist nicht bekannt, wie eine Rakete beschleunigt, oder? Sie stößt sich nicht von der Erde, sondern von ihrem Strahl ab. Deshalb hat eine Panzerfaust ja auch keinen Rückstoß.
Gruß
loderunner

Wieso sollte mir das nicht bekannt sein, für die Wahl des Bezugssystems ist es entscheidend, wo die Energie her kommt. Auch, wenn der Strahl in der späteren Flugphase an der Erde vorbeibläst, stammt doch der Treibstoff von der Erde.