Guten Abend, Monika!
Ich suche also Bücher von klassischen Autoren, wo es „starke“
Männer gibt. Zum Beispiel Eschenbachs Parzival (MHO) - sonst
fällt mir keiner ein.
Mir wär nicht mal der eingefallen als „starker Mann“, denn der
gute „tumbe Tor“ rennt doch durch den weitaus größten Teil
seiner Geschichte ziemlich dämlich durch die Welt. Erst nach
dem Gespräch mit Trevizent bekommt er ein angemessenes Selbst-
und Weltbewusstsein.
Ja, aber er ist dennoch - aus weiblicher (oder meiner) Sicht - ein „guter Mann“. Er lernt aus dem was er falsch macht, er will eigentlich nur das Gute (rennt aber des öftern rein…), sein Verhalten gegenüber Conduir-Amour ist beispielhaft…
Gut, es mag Ansichtssache sein.
Wenn ich nur schon Schiller und Goethe durchgehe, dann stehen die Männer den Frauen doch eher nach (Faust und Margarethe, Karlos und Elisabeth, Luise und Ferdinand…)
Von Elisabeth abgesehen sind diese Frauenfiguren doch eher aus
geistiger Unbeweglichekeit „stark“. Sie sind durch ihre
anerzogenen Verhaltensmuster gebunden.
Dennoch beweisen sie sich und machen nicht dieselben „Fehler“ wie ihre Männer - Ferdinand hat kein bisschen Vertrauen zu Luise, rastet völlig aus…gut, Luise löst sich nicht von ihrem Vater, das stimmt.
Margarethe emanzipiert sich, sie erkennt das Böse, sie hat die Grösse, um Vergebung zu beten.
Vielleicht bin ich hier nicht so objektiv, aber wenn ich jene Geschichten lesen, bin ich immer entsetzt von den männlichen Protagonisten.
Mann und Frau müsste in der Tat zuerst genauer klären, was mit
„guten Männern und Frauen“ gemeint ist.
Einige fallen mir doch noch ein:
Tamino aus der Zauberflöte: „Standhaft, duldsam und verschwiegen“.
Roderich aus Don Carlos, Faramir aus Herr der Ringe.
Nicht, dass zB Don Carlos nicht irgendwie „gut“ wäre, aber wenn man ihn neben sein weibliches Contrapart Elisabeth stellt, kann er nicht mithalten. Er erinnert mich ein bisschen an Werther.
Aus sicht mancher Frau aus diesen Geschichten, finde ich es frustrierend, wie die Männer reagieren: Misstrauen, Eifersucht, Selbstmitleid über Selbstmitleid, Schrecken nicht vor Gräueltaten zurück, moralisch nicht unbedingt vorbildlich, ethisch auch nicht…
Ich meine, ich hätte lieber einen Mann, der Elisabeths Qualitäten hat, als einer, der wie Carlos ist.
Vielleicht habe ich mich jetzt etwas klarer ausgedrückt.
Wie ist das denn aus männlicher Perspektive?
Liebe Grüsse,
Monika