Hallo Sian!
Ich war tatsächlich mal in einer vergleichbaren Situation, wenn auch nicht ganz auf dein Szenario zutreffend. Ich war mit meinem Hund auf einem verwucherten Feld unterwegs als plötzlich ein Schäfermix vor uns auftauchte, kein Mensch in der Nähe (da geht außer mir eigentlich auch keiner spazieren). Der war eindeutig aggresiv drauf, allerdings nicht auf mich gerichtet, sondern auf meinen Hund. Es enstand für Minuten eine Art Patt-Situation. Wir standen alle ganz starr da, keiner bewegte sich. Mein Hund wurde ganz steif und auch der andere versteifte sich. Und dann konnte man es schon, bevor es passierte kommen sehen…mein Hund wäre panisch davongelaufen und der andere wütend hinterher.
Und genau in dem Bruchteil einer Sekunde, als die Situation dahingehend umzukippen drohte, also Bewegung in die Tiere kam, war das einzige was mir einfiel tief und bedrohlich „Nein! Sitz“" zu donnern. Ich war dabei nicht mal besonders laut, aber anscheinden überzeugend. Beide Tiere stoppten direkt wieder in der kaum begonnen Bewegung und starrten mich mindestens genauso überrascht an, wie ich sie, erstaunt darüber, dass man mich ernst genommen hatte. Ich donnerte noch ein „Sitz!“ hinterher, was mein Hund dann brav befolgte, obwohl man ihr direkt ansah, dass sie lieber geflohen wäre, ohne Rücksicht auf Verluste… Sie hatte ein paar Monate zuvor einen ärgerlichen Zwischenfall mit einem sehr hartnäckigen Hund gehabt, wo sie ihr Heil nur in der Flucht suchen konnte, nachdem sie bemerkte, dass ich ihr nicht helfen kann…und der Hund blieb ihr tatsächlich den knappen Kilometer bis zu uns nach Hause direkt auf den Fersen…was eigentlich schon eher ungewöhnlich ist, normal begnügen sich dominante Hunde damit, zu sehen, dass der andere flieht, und folgen maximal noch ein paar Meter… seither war unser Vertrauenverhältnis in dieser Hinsicht leider etwas angeknackst gewesen… in sofern war dieser enreute Zwischenfall eigentlich fast ein Segen mit seinem Ausgang. Seit dem hat sie mir wieder bedingungslos vertraut, das ich die Situation im Griff habe, auch wenn es in ihren Augen kritisch wurde.
Der andere Hund auf dem Feld, konnte zwar mit dem begriff „Sitz“ nichts anfangen, aber er merkte wohl, dass es mir bitterernst war und trollte sich dann und lies uns in Frieden.
Das schwierige in der Situation (die ja meist nur in wenigen Sekunden wirklich kritisch ist, nicht viel Zeit nachzudenken oder sich irgendwas bewusst zu machen) ist eben, dann wirklich die Dominanz zu zeigen, die einen angriffslustigen Hund abschrecken würde. Das muss vermutlich reflexartig kommen, wirklich planen kann man das kaum.
Definitiv ist aufrecht stehen bleiben und abwarten was geschieht erst mal kein schlechter Tip, eine Flucht würde immer der Hund gewinnen, wenn er es drauf anlegt.
Wenn man dann absieht, dass der Hund angreifen würde, kann man versuchen seine eigene Dominanz zu unterstreichen mit ein paar klaren Worten, die man weniger hysterisch schreien, als viel mehr in einem tiefen und beherrschten Tonfall sagen sollte.
Schafft man es nicht, die Situation zu seinen Gunsten zu drehen und es kommt zum Angriff, würde ich zu allererst versuchen stehen zu bleiben, auch wenns sicherlich leichter gesagt ist als getan…gefährlich wird, wenn Kopf und Kehle in Reichweite der Zähne kommen. Und um den Angriff abzuwehren würde ich gezielte Attacken auf Nase (Boxen oder richtig herzhaft kneifen) und Augen (Daumen reindrücken) ausführen … das sind bei so ziemlich jedem Tier die empfindlichsten Stellen… also würde ich auch bei einem Angriff eines HAis genauso halten, nur da kann man sich die herrischen Worte vermutlich sparen 
lieben gruß
aj