Fremdwörter benutzen

Hallo,

es gibt nicht wenig Menschen, die gut und gerne Fremdwörter in ihren Sprachgebrauch einbauen. Bei manchen Wörtern, die ich kenne und verstehe, stelle ich mir die Frage, ob die Aussage eines Satzes sich verändern würde, wenn man das deutsche Wort (falls vorhanden) benutzt hätte. z.B. Es hat einer Präverenzen und der andere Vorlieben. Gibt es da einen Unterschied? Oder sein Verhalten ist human, weil er für eine menschliche Umgangsweise eintritt. usw…
Wann sind Fremdwörter besser als die deutschen? Geht es beim Benutzen von Fremdwörtern um Eloquenz (das Wort mag ich besonders gern :wink:)), oder drücken diese besser einen Sachverhalt aus?

viele Grüße
grilla

Hallo Grilla,

natürlich wird mit Fremdwörtern viel Missbrauch getrieben oder einfach angegeben. Allerdings haben die meisten Fremdwörter doch nur fast dieselbe Bedeutung wie ihre deutsche Entsprechung. Das deutsche Wort hat meist mehr „Herz- und Gefühlsklang“ und wird darum gern gemieden. „Präferenzen“ wirken einfach sachlicher und mit dem Kopf überlegt, während „Vorlieben“ mehr aus dem Bauch kommen und bei der Vorstandssitzung nicht wirklich von Interesse sind :wink:

Gruß,
Peter

praeferre, ich hätte es wissen müssen
Hallo Peter,

„Präferenzen“

das Fremdwörterbuch liegt ungenutzt neben mir, und mein Latein ist zuuu lange her *schäm*
deshalb danke, auch für´s Posting :smile:

gruß
grilla

Gebrauch von Fremdworten

Bei Laborleitersitzungen kann man mehr Aufmerksamkeit erheischen, wenn man sich deutscher Ausdrücke bedient oder den Genitiv einsetzt, als es mit abgegriffenen Worten aus dem Mode-Englisch möglich ist.

Das Thema war aber schon mal ein Issue hier, oder ? *g*

Gruß vom Wölfchen

Suum cuique und sometimes
Hallo, grilla!

Wann sind Fremdwörter besser als die deutschen? Geht es beim
Benutzen von Fremdwörtern um Eloquenz (das Wort mag ich
besonders gern :wink:)), oder drücken diese besser einen Sachverhalt aus?

Ich für meinen Teil unterscheide bei der Benutzung von Fremdwörtern zwischen drei Kategorien, die nicht gut und böse, sondern einfach a, b und c trennen, und von denen ich hoffentlich nur die ersten beiden nutze.

Kategorie 1: Notwendig
In diese Kategorie fallen Ausdrücke, die etwas bezeichnen, wofür ich im Deutschen mehrere Wörter benötigte und dann immer noch den Sachverhalt 100-prozentig getroffen hätte bzw. mir anhören muss: „Ja, sag doch gleich (den entsprechenden Begriff).“ Dazu zählen natürlich viele Fachbegriffe, die im Computer-, Medizinbereich oder in der Branche, in der ich einen Nebenjob habe, Radio und Fernsehen, ihren festen Platz gefunden haben. Niemand würde einen Cutter, sprich bei uns merkwürdiger Weise: Kötter und nicht Katter, als Schnittmeister bezeichnen. Einerseits korrekt, aber nicht üblich. Niemand würde Begriffe wie Steadycam (http://www.slashcam-videox.de/images/texte/170-Clip_…) oder Showopener (Eröffnungsmelodie mit Namensnennung nach Nachrichten, Wetter und Verkehr) mangels deutscher Entsprechung verbannen wollen. In diese Kategorie gehören für mich auf Begriffe wie Osmose, galvanisieren, Laptop, … nicht mehr wegzudenken. Und natürlich die Begriffe, die auf irgendeine Weise historisch belastet sind: „Jedem das Seine“ empfinden einige noch als anstößig, während ihnen das im Titel genannte „Suum cuique“ nichts ausmacht. Auch Präferenz gehört im Zweifel dazu, da sich wie schon von Peter angemerkt, ein Bedeutungsunterschied mit dem Wort „Vorlieben“ ergibt. Man muss sich oft genug selbst dazu anhalten, über die Benutzung eines Fremdwortes nachzudenken und ich stelle oft fest, dass sie unnötig sind. Warum Nuance sagen, wenn es auch Feinheit oder Abstufung ausdrückt? Warum haben wir die beste Story und nicht die spannendste Geschichte? Indes verstehe ich, wenn von Filesharing die Rede ist, und nicht von Dateientausch, da dies quasi ein Fachbegriff ist, der mehr bedeutet, als dass ich nur meiner Oma eine Bach-CD aus der Bibliothek brenne oder meinem Kumpel Office überlasse, damit er es sich draufmachen kann.

Kategorie 2: Eher unnötig
Ich amüsiere mich, wenn der Wettermann von einer Antizyklone schwafelt. Das ist nichts anderes als ein Hochdruckgebiet, was ein absolut gängiges deutsches leicht verständliches Wort ist. Es ärgert mich, wenn es meinen Arbeitgeber nach einem Meeting dürstet. Machen wir dort etwas anderes bei einem Treffen und kommt mehr als raus als bei einer guten deutschen Zusammmenkunft? Mit Sicherheit nicht. Es ist mir ziemlich egal, ob jemand vor mir den „Chapeau!“ zieht oder „Hut ab!“ ruft. Aber je nach Situation ist oft klar, dass derjenige im gleichen Atemzug mit dem Lob den anderen, der das Wort nicht übersetzen kann, ärgern will. Die Falle, in die oft selbst tappe, ist es, englische Begriffe unübersetzt als Zitat ins Deutsche zu schleppen. Ich zitiere gerne aus englischen Songtexten, aber es ist zugegebenermaßen Humbug, wenn ich von meinem „Birthday“ und meinem „Dad“ rede – albern, aber es passiert. Warum downloaden, wenn ich dasselbe auch herunterladen nennen kann? Es ist gibt keinen Bedeutungsunterschied, außer dass ich downloaden nur ziemlich schlecht konjugieren kann. . „Schlampen“ gibt es in Deutschland lange nicht mehr, die „bitches“ sind los, meistens ziemlich „horny“. Und die Musik, die dort läuft, wo man die „horny bitches“ trifft, ist meistens so ziemlich der „phatteste Stuff in town“. *lol* Ähnlich verhält es sich mit den Anglizismen auf Speisekarten: Ich möchte eine Pizza mit Schinken und Zwiebelringen . Gibt’s nicht! Ich muss „ham und onion rings“ bestellen. Finde ich einfach nur bescheuert. Es ist ja völlig in Ordnung, dass ein Ausländer, der hier ein Restaurant aufmacht, seine Gerichte nicht „Teigfladen Meeresfrüchte“, sondern „Pizza Frutti di mare“ oder nicht „Gefüllte feste Pfannkuchen“, sondern „Ropas“ nennt. Aber die Zutaten und ganze Gerichte nur auf Englisch zu beschreiben, vor allem bei einer Kette wie Pizza-Hut, finde ich albern. Anscheinend sind die Speisekarten wenigstens zu großen Teilen direkt aus England/den USA übernommen (sahen dort jedenfalls sehr ähnlich aus), sodass keine Fehler darin sind, aber dazu gibt es ja noch die Kategorie drei. Da tauchen Fälle auf, über die ich mich mehr als „sometimes“ – kennt eigentlich noch jemand das gute deutsche Wort „manchmal“ – aufrege.

Kategorie 3: Hochpeinlich, da falsch
Heute Mittag im Café, Getränkekarte: „Than she kissed me …“ steht dort, umgeben von anderen grottenfalschen englischen Begriffen. Das war mehr als ein Tippfehler. Jeder Engländer würde sich halbtot lachen, ich fasse mir nur an den Kopf. Nicht cool zu wirken ist immer noch lässiger als cool wirken zu wollen und dann völlig daneben zu langen. Neulich hörte ich eine ältere Frau, so zwischen 60 und 70 mutmaßlich, im Radio reden, die sich lauthals freute, dass sie jetzt irgendeinen Sender seit neustem empfangen könne: „Ich bin so habbi.“ Habbi? Ja, „happy“ war sie anscheinend, sprach es aber aus, als ob es ein urdeutsches Wort mit einem „i“ am Ende sei. Da hörte ich auf, zu glauben, das sei ein Phänomen meiner Altersklasse. Neulich hörte ich zum Ausgleich von einem Kumpel, die Musik sei ja echt „hardly“ – ah ja. Und im Fernsehen herrschte bei … hm, welche Talksendung war das, ich hab’s vergessen … eine ausgesprochen „preziöse“ (gemeint: prekäre) Situation. War ja auch „relitativ“ (gemeint: relativ) früh am Nachmittag, da kann man schon mal zu viele „Alkoholikas“ zu sich genommen haben. Schlimm wird’s aber erst, wenn man zur selben Zeit noch ein „Visa“ beantragen oder beim „Gynilologen“ (gemeint: Gynäkologen) vorbeischauen muss. BTW: Dass es für die „Tolleranz“ keinen passenden – „adäquat“ wollte ich erst schreiben – deutschen Begriff gibt, bedaure ich zutiefst, da das ja rein der Schreibweise zufolge eine echt tolle Sache zu sein scheint.

Grinsende Grüße!
Christopher

Bleibt noch zu erwähnen…
dass „Cutter“ wohl besser in Kategorie 2 oder 3 aufgehoben ist. Im Amerikanischen jedenfalls heisst das „Editor“ :wink: (Siehe z.B.: http://megacut.com/beruf/cutter/)

*SCNR*

Oder vielleicht sollte man noch eine Kategorie 4 aufmachen: „Falsche Fremdworte“, die aber derart gebräuchlich sind, dass man nicht umhin kommt, sie zu benutzen. (Z.B.: Friseur, Smoking, Oldtimer, Handy, Chauvinist - und wohl auch Cutter…)

Gruß aus dem Norden
Reinhard
(Der es ansonsten ähnlich sieht bzw. hält)

Kategorie 4
Hi Reinhard!

Danke für die Anmerkung!

dass „Cutter“ wohl besser in Kategorie 2 oder 3 aufgehoben
ist. Im Amerikanischen jedenfalls heisst das „Editor“ :wink:
(Siehe z.B.: http://megacut.com/beruf/cutter/)

Das ist zweifellos richtig, aber der gängige Begriff in Deutschland lautet eben „Cutter“. Daher würde auch, wohl oder übel, das Wort „Handy“ für mich in die erste Kategorie gehören. Mobiltelefon in allen Ehren, aber am gebräuchlichsten ist eben immer noch dieses an sich falsch übersetzte Wort.

*SCNR*

Recht so :wink:

Oder vielleicht sollte man noch eine Kategorie 4 aufmachen:
„Falsche Fremdworte“, die aber derart gebräuchlich sind, dass
man nicht umhin kommt, sie zu benutzen. (Z.B.: Friseur,
Smoking, Oldtimer, Handy, Chauvinist - und wohl auch Cutter…)

Ja, das wäre selbstverständlich eine weitere Möglichkeit. Allerdings liegen Übersetzungsfehler wie Friseur (vs. coiffeur), Smoking (vs. tuxedo) oder Handy (vs. mobile phone) länger zurück und sind quasi schon Bestandteil der deutschen Sprache.

Gruß!
Christopher

… eine ausgesprochen „preziöse“ (gemeint:
prekäre) Situation. War ja auch „relitativ“ (gemeint: relativ)
früh am Nachmittag, da kann man schon mal zu viele
„Alkoholikas“ zu sich genommen haben. Schlimm wird’s aber
erst, wenn man zur selben Zeit noch ein „Visa“ beantragen oder
beim „Gynilologen“ (gemeint: Gynäkologen) vorbeischauen muss.

… um sich dort wegen der Pille für´s Töchterlein zu erkundigen, das jetzt in die „Pupatät“ kommt … (SCNR)

Toller Artikel! Chapeau :wink:

Gruß
Kreszenz

Hi grilla,

für manche Fremdwörter finden wir gar keine passenden deutschen Begriffe, da haben sie wohl ihre Berechtigung, obwohl ich der Meinung bin, durch ein wenig Nachdenken ließe sich alles ausdrücken. Eine Schwierigkeit ergibt sich immer wieder aus der Tatsache, dass Hauptwort und Zeitwort keine gleichlaufende Übersetzung haben: Die von dir genannte Präferenz ist eine Vorliebe; präferieren aber heißt bevorzugen. Und so stoßen wir ganz zwanglos auf eine Meise, die das Leben auch nicht erleichtert: Die Neigung, Haupwörter zu verwenden.

Viel schlimmer finde ich allerdings den falschen Gebrauch, der durch Denkfaulheit eingeschleppt wird: Ist eine humanitäre Katastrophe eine menschenfreundliche, wohltätige Katastrophe? Sind sozial Schwache Menschen, denen es an gesellschaftlichen Fähigkeiten gebricht? Von der Art gibt es sicher Dutzende, eher Hunderte. Und deshalb sage ich immer wieder mit uns Omma: „Mit Ihre Fremdwörters können Sie mich jedenfalls nicht imprägnieren“.

Gruß Ralf

Hallo, Grilla

ich gebrauche gern und oft und auch im Alltag Fremdwörter, vor allem lateinische Zitate fallen mir leicht und beständig aus dem Mund. Das ist gleichsam zur zweiten Natur geworden.

Komme ich gar zu meiner Fachwissenschaft, so geht das noch leichter und schneller. Ich glaube aber, dass ich inzwischen gelernt und eingeübt habe, zu unterscheiden, wann ich besser auf solches schmückende Beiwerk verzichten sollte und wann akzeptabel ist, damit zu protzen.

Ich multifiziere aber den Usus von Xenologismen fast bis zum Exzess, wenn ich in einer Diskussion auf Disputanten stoße, die sich als wasserdicht und unwillig erweisen, sich Argumente anzuhören und ernst zu nehmen. Fundamentalisten etwa.

So signalisiere ich dann, dass ich den anderen für nicht satisfaktionsfähig halte. Eloquenz wird dann zur Abwehrwaffe. Im Prinzip ist das der Abbruch des Gesprächs von meiner Seite.

Ebenso werde ich schneidend höflich, wenn ich mich über einen anderen Menschen so richtig ärgere.

Fritz

(Brand)Salve.

Benutzen von Fremdwörtern um Eloquenz (das Wort mag ich

Die Utilisation von Xenologismen, respektive Fachtermini, aus USA und merry old England impliziert ein inkrementiertes Sozialisierungsniveau. Da die Empirik eindeutig belegt, dass bei dichtbestandenen forstwirtschaftlich utilisierbare Areale die systemimmanente Tendenz zur Totalreflektion emittierter Schallwellen signifikant ist, tendiert die Prognose zur generellen Eliminierung der Rezipierbarkeit intendierter Sachwissensvermittlung.

Nur Xylozephaloiden würden dies jedoch hochsterilisieren.

Gruß kw

die ethnische Performance
Hallo Christopher,

Kategorie 3: Hochpeinlich, da falsch
…„Visa“ beantragen oder
beim „Gynilologen“ (gemeint: Gynäkologen) vorbeischauen muss.
BTW: Dass es für die „Tolleranz“ keinen passenden –
„adäquat“ wollte ich erst schreiben – deutschen Begriff gibt,
bedaure ich zutiefst, da das ja rein der Schreibweise zufolge
eine echt tolle Sache zu sein scheint.

eine Nachbarin von mir arbeitet in ihrer Freizeit als Tabledancer (Tischtänzerin?), und erzählt mir von ihrer neuesten Performance (schreibt man das groß oder klein?) in der sie total ethnisch (sie meinte wohl ästhetisch) aussieht.
Ich liebe solche Danebenhauer, weil man´s 1. besser weiß (manchmal) und 2. die Zeit sich nimmt, das Wort für sich mal kurz zu überdenken. Seitdem würde mir solcher Mißgriff nie passieren - doch leider dafür andere *g*.

gruß
grilla

Hallo Fritz,

ich gebrauche gern und oft und auch im Alltag Fremdwörter, vor
allem lateinische Zitate fallen mir leicht und beständig aus
dem Mund. Das ist gleichsam zur zweiten Natur geworden.

wenn nicht du wer sonst :smile:

Komme ich gar zu meiner Fachwissenschaft, so geht das noch
leichter und schneller. Ich glaube aber, dass ich inzwischen
gelernt und eingeübt habe, zu unterscheiden, wann ich besser
auf solches schmückende Beiwerk verzichten sollte und wann
akzeptabel ist, damit zu protzen.

Sprache ist dein Handwerkszeug, nicht wahr. Damit kannst du spielen oder arbeiten, je nach Laune und Gelegenheit.

Ich multifiziere aber den Usus von Xenologismen fast bis zum
Exzess, wenn ich in einer Diskussion auf Disputanten stoße,
die sich als wasserdicht und unwillig erweisen, sich Argumente
anzuhören und ernst zu nehmen. Fundamentalisten etwa.

wenn aus einer Diskussion ein Zweikampf wird, dann wird aus der Sprache eine Waffe.

So signalisiere ich dann, dass ich den anderen für nicht
satisfaktionsfähig halte. Eloquenz wird dann zur Abwehrwaffe.
Im Prinzip ist das der Abbruch des Gesprächs von meiner Seite.

könnte man das an die Wand quatschen nennen? :wink:))

Ebenso werde ich schneidend höflich, wenn ich mich über einen
anderen Menschen so richtig ärgere.

ui, gut zu wissen :wink:))

viele Grüße
Claudia

Und deshalb sage ich immer wieder mit uns Omma:
„Mit Ihre Fremdwörters können Sie mich jedenfalls nicht
imprägnieren“.

Hallo Ralf,
da stimme ich Deine Omma bei: „Am besten einfach gar nicht ignorieren!!!“ (:smile:)
Gruß, Alexander

Hei, Claudia,

Ich liebe solche Danebenhauer,

dann müssten dir die Geschichten der Frau Pollak von Parnegg (eine neureiche jüdische Fabrikantenfrau, deren Mann geadelt wurde und die deshalb glaubte, fürnehmer sprechen zu müssen; es geht die Rede, dass die besten Geschichten von ihr von ihren Söhnen gesammelt und aufgezeichnet und verbreitet wurden) gefallen.

Ein Muster:

Frau Pollak erblickt in der Auslage eines Juweliers ein schönes Brillantendiadem und betritt den Laden, um nach dem Preis zu fragen.
„Fünfzigtausend Kronen!“ sagt der Juwelier.
Darauf Frau Pollak: „Schade! Mein Mann hat mir zwar plein pissoir gegeben, aber das geht über mein Bidet.“

:wink: Fritz

Oder vielleicht sollte man noch eine Kategorie 4 aufmachen:
„Falsche Fremdworte“, die aber derart gebräuchlich sind, dass
man nicht umhin kommt, sie zu benutzen. (Z.B.: Friseur,
Smoking, Oldtimer, Handy, Chauvinist - und wohl auch
Cutter…)

Gruß aus dem Norden

Hallo Reinhard.
Man lernt ja immer gerne dazu, und deshalb würde mich schon interessieren was bei ‚Smoking‘ und ‚Chauvinist‘ falsch ist?

Der ‚Smoking‘ ist seit der Mitte des 19. Jht. die in Berlin, für den Abendanzug aufgekommene Verkürzung von (engl.) ‚smoking-dress‘, den man am Herrenabend im ‚smoking-room‘ des Clubs trug und zu dem ein ‚smoking-jacket‘ gehörte. Die Amerikaner sagen ‚tuxedo‘, oder im Slang einfach ‚tux‘, was aber bei uns nicht üblich ist.

Und dann der ‚Chauvinist‘. Was ist daran falsch. Es ist die seit etwa 1830 in den Sprachgebrauch aufgenommene literarische Figur des kleinen Soldaten Chauvin, der Napoleon mit Waffengewalt zurückholen wollte, und deshalb als Sinbild für den Kriegstreiber herhalten muß. Ob es ihn gab, ist eine andere Sache!

Bitte um Aufklärung.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Hallo, Christopher!

Niemand würde einen Cutter, sprich bei uns
merkwürdiger Weise: Kötter und nicht Katter, als
Schnittmeister bezeichnen. Einerseits korrekt, aber nicht
üblich.

Aber zu meiner Beruhigung steht auf der Türe des Arbeitsraums ‚Schneideraum‘ und die ‚Cutterin‘ sitzt am ‚Schneidetisch‘ und im Filmabspann steht ‚Schnitt: Lieschen Müller‘. Und der der Produzent schimpft das der Film immer noch nicht geschnitten ist. (:smile:)

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Nun, mit dem „Smoking“ ist’s halt wie mit dem „Handy“ - kein englischer Muttersprachler weiss, was damit gemeint ist (auch wenn sich eine etymologische Herleitung aus dem Englischen konstruieren lässt…) Ob und wie weit das „falsch“ ist, lasse ich mal dahingestellt. (Die Diskussion ist ja auch bekanntermaßen unergiebig.)

Und „Chauvinist“ wird ja heute meist in einer weit von ursprünglichen Wortbedeutung entfernten Form nicht für einen kleinkarierten Hurrapatrioten, sondern für einen männlichen Überlegenheitsfanatiker benutzt. (Man mag jetzt streiten, ob das ein passendes Beispiel für diese Kategorie ist - vielleicht brauchen wir ja noch Kategorie 5: „Fremdworte, deren Bedeutung sich nach der Übernahme stark gewandelt hat“ :wink:.

Letztendlich zählt „Chauvinist“ bzw. „Chauvinismus“ wohl zu den Fremdworten, die eine mehrfache Übernahme ins Deutsche erfahren haben - und dies jeweils mit unterschiedlicher Bedeutung. Ich denke da mal an „realisieren“ oder „Expertise“ …

Gruß aus dem Norden
Reinhard

Nun, mit dem „Smoking“ ist’s halt wie mit dem „Handy“ - kein
englischer Muttersprachler weiss, was damit gemeint ist (auch
wenn sich eine etymologische Herleitung aus dem Englischen
konstruieren lässt…) Ob und wie weit das „falsch“ ist, lasse
ich mal dahingestellt.

Da braucht man nichts zu ‚konstruieren‘, es ist ein englischer Begriff des 19. Jht. Daß ihn heute ‚manche‘ Muttersprachler nicht mehr kennen, glaube ich gern, denn weißt Du was ein Ulster, ein Gehrock oder ein Vorhemd ist?

Und „Chauvinist“ wird ja heute meist in einer weit von
ursprünglichen Wortbedeutung entfernten Form nicht für einen
kleinkarierten Hurrapatrioten, sondern für einen männlichen
Überlegenheitsfanatiker benutzt.

Wenn einige Leute ein Fremdwort falsch BENUTZEN ist das deren Problem.
Der Chauvinist ist und bleibt der Kriegstreiber. Der ‚Quantensprung‘ läßt grüßen.
Das Gleiche gilt für den Macker/Maquer, vom franz. ‚le maquereau‘ die Makrele, wegen der silber- oder gold- und schwarzgestreiften Westen die diese Vorstadtcasanovas trugen. Es waren die kleinbürgerlichen Zuhälter der Amateur-Prostituiereten.

vielleicht brauchen wir ja noch Kategorie 5: „Fremdworte,
deren Bedeutung sich nach der Übernahme stark gewandelt hat“
:wink:.

Da stimme ich Dir zu. Aber ich reagiere immer etwas gereizt wenn in diesem Zusammenhang die Argumente auftauchen: Keiner kennt das, alle machen das so, das ist heute üblich, das hat sich eingebürgert usw.
Mir fällt da immer der Vergleich mit den Milliarden von Fliegen ein!
Denn genau diese Einstellung läßt uns auf das niedrige Niveau hinuntergleiten. Die Politik und vor allem die Medien tragen dabei die Fahne voran!
(Ventil zu! Dampf abgelassen!)
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Oder vielleicht sollte man noch eine Kategorie 4 aufmachen:
„Falsche Fremdworte“, die aber derart gebräuchlich sind, dass
man nicht umhin kommt, sie zu benutzen. (Z.B.: Friseur,
Smoking, Oldtimer, Handy, Chauvinist - und wohl auch
Cutter…)

Gruß aus dem Norden
Reinhard
(Der es ansonsten ähnlich sieht bzw. hält)

Durch welches deutsche Wort soll man denn Friseur ersetzen?
Vielleicht… Barbier? :smile: ggg