Suum cuique und sometimes
Hallo, grilla!
Wann sind Fremdwörter besser als die deutschen? Geht es beim
Benutzen von Fremdwörtern um Eloquenz (das Wort mag ich
besonders gern
)), oder drücken diese besser einen Sachverhalt aus?
Ich für meinen Teil unterscheide bei der Benutzung von Fremdwörtern zwischen drei Kategorien, die nicht gut und böse, sondern einfach a, b und c trennen, und von denen ich hoffentlich nur die ersten beiden nutze.
Kategorie 1: Notwendig
In diese Kategorie fallen Ausdrücke, die etwas bezeichnen, wofür ich im Deutschen mehrere Wörter benötigte und dann immer noch den Sachverhalt 100-prozentig getroffen hätte bzw. mir anhören muss: „Ja, sag doch gleich (den entsprechenden Begriff).“ Dazu zählen natürlich viele Fachbegriffe, die im Computer-, Medizinbereich oder in der Branche, in der ich einen Nebenjob habe, Radio und Fernsehen, ihren festen Platz gefunden haben. Niemand würde einen Cutter, sprich bei uns merkwürdiger Weise: Kötter und nicht Katter, als Schnittmeister bezeichnen. Einerseits korrekt, aber nicht üblich. Niemand würde Begriffe wie Steadycam (http://www.slashcam-videox.de/images/texte/170-Clip_…) oder Showopener (Eröffnungsmelodie mit Namensnennung nach Nachrichten, Wetter und Verkehr) mangels deutscher Entsprechung verbannen wollen. In diese Kategorie gehören für mich auf Begriffe wie Osmose, galvanisieren, Laptop, … nicht mehr wegzudenken. Und natürlich die Begriffe, die auf irgendeine Weise historisch belastet sind: „Jedem das Seine“ empfinden einige noch als anstößig, während ihnen das im Titel genannte „Suum cuique“ nichts ausmacht. Auch Präferenz gehört im Zweifel dazu, da sich wie schon von Peter angemerkt, ein Bedeutungsunterschied mit dem Wort „Vorlieben“ ergibt. Man muss sich oft genug selbst dazu anhalten, über die Benutzung eines Fremdwortes nachzudenken und ich stelle oft fest, dass sie unnötig sind. Warum Nuance sagen, wenn es auch Feinheit oder Abstufung ausdrückt? Warum haben wir die beste Story und nicht die spannendste Geschichte? Indes verstehe ich, wenn von Filesharing die Rede ist, und nicht von Dateientausch, da dies quasi ein Fachbegriff ist, der mehr bedeutet, als dass ich nur meiner Oma eine Bach-CD aus der Bibliothek brenne oder meinem Kumpel Office überlasse, damit er es sich draufmachen kann.
Kategorie 2: Eher unnötig
Ich amüsiere mich, wenn der Wettermann von einer Antizyklone schwafelt. Das ist nichts anderes als ein Hochdruckgebiet, was ein absolut gängiges deutsches leicht verständliches Wort ist. Es ärgert mich, wenn es meinen Arbeitgeber nach einem Meeting dürstet. Machen wir dort etwas anderes bei einem Treffen und kommt mehr als raus als bei einer guten deutschen Zusammmenkunft? Mit Sicherheit nicht. Es ist mir ziemlich egal, ob jemand vor mir den „Chapeau!“ zieht oder „Hut ab!“ ruft. Aber je nach Situation ist oft klar, dass derjenige im gleichen Atemzug mit dem Lob den anderen, der das Wort nicht übersetzen kann, ärgern will. Die Falle, in die oft selbst tappe, ist es, englische Begriffe unübersetzt als Zitat ins Deutsche zu schleppen. Ich zitiere gerne aus englischen Songtexten, aber es ist zugegebenermaßen Humbug, wenn ich von meinem „Birthday“ und meinem „Dad“ rede – albern, aber es passiert. Warum downloaden, wenn ich dasselbe auch herunterladen nennen kann? Es ist gibt keinen Bedeutungsunterschied, außer dass ich downloaden nur ziemlich schlecht konjugieren kann. . „Schlampen“ gibt es in Deutschland lange nicht mehr, die „bitches“ sind los, meistens ziemlich „horny“. Und die Musik, die dort läuft, wo man die „horny bitches“ trifft, ist meistens so ziemlich der „phatteste Stuff in town“. *lol* Ähnlich verhält es sich mit den Anglizismen auf Speisekarten: Ich möchte eine Pizza mit Schinken und Zwiebelringen . Gibt’s nicht! Ich muss „ham und onion rings“ bestellen. Finde ich einfach nur bescheuert. Es ist ja völlig in Ordnung, dass ein Ausländer, der hier ein Restaurant aufmacht, seine Gerichte nicht „Teigfladen Meeresfrüchte“, sondern „Pizza Frutti di mare“ oder nicht „Gefüllte feste Pfannkuchen“, sondern „Ropas“ nennt. Aber die Zutaten und ganze Gerichte nur auf Englisch zu beschreiben, vor allem bei einer Kette wie Pizza-Hut, finde ich albern. Anscheinend sind die Speisekarten wenigstens zu großen Teilen direkt aus England/den USA übernommen (sahen dort jedenfalls sehr ähnlich aus), sodass keine Fehler darin sind, aber dazu gibt es ja noch die Kategorie drei. Da tauchen Fälle auf, über die ich mich mehr als „sometimes“ – kennt eigentlich noch jemand das gute deutsche Wort „manchmal“ – aufrege.
Kategorie 3: Hochpeinlich, da falsch
Heute Mittag im Café, Getränkekarte: „Than she kissed me …“ steht dort, umgeben von anderen grottenfalschen englischen Begriffen. Das war mehr als ein Tippfehler. Jeder Engländer würde sich halbtot lachen, ich fasse mir nur an den Kopf. Nicht cool zu wirken ist immer noch lässiger als cool wirken zu wollen und dann völlig daneben zu langen. Neulich hörte ich eine ältere Frau, so zwischen 60 und 70 mutmaßlich, im Radio reden, die sich lauthals freute, dass sie jetzt irgendeinen Sender seit neustem empfangen könne: „Ich bin so habbi.“ Habbi? Ja, „happy“ war sie anscheinend, sprach es aber aus, als ob es ein urdeutsches Wort mit einem „i“ am Ende sei. Da hörte ich auf, zu glauben, das sei ein Phänomen meiner Altersklasse. Neulich hörte ich zum Ausgleich von einem Kumpel, die Musik sei ja echt „hardly“ – ah ja. Und im Fernsehen herrschte bei … hm, welche Talksendung war das, ich hab’s vergessen … eine ausgesprochen „preziöse“ (gemeint: prekäre) Situation. War ja auch „relitativ“ (gemeint: relativ) früh am Nachmittag, da kann man schon mal zu viele „Alkoholikas“ zu sich genommen haben. Schlimm wird’s aber erst, wenn man zur selben Zeit noch ein „Visa“ beantragen oder beim „Gynilologen“ (gemeint: Gynäkologen) vorbeischauen muss. BTW: Dass es für die „Tolleranz“ keinen passenden – „adäquat“ wollte ich erst schreiben – deutschen Begriff gibt, bedaure ich zutiefst, da das ja rein der Schreibweise zufolge eine echt tolle Sache zu sein scheint.
Grinsende Grüße!
Christopher