Hallo strubbel,
jetzt zu Faktoren, welche die Entwicklung von Freundschaften fördern. Der erste, den ich nennen möchte, klingt ziemlich banal, seine Bedeutung wird aber leicht erkennbar, wenn man ein wenig über ihn nachdenkt:
physische Nähe
Die Gegenwart von Personen erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß Freundschaften entstehen.
„Wir mögen die, mit denen wir zusammen sind.“
Gründe:
- „mere exposure effect“: Unbeabsichtigte Kontakte sind häufiger (vgl. Saegert, Swap & Zajonc, 1973; Yinon, Goldenberg & Neeman, 1977).
- Beabsichtigte Kontakte sind leichter möglich (vgl. Festinger, Schachter & Back, 1950).
- Regelmäßiges Zusammensein erleichtert das Entdecken von Gemeinsamkeiten (z.B. bei Freizeitinteressen, vgl. Athanasiou & Yoshioku, 1973).
Der Effekt physischer Nähe wird allerdings durch die Ähnlichkeit der Personen moderiert: Häufiger Kontakt erhöht die Anziehung zwischen Menschen, wenn sich die Person ähnlich sind, erniedrigt sie allerdings, wenn sie sich unähnlich sind oder wenn ihnen unangenehme Verhaltensweisen auftreten. Das letztere weist u.a. auf die Bedeutung hin, die soziale Normen für die Entwicklung von Freundschaften haben. Unterschiedliche soziale Normen erschweren eher ihre Entwicklung, gemeinsame erleichtern sie eher.
Ähnlichkeit
Ein zweiter wichtiger Faktor ist Ähnlichkeit zwischen den Personen bzgl. einer Reihe von Variablen: Ethnie, Geschlecht, Familienstand, Persönlichkeit, Intelligenz (vgl. Hays, 1988) oder auch im Freizeitverhalten (vgl. Werner & Parmalee, 1979). Eine besondere Bedeutung scheint die Ähnlichkeit von Einstellungen zu haben. Je ähnlicher sich die Einstellungen von Personen sind, desto größer ist die Anziehung zwischen ihnen, und je größer die Unterschiede in den Einstellungen, desto geringer ist die zwischenmenschliche Anziehung. Der Effekt von Einstellungsähnlichkeit und -unähnlichkeit ist umso größer, je wichtiger die Einstellungen den Personen sind, in denen sie sich ähnlich oder unähnlich sind (Byrne, 1971). Gründe für die Bedeutsamkeit von ähnlichen Einstellungen sind:
- Menschen mit ähnlichen Einstellungen rufen in uns mehr positive Gefühle hervor als Menschen mit unähnlichen Einstellungen,
- Menschen mit ähnlichen Einstellungen liefern uns mehr soziale Vergleichsinformationen als Menschen, deren Einstellungen uns sehr unähnlich sind (vgl. Theorie des Sozialen Vergleichens).
Normative Verhaltensweisen
Freundschaften werden dadurch aufrechterhalten, daß
- man sich gegenseitig hilft, wenn Hilfe benötigt wird (vgl. auch reziproker Altruismus; Trivers, 1971),
- die Privatsphäre des anderen respektiert wird,
- Vertraulichkeit eingehalten wird,
- man sich vertraut und sich anvertraut,
- den anderen in der Öffentlichkeit nicht kritisiert,
- für den anderen einsteht, auch wenn er nicht da ist.
Diese Verhaltensweisen scheinen Normen der Freundschaft zu bilden, da Freundschaften häufiger beendet werden, wenn sie nicht eingehalten werden.
Außerdem scheinen Freundschaften ihre Bedeutung für Menschen über das Alter hinweg zu ändern. In der Adoleszenz haben sie eine verstärkte Funktion zur Identitätsentwicklung, die später wieder abnimmt.
Grüße,
Oliver